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	<title>Ukraine &#8211; jule.linXXnet.de</title>
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		<title>Die ukrainische Linke verdient es, gehört zu werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Jun 2025 20:38:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im April dieses Jahres reiste eine Gruppe aus dem Umfeld des linXXnet-Abgeordneten- und Projektebüros Leipzig in der Ukraine. Bereits im Januar 2023 – ein Jahr nach dem russischen Angriff auf das gesamte Land – waren wir vor Ort, um die politische Linke und die Zivilgesellschaft kennenzulernen und etwas über die Erwartungen an die deutsche Linke &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/reise-in-die-ukraine-eindruecke-aus-einem-land-im-krieg-und-die-rolle-der-ukrainischen-linken-06-06-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Die ukrainische Linke verdient es, gehört zu werden“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o.jpeg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24843" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-300x169.jpeg" alt="" width="300" height="169" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-300x169.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1024x576.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-768x432.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1536x864.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1200x675.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Im April dieses Jahres reiste eine Gruppe aus dem Umfeld des linXXnet-Abgeordneten- und Projektebüros Leipzig in der Ukraine. Bereits im Januar 2023 – ein Jahr nach dem russischen Angriff auf das gesamte Land – <a href="https://www.rosalux.de/news/id/50000/wenn-frieden-neu-gedacht-werden-muss">waren wir vor Ort</a>, um die politische Linke und die Zivilgesellschaft kennenzulernen und etwas über die Erwartungen an die deutsche Linke zu erfahren.</p>
<p>Die Entscheidung, den Weg erneut auf uns zu nehmen, fiel nach der erneuten Amtsübernahme von Donald Trump, deren außenpolitische Auswirkungen weltweit Wellen schlagen. Vorstöße wie der Anspruch auf Grönland, die Entsiedlung des Gaza-Streifens oder ein möglicher Friedensschluss mit Russland über den Kopf der Ukraine hinweg zeugen von einer radikalisierten US-amerikanischen Außenpolitik, in der nur noch das Rechts des Stärkeren gilt. Unser Ziel war es, herauszufinden, was diese Entwicklungen in einem Land bedeuten, das seit 2022 vom russischen Angriffskrieg geprägt ist, und wie die Menschen vor Ort auf sie reagieren.<span id="more-24912"></span></p>
<p>In der Nacht zum 24. April erlebten wir in Kyjiw den heftigsten Beschuss durch Drohnen und Raketen seit Monaten. Während deutsche Medien titelten, Trump glaube an einen „Deal mit Russland“, starben in dieser Nacht mehrere Menschen, viele wurden verletzt. Wir selbst blieben unversehrt, jedoch nicht ohne Angst. Schon bei unserem Besuch im Winter 2023 hatten wir die Effektivität der ukrainischen Raketenabwehr zu schätzen gelernt.</p>
<p>Diesmal, im Frühling 2025, waren unsere Eindrücke anders. Wir sahen ein Land, das trotz des Krieges Normalität lebt und Menschen, die Außergewöhnliches leisten. Eine lebendige Zivilgesellschaft kompensiert staatliche Untätigkeit, und linke Strukturen engagieren sich selbst unter Kriegsbedingungen für soziale Rechte und progressive Veränderungen. Fast trotzig stellen sich viele Menschen sowohl dem russischen Angriff als auch den Versuchen der USA entgegen, ihr Land geopolitisch zu opfern. Im Gegensatz zu 2023 standen in den Gesprächen weniger weitere Waffenlieferungen oder Deutschlands Rolle in dem Konflikt im Fokus. Klar wurde jedoch: Der Widerstand gegen den russischen Angriff oder eine mögliche Vorherrschaft Russlands über die Ukraine ist überwältigend.</p>
<p>Dieser Text versucht, sich auf Schwerpunkte des Erlebten zu fokussieren. Es gäbe sehr viel mehr zu berichten.</p>
<h3>Linke Politik in der Ukraine</h3>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24917" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-300x200.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-1024x681.jpg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-768x511.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-1536x1022.jpg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-1200x799.jpg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024.jpg 2000w" sizes="(max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Ein zentraler Schwerpunkt unserer Reise war, wie bereits 2023, der Kontakt zu Akteuren der ukrainischen Linken. Fakt ist: Die Linke ist in der Ukraine, wie in vielen osteuropäischen Ländern, marginalisiert. Nach dem Umbruch 1989/90 ist es nicht gelungen eine glaubhafte, reformierte linke Alternative zu etablieren, die sich kritisch mit der staatssozialistischen Vergangenheit – Klientelismus und Repression eingeschlossen – auseinandersetzt und sich im aufgeladenen Spannungsfeld zwischen West- und Ostorientierung klug positioniert.</p>
<p>In Ländern der ehemaligen Sowjetunion wird linke Politik oft mit Stalinismus, Bevormundung, Repression und Klientelismus assoziiert. Auch in der Ukraine wurde die politische relevante Linke auch nach dem Umbruch durch die Nachfolgeparteien der sowjetischen KPdSU dominiert. Die Kommunistische Partei der Ukraine (KPU) konnte jedoch in den 1990er-Jahren bis in die 2000er-Jahre relevante Wahlerfolge erzielen. Dennoch verspielte sie durch Korruption und Unzuverlässigkeit das Vertrauen ihrer Wähler*innen. 2014 scheiterte ihr Einzug in die Werchowna Rada, das Parlament der Ukraine, und 2015 wurde ihr sowie zwei kleineren kommunistischen Parteien die Tätigkeit verboten.<a title="" href="https://www.links-bewegt.de/de/article/988.die-ukrainische-linke-verdient-es-geh%C3%B6rt-zu-werden.html#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p>
<p>In Abgrenzung zu den „alten“, oft nationalistisch und prorussisch orientierten Parteien gibt es eine vielfältige, wenn auch kleine reformierte Linke. Dazu zählen Sotsialnyi Rukh, die soziale medizinische Bewegung Be Like We Are, das intellektuelle Netzwerk um die Zeitschrift Commons, sowie antiautoritäre Gruppen wie Solidarity Collective oder Direct Action. Ihnen gemein ist, dass sie sich als demokratische, soziale Bewegungen in einer eigenständigen Ukraine verstehen. Infolge der Maidan-Proteste und des russischen Angriffs auf die gesamte Ukraine bejahen die Akteure die europäische Integration. In ein antiimperialistisches Selbstverständnis wird Russland als imperialistische Macht inkludiert.</p>
<p><em>Sotsialnyi Rukh („Soziale Bewegung“)</em> sieht sich als Vertretung der Arbeiter*innen und fokussiert sich auf die Klassenfrage. Als NGO registriert, ist der Weg zur Parteigründung steinig, wie uns Vitalij Dudin, ein Jurist, der Beschäftigte in Arbeitsgerichtsprozessen vertritt, erzählt. Die Bewegung ist in Kyjiw, Krywyj Rih, Lwiw und Odessa aktiv. Ihr Ziel ist es, weitere Verschlechterungen von Arbeiter*innenrechten zu verhindern und gewerkschaftliche Organisierung zu fördern – eine Herausforderung in Kriegszeiten, in denen Streiks und Demonstrationen weitgehend verboten sind. Sotsialnyi Rukh kooperiert mit Bewegungen wie der Studierenden-Gewerkschaft Direct Action und der medizinischen Bewegung Be Like We Are. Die Bewegung kritisiert das oligarchendominierte politische System der Ukraine und setzt auf Organisierung von unten. Der russische Angriffskrieg wird klar abgelehnt; einige Mitglieder kämpfen freiwillig oder in der ukrainischen Armee, andere wurden eingezogen. Eine langfristige Perspektive sieht Sotsialnyi Rukh im EU-Beitritt, wobei die EU als neoliberales Projekt kritisiert wird. „Schlechter als die Ukraine mit ihrem Primat von Privatisierung und Oligarchentum kann die EU kaum sein“, betont Vitalij Dudin. Als westeuropäische Linke tragen wir Verantwortung, für eine soziale und demokratische EU zu kämpfen, gemeinsam mit unseren ukrainischen Genoss*innen.</p>
