Kommentar zum Beitrag „Initiativen bilden ein Netzwerk“ aus der LVZ MTL 27.1.2012

Die LVZ Muldental schreibt am 27.1.2012 über die Gründung des Netzwerkes 360 Grad und kann sich Seitenhiebe auf beteiligte antifaschistische Initiativen nicht verkneifen. Darauf antwortet das Netzwerk Naunhof:

Beitrag der LVZ hier zum Nachlesen.

Kommentar

Dass die offizielle Politik, die Lokalpresse und auch Teile der Stadtgesellschaft in Wurzen nicht mit Kritik umgehen könnten, mussten Menschen, die sich gegen Neonazis engagieren in den vergangenen Jahren, des öfteren erfahren. Und nachtragend ist mensch in Wurzen also auch noch. Wie anders ist es zu erklären, dass die Information über einen neuen Zusammenschluss von Initiativen, Vereinen und Einzelpersonen aus den Landkreisen Leipzig, Mittelsachsen und Zwickau, die sich gegen Diskriminierung und Neonazismus engagieren, mit einer denunziatorischen Fußnote versehen wird?
Diese Fußnote nimmt fast die Hälfte eines Beitrages in der LVZ MTL ein und wird auch in Zukunft dafür sorgen, dass das betreffende Netzwerk 360 Grad mit Nestbeschmutzung verbunden wird. Das ist nicht nur schade, sondern auch unlauter.
Zugegebenermaßen kam der Protest gegen den Neonazi-Aufmarsch im November 2011 verbal etwas derb daher. Doch hat sich irgendwer in Wurzen mit dem Anliegen der antifaschistisch Engagierten aus dem Landkreis Leipzig auseinandergesetzt? Dem Anliegen menschenverachtender und geschichtsrevisionistischer Propaganda im öffentlichen Raum etwas entgegenzusetzen? Dem Anliegen die fragwürdige Tradition des Volkstrauertages an sich kritisch zu hinterfragen? Ist die Wurzener Gesellschaft nicht bereit für kontroverse Debatten und damit für eine lebendige demokratische Kultur?
Aus der wohligen Ruhe des Konsenses lässt sich gut mit Fingern auf die zeigen, die zuspitzen, polarisieren und das Alltagsgeschäft hinterfragen. Doch wer statt der gescholtenen Kritiker_innen (in diesem Fall das Netzwerk Naunhof und Bon Courage) legt den Finger in die Wunde und benennt das Problem neonazistischer Einstellungen und Gewalt. Dieses ist nicht nur in Wurzen, nicht nur im gesamten Landkreis Leipzig, im Freistaat Sachsen sondern in der gesamten Bundesrepublik offensichtlich und stellt für viele Menschen, insbesondere die, die nicht ins rechte Weltbild passen, ein echte Lebensbedrohung dar. Statt mit dem Finger auf die vermeintlichen Nestbeschmutzer zu zeigen wäre eine ernsthafte Fortführung der Debatten um den Umgang mit Neonazismus, Geschichte und deren Präsentation im öffentlichen Raum auch in Wurzen angebracht. Genau wie es sich das Netzwerk 360 Grad über Stadt- und Landkreisgrenzen hinweg zur Aufgabe gemacht hat.

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