Review Proteste gegen den Naziaufmarsch in Leipzig-Lindenau am 18.5.14

Rund 1000 Men­schen pro­tes­tier­ten am heu­ti­gen Sonn­tag, 18.​5.​2014 gegen einen Auf­marsch der NPD-​Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on JN in Leip­zig-​Lin­denau. Die führende Riege der regionalen Nazipartei hatte zum Unmut der sächsischen Parteiführung dazu aufgerufen gegen „linken Straßenterror“ auf die Straße zu gehen. Aufgrund des breiten Protests wurde die Route des kläglichen Nazihaufens erheblich verkürzt.

An ver­schie­de­nen Stel­len auf der an­ge­mel­de­ten Route der Nazis – Dreilindenstraße – Zschochersche Straße – Lützner Straße, Odermannstraße – hatten sich zahl­rei­che Men­schen ver­sam­melt. Darum wurde der Auf­marsch zu­erst um­ge­lei­tet und sollte seinen Weg über die Demmeringstraße – William-Zipperer-Straße durch die Uhlandstraße führen. Auf­grund einer Sitz­blo­cka­de auf der Ge­org-​Schwarz-​Stra­ße Ecke Uh­land­stra­ße muss­ten die le­dig­lich 150 Nazis schließ­lich nach kur­zer Lauf­stre­cke zum Lin­de­nau­er Markt zu­rück­keh­ren.

An die 1000 Menschen hatten sich trotz strömenden Regens auf den Straßen Lindenaus eingefunden. Ziel war es zivilen Ungehorsam gegen den Naziaufmarsch zu üben. Auch aus der An­woh­ner­schaft gab es krea­ti­ve Pro­test­ak­tio­nen: aus zahl­rei­chen Häu­sern hin­gen Trans­pa­ren­te, aus zahl­rei­chen Fens­tern schall­te Musik, Müllcontainer wurden kreativ umgenutzt.
Der Pro­test war über­wie­gend ge­walt­frei, daran kön­nen auch ein­zel­ne Bar­ri­ka­den-​Bau­ten nicht rüt­teln. Wer sich jetzt an Bildern von umgekippten Containern oder der einen brennenden Barrikade aufhängt, verkennt die Gesamtheit des notwendigen Widerstandes gegen den Aufmarsch derer, die die Menschenwürde immer wieder in Wort und Tat verletzen.

Das Vor­ge­hen der Po­li­zei war an jenem Sonntag an man­chen Stel­len ex­trem über­zo­gen. Die fried­li­che Sitz­blo­cka­de an der Uh­land­stra­ße wurde an­fangs bru­tal ver­sucht aus­ein­an­der­zu­trei­ben. In an­de­ren Stra­ßen gab es wahr­li­che Hetz­jag­den und tätliche Ausfälle gegen De­mons­tran­tIn­nen.
Immer wieder geht die Polizei auf der Straße in dieser harten Form gegen Nazi-GegnerInnen vor. Zuletzt wurde in Plauen von der Polizei eine Kirche gewaltvoll geräumt, zirka 200 DemonstrantInnen mussten zudem stundenlang in einem Kessel ausharren und sich dann grenzwertigen Maßnahmen unterziehen.
Durch ein sol­ches Vor­ge­hen wird der Pro­test gegen Nazis dis­kre­di­tiert. Men­schen werden von Staats wegen ein­ge­schüch­tert sich zi­vil­ge­sell­schaft­lich zu en­ga­gie­ren. Am 18.5. wurde einmal mehr bewiesen, dass insbesondere die sächsische Polizei dringend Schulungen in Sachen Kommunikation und gewaltfreier Interaktion braucht.

Fraglich bleibt außerdem eines: Die Nazis wurden vom Hauptbahnhof mit Sonderbussen zu ihrem Demoauftakt auf den Lindenauer Markt gefahren. Wer hat diese Busse auf welcher Grundlage gestellt und wer hat den Transfer bezahlt? Die Antwort auf diese Fragen wird eine Anfrage an den Oberbürgermeister in der Stadtratssitzung im Juni offenbaren.

Zuletzt bleibt ein riesiger Dank an die, die sich den Nazis heute entgegengestellt haben. Sicherlich muss in Zukunft noch intensiver über Formen effektiver und kollektiver Intervention gegen Neonazis(mus) gesprochen werden.

4 Gedanken zu „Review Proteste gegen den Naziaufmarsch in Leipzig-Lindenau am 18.5.14“

  1. „Wer sich jetzt an Bildern von umgekippten Containern oder der einen brennenden Barrikade aufhängt, verkennt die Gesamtheit des notwendigen Widerstandes gegen den Aufmarsch derer, die die Menschenwürde immer wieder in Wort und Tat verletzen.“

    StGB § 303 Sachbeschädigung
    StGB § 306 Brandstiftung

    Mehr muss man glaube ich nicht sagen Frau Nagel! Was wenn durch Wind, Brandgut zur Gefährdung von Personen führt oder zu schlimmeren? Sagen sie dann noch immer „man soll sich daran mal nicht so aufhängen“?