<p>Die Studierenden-Gewerkschaft <em>Direct Action (Prjama Dija)</em> besteht seit den 2010er-Jahren und machte während der Maidan-Proteste durch die Besetzung des Bildungsministeriums auf sich aufmerksam. Seit der russischen Invasion 2022 ist sie wieder aktiv. Direct Action organisiert Studierende landesweit, wehrt sich gegen neoliberale Bildungsreformen und dient als Bildungs- und Sozialisierungsort für junge Menschen, die sich links engagieren wollen. Erfolge gibt es: So konnte die Schließung der Krim-Exil-Universität in Kyjiw verhindert werden.</p>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn.jpeg"><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24847" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-300x225.jpeg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-300x225.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1024x768.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-768x576.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1536x1152.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1200x900.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a></p>
<p>Seit 2020 existiert die <em>medizinische Bewegung Be Like We Are</em>. Laut Mitgründerin Oksana Slobodiana begann alles 2019 mit einem Facebook-Post einer Krankenpflegerin, die die schlechten Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen kritisierte und Zehntausende erreichte. Daraus entstand eine Bewegung, die in zahlreichen Städten aktiv ist und Beschäftigte ermutigt, neue Gewerkschaften zu gründen. Alte Gewerkschaften gelten als korrupt und untätig. Be Like We Are agiert als landesweites Netzwerk und unterstützt lokale Gewerkschaften. Die Facebook-Gruppe hat über 85.000 Mitglieder, die NGO über 700, überwiegend Frauen, was das Geschlechterverhältnis im Pflegebereich widerspiegelt. Das ukrainische Gesundheitssystem ist prekär: Es gibt eine öffentliche Basisversorgung, doch spezialisierte Behandlungen, Medikamente und Operationen müssen oft privat bezahlt werden. Eine flächendeckende Krankenversicherung fehlt. Der staatliche Basiskatalog für medizinische Leistungen ist seit über zehn Jahren unverändert – trotz Inflation, komplexer Bedarfe und Krieg. Die Regierung plant eine Reform nach britischem Vorbild, die jedoch durch den Krieg ins Stocken geraten ist – das Gesundheitssystem bleibt also weiter chronisch unterfinanziert. Be Like We Are organisiert Beschäftigte, um ihre Interessen durchzusetzen – keine Selbstverständlichkeit im Krieg. Ein konkreter Erfolg ist die Einführung monatlicher Zulagen für Ärztinnen (20.000 Hrywnja, ca. 400 Euro) und Pflegerinnen (15.000 Hrywnja, ca. 300 Euro), sofern die Personalkosten eines Krankenhauses 85 Prozent nicht überschreiten.</p>
<p><em>Solidarity Collective</em> ist eine antiautoritäre Struktur, die sich seit dem russischen Angriffskrieg formiert hat, um Linke unterschiedlicher Couleur zu unterstützen, die kämpfen. Diese Arbeit sehen sie als Beitrag im Kampf gegen ein kolonialistisches, imperialistisches System und für eine freie Welt. Das Netzwerk pflegt internationale Kontakte und leistet humanitäre Hilfe für Zivilist*innen in umkämpften Gebieten.</p>
<p>Das jährliche Event<em> Filma</em> der queerfeministischen Szene grenzt sich von konservativem Feminismus und nationalistischen Tendenzen in der Pride-Szene ab. Es verfolgt einen intersektionalen Ansatz, inkludiert Transpersonen und versteht sich als antirassistisch, antikolonial, inklusiv und nicht-hierarchisch. Ira Tantsiura vom Filma-Kollektiv kritisiert die zunehmende Rechtsverschiebung der ukrainischen Gesellschaft, die sie auch mit der durch den Staat geförderten Militarisierung in Verbindung sieht.</p>
<p>Die Landschaft linker Akteure in der Ukraine ist klein, aber die Aktivist*innen wirken entschlossen. Die neue Linke in der Ukraine ist basisorientiert und bewegt sich in bewegungsförmigen Strukturen. Sotsialnyi Rukh bleibt ein zentraler Akteur, der jedoch die Vielfalt linker Themen und Organisierungsformen stärker integrieren muss; progressive Klassenpolitik bedeutet, feministisch, antirassistisch und inklusiv zu sein und neben Theoriearbeit vielfältige Aktionsansätze zu verfolgen. Der Krieg wird von allen Akteuren abgelehnt, ebenso wie ein Leben unter russischem Einfluss oder ein Diktatfrieden. Die Dauer des Krieges zermürbt besonders jene, die in der Armee kämpfen. Die Verteidigung der Ukraine bleibt für die Protagonist*innen ein notwendiges Übel, um frei und demokratisch leben und die Gesellschaft mitgestalten zu können. Nach dem Krieg dürfte dies für Linke nicht einfacher werden.</p>
<h3>Soziale Infrastruktur</h3>
<p>Die Ukraine leidet unter einer immensen Schuldenlast, die sich seit dem russischen Angriffskrieg massiv verschärft hat. Bereits vor der Annexion der Krim und der Ostukraine 2014 sowie dem großflächigen Angriff auf das gesamte Land 2022 war die Ukraine stark von internationalen Geldgebern wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank abhängig. Die ukrainische Wirtschaft war seit der Unabhängigkeit 1991 instabil, und Geldflüsse in Sozialsysteme oder Infrastruktur blieben aufgrund von Korruption oft intransparent.</p>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24918" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-300x200.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-1024x681.jpg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-768x511.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-1536x1022.jpg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-1200x799.jpg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a></p>
<p>Die Armutslage hat sich durch den Krieg erheblich verschlimmert: Vor dem Krieg galten etwa 18 Prozent der Bevölkerung als arm, mittlerweile sind es 24 Prozent. Rund 40 Prozent der Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, und fast 6 Millionen Menschen sind Binnenvertriebene. Das äußerst prekäre Sozial- und Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps und ist ohne internationale humanitäre Hilfe nicht aufrechterhaltbar. Es gibt keine flächendeckende Krankenversicherung, sondern lediglich eine Basisversorgung, die für Menschen in ländlichen Regionen schwer zugänglich ist. Der Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung hängt oft von privaten Zuzahlungen ab. Besonders im Krieg haben sich Nichtregierungsorganisationen (NGOs) als unverzichtbare Akteure erwiesen, um vulnerable Gruppen, Binnenvertriebene und Menschen in frontnahen Gebieten zu versorgen.</p>
<p class="MediaBox-Clearfix">Durch den von Donald Trump angekündigten Stopp der Auslandshilfe durch die US-Entwicklungshilfebehörde USAID drohen die Leistungen dieser NGOs in der Ukraine einzubrechen. Betroffen wären lebenswichtige Maßnahmen wie die Evakuierung von Menschen aus umkämpften Gebieten, mobile medizinische und psychologische Versorgung sowie HIV-Prävention und -Behandlung. Im Jahr 2023 war die Ukraine der größte Empfänger von USAID-Hilfen mit einem Volumen von 14,4 Milliarden US-Dollar, die hauptsächlich für humanitäre Unterstützung und Wiederaufbau eingesetzt wurden.</p>
<p>Am Beispiel der Organisation Skhid SOS und der Ukrainian Foundation for Public Health wird deutlich, welche Folgen der Wegfall dieser Hilfsgelder hätte. Seit 2022 hat Skhid SOS etwa 12.000 Menschen mit Behinderungen und insgesamt 88.000 Personen aus umkämpften oder besetzten Gebieten evakuiert. Die Organisation finanziert sich ausschließlich durch Spenden und übernimmt Aufgaben, die der Staat nicht leisten kann. Sie unterstützt bei der Suche nach Unterkünften, wandelt leerstehende Gebäude in Zufluchtsorte um, versorgt Vertriebene und dokumentiert Kriegsverbrechen. Skhid SOS kooperiert mit Organisationen in ganz Europa und evakuiert Menschen auch ins Ausland. Zudem gibt es Pilotprojekte, die Kindern aus Krisenregionen den Besuch regulärer Schulen ermöglichen. In Regionen, in denen Schulen keinen Schutzraum bieten, werden Kinder und Jugendliche in der Ukraine online unterrichtet – ein Modell, das sogar auf Kindergärten angewendet wird.</p>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24919" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-300x200.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-1024x681.jpg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-768x511.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-1536x1022.jpg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-1200x799.jpg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Ein ähnliches Schicksal droht der Ukrainian Foundation for Public Health, die landesweit Frauenhäuser sowie mobile Teams und Anlaufstellen für medizinische, psychologische und soziale Unterstützung vulnerabler Personen betreibt. Die Stiftung integriert Angebote für Betroffene sexualisierter Gewalt und psychologische Betreuung in die Grundversorgung. Darüber hinaus leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung von HIV-Infizierten. Die Ukraine weist eine der höchsten HIV-Infektionsraten in Europa auf: Im Jahr 2020 lag die Inzidenz bei 41 pro 100.000 Einwohner*innen, in Deutschland bei 3,1. Dank internationaler Unterstützung konnten Prävention und Versorgung bis zum Beginn des Krieges verbessert werden. Seitdem hat sich die Lage jedoch drastisch verschlechtert, und mit dem Wegfall humanitärer Hilfsprogramme droht eine weitere Verschärfung der Krise.</p>
