Rede zur Schließung des Offenen Freizeittreff „Zirkel“

Umwandlung des Offenen Treffs „Zirkel“ in ein Begegnungs- und Familienzentrum. Eine kleine Perspektive für den Leipziger Osten?

Rede zur Vorlage „Schließung des Offenen Treffs Zirkel“ in der Stadtratssitzung am 18.5.2011. Der Änderungsantrag der Linksfraktion zur Umwandlung in ein Familien-, Bildungs-, Spiele- und Begegnungszentrum wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Niemand schließt gern Jugendzentren, aber es muss eben sein. Die Zahl der NutzerInnen ist zurückgegangen, wir müssen den Gürtel enger schnallen, es handelt sich doch nur um eine freiwillige Aufgabe, bei den Freien Trägern wurde schließlich auch massiv gekürzt. So könnte die Begründung für die Schließung des Offenen Freizeittreffs Zirkel lauten, über die wir hier und heute zu befinden haben.

Doch die Geschichte stellt sich nicht ganz so einfach dar.
Im Rahmen der Haushalts-Debatte haben wir immer wieder über das Thema Jugendhilfe diskutiert. Wie viel Geld wollen wir uns als Kommune für diesen Bereich leisten und wie viel können wir uns angesichts der dramatischen Kürzungen des Landes leisten? Zur Erinnerung: bereits im Jahr 2010 wurde die Jugendpauschale, die vom Land pro Kopf und Jahr für die unter 27-jährigen gezahlt wird, um 30 % abgesenkt. Eine Kürzung, die direkt an die Freien Trägern der Jugendhilfe weitergereicht wurde. Doch auch zwei kommunale Offene Treffs sollten als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung geschlossen werden. Um welche es sich dabei handeln sollte, darüber schwieg sich die Verwaltung trotz mehrmaliger Nachfragen aus.

Durch die Initiative einzelner StadträtInnen konnte der OFT Crazy in Paunsdorf – einer der Schließkandidaten – gerettet werden. Anders sieht es beim beim „Zirkel“ aus. Der OFT im Zentrum- Ost hat keine so große Lobby. Das mag auch am Weggang der Ludothek des Freizeithäuser e.V. aus dem Haus in der Lange Straße 25 liegen. Als Mitte des vergangenen Jahres Baumaßnahmen – der Einbau einer Feuertreppe – angekündigt wurden, zog die Ludothek aus, da damit eine Weiterarbeit in den Räumlichkeiten unmöglich gewesen wäre. Komisch nur, dass diese Maßnahme kurz danach aus Gründen des Denkmalschutzes als gar nicht machbar eingeschätzt wurde.

Mit ihren fast 4000 Gesellschafts-Spielen ist die Ludothek des Freizeithäuser e.V. nun im OFT Bagger in Thekla ansässig. Mir der Nutzung der Räumlichkeiten dort gibt es faktisch keine Probleme, doch ist die Lage am Rande der Stadt für Spiele-Verleih und die Spiele-Zusammenkünfte, die der Freizeithäuser e.V. anbietet, mehr als nachteilig. Viele ehemalige NutzerInnen kommen einfach nicht nach Thekla. Damit ist die Ausstrahlungskraft der Ludothek in hohem Maße geschmälert.

Wenn wir den „Zirkel“ und sein Einzugsgebiet betrachten, sprechen wir über den Leipziger Osten. Denn hier kommen die Kinder, Jugendlichen und Familien her, die den OFT bzw. die Spieleangebote nutzen und genutzt haben. Die wenigen, die jetzt noch kommen, sind zum großen Teil FörderschülerInnen. Uns liegt heute noch der Sozialreport 2010 vor. Darin ist gut abzulesen, dass der Leipziger Osten neben dem Westen ein mit vielen Problemen behafteter Stadtbezirk ist. Die Zahl der ALG II- bzw. Sozialgeld-EmpfängerInnen ist hier überdurchschnittlich hoch, erreicht in Neustadt-Neuschönefeld und Volkmarsdorf fast 50 %, betroffen dazu sind vor allem Kinder und Jugendliche.
Materielle Armut geht mit Bildungsarmut und soziokultureller Armut einher. Dies lässt sich auch am überdurchschnittlichen Anteil von Lern-förderschülerInnen ablesen: in den Ortsteilen Volkmarsdorf, Neustadt-Neuschönefeld, Sellerhausen und Anger-Crottendorf liegt deren Anteil zwischen 6 und 10 %, der Stadtdurchschnitt liegt bei ca. 3 %.

Wollen wir genau dort ein Angebot abziehen, wo die Stadt expliziten Handlungsbedarf in den Bereichen Armut, Arbeit, Bildung und Teilhabe ausmacht, oder wollen wir nicht lieber versuchen den Standort mit einem neuen Konzept, das auf genau diese Lebenslagen reagiert, zu erhalten? Wir wissen, dass die Stadt Leipzig im Leipziger Osten viele Maßnahmen ergreift um den Problemen Herr zu werden, doch läßt sich das Haus in der Lange Straße 25 dabei nicht integrieren?

Die Linksfraktion schlägt ihnen mit dem vorliegenden Änderungsantrag für das bisher als OFT „Zirkel“ genutzte Haus in der Lange Straße 25 einen neuen Weg vor, nämlich die Umwandlung in ein Familien-, Bildungs-, Spiele- und Begegnungszentrum. Verschiedene Vereine könnten sich mit ihren Freizeit-, Bildungs- und Beratungsangeboten unter dem Dach des Hauses vereinen, entsprechende Interessensbekundungen gibt es bereits. Die Ludothek soll dabei zentrales Element des Zentrums werden, der „Freizeithäuser“ e.V. käme als Träger des Gesamtangebotes in Betracht, von seiner Seite gibt es bereits schriftlich fixierte Ideen für eine solche Neuausrichtung des Hauses.
Die Linksfraktion schlägt vor, schnellstens ein konkretes Konzept zu entwickeln, im Jugendhilfeausschuss zu diskutieren und zu bestätigen.

Der Leipziger Osten braucht neue Wege, Wege, die insbesondere Kindern, Jugendlichen und Familien Perspektiven weisen. Ein Familien- und Begegnungszentrum, in dem kostenlose Freizeit- und Treffmöglichkeiten zur Verfügung stehen, in dem sich Menschen in schwierigen Lebenslagen beraten lassen können, würde eine solche, zumindest kleine Perspektive aufmachen.

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