    „Am 18.5. wurde einmal mehr bewiesen, dass insbesondere die sächsische Polizei dringend Schulungen in Sachen Kommunikation und gewaltfreier Interaktion braucht.“

    Haben sie sich mal in die Position eines Polizisten eingefühlt? Denken sie es ist schön der Prügelknabe zwischen zwei Fronten zu sein? Ich glaube viele Polizisten denken wie ich! Wenn man rechts einfach ignoriert und ihnen durch linke Provokation nicht ständig eine Bühne gibt, hätte rechts weniger Zuspruch. Wissen sie eigentlich was viele in der Bevölkerung denken? Lesen sie ab und an Kommentare wie z.B. in der LVZ? Oft steht da geschrieben das man mit rechts nichts am Hut hat, aber Demonstrationen ein Grundrecht für jeden deutschen ist. Und das wenn man sie einfach laufen lässt, der ganze spuck in zwei Stunden vorbei ist. Aber das durch die ständigen Gegendemos Mehr kosten entstehen und das ganze unnötig in die Länge gezogen wird! Und ganz ehrlich Frau Nagel, von welcher Seite entstehen die meisten kosten und Schäden an öffentlichen und privaten Eigentum?

    „Fraglich bleibt außerdem eines: Die Nazis wurden vom Hauptbahnhof mit Sonderbussen zu ihrem Demoauftakt auf den Lindenauer Markt gefahren. Wer hat diese Busse auf welcher Grundlage gestellt und wer hat den Transfer bezahlt? Die Antwort auf diese Fragen wird eine Anfrage an den Oberbürgermeister in der Stadtratssitzung im Juni offenbaren.“

    Bitte was ist das für eine Frage?! Wäre es ihnen lieber wenn man es unkontrolliert auseinandergehen lässt und sich rechte und linke vielleicht noch Schlägereien liefern?! Statt es zu begrüßen dass man so gehandelt hat, schreien sie hier noch nach ein paar Euro für die Beförderung hinterher! Wo ist hier die Frage von ihnen, wer für die Schäden an privatem Eigentum aufkommt? (Containern) Bitte Frau Nagel, es gibt sicher größere Probleme in der Stadt wo sie sich Einsätzen können, als Fragen nach ein paar Euro zu stellen!

    „Zuletzt bleibt ein riesiger Dank an die, die sich den Nazis heute entgegengestellt haben. Sicherlich muss in Zukunft noch intensiver über Formen effektiver und kollektiver Intervention gegen Neonazis(mus) gesprochen werden.“

    Da gebe ich ihnen Recht… Weil Frau Nagel, ich auch kein Rechter bin, aber ein Problem damit habe, wie hier mitunter argumentiert wird und wie Demos zu oft am Ende ausgehen!

  2. Ja es gab diese Sachbeschädigungen, aber es ist verfälscht zu berichten, dass diese überwogen haette, ich habe an vielen Stellen Menschen friedlich beeinander stehen sehen, die keinen Bock auf Nazis in ihrem Kiez oder generell auf der Straße hatten. Das war das entscheidende Bild. Das was BILD etc zuspitzen, muss ich nicht wiederholen, bzw will es v.a. korrigieren! Waren Sie denn in Lindenau?
    Bei den Sitzblockaden hat NIEMAND die Polizei angegriffen, im Gegenteil hat die bewaffnete und mit Uniform und HElmen geschützte Polizei gegen vollkommen wehrlose Menschen durchgegriffen. An anderen Stellen wurde Menschen wie Vieh gejagt. Haben Sie das schon mal erlebt??
    ES gibt ein Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. Dieses galt an jenem Sonntag auch für die GegnerInnen der Nazis. Es wurde mit Gewalt weggeprügelt an vielen Stellen. An der Uhlandstr hatte die Polizei kurz ihre Strategie verändert und das war gut so. Aber eben nur kurz.
    Wenn wir die Nazis laufen lassen. dann werden sie immer öfter solche Demos haben, vor allem aber Nazipropaganda widerspruchslos hinnehmen. Das wollen in Leipzig scheinbar viele Menschen ncht und ich denke selbst, dass dies ein fataler Fehler wäre, weil es Naziideologie normalisieren würde. Ich denke zudem, dass viele Menschen bei diesen Aktionen aktiv Gesellschaft gestalten bzw zumindest klar machen, dass sie in einer humanistischen, demokratischen Gesellschaft leben wollen. Das unterstütze ich auf jeden Fall. Immer.
    Sie wissen vielleicht, dass ich oft an der Organisierung von Demonstrationen – dem höchste Gut der kollektiven Ausübung der Meinungsfreiheit – beteiligt bin. Ich habe noch nie erlebt, dass uns Busse zur Verfügung gestellt wurden, die uns zur Demo geführt haben. Ich möchte – viele möchten – wissen wie das funktioniert. Sie haben ihre Antwort ja schon, ich möchte mehr wissen.

  3. Ja wir leben in einer sogn.Demokratie
    nie wieder Krieg -nie wieder Faschismus
    die NPD oder jede rechtspopulistische Partei repräsentiert die Folgen der Vergangenheit.
    Daher ist es unsere Pflicht unsere Meinung offen und sei es mit Nachdruck laut stark geschlossen auf die Straße zu bringen ….Faschismus ,Rassismus,und die Folgen daraus resultierend sind keine Meinung sondern ein Verbrechen an unsere Gesellschaft..und solange diese Verbrechen eine Zustimmung bekommt und Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“ (Bertolt Brecht)
    mit allen Mitteln des zivilen ungehorsam.

    Also NPD und ihre rechtspopulistische Parteien verbieten für eine bessere gesunde Gesellschaft unserer Kinder.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.