<p>Bereits jetzt ist der Wiederaufbau der Ukraine im Gange, und Milliarden sind bereits in die Wiedererrichtung von Wohnhäusern, Schulen, Infrastruktur sowie Energie- und Wasserversorgung geflossen. Die Herausforderungen bleiben jedoch enorm. Nur in begrenztem Umfang wird die ukrainische Gesellschaft in den Wiederaufbau einbezogen. Wir lernen Yanna kennen, die mit der Methode des Forumtheaters<a title="" href="https://www.links-bewegt.de/de/article/988.die-ukrainische-linke-verdient-es-geh%C3%B6rt-zu-werden.html#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> arbeitet und versucht, marginalisierten Gruppen eine Stimme zu geben. Eine ihrer Interventionen zielte darauf ab, dass beim Wiederaufbau von Wohnraum für Menschen mit Behinderungen selbstbestimmtes Wohnen in eigenen Wohnungen statt in Heimen berücksichtigt wird.</p>
<p>Linke Politik muss die ungleichen Lebensverhältnisse in der Ukraine angehen und die wirtschaftliche Zerstörung durch den Krieg sowie die wachsende soziale Ungleichheit thematisieren. Die Abhängigkeit von internationalen Hilfen macht das Land verwundbar, Kredite und Zinsen führen zu einer massiven Schuldenlast, die die Bevölkerung trägt und die neoliberale Umstrukturierungen forciert. Ein Schuldenschnitt ist ebenso notwendig wie die Verhinderung, dass die Unterstützung der Ukraine mit dem Ausverkauf ihrer Ressourcen verknüpft wird. Ein EU-Beitritt birgt Risiken, kann aber die Lebensbedingungen verbessern und demokratische Rechte stärken. Dafür braucht es eine stärkere linke Bewegung, die auf Sozialsysteme, Gesundheitsversorgung, Arbeiter*innenrechte und den Wiederaufbau Einfluss nimmt.</p>
<h3>Erinnerungskultur, extreme Rechte und Militär</h3>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24920" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-300x200.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-1024x681.jpg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-768x511.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-1536x1022.jpg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-1200x799.jpg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Die Erinnerungskultur ist in der Ukraine ein umkämpftes Thema, das sowohl die Aufarbeitung des Nationalsozialismus als auch des Stalinismus betrifft. Dies ist entscheidend, um die Marginalisierung der Linken und die Formierung der politischen Rechten zu verstehen.</p>
<p style="text-align: left;">Am 8. Mai 2025 wurde in der Ukraine der 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus begangen, seit 2024 bewusst nicht mehr am 9. Mai, um sich von russischen Gedenkfeiern abzugrenzen. Dies ist eine direkte Folge des russischen Angriffskrieges. Auch hierzulande muss der Blick geschärft werden: In der Roten Armee kämpften ab 1941 Menschen aus allen 16 sowjetischen Teilrepubliken – aus Russland genau wie aus der Ukraine, Lettland, Litauen, Kasachstan etc. – gegen die deutsche Wehrmacht. Die Ukraine erlitt überproportional viele Opfer sowohl militärisch als auch zivil. Mahnend stehen Massaker wie in Babyn Yar, wo deutsche Sonderkommandos der SS im September 1941 fast 34.000 Jüdinnen und Juden in nur zwei Tagen erschossen und in der gleichnamigen Schlucht bei (heute in) Kyjiw verscharrten, zum Teil bei lebendigem Leibe. Diese Gräueltaten der Nationalsozialisten blieben lange Zeit auch in der deutschen Forschung und Aufarbeitung ein blinder Fleck. In der Sowjetunion wurde versucht, Aufarbeitung und Gedenken zu erkämpfen, in den Vordergrund des staatlichen Erinnerns wurden dabei die sowjetischen Opfer gerückt. Dies verstellte auch den Blick auf die an dieser Stelle ermordeten Jüd*innen, Sinti*zze und Rom*nja, Menschen mit Behinderungen und neben Kommunist*innen auch ukrainische Nationalist*innen. Erst nach der ukrainischen Unabhängigkeit 1991 wurde der Raum für ein umfassendes Gedenken und Aufarbeitung auch durch die Öffnung von Archiven ermöglicht. Inzwischen gibt es in Babyn yar zahlreiche Einzeldenkmale, die an die verschiedenen Opfergruppen erinnern, geplant ist durch das Babyn Jar Holocaust Memorial Center zudem ein größeres Gedenk- und Forschungszentrum, das aufgrund seiner Beteiligung vieler Oligarchen, unter anderem auch aus Russland, aber stark umstritten ist. Lokale Gedenkinitiativen kritisieren in diesem Zusammenhang zudem die drohende „Dysneylandisierung“ des Gedenkens.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/20230210210512-c89e66fd-me.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-24922 alignright" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/20230210210512-c89e66fd-me-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/20230210210512-c89e66fd-me-300x225.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/20230210210512-c89e66fd-me-768x576.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/20230210210512-c89e66fd-me.jpg 1008w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a></p>
<p>Ein schwieriges Thema ist die Kollaboration der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), dem militärischen Arm der ultranationalistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN-B) unter Stepan Bandera, mit dem nationalsozialistischen Regime. Die OUN-B verfolgte ein antikommunistisches, ultranationalistisches und teilweise antisemitisches Programm und war an ethnischen Säuberungen und Pogromen in Polen und der Ukraine beteiligt. Nachdem die Nationalsozialisten das Ziel eines unabhängigen ukrainischen Staates ablehnten, wandte sich die OUN-B 1943 gegen die Wehrmacht. Bandera selbst war ab 1941 im KZ Sachsenhausen inhaftiert.</p>
<p>Das Dekommunisierungsgesetz von 2015 betonte die historische Bedeutung von OUN und UPA, indem es sie zu Kämpfern für die Unabhängigkeit erklärte und ihren Mitgliedern Veteranenstatus verlieh. Es setzt zudem die Verbrechen von Kommunismus und Nationalsozialismus gleich und verbietet entsprechende Symbolik im öffentlichen Raum. Sowjetische Denkmäler wurden entfernt, Straßen nach Bandera benannt. Laut dem Historiker Viacheslav Lichachev ist diese geschichtspolitische Debatte im Krieg auf Eis gelegt, doch die Gleichsetzung von Kommunismus und Nationalsozialismus befeuert anti-linke Narrative.</p>
<p>Russland nutzt dies, indem es den Krieg als Kampf gegen „den Faschismus“ darstellt und die EU als Unterstützerin dessen diffamiert. Die russische Umdeutung des Holocaust und die Heroisierung der sowjetischen Geschichte – unter Ausblendung stalinistischer Verbrechen wie des Holodomor<a title="" href="https://www.links-bewegt.de/de/article/988.die-ukrainische-linke-verdient-es-geh%C3%B6rt-zu-werden.html#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a> – dienen einer imperialen Politik gegen „den Westen“.</p>
<p>Die organisierte extreme Rechte in der Ukraine bezieht sich positiv auf UPA und Bandera, bleibt jedoch seit 2019, insbesondere seit 2022, parlamentarisch geschwächt und quasi inexistent (bei der Parlamentswahl 2019 errang die extrem rechte Swoboda im Bündnis mit, unter anderem, Rechter Sektor und National Corps nur 2,4 Prozent und ist mit nur einem Direktmandat in der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament, vertreten). In einer Gesellschaft, die den Angriff Russlands ablehnt und sich europäisch orientiert, hat sie wenig Rückhalt. Einzelne Einheiten, wie die von Andriy Biletsky (der ehemals das Asow-Regiment und die extrem rechte Partei Natsionalnyi korpus leitete) geführte 3. Sturmbrigade, schöpfen Kapital aus militärischem Heldentum.</p>
