Im Osten was Neues. 600 gegen Nazis und Alltagsrassismus

Ein unmissverständliches Zeichen setzten 600 Menschen am 24.3. im Leipziger Osten gegen Nazis, deren Domizile und gegen Alltagsrassismus und -diskriminierung. „Abschied ist ein scharfes Schwert“* hieß es bereits vor einigen Wochen für eine handvoll bekannte Köpfe der Leipziger Naziszene, die dabei waren in einer Wohnung in der Lange Straße 15 einen Treffpunkt zu errichten. „Abschied ist ein scharfes Schwert“* heißt es wohl auch bald für Christian Pohle und seinen Laden „Fighting catwalk“,[…]  in dem vor allem Bekleidung der Marke „Thor Steinar“ verkauft wird. Nachdem das Ladenschluss-Bündnis den Verwalter des Hauses im Täubchenweg 43b kontaktiert hatte, zeigte dieser sich wenig erfreut über das Sortiment seines Mieters. Seit dem 20.2.  ist am Landgericht Leipzig eine Räumungsklage gegen den Laden anhängig. Intervention bringt also Erfolge.

Die Demonstration richtete sich darüber hinaus gegen eine rechte Alltagskultur, die den Osten der Stadt stark prägt. So ist in Kneipen wie der Frankenstube in der Wurzner Straße das „deutsch sprechen“ Zugangsbedingung, im Käfer, ebenfalls in der Wurzner Straße gelegen, geben sich rechtslastige Akteure die Klinke in die Hand. Bei den letzten Wahlen war der Osten das Gebiet, in dem die NPD am meisten Zuspruch fand. Auf der anderen Seite leben sehr viele MigrantInnen im Osten, zahlreiche Läden auf der Eisenbahnstraße werden von ihnen betrieben, zahlreiche Vereine und Initiativen arbeiten für Integration bzw. Inklusion. Nichts desto trotz schleicht sich der Eindruck ein, dass die Bereitschaft sich für ein diskriminierungsfreies Zusammenleben und gegen direkte Bedrohungen stark zu machen, im Osten eher gering entwickelt ist.
Die Demonstration durch den Osten verstand sich – umrahmt von Diskussionsveranstaltung und Straßenfest – in diesem Sinne auch als Versuch der Initialzündung für kontinuierliche antifaschistische Arbeit im Osten und stadtweite Vernetzung. Wie es nun weiter geht liegt in den Händen vieler Akteure und ist bei weitem nicht auf Protest gegen Läden, Treffpunkte und Übergriffe beschränkt.

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