LED-Beleuchtung in Connewitz. Anti-ökologische Konsequenzen einer Sabotage-Aktion

Nachdem es Mitte April massive Zerstörungen von LED-Lichtanlagen in Leipzig-Connewitz gab, wurden die Straßenlampen zum großen Teil wieder umgerüstet

Bereits Ende des vergangenen Jahres waren in der Herderstraße, Mathildenstraße, Basedowstraße und Simildenstraße in Connewitz LED-Leuchten im Straßenbereich eingesetzt worden. Ausgespart ist bisher das eigentliche Testgebiet des Projektes „Intelligente LED-Beleuchtung“ in der Wolfgang-Heinze-Straße bis zur Brandstraße. Hier soll das Beleuchtungssystem mittels Sensoren auch Bewegungen und Wettereinflüsse erkennen und sich in Beleuchtungsstärke und Lichtfarbe daran anpassen können.
In informellen Kiez-Gesprächen wurde viel Unmut über die Umrüstung der Straßenbeleuchtung geäußert – hier ging es vor allem um die Leuchtstärke und Farbe der eingesetzten LED-Leuchten. Nur zwei Menschen beschwerten sich allerdings bei der Stadtverwaltung (verantwortlich ist das Verkehrs- und Tiefbauamt, Abteilung Stadtbeleuchtung, Tel. 1239001). Andere griffen lieber zu drastischeren Mitteln. Konsequenz dessen ist, dass nun wieder die traditionellen Natriumdampfhochdrucklampen eingesetzt wurden bzw. werden.

Wer dies triumphierend zur Kenntnis nimmt, denkt zu kurz bzw. falsch. Zwar ist das Fehlen echter Beteiligung oder eines transparenten Verfahrens für Beschwerden berechtigerweise zu kritisieren, die Rückumrüstung ist jedoch vor allem in ökologischer Hinsicht ein Rückschritt. Mit dem Einsatz von LED-Leuchten können Energieverbrauch und CO2-Ausstoß um etwa 50 % gesenkt werden. Dies hat positive Auswirkungen auf die Klimaentwicklung und ist unterm Strich auch noch billiger. Klingt nach einem echten gesellschaftlichen Nutzen.
Vom generellen Einsatz von LED-Leuchten in den Nebenstraßen sind die Hightech-Systeme, die auf äußere Einflüsse reagieren, wie es in der Wolfgang-Heinze-Straße geplant ist, abzugrenzen. Hier ist angesichts der potentiellen Kontrollmöglichkeiten des Geschehens im öffentlichen Raum Skepsis angebracht.

Dass die Stadtverwaltung auch anders kann, zeigt übrigens das LED-Straßenbeleuchtungs-Testprojekt im innenstadtnahen Kolonnadenviertel. Hier wurden die AnwohnerInnen weit vor dem Beginn der Umrüstung der Beleuchtung umfassend beteiligt. Sie konnten ihre Präferenzen zur „gestalterischen Aspekten der Tag-Nacht-Wirkung, Blendwirkung und Lichtfarbe formulieren. Ab April soll die auf LED-Leuchten in „warm-weißem Lichtton“, den sowohl die dort lebenden Menschen als auch die Verwaltung präferierten, umgerüstet werden. (siehe LVZ-Artikel vom 8.3.2013)

In Connewitz fehlte dieses Beteiligungselement. Außer einem Fragebogen, mit dem im vergangenen Sommer bei AnwohnerInnen der Wolfgang-Heinze-Straße die Zufriedenheit und das Sicherheitsgefühl bei bestehenden Straßenbeleuchtungsverhältnissen abgefragt wurde, wenigen Zeitungsartikeln und der Vorstellung des bereits laufenden Projektes im Stadtbezirksbeirat Süd gab es im Zuge der Umsetzung des Vorhabens keine nennenswerte Information oder gar Beteiligungsmöglichkeit für AnwohnerInnen. Selbst ExpertInnen kritisierten die in den Nebenstraßen installierten LED-Leuchten als zu grell (weiß) und hell. Zu einer wahrnehmbaren Änderung kam es jedoch nicht.

In Bezug auf die ausstehende Umrüstung der Wolfgang-Heinze-Straße soll laut Aussage der Verwaltung nun durch die projektmanagende evermind GmbH informiert und „nochmals um Akzeptanz geworben“ werden.