<p>Die in Deutschland viel diskutierte Asow-Brigade dagegen gilt politischen Beobachter*innen inzwischen nicht mehr als das, was sie war. 2014 als Freiwilligenbataillon gegründet, geriet sie wegen extrem rechter Mitglieder und Menschenrechtsverbrechen in die Kritik. Die USA hoben erst im letzten Jahr das 2015 verhängte Verbot auf, Asow mit Waffen zu beliefern. Bereits 2014 wurde die Brigade in die Nationalgarde der Ukraine eingegliedert und in ein Regiment umgewandelt. In den Kämpfen um Mariupol im Jahr 2022 machte sich Asow wegen ihres erbitterten Kampf gegen die russischen Angriffe einen Namen und wird in der Ukraine als Symbol des Widerstands glorifiziert. Seit ihrer Eingliederung in die offizielle Armee und nach dem Weggang extrem rechter Protagonisten habe eine Entideologisierung stattgefunden. Abzugrenzen sei die Asow-Bewegung als loses Netzwerk aus militärischen, politischen, zivilen und paramilitärischen Gruppen.</p>
<p>Die extreme Rechte ist mit ihren Organisationen gesellschaftlich wenig präsent, die Zahl von rechten Angriffen hat seit dem russischen Überfall 2022 abgenommen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Neonazis sich der Armee angeschlossen haben. Seit dem letzten Jahr haben Aktivitäten von Mitgliedern extrem rechter Jugendorganisationen zugenommen, wie in Deutschland richten sie sich vor allem gegen Aktivitäten der LGBTIQ-Szene.</p>
<p>Eine Gefahr liegt im Primat des Militärischen, das Maskulinismus und Kampfesgeist verherrlicht – ein Phänomen, das nicht auf die Ukraine beschränkt ist, sondern auch in Russland und anderen Ländern zu beobachten ist. Die Aufrüstungslogik in Reaktion auf den Krieg lässt ähnliche Entwicklungen für Europa erwarten.</p>
<p>Linke in Deutschland müssen aufhören, die Ukraine als Hort des Faschismus zu sehen und zu verunglimpfen. Dies ist nicht nur falsch, sondern nährt russische Narrative, mit denen der brutale imperialistische Angriffskrieg rechtfertigt wird. Die staatliche ukrainische Erinnerungspolitik ist problematisch und verhindert eine differenzierte Aufarbeitung der Sowjetzeit und der Rolle ukrainischer Nationalisten im Nationalsozialismus. Darunter leidet die reformierte Linke. Im Krieg ist eine Korrektur dieser Politik unwahrscheinlich; heroisierende Narrative des ukrainischen Unabhängigkeitskampfes werden gestärkt und mit dem aktuellen Widerstand gegen Russland verknüpft. Im Krieg wachsen nationale Identität, Fokus aufs Militär und auch Blindstellen in Bezug auf extrem rechte, autoritäre Einflüsse. Doch es gibt zivilgesellschaftliche Akteure, die das beobachten und gegenhalten.</p>
<p>Nach dem Krieg wird eine differenzierte Aufarbeitung entscheidend sein, bei der progressive Linke und Wissenschaftler*innen an Einfluss gewinnen sollten.</p>
<h3>Politische Implikationen für die außenpolitischen Positionen der Linken</h3>
<p>Unsere Reise in die Ukraine bettet sich auch in eine nicht beendete Debatte der Linken über die Unterstützung der Ukraine ein. Die Partei Die Linke bekennt sich durch Parteitagsbeschlüsse klar zum Völkerrecht und damit gegen den völkerrechtswidrigen Krieg Russlands und für das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine nach Artikel 51 der UN-Charta. Eine Unterstützung des Landes mit Waffen wird dagegen von der Partei klar abgelehnt. Diese Position erscheint angesichts der wieder begonnenen massiven russischen Angriffe auf die Ukraine schwer haltbar. Ohne eine effektive Raketenabwehr wären in der Ukraine schon viel mehr Zivilist*innen getötet worden. Ohne die Unterstützung mit Waffen würden auch viele Genossinnen und Genossen an der Frontlinie ohnmächtig sein.</p>
<p class="MediaBox-Clearfix"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24921" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-300x200.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-1024x681.jpg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-768x511.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-1536x1022.jpg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-1200x799.jpg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Die Linke positionierte sich klar für wirksame Sanktionen gegen Russland und fordert uneingeschränkt die humanitäre Unterstützung der Ukraine sowie als einzige Partei in Deutschland einen Schuldenschnitt für das ökonomisch geschwächte Land. Auch der Aggressor und dessen imperiale Bestrebungen werden klar benannt und die Forderung nach diplomatischen Initiativen zur Beendigung des Krieges in den Vordergrund gestellt.</p>
<p>Eine eklatante Leerstelle bleibt die Frage, wie sich das Land effektiv wehren und damit sein völkerrechtlich verbrieftes Selbstverteidigungsrecht wahrnehmen kann. Diplomatie zur Kriegsbeendigung hängt unmittelbar von den militärischen Kräfteverhältnis ab: Eine wehrlose Ukraine hätte in Verhandlungen keine Verhandlungsmasse.</p>
<p>Die Ukraine wird derzeit von westlichen Staaten unterstützt. Auch die zivilgesellschaftlichen Solidaritätsbewegungen kommen zumeist aus dem liberalen Spektrum. Das erschwert es Linken, eine klare Position zu beziehen. Eine glaubwürdige Linke muss die geopolitischen Strategien des Westens, insbesondere der NATO, kritisch hinterfragen, ohne die Unterstützung der Ukraine zu untergraben. Gerade deswegen braucht es eine alternative linke Idee zur Sicherung von Völkerrecht und Frieden. Richtschnur müssen dabei klar die Wahrung von Menschenrechten und das Gewaltverbot sein. Bestehende internationale Gremien wie die UN sind dysfunktional und wenig wirksam. Deshalb ist es notwendig, die Rolle der Europäischen Union neu zu denken und sie im Kontext der Konfrontation zwischen autokratischen Machtblöcken im Westen und Osten von links zu gestalten. Jan Schlemermeyer <a href="https://www.nd-aktuell.de/artikel/1162751.linke-debatte-links-im-multipolaren-kapitalismus.html">schrieb</a> dazu schon 2022: „Mittelfristiges Ziel wäre eine EU, die sich unabhängig von der Blockkonfrontation zwischen den USA auf der einen und Russland/China auf der anderen Seite macht. Das ist nicht nur die Forderung linker Parteien in Osteuropa. Es wäre auch kommunikativ eine völlig andere Ausgangslage. Dann könnte Die Linke tatsächlich eine dritte Position aufmachen und sich als linker Flügel des europäischen Projektes begreifen.“</p>
<p>Viele osteuropäische Staaten – und dort auch progressive linke Kräfte – drängen in Richtung der EU. Das führt zu neuen Spannungen mit Russland, etwa durch russische Desinformationskampagnen und Einflussversuche gegen europafreundliche Parteien und Politiker*innen bei Wahlen in Ländern wie Rumänien, Georgien oder Moldau. Auch westliche Akteure versuchen, ökonomische Abhängigkeiten zu schaffen und ideell, bspw. durch NGO-Finanzierung, Einfluss auf die Gesellschaften zu nehmen.</p>
<p>Das Streben nach einem Leben in Freiheit, demokratischen und sozial gerechten Verhältnissen ist allerdings ein wichtiger Anknüpfungspunkt für eine emanzipatorische Linke. Dabei könnte ein Ziel sein, positive Elemente osteuropäischer Erfahrungen im Staatssozialismus, wie soziale Absicherung oder Kollektivwirtschaft, mit demokratischen und freiheitlichen Perspektiven zu verbinden, um eine neue, emanzipatorische Gesellschaftsvision zu entwickeln. Vielleicht lässt sich daraus etwas Neues erschaffen.</p>
<p>Gerade deshalb plädieren wir für eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit linken Akteuren in der Ukraine und anderen osteuropäischen Ländern, um deren Erfahrungen und Bedürfnisse als Grundlage für ein solidarisches und emanzipatorisches Handeln zu nutzen.</p>
<p><strong>Fußnoten:</strong></p>
<div id="sdfootnote1">
<p><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a> Seit 2015 gilt in der Ukraine das Dekommunisierungsgesetz, das die Verbrechen der Nationalsozialisten mit denen der Sowjetunion gleichsetzt und die Verwendung „kommunistischer“ Symbolik in der Öffentlichkeit unter Strafe stellt. Dies bildet die Grundlage für das Verbot der KPU u.a.</p>
</div>
<div id="sdfootnote2">
<p><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote2anc" name="sdfootnote2sym">2</a> Das Forumtheater („Theater der Unterdrückten“) ist eine Methode des Empowerments, die eine benachteiligte Gruppe dazu befähigen soll, die eigenen Interessen und Ziele zu formulieren und für diese einzustehen.</p>
</div>
<div id="sdfootnote3">
<p><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote3anc" name="sdfootnote3sym">3</a>„Tötung durch Hunger“, die Zwangskollektivierung der 1920er/30er-Jahre unter Stalin, die mit Hungersnöten und Repressionen Millionen Todesopfer, vor allem Ukrainer*innen, forderte</p>
<p><em>Fotos: le grex, Marco und Eva</em></p>
</div>
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		<title>Was machen Sie bei McDonalds in Kyiv, Frau Nagel?</title>
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		<pubDate>Wed, 07 May 2025 19:27:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Nachdem der &#8222;Zehn vor zwölf&#8220;-Newsletter der Freien Presse etwas daneben gegriffen hat, meinen Besuch in einem Fastfood-Restaurant in eine Reihe mit Trump, Merz und Söder stellte, bekam ich in einem Kurzinterview die Möglichkeit den Grund des Besuches zu erklären: eine politische Reise in die Ukraine: Freie Presse: Ein wenige Tage altes Foto zeigt sie bei &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/was-machen-sie-bei-mcdonalds-in-kyiv-frau-nagel-07-05-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Was machen Sie bei McDonalds in Kyiv, Frau Nagel?“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="artikel-content" class="article__text"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24883" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN-300x297.jpeg" alt="" width="300" height="297" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN-300x297.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN-150x150.jpeg 150w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN-768x759.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN.jpeg 879w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Nachdem der &#8222;Zehn vor zwölf&#8220;-Newsletter der Freien Presse etwas daneben gegriffen hat, meinen Besuch in einem Fastfood-Restaurant in eine Reihe mit Trump, Merz und Söder stellte, bekam ich in einem Kurzinterview die Möglichkeit den Grund des Besuches zu erklären: eine politische Reise in die Ukraine:</div>
<p><span id="more-24882"></span></p>
<div class="article__text">
<div class="article__first-p-wrapper">
<p><strong>Freie Presse: Ein wenige Tage altes Foto zeigt sie bei <a class="internal-article-link" title="Nachrichten zu: McDonalds" href="https://www.freiepresse.de/thema/organisation/mcdonalds" data-ct="ENTITY/ORGANISATION/MCDONALDS">McDonalds</a> in <a class="internal-article-link" title="Nachrichten für den Ort: Kiew" href="https://www.freiepresse.de/thema/ort/kiew" data-ct="ENTITY/LOCATION/UNKNOWN/KIEW">Kiew</a>. Was haben Sie da gemacht?</strong></p>
</div>
<p><b>Juliane Nagel: </b>Ich war eine Woche unterwegs in der Ukraine, aber nicht, um in Fast-Food-Restaurants zu essen. Ich habe dort Mitglieder einer neuen Bewegung für die Rechte von Frauen, Krankenschwestern und Pflegepersonal getroffen. Sie waren auf der Durchreise in die Westukraine und sind in Kiew umgestiegen. Wir brauchten einen pragmatischen Treffpunkt am Bahnhof.</p>
<p><strong>FP: Worum ging es dabei?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Die Bewegung organisiert landesweit Protest gegen die Sparpolitik im Gesundheitswesen. Das ist wie hier, nur viel dramatischer, weil das Geld nicht reicht und der Betreuungsschlüssel im Pflegebereich sehr, sehr schwierig ist. Die Sprecherin der Initiative hat gesagt: Bei uns liegt der Schlüssel bei 1:50, während man sich bei euch über 1:12 beschwert.</p>
<p><strong>FP: Waren Sie das erste Mal in der Ukraine?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Ich war schon im Januar 2023 dort, um zu erfahren, was in der Gesellschaft los ist. Jetzt wollte ich wissen, wie Trump und die Debatten hierzulande in der Ukraine gesehen werden und wie der Zustand des Landes nach drei Jahren Krieg ist.</p>
<p><strong>FP: Und wie gucken die Menschen auf Trump und Debatten in Sachsen?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Sehr kritisch. Ein Gesprächspartner hat sich sehr geärgert über das, was <a class="internal-article-link" title="Artikel zum Thema: Ministerpräsident" href="https://www.freiepresse.de/thema/ministerpr%C3%A4sident" data-ct="ENTITY/KEYWORD/MINISTERPRäSIDENT">Ministerpräsident</a> Kretschmer hier und da verlautbart hat und – sehr verkürzt ausgedrückt &#8211; so eine Flanke in Richtung <a class="internal-article-link" title="Nachrichten für den Ort: Russland" href="https://www.freiepresse.de/thema/ort/russland" data-ct="ENTITY/LOCATION/UNKNOWN/RUSSLAND">Russland</a> durchscheinen lässt. Auch von Trump fühlen sich die Menschen bevormundet, weil er über den Kopf der Ukraine und der ukrainischen Gesellschaft hinweg agiert.</p>
<p><strong>FP: Trump macht ja angeblich Fortschritte auf einem Weg zum Frieden.</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Die Menschen wollen aber nicht unter russischem Diktat leben oder einen Frieden, der nicht die Interessen der Ukraine als eigenständiges Land berücksichtigt. Besonders makaber war für mich eine Nacht, in der Kiew so stark wie noch nie mit Raketen und Drohnen angegriffen wurde, während in der internationalen Presse Trumps Ankündigung zu lesen war, dass man jetzt einen Deal mit Putin hätte und eine Annäherung stattfinde. Bei dem Luftangriff wurden Dutzende verletzt und einige getötet.</p>
</div>
<p><strong>FP: Und wie haben Sie sonst die Lage vor Ort erlebt?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Die von Trump gestoppten humanitären Hilfen von USAID wirken sich massiv auf die medizinische Versorgung, soziale Hilfen für Binnenvertriebene aus der Ostukraine, Hilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen oder Opfer sexualisierter Gewalt aus. Senioren müssen im großen Maßstab in den Westen des Landes transferiert und im ländlichen Gebiet verbliebene Menschen versorgt werden, die durch den Krieg schon jetzt, wenn überhaupt, nur schwer an medizinische Leistungen kommen. Das Streichen der US-Hilfen lässt Strukturen zusammenbrechen und Hilfsorganisationen können nicht weiterarbeiten, die diese Leistungen erbringen.</p>
<p><strong>FP: Aber was können Sie da vor Ort bewirken?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Einerseits können wir diese Botschaften mitnehmen und öffentlich machen. Andererseits: Ich komme aus <a class="internal-article-link" title="Nachrichten für den Ort: Leipzig" href="https://www.freiepresse.de/thema/ort/leipzig" data-ct="ENTITY/LOCATION/UNKNOWN/LEIPZIG">Leipzig</a>, der Partnerstadt von Kiew. Leipzig könnte ein soziales Modellwohnprojekt für Binnenvertriebene unterstützen. Das werde ich auf jeden Fall mit in den Stadtrat nehmen. Und es geht auch um die schwierige Debatte in der <a class="internal-article-link" title="Nachrichten zu: Linkspartei" href="https://www.freiepresse.de/thema/organisation/linkspartei" data-ct="ENTITY/ORGANISATION/LINKSPARTEI">Linkspartei</a>.</p>
<p><strong>FP: <a class="internal-article-link" title="Nachrichten zu: Die Linke" href="https://www.freiepresse.de/thema/organisation/die+linke" data-ct="ENTITY/ORGANISATION/DIE-LINKE">Die Linke</a> ist ja gegen Waffenlieferungen.</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Vorsichtig ausgedrückt habe ich eine Minderheitenposition in meiner Partei, weil ich dafür offen bin. Ich wüsste nicht, wie die Ukrainer sich sonst selbst verteidigen könnten. Ich habe dort auch viele linke Akteure getroffen, die in der Armee kämpfen, obwohl sie vielleicht zu dem Staat und bestimmten neoliberalen Politiken in der Ukraine eine Distanz haben, aber klar sagen: Ich lebe lieber in der freien Ukraine als unter russischem Diktat. Die beißen deshalb in den sauren Apfel. Ich habe den Luftangriff, das Feuer am Himmel gesehen und die Einschläge waren laut und heftig. Wenn man weiß, dass Luft- und Raketenabwehr auch ein Waffentyp ist, muss ich sagen: Wir waren froh, dass es diese Abwehr gibt.</p>
<p><strong>FP: Wann fahren Sie wieder hin?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Wir müssen jetzt erst mal die Ideen verarbeiten, die wir mitgebracht haben und die Kontakte mit den Gewerkschaften und Organisationen aus der Ukraine verknüpfen, damit die gesehen und unterstützt werden. Wir haben ein Bild davon bekommen, wie sich die Gesellschaft im Krieg am Leben hält und gut weiterexistiert, demokratisch existiert. In einem Jahr fahre ich dann vielleicht wieder hin. (two)</p>
<p><a href="https://www.freiepresse.de/nachrichten/sachsen/linken-abgeordnete-was-machen-sie-bei-mcdonals-in-kiew-frau-nagel-artikel13799969">Freie Presse, 07. Mai 2025</a></p>
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		<title>Tag 5: #ukrXX</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Apr 2025 11:31:35 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der fünfte und letzte Tag unserer Reise beginnt morgens mit dem Besuch einer Schutzwohnung für Frauen. Dort treffen wir Felix, der für eine NGO arbeitet und diesen Termin sehr kurzfristig ermöglicht hat. Die Wohnung ist eines der zahlreichen Angebote der Ukrainian Foundation for Public Health (https://www.healthright.org.ua/en/), die seit 2008 existiert. Die Stiftung konzentriert sich insbesondere &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/tag-5-ukrxx-27-04-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Tag 5: #ukrXX“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="magicdomid2" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24849" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-300x225.jpeg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-300x225.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-1024x768.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-768x576.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-1536x1152.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-1200x900.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO.jpeg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Der fünfte und letzte Tag unserer Reise beginnt morgens mit dem Besuch einer Schutzwohnung für Frauen. Dort treffen wir Felix, der für eine NGO arbeitet und diesen Termin sehr kurzfristig ermöglicht hat. Die Wohnung ist eines der zahlreichen Angebote der </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Ukrainian Foundation for Public Health</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> (</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci url"><a href="https://www.healthright.org.ua/en/" rel="noreferrer noopener">https://www.healthright.org.ua/en/</a></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">), die seit 2008 existiert. Die Stiftung konzentriert sich insbesondere auf vulnerable Personen und arbeitet mit Schwerpunkten in den Bereichen HIV-Prävention und -Versorgung, psychische Gesundheit, sexualisierte Gewalt sowie geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung. Seit der russischen Invasion in der Ostukraine 2014 hat die UFPH zahlreiche essenzielle Angebote in Krisenregionen aufgebaut. </span></div>
<p><span id="more-24845"></span></p>
<div spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Dazu gehören grundlegende Gesundheitsversorgungsangebote wie mobile Teams, die psychologische Unterstützung für Frauen leisten, sowie Zentren für eine umfassende medizinische, psychologische und soziale Versorgung von vertriebenen Personen mit Gewalterfahrungen.<br />
</span></div>
<div id="magicdomid3" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir erleben erneut, dass Nichtregierungsorganisationen in der Ukraine grundlegende Leistungen der sozialen Daseinsvorsorge erbringen, während der Staat mit seinem rudimentären Gesundheits- und Sozialsystem diese Aufgaben kaum übernimmt. Der Wegfall finanzieller humanitärer Unterstützungsprogramme – insbesondere von USAID – hat daher gravierende Folgen. Nicht nur in der Ukraine fallen dadurch Leistungen weg, die in Deutschland als staatliche Basisversorgung gelten. Für die Stiftung bedeutet das Ende von USAID den Verlust von 35 % der Gesamtfinanzierung, weshalb erste mobile Teams bereits abgezogen werden mussten. Ein weiteres Problem ist, dass Geldgeber vor allem Krisenregionen nahe der Front unterstützen. Viele Menschen fliehen jedoch in sicherere Gebiete, etwa in den Westen der Ukraine – 2023 waren es über fünf Millionen. Auch dort müssen Strukturen wie die Wohnraumversorgung sichergestellt werden.<br />
</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Ein weiteres drängendes Thema ist die Versorgung von HIV-Patient</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i">innen. Die Ukraine hat eine der höchsten HIV-Infektionsraten in Europa: 2020 lag die Inzidenz bei 41 pro 100.000 Einwohner</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">innen, in Deutschland bei 3,1. Seit der großangelegten Invasion hat sich die Versorgung massiv verschlechtert, und mit dem Wegfall humanitärer Hilfsprogramme wird sich die Lage weiter zuspitzen. Wir treffen ein engagiertes und empathisches Team von Mitarbeiterinnen, das sich auch an legislativen Prozessen beteiligt, etwa an der Umsetzung der 2022 von der Ukraine ratifizierten Istanbul-Konvention. Ein Beispiel ist die Transformation häuslicher Gewalt von einem Antragsdelikt zu einem Offizialdelikt.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid5" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Während des Besuchs entsteht die Idee, die Städtepartnerschaft Leipzig-Kyiv stärker zu nutzen und über die Stadt sowie die Zivilgesellschaft in Leipzig Kooperationen anzustoßen. Unser Dank gilt den engagierten Mitarbeiterinnen und Felix für ihre wertvolle Arbeit.</span></div>
<div spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24848" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-300x225.jpeg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-300x225.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-1024x768.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-768x576.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-1536x1152.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-1200x900.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Am Nachmittag treffen wir in den Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung nicht nur deren Mitarbeiterin Sasha, sondern auch die queerfeministische Aktivistin Ira Tantsiura. Sie gehört zum Team des feministischen Filmfestivals </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Filma</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> (</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci url"><a href="https://filmafest.org/en/about-en/" rel="noreferrer noopener">https://filmafest.org/en/about-en/</a></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">), das einen intersektionalen, nicht-hierarchischen Ansatz verfolgt und offene Zugänge für alle unabhängig von Herkunft, geschlechtlicher Identität oder Behinderung ermöglicht. Dies zeigt sich nicht nur in der thematischen Filmauswahl, sondern auch in deren Präsentation, etwa durch Untertitel. Ira hat gemeinsam mit anderen einen speziellen Leitfaden entwickelt, der inzwischen auch von anderen Festivals wie dem eher konventionellen LGBTQIA-Festival </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Sunny Bunny</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> genutzt wird.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid7" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Im Gespräch mit Ira thematisieren wir den Feminismus in der Ukraine, der aus ihrer Sicht einen konservativen Rückschritt erlebt. 2016 nahm ein anarchafeministischer Block an der Frauentagsdemonstration in Kyiv teil, wurde jedoch von traditionellen Frauengruppen stark kritisiert und erfuhr staatliche Repression. Auch in der queeren Community beobachtet sie einen „Homonationalismus“, der die Prides prägt und sich von emanzipatorischen, egalitären Zielen entfernt. Die Gesellschaft rücke nach rechts, was auch mit der zunehmenden Militarisierung zusammenhänge, die sogar von der staatlichen Kulturstiftung in Förderprogrammen für junge Menschen forciert werde.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid8" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Dennoch gibt es Hoffnung: Ira nimmt wahr, dass es immer mehr junge Menschen mit radikalen, progressiven Ideen gibt. Gleichzeitig gelingt es extrem rechten Gruppierungen, sehr junge, aktionsorientierte Menschen zu rekrutieren, die etwa am Karfreitag gegen das LGBTQIA-Festival mobilisieren. Ähnliche Entwicklungen kennen wir aus Sachsen, wo jedoch auch eine Repolitisierung der CSD-Bewegung zu beobachten ist.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid9" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Ira betont die Notwendigkeit sozialer Reformen in der Ukraine: Es brauche dringend ein Programm zur sozialen Wohnraumversorgung für marginalisierte und vertriebene Menschen sowie verbesserte HIV-Programme. Diese dringenden Fragen werden von politisch Verantwortlichen, ob auf kommunaler oder nationaler Ebene, jedoch nicht angegangen. Wir nehmen diese Botschaft mit.</span></div>
<div spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid10" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24847" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-300x225.jpeg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-300x225.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1024x768.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-768x576.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1536x1152.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1200x900.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Am Abend haben wir das Glück, drei Aktivistinnen der medizinischen Bewegung </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Be Like We Are</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> auf ihrer Durchreise nach Lwiw zu treffen. Gründerin Oksana Slobodiana erzählt, dass die Bewegung 2019 mit einem Facebook-Post einer Krankenpflegerin begann, die die schlechten Bedingungen im Gesundheitswesen kritisierte und Zehntausende erreichte. Dies war die Geburtsstunde der Bewegung, die inzwischen in zahlreichen Städten aktiv ist und Beschäftigte ermutigt, Gewerkschaften zu gründen. Die alten, trägen Gewerkschaften seien korrupt und würden die Probleme der Arbeiter*innen nicht lösen.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid11" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Be Like We Are</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> agiert zweigleisig: als landesweites Netzwerk und mit lokalen Gewerkschaften. Die Facebook-Gruppe hat über 85.000 Mitglieder, die NGO über 700. Über 90 % der Aktiven sind Frauen, was das Geschlechterverhältnis im Pflegebereich widerspiegelt. Das Gesundheitssystem in der Ukraine ist äußerst prekär. Zwar gibt es eine öffentliche Basisversorgung, doch spezielle Behandlungen, Medikamente und Operationen müssen teilweise von den Patient</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i">innen bezahlt werden. Eine flächendeckende staatliche Krankenversicherung existiert nicht. Der staatlich finanzierte Basiskatalog für medizinische Leistungen ist seit über zehn Jahren unverändert – trotz Inflation, komplexer Bedarfe und Krieg. Das System droht zu kollabieren, und die Leidtragenden sind vor allem die Krankenpfleger*</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">innen. <em>„W</em>ährend ihr euch in Deutschland über einen Betreuungsschlüssel von 1:12 beschwert, ist er bei uns 1:50“, erzählt Oksana. Hinzu kommen Belastungen durch verletzte Soldat*innen, die bevorzugt versorgt werden, was die Versorgung der Zivilbevölkerung beeinträchtigt.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid12" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Es fehlt an gesellschaftlichem Respekt für die Arbeit der Fachkräfte und vor allem an staatlicher Unterstützung für diesen zentralen Bereich der sozialen Daseinsvorsorge. Die Regierung strebt eine Reform des Gesundheitswesens nach britischem Vorbild an – eine steuerfinanzierte Grundversorgung, die jedoch chronisch unterfinanziert ist. Durch den Krieg ist dieser Umbau noch nicht vollzogen. </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Be Like We Are</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> organisiert Beschäftigte, um ihre Interessen durchzusetzen – keine Selbstverständlichkeit in der Ukraine, besonders im Krieg.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid13" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Ein konkreter Erfolg der Bewegung ist die Einführung einer monatlichen Zulage für Ärzt</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i">innen in Höhe von 20.000 Hrywnja (über 400 Euro) und für Pfleger</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">innen von 15.000 Hrywnja (über 300 Euro) – allerdings nur, wenn die Personalkosten des Krankenhauses 85 % nicht überschreiten. Anfang Mai werden Vertreter*innen von </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Be Like We Are</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> bei der Streikkonferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin präsent sein. Wir sind beeindruckt: Diese Organisierung hat Kraft und Potenzial, ist europaweit gut vernetzt und wünscht sich Unterstützung. </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i">We will care!</span></div>
<div spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">An diesem Abend fallen wir erschöpft ins Bett. Es war der letzte, ereignisreiche Tag einer intensiven Reise. Inzwischen sitzen wir im Zug Richtung Polen. Danke an alle, die wir treffen und mit denen wir sprechen durften, und an alles, was wir sehen und erfahren konnten. Weiteres Getexte folgt in jedem Fall!</span></div>
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		<title>Tag 4: #ukrXX</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Apr 2025 06:24:47 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute, am vierten Tag, war es ruhiger. Die Nacht verlief ruhig, sowohl in Kyiv als auch in der gesamten Ukraine. Wir besuchten heute Yana Salachova von Teatrzmin – dem Theater der Unterdrückten, einem lokalen Partner des deutschen Vereins Kurve Wustrow. Yana arbeitet bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und ist im Bereich des Forumtheaters &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/tag-4-ukrxx-26-04-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Tag 4: #ukrXX“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="magicdomid11" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24843" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-300x169.jpeg" alt="" width="300" height="169" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-300x169.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1024x576.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-768x432.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1536x864.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1200x675.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Heute, am vierten Tag, war es ruhiger. Die Nacht verlief ruhig, sowohl in Kyiv als auch in der gesamten Ukraine.</span></div>
<div id="magicdomid12" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir besuchten heute Yana Salachova von <a href="https://teatrzmin.org.ua/">Teatrzmin</a> – dem Theater der Unterdrückten, einem lokalen Partner des deutschen Vereins Kurve Wustrow. Yana arbeitet bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und ist im Bereich des Forumtheaters aktiv. Forumtheater ist eine Methode, die marginalisierte Menschen ermutigen soll, ihre Bedürfnisse zu formulieren. Zielgruppen sind Menschen mit Behinderungen, Kinder und Jugendliche, Roma, LGBTIQ-Personen und andere. Ziel ist es, in lokalen Kontexten Lösungen für Problemlagen zu finden. Besonders im Krieg ist dies eine große Herausforderung, aber auch ein wichtiges Mittel, um Dissens gewaltfrei aufzulösen oder abzumildern und nicht gehörten Stimmen Gehör zu verschaffen.&nbsp;&nbsp;</span></div>
<p><span id="more-24842"></span></p>
<div id="magicdomid30" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Yana berichtet von ihrer Arbeit in einer kleinen Gemeinde, wo für 2.000 Menschen jährlich nur 20.000 Hrywnja (ca. 420 Euro) für besondere soziale Bedarfe zur Verfügung stehen. Beim Forumtheater, bei dem dieses Thema angesprochen wird, ist auch eine lokal Verantwortliche anwesend. Anders als in anderen Kontexten ist es hier möglich, offen über das Defizit zu sprechen und es zu problematisieren. Am Ende wird sogar eine gute Lösung gefunden.&nbsp;&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid15" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Yana erzählt auch von Interventionen im Prozess des Wiederaufbaus der Ukraine: Statt geschlossene Heime für Menschen mit Behinderungen zu bauen, werden die Stimmen für selbstbestimmte Wohnformen lauter und gestärkt. Nicht nur Effizienz, sondern auch die Bedürfnisse marginalisierter Gruppen sollen berücksichtigt werden. Sie spricht von Theaterstücken, die familiäre Konflikte und Beziehungsabbrüche aufgrund der (Weiter-)Nutzung der russischen Sprache thematisieren.&nbsp;&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid17" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir sprechen auch über Rassismus und Queerfeindlichkeit. Yana beobachtet, dass Alltagsrassismus weit verbreitet ist, dieser jedoch selten in rassistische Gewalt umschlägt. Es gibt, wie in vielen Ländern, romafeindliche Stimmungen und Ausgrenzung, auch im militärischen Kontext. Queerfeindlichkeit hingegen ist ein wachsendes Problem. Kürzlich hatten rechte Gruppen gegen das in Kyiv stattfindende LGBTQIA+-Festival „Sunny Bunny“ mobilisiert. Diesmal reagierte die Polizei vorbildlich und schützte die Veranstaltung, was nicht immer der Fall war.&nbsp;&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid59" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir statten dem Festival einen kurzen Besuch ab, es ist sein letzter Tag. Wir sehen viele junge, queere Menschen zwischen den Kinosälen hin- und hergehen und bemerken eine kleine Polizeipräsenz.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid60" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">&nbsp;&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid19" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Am Abend haben wir die Gelegenheit, das neue Domizil der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu besuchen, die kürzlich an einen zentralen Platz nahe dem Maidan umgezogen ist. Mit der von uns geschätzten Mitarbeiterin Nelia Vahovska sprechen wir über Perspektiven der ukrainischen Linken, das Oligarchentum in der Politik und faschistische Tendenzen in der Armee. Im Stadtbild fällt überall Werbung für die Armee auf, aber auch für spezifische Einheiten. Besonders negativ sticht die „3. Sturmbrigade“ hervor. Diese wurde 2022 aus ehemaligen Asow-Kämpfern gegründet und ist für ihre extrem rechten Bezüge und Protagonisten bekannt. Bei ihrer Promotiontour durch Europa im vergangenen Jahr gab es antifaschistische Proteste.&nbsp;&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid20" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid334" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Ein Lichtblick ist, so Nelia, die linke Organisierung junger Menschen. Ein Beispiel dafür ist die basisdemokratische, syndikalistische Organisation <a href="http://www.priama-diia.org/">„Direct Action“</a>, die an Universitäten in der gesamten Ukraine aktiv ist. Sie kämpft für freie Bildung und gegen den neoliberalen Umbau des Bildungswesens. Ihre Strukturen, ihre Organisationsform und ihre Inhalte machen Mut und sind sogar dem Staat aufgefallen, der versucht, Aktivist*innen einzuschüchtern.</span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4"> Ein weiterer Lichtblick ist Med Rukh, die Bewegung der Krankenschwestern, die sich gegen die Zustände im Gesundheitssystem organisieren.&nbsp; Eine Vertreterin werden wir am Samstag, an unserem letzten Tag, treffen.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid22" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
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		<title>Tag 3: #ukrXX</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Apr 2025 09:23:32 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[Der dritte Tag beginnt sehr früh nach einer kurzen Nacht. Das Leben in Kyiv erwacht trotz der Drohnen- und Bombenangriffe der vergangenen Stunden. In dem Café, in dem wir unser erstes Gespräch führen, findet um 9:00 Uhr eine Schweigeminute für die Opfer der Angriffe statt. &#160; Unsere erste Gesprächspartnerin, eine Journalistin mit Schwerpunkt Sicherheitsfragen, eröffnet &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/tag-3-ukrxx-25-04-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Tag 3: #ukrXX“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="magicdomid2" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24836" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U-225x300.jpeg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U-225x300.jpeg 225w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U-768x1024.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U-1152x1536.jpeg 1152w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U-1200x1600.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U.jpeg 1536w" sizes="auto, (max-width: 225px) 85vw, 225px" /></a>Der dritte Tag beginnt sehr früh nach einer kurzen Nacht. Das Leben in Kyiv erwacht trotz der Drohnen- und Bombenangriffe der vergangenen Stunden. In dem Café, in dem wir unser erstes Gespräch führen, findet um 9:00 Uhr eine Schweigeminute für die Opfer der Angriffe statt. </span></div>
<p><span id="more-24835"></span></p>
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<div class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Unsere erste Gesprächspartnerin, eine Journalistin mit Schwerpunkt Sicherheitsfragen, eröffnet eine internationale Perspektive. Sie spricht über den russischen Informationskrieg, die Notwendigkeit, diesem entgegenzutreten</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci b"> &#8211; nicht </span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4 b">allein </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci b">mit Widerlegung von Falschinformationen sondern mit eigenen, positiven Erzählungen. Ebenfalls betonte sie die Notwendigkeit der Unabhängigkeit von Russland in energiepolitischen Fragen. Deutschland sei bezüglich der Einflußnahme, auch durch Agentinnen, bislang noch zu naiv. </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Gleichzeitig betont sie die Bedeutung der Phase nach einem möglichen Kriegsende: Es müsse genau im Blick bleiben, wohin Geldflüsse und Waffen in ukrainischen Händen dann fließen.</span></div>
<div id="magicdomid3" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid4" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Den zweiten Gesprächspartner treffen wir auf der westlichen Seite des Dnepr: Viacheslav Lichachev, einen bekannten Historiker und Experten für die extreme Rechte. Er ist zudem Vorstand des </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Center for Civil Liberties</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">, einer Menschenrechtsorganisation, die Kriegsverbrechen untersucht.</span></span></p>
<div id="magicdomid127" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4">Bereits&nbsp;</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> im Januar 2023</span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4"> haben wir Vertreter*innen der Organisation&nbsp; </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">getroffen. Viacheslav, genannt „Slava“, gibt Einblicke in die ukrainische Erinnerungspolitik und beschreibt, wie Russland die Geschichte umdeutet, indem es an seine</span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4"> durchaus</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> verdienstvolle Rolle bei der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus anknüpft.</span></div>
</div>
<div id="magicdomid5" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid6" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Am 9. Mai 2025 wird in Kyiv der 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus gefeiert, mit internationalen Gästen. An diesem Tag soll auch das Sondertribunal zur strafrechtlichen Verfolgung von Wladimir Putin und weiteren Verantwortlichen für Kriegsverbrechen in der Ukraine durch den Europarat eingerichtet werden. Das Sondertribunal soll eine Strafbarkeitslücke schließen: Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag ist für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zuständig, doch beim politisch heiklen Tatbestand der Aggression – also des Angriffskriegs – sind ihm die Hände gebunden. Russland hat das Statut