Vor geraumer Zeit wurde das Objekt Kochstraße 124 von der Central Life Leipzig GmbH, dem Investor der so genannten Thalysia-Höfe verkauft. Hintergrund dieses mehr als 2- Millionenschweren Deals ist es mutmaßlich nötige Zuwegungen und ein „angenehmes Umfeld“ für die Neu-Nachbar*innen in den vollkommen überteuerten Eigentumswohnungen zu sichern. Die Person, die das Ensemble erworben hat und zukünftig möglicherweise Eigentümer desselben sein wird, Henrik Dantz, ist Inhaber zahlreicher gastronomischer Einrichtungen in Leipzig, u.a. der Pinguin-Eisbar, dem Café Central oder dem Barfusz.
Die Kochstraße 124 besteht aus mindestens drei Teilen: dem Vorderhaus, das bewohnt ist, dem Hinterhaus, wo ebenfalls Menschen wohnen, einem Atelier- und Werkstatthaus sowie Garagen.
Die Mieter*innen aller Häuser wurden zuletzt über den Wechsel von Verwaltung und Eigentümer in Kenntnis gesetzt. Zudem wurden sie aufgefordert herumstehende Objekte und einen Anbau (den Eingangsbereich des Ex-Elastic) zu beräumen, dies sollte innerhalb von vier Tagen geschehen.
Am 7. Mai 2019 begann die neue Hausverwaltung Fakten zu schaffen, indem eine Werkstatt und am darauf folgenden Tag auch den Anbau an dem von einem Verein gemieteten Atelier- und Werkstatthaus beseitigt wurden. Die beauftragte Baufirma ging laut Augenzeug*innen rigoros und aggressiv vor. Angekündigt ist zudem die Räumung des vom Verein angemieteten Objektes, ohne dass Kündigungen ausgesprochen wurden.
Für die Wohnhäuser versprich dieses Vorgehen eine klare Sprache. Auch hier seien bereits Drohungen gefallen, die auf Entmietung hinweisen. Von kooperativer und transparenter Kommunikation fehlt jede Spur.
Unterstützt die Mieter*innen, protestiert gegen diese Form des Umgangs und setzt euch für einen der wichtigen selbst gestalteten Fleckchen im Kiez ein!
Update 10. Mai 2019:
Nachdem sich am Donnerstagmorgen zahlreiche Unterstützer*innen und auch Presse vor Ort einfanden, liessen die anrückenden Bauarbeiter von ihrem Vorhaben ab sich weiter auf dem Gelände zu schaffen zu machen. Henrik Dantz, der zwar Käufer, aber noch nicht Eigentümer das Areals ist, lässt sich in der taz zitieren, dass die Zukunft der Fabrik offen ist und dass die Mieter*innen nichts zu befürchten hätten. Geplant sei eine „ganz normale sozial verträgliche Renovierung„. Ob diese Aussagen belastbar sind, ist offen. Einen Etappensieg haben die Mieter*innen errungen.
Jahre sind seit dem vergangen. Repressionen blieben nicht aus . Etappensiege sind vergangen 4mietparteien sind scheinbar nur noch übrig der rest wurde zu dauerhaften RBNB wohnungen, was fürchterliche Ausmaße für die restlichen Mieter angenommen hat. Einige Wohnungen wurden dauerhaft osteuropäischen arbeitern und andren Gastarbeitern für kurzeit zuverfügung gestellt. Auf Anfragen bei angeblicher Hausverwaltung kommen keine antworten nichtmal bei auszug alter mieter scheinbar drückt man sich so vor kautionsauszahlungen o.ä. Rechnungen und andres bekommt die angebliche verwaltung noch hin. Laut Gesetz läuft da einiges schief aber wer Kontrolliert es.
Aber wo denn?
Die Kochstraße 124 am Connewitzer Kreuz – ein übrig gebliebenes Vorder- und Hinterhaus, getrennt durch einen mittlerweile lieblos hinterlassenen Hinterhof.
Für die wenigen verbliebenen Mieter ist es ein Refugium mit bezahlbaren Mieten, das mit Füßen getreten wird. Mieter, die für Gespräche offen sind.
Kaputte Fenster im Hausflur werden ignoriert. Die Bitte an die Hausverwaltung, die Exkremente eines Tieres, das im Hochsommer im Obergeschoss regelrecht explodiert zu sein schien, fachgerecht zu entfernen, blieb unbeantwortet – bis der Geruch so unerträglich wurde, dass sich ein Bewohner erbarmte.
Die Lösung des Hausmeisters für Löcher in einer lang leerstehenden Wohnung und im Dach ist es Eimer mit etwas Sand darunter zu platzieren.
Tauben, die sich durch das Dach arbeiten, machen einzelne Räume im Dachgeschoss längst unbewohnbar vor Lärm. Mauersegler bringen Lausfliegen mit, die Fliegengitter in jedem Fenster zur Pflicht machen.
All das wird von der Verwaltung, dem Hausmeister und dem Vermieter ignoriert.
Aktiv wird Mietern das Gas abgedreht – kurz bevor Außentemperaturen von -11 Grad für zwei Wochen erreicht werden. Monteuren und Mietern, die aufgrund alter Leitungen ein Gasleck oder Ähnliches vermuten, wird jeder Zugang zum Dachboden oder zur leerstehenden Nebenwohnung verwehrt.
„Die Leitungen seien okay“ – ist die Antwort nach lang ignorierten Anrufen auf die Nachricht, dass der Notdienst informiert werden müsse.
Tage danach und Wochen davor rührt sich niemand. Man erreicht niemanden. Die stillschweigende Botschaft ist klar: Die letzten Mieter sollen endlich nachgeben und ausziehen.
Ist es nicht traurig, dass ein denkmalgeschütztes Gebäude durch den Verfall in die Knie gezwungen werden darf?