Widersprüche aushalten – für Frieden, Würde und doppelte Solidarität

Mein Redebeitrag auf der Kundgebung „All Connewitzer*innen are beauftiful“ am 17. Januar 2026.

 

Ich habe mich in den letzten Tagen immer wieder gefragt, was wir alles hätten tun können, wenn wir heute – und in den vergangenen Tagen – nicht so unfassbar viel Energie, Kraft und Emotionen in diese Szenerie hätten stecken müssen.

Wir hätten Menschen außerhalb der Großstadt unter die Arme greifen können.
Wir hätten Geflüchtete unterstützen können.
Wir hätten Leute zum Jobcenter begleiten können.
Oder wir hätten einfach zusammensitzen können um einander zuzuhören und Konflikte zu klären.

Stattdessen stehen wir heute hier, am Ende einer Spirale unfassbarer Polarisierung.

Und so wichtig und gut es ist, dass wir heute hier zusammen können, müssen wir konstatieren, dass die differenzierte Perspektive, die viele von uns vertreten, zwischen groß aufgetürmten Blöcken zerrieben wird.

Vordergründig geht es um eine angeblich „falsche Haltung“ im Israel-Palästina-Konflikt.vUm eine vermeintlich falsche Positionierung dieses Stadtteils, dieser Räume, dieser Menschen.

Nach Handala und Co. gibt es nur eine Wahrheit.
Eine Wahrheit, die mit Lügen, mit Hass und mit Feindmarkierungen durchgesetzt werden soll.

Und ich sage ganz klar: Solche Methoden lehne ich ab. Und ich hoffe, viele von euch hier auch.
Denn es ist eine schmerzhafte Lehre aus unserer eigenen linken Geschichte, dass Dogmatismus und die Unterdrückung von Meinungen ein Irrweg sind und zu Repression und Unfreiheit führen.

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Heute hängt am linXXnet ein Banner mit den Worten:

Kein menschliches Wesen kann nicht beschämt sein über ein Massaker an anderen Menschen.“

Dieser Satz stammt von Sari Nusseibeh, einem palästinensischen Philosophen und Vordenker für Frieden mit Israel.

Und er sagt weiter: „Es gibt jetzt so viel Hass auf beiden Seiten. Es fällt mir schwer, den Traum von gleichberechtigter Koexistenz auf absehbare Zeit verwirklicht zu sehen. Doch wirklicher Frieden kann nur entstehen, wenn jede Seite bereit ist, die andere voll zu akzeptieren, anzuerkennen und zu respektieren.“

Genau hier sollten wir ansetzen. Und nicht bei vollkommen absurden Stellvertreter*innendebatten,
die niemandem helfen: weder den Menschen in Gaza, noch in der Westbank, noch in Israel.

Und genau hier hat das linXXnet angesetzt.

Nach dem 7. Oktober 2023 – dem furchtbaren Terroranschlag der Hamas auf Israel und dem völkerrechtswidrigen Gegenschlag Israels – haben wir Gesprächsräume geschaffen.

Gesprächsrunden, in denen Menschen mit Migrationsgeschichte, jüdische Menschen und weiße linke Aktivist*innen miteinander gesprochen haben.

Mit der Veranstaltungsreihe „between the lines“ haben wir Stimmen aus Gaza und Israel hörbar gemacht, Stimmen aus der palästinensischen und aus der jüdischen Community.

Wir müssen zurück zur Sache und weg von toxischen Debatten.
Zurück zu Positionen, die beide Seiten sehen und den Kampf für Frieden und Gerechtigkeit ernst nehmen.

Dazu gehört eine klare Abgrenzung von terroristischen Gruppen wie der Hamas, deren Handeln das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung immer weiter vergrößert.

Und es gehört genauso dazu, den Druck aufrechtzuerhalten für eine Mäßigung und Friedensorientierung der israelischen Politik und Widerspruch gegen die extrem rechte Regierung unter Nethanjahu.

Jüdinnen brauchen einen staatlichen Schutzraum. Genau wie Palästinenser*innen.

Es geht um ein Leben in Würde und Freiheit, und genau diese Kämpfe gilt es zu unterstützen.

Vor zwei Monaten sagte Hamza Howidy, ein vor der Hamas geflohener Palästinenser, auf unserem Podium im Werk 2: Es braucht Druck für reale, erreichbare Ziele, die der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten helfen.“

Das heißt:
Schluss mit Waffenlieferungen nach Israel. Ja zu Sanktionen gegen Staaten, die Terrorgruppen wie die Hamas unterstützen und gegen die israelische Siedlerbewegung.

Das heißt:
Humanitäre Hilfe für die notleidende Zivilbevölkerung in Gaza. Und Unterstützung für all jene Akteur*innen, die für einen gleichberechtigten Prozess hin zu Frieden und Sicherheit kämpfen.

Unser grundlegendes Prinzip dabei muss die doppelte Solidarität sein.
Ermordete Jüdinnen und Juden sind nicht gegen getötete palästinensische Zivilist*innen aufzurechnen.
Wir müssen fähig sein, Schmerz und Wut über die eine Realität neben der anderen stehen zu lassen und daraus versuchen Kraft für Gemeinsames zu schöpfen. Lasst uns an die Seite deren stellen, die hier und in Israel und Palästina für inklusive Lösungen, für Gerechtigkeit und für Frieden kämpfen.

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