Das Menschenrecht auf Wohnen steht im Vordergrund!

Der Stadtrat  beschloss im April 2021 den Stadtrat den Start eines Housing-first-Modellprojektes in Leipzig. Damit soll Wohnungslosigkeit nachhaltig bekämpft werden. Hier die Dokumentation meiner Rede, die von meiner Fraktionskollegin Beate Ehms gehalten wurde:

Vor uns liegt das Konzept für ein „Housing-first-Konzept“ wie es von LINKE, Grünen und Freibeutern im Zuge der Debatte und Beschlussfassung Konzept Wohnungsnotfallhilfe im Dezember 2018 angeregt und beantragt wurde.

Ich meine, wir können recht stolz auf das Zusammenspiel von Initiativen aus der Zivilgesellschaft, politischem Willen, und Handeln der Stadtverwaltung sein. Gab es bei der Verwaltung 2018 noch die Auffassung, dass Housing first ja mit dem Modell der Gewährleistungswohnungen in Leipzig und mit Projekten des ambulant betreuten Wohnens in Leipzig schon praktiziert werden würde, hat sich die Perspektive nun richtigerweise geändert.

Housing first kennzeichnet einen sozialpolitischen Paradigmenwechsel; weg von der reinen, zum Teil paternalistischen Hilfe, hin zu Empowerment und Selbstbestimmung. Nicht die vermeintliche Wohnfähigkeit steht im Vordergrund, sondern das Menschenrecht auf Wohnen.

Housing first hat sich nicht nur in den USA, sondern in vielen europäischen Ländern mit durchaus vergleichbaren Sozialsystemen, wie Finnland oder Österreich, als probates und vor allem nachhaltig wirkendes Modell im Kampf gegen Wohnungslosigkeit erwiesen. Bei einem Modellprojekt in Wien haben 97 % der Beteiligten ihre Wohnung behalten und sich stabilisiert.

 

Wir haben in Leipzig ein wachsendes Problem mit Wohnungslosigkeit: Sich verhärtende Armutslagen, Überforderung, Abhängigkeit von Alkohol oder anderen Substanzen, steigende Mieten – das katapultiert Menschen auf die Straße, durch Aufwertung und Neubauten verschwinden Rückzugsräume, die Menschen werden sichtbarer.

Im März letzten Jahres war ich selbst einen Abend mit dem Hilfebus unterwegs und habe wohnungslose Menschen kennengelernt und gesprochen und gesehen, dass das Problem alters- und geschlechterübergreifend existiert und es für die Betroffenen eine riesige Hürde darstellt, ihre Situation zu verlassen, trotz emphatischer Hilfestellungen und Angeboten der sozialen Träger.

Mit Housing first wagen wir einen wichtigen Schritt und holen die Menschen raus aus den üblichen Schleifen: von der Notunterkunft auf die Couch eines Bekannten – mit Hilfe von Sozialarbeitenden der Anlauf für eine eigene Wohnung – Ablehnung: und alles wieder von vorn.

Anstelle dieses Endlos-Kreislaufes können wir Menschen mittels Housing first eine Basis geben ihr Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen.

Das Leipziger Modell folgt – bis auf einen entscheidenden Punkt – den etablierten fachlichen, konzeptionellen Empfehlungen, wir haben diese ja im Rahmen einer spannenden Strategiekonferenz im November 2020 miteinander diskutiert. Bezüglich der sozialen ambulanten Betreuung der Betroffenen stimmen wir dem ÄA der Grünen zu. Das Housing-first-Konzept spricht hier grundsätzlich von Freiwilligkeit, davon sollten wir nicht abweichen. Die Möglichkeit, in eine eigene Wohnung zu ziehen, sollte eben nicht an Bedingungen geknüpft werden. Die verschiedenen laufenden Projekte zeigen aber durchaus, dass die angebotene Unterstützung sehr gern angenommen wird.

Doch lassen sie mich noch ein Wort zu der materiellen Basis des Projekts geben, den Wohnungen. Dass die LWB hier im Boot ist, ist gut und versteht sich für ein kommunales Unternehmen von selbst. Mit dem Ansatz, dass die Menschen aus mindestens drei Wohnungsangeboten wählen können, fahren wir einen würdevollen Ansatz und setzen ihnen nicht etwas Alternativloses vor.  Auch, dass wir keinen Housing-first-Wohnblock konstituieren, sondern die Wohnungen über die Stadt verteilt sind, ist der richtige Weg zur sozialen Integration in die Gesellschaft.

Es ist überaus wünschenswert, dass es gelingt, auch andere Vermieter*innen in die Fortführung des Projektes einzubinden und damit langfristig immer mehr Menschen den Weg von der Straße in eine eigene Wohnung und ein stabilisiertes Leben zu ermöglichen. Denn das ist – auch wenn die Bereitschaft bei Betroffenen heute da ist – ein schier unmögliches Unterfangen. Und ich meine: Vermieter*innen können hier auch etwas gut machen.

Das Gelingen der ersten Projektphase wird ausschlaggebend sein und kann in die Zukunft geschaut auch eine Initialzündung sein.

Sehr geehrter Herr Prof Fabian, liebe Frau Kador-Probst, wissen Sie uns an ihrer Seite das Modellprojekt „Eigene Wohnung“ zu erproben und perspektivisch zur Blaupause im Umgang mit Wohnungslosigkeit in Leipzig zu machen!

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