7 Gedanken zu „LED-Beleuchtung in Connewitz. Anti-ökologische Konsequenzen einer Sabotage-Aktion“

  1. Sie bezeichnen Sachbeschädigung mal wieder als „Aktion“.

    Das dies so kommen musste, war abzusehen. Immerhin haben Sie durch Ihre Aktivitäten dazu beigetragen, dass sich entsprechende Chaoten gefunden haben, um diese „Aktion“ zu starten. Anstelle eine Anfrage (03.12.2012 V/F379) an den Stadtrat zu stellen, in der Sie die Straßenbeleuchtung als Gegenstand zur „Überwachung und Kontrolle“ darstellen, hätte Sie ihren Wählern sagen sollen: „Der Gedanke, dass eine Straßenbeleuchtung etwas mit Überwachung und Kontrolle zu tun hat ist Schwachsinn. Sie soll die Straße beleuchten und sonst nichts.“
    Sie hätten die Entscheidung der Stadt für die LED Beleuchtung in Ihrem Stadtteil verteidigen müssen. Aber nein, Sie gehen dagegen vor… Jetzt sehen Sie die Folgen, und versuchen Ihre Hände in Unschuld zu waschen.

    Das schlimmste ist allerdings, dass es offensichtlich hilft die Dinge welche einen stören zu zerstören.
    „Andere griffen lieber zu drastischeren Mitteln. Konsequenz dessen ist, dass nun wieder die traditionellen Natriumdampfhochdrucklampen eingesetzt wurden bzw. werden.“
    Hierdurch wird den Chaoten signalisiert, zerstöre was dich stört, dann bekommst du was du willst.

    Man hätte die LED Beleuchtung, unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse, wieder herstellen müssen.

  2. Lieber Falk.
    da basteln sie sich ihre Welt ja mal wieder schön zurecht. Ich würde meinen: die Skepsis war vorher da.. und ich habe mich dem angenommen.
    Btw hat die BILD zuerst den Zusammenhang zwischen dem Testprojekt und dem Mythos Connewitz aufgemacht..
    Und sie liegen falsch: Strassenbeleuchtung hat ganz sicher und immer eine ordnungspolitische Funktion.

  3. ach, der falk schon wieder. sind da nicht noch genug fragen unter dem anderen beitrag, die sie noch nicht beantwortet haben? zu ihrem kommentar hier passt eigentlich sehr gut der standartsatz von dieter nuhr. kennen sie ja sicherlich.

    versteh gar nicht was das problem ist. die menschen wurden nicht nach diesen neuen lampen gefragt, wobei lampe es schon gar nicht mehr trifft, in der simildenstraße waren es schon eher flutlichter. man kam sich vor wie im stadion. auf proteste von anwohnern wurde nicht reagiert. da gab es sicherlich auch mehr als nur zwei anrufe. aber es zeigte ja auch, dass es nichts bringt da anzurufen. an der lichteinstellung wurde monatelang nichts verändert. da muss es einen auch nicht wundern, dass irgendwann mal selbst hand angelegt wird. in der hinsicht danke ich den „sachbeschädigern“ für ihre „handlung“ (steht nämlich für aktion).

    jetzt gibt es wieder das alte licht, wesentlich angenehmer.

    in connewitz hat sicherlich niemand was gegen stromsparende lampen, aber doch nicht einfach sowas hingeknalltes, was in jeder straße anders ist, weil firmen mal ihre LEDs testen wollen. dazu noch dieses blöde weiße licht, ja LED geht auch in gelber farbe. und dann wird es nicht mal runtergeregelt, wenn es einfach nur noch übertrieben ist, was es hier für alle offensichtlich war. daher nochmal danke.

    warum jule jetzt jeden scheiß der von der stadt hier gemacht wird verteidigen muss, weiß wohl nur der kluge falk. die lampen waren auch schon vor der anfrage im gespräch und ich hab auch in den letzten monaten niemanden getroffen, der das licht gut fand. aber ist ja klar in connewitz darf es nur noch flutlicht geben, schreckt ja die „chaoten“ ab. selten so ein blödsinn gelesen.

    falk, hier wurde über die kopfe der anwohner entschieden und auch nicht mehr kommumniziert, ist doch genau ihr thema. hoffentlich macht bald die unterkunft bei ihnen auf, damit sie „ausländern“ auf die finger schauen können und hier nicht mehr ihren blödsinn ablassen können. sie brauchen wohl auch endlich eine blockwart aufgabe.

  4. Hallo Bernd,

    bei dem anderen Beitrag warte ich seit ca. einer Woche auf die Fragen… Nach meiner Wahrnehmung, habe ich alle beantwortet. Wenn dem nicht so ist, sollte Kandidat X die Fragen doch bitte klar und deutlich formulieren… Aber das ist ein anderes Thema…

    Menschen wurden nicht gefragt… Kommt mir bekannt vor…
    Auf Proteste wurde nicht reagiert… Kommt mir bekannt vor…
    Stadtbezirksbeiratsbeschlüsse wurden ignoriert… Kennen Sie noch nicht…

    Da die Stadt eine Entscheidung getroffen hat, müssen die Anwohner sich damit abfinden bzw. am besten tatkräftig unterstützen. So jedenfalls wird es bei anderen Entscheidungen verlangt.

    Das Wort „Aktion“ ist allerdings positiv belegt. Es lässt etwas Gutes dahinter vermuten. Frau Nagel hat dieses Wort auch bewusst gewählt. Sie möchte ihren Aktivisten nicht zu nahe treten…

  5. ABER: Lampen sind keine Menschen. Das hatten wir schon mal. Lampen lassen sich austauschen, ganz leicht und locker, wenn sie stören, was hier der Fall war. Sie wissen noch gar nicht ob die Menschen stören werden, behaupten es aber auf Grundlage rassistische rZuschreibungen. Mit Menschen kann mensch dann übrigens auch reden über gemeinsame Nachbarschaft, mit Lampen nicht.. Darum hinkt dieser Vergleich ihrerseits, wenn er kontextlos daherkommt..
    Aktion ist für mich — sie könnten mich auch direkt ansprechen – neutral. Es gibt Zerstörungsaktionen, es gibt aber auch Verschönerungsaktionen. Es gibt Reaktionen, Baumpflanzaktionen oder Sabotageaktionen. Ein bisschn weniger Zuschreibung, würde ich ihnen vorschlagen, aber das scheint ja eine beliebte Praxis ihrerseits..

  6. Hallo Jule,

    es geht um Menschen. Damit haben Sie in jedem Fall Recht. Es geht um Menschen welche um ihre Miete bangen, es geht um Menschen welche sich durch Licht gestört fühlen, es geht um Menschen welche einen Ort der Sicherheit suchen.

    Was immer wieder wiederholt ist der Umgang der Stadt mit den Menschen. Und da fühlen sich die Menschen unter der LED Sonne genauso schlecht mitgenommen wie die Anwohner hier. Nur der Unterschied ist, hier darf man bitte nicht gegen die Sache protestieren. Ich hoffe, dass es hier nicht zu irgend welchen „Aktionen“ kommt.

    Aktuell geht es auch nur um ein Gebäude, dass ist sicherlich größer als eine Lampe aber doch nur ein Gebäude…

    Ich kann sicherlich nicht wissen, ob die Menschen stören werden. Ich persönlich glaube es noch nicht einmal. Die Frage ist nur, und die sollte vorher geklärt sein, wie geht die Stadt damit um wenn doch…

  7. Hallo,
    Straßenbeleuchtung ist immer ein ordnungspolitischer Zug der Stadtoberen-genauso wie Kameraüberwachung (die durch nicht ausreichende Beleutung garnicht erst möglich wäre).
    Scheinbar gibt es einfach Menschen die mit anderen Menschen wiederum Probleme haben und folglich auch garnicht auf die Idee kommen, was es bedeutet als bsp.-sweiser Obachlose_r / Drogenabhängige_r perversen grellen Licht ausgesetzt zu sein. In Bahnhofstoiletten ist es ja bekanntermaßen klar welches Ziel damit verfolgt wird: Vertreibung von als „unliebsame“ kategorisierte Mitmenschen! Ist das nicht unmenschlich genug, soll das jetzt noch auf alle Straßen umgesetzt werden? Das da wieder argumentiert wird es geht um das Wohl der Bürger_innen ist nur folgerichtig in einem System das auf Verwertbarkeit ausgelegt ist. Daher lieber Falk: Kauf dir ne 100 Watt LED Birne (oder eine welche die gleiche Ausgangsleistung hat) bau Dir die übers Bett und dann versuch mal da drunter zu schlafen. Viel Spaß!

    Jemensch

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