Stadt(teil)entwicklung im Leipziger Süden. Stadt für alle – aber wie?

Diskussionsveranstaltung am 14.2.2012, 18:00 im UT Connewitz, Wolfgang-Heinze-Str. 12a, 04277 Leipzig

Das Schlagwort „Gentrifizierung“ geistert seit geraumer Zeit durch Leipzig. Anlass dafür sind Privatisierung von Wohnblöcken, die vormals in kommunalem Besitz waren, Sanierungen, die Mietsteigerungen und den zwangsweisen Auszug von Mieter_innen nach sich ziehen oder die Errichtung von Einkaufsmärkten, die kleinteilige Gewerbestrukturen verdrängen. Langsam aber sicher werden die Konsequenzen aus jahrelanger privater Investitionstätigkeit und mangelnder gestaltender Intervention durch die Stadtverwaltung plastisch.

Die Debatte um Privatisierung und Aufwertung von Bausubstanz und die damit verbundene Verdrängung von Mieter_innen verschiedenster Coleur – kreative und vernetzte Menschen und Gewerbetreibende – hat am konkreten Beispiel Windmühlenstraße einen ersten Höhepunkt erreicht. Auch im Süden der Stadt führen die sichtbare Ansiedlung von Besserverdienenden und sich intensivierende Sanierungstätigkeit zu Protesten. Seit geraumer Zeit werden beispielsweise Stadthäuser mit Farbbomben bedacht. Bei der Sanierung eines Hauses in der Wolfgang-Heinze-Straße, das nach wiederholten Protestaktionen von einer Securityfirma abgesichert wurde, kam es sogar zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. In der Kantstraße wurden zwei Doppelhauswohnblöcke der LWB an einen privaten Investor verkauft, der sich jetzt schon von Mieter_innen entledigen will um Baufreiheit zu schaffen.

Insbesondere der Ortsteil Connewitz ist wegen seiner Hausbesetzer_innengeschichte und einem breiten Spektrum an politischen und kulturellen Projekten, die Verdienst einer engagierten und  selbstbestimmten Einwohner_innenschaft sind, ein beliebter Lebensort. Mythos und Realität ziehen längst auch Menschen an, die besser verdienen und entsprechende Wohn-Standards erwarten. Immobilienfirmen machen sich diese Nachfrage zu Nutzen. Auf der anderen Seite stehen Genossenschaften, die preiswerten Wohnraum zur Verfügung stellen und der kapitalistischen Verwertungslogik zumindest im kleinen Maß entkommen wollen, Stadtteilbewohner_innen, die die alternative Spezifik des Stadtteils erhalten wollen, ältere Menschen, die ihren Lebensabend im Kiez verleben oder Erwerbslose bzw. Geringverdienende, die hier ihren Lebensort haben bzw. halten wollen.

In einer Podiumsveranstaltung soll die angerissene Problematik vertieft werden.

→ Ist „Gentrifizierung“ der passende Begriff um die Entwicklungen im Leipziger Süden zu beschreiben?
→ Welche Veränderungen in Sachen Wohnsubstanz und Bevölkerungszusammensetzung sind in den letzten Jahren zu verzeichnen? Gibt es wirklich einen Trend hin zur Verdrängung von sozial Benachteiligten und von (linker) Alternativ-Kultur?
→ Ist die Aufwertung unweigerlich mit Verdrängung verbunden?
→ Welche Rolle spielen alternative Projekte (Genossenschaften, Kulturprojekte) für den Prozess der Aufwertung des Stadtteils?
→ Wie kann eine soziale, demokratische Stadt/teil/entwicklung aussehen?

PodiumsteilnehmerInnen:
Prof. Dieter Rink (Umweltforschungszentrum Leipzig, stellvertretender Leiter des Departments Stadt- & Umweltsoziologie)
Katharina Weise (Rosa Luxemburg Stiftung, Herausgeberin der Reihe „Chrashkurs Kommune“)
Karsten Gerkens, Amtsleiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung
VertreterIn Alternative Wohngenossenschaft Connewitz
VertreterIn IG Kantstraße

Moderation: Juliane Nagel
Veranstaltet von DIE LINKE. Stadtbezirksverband Süd und linXXnet e.V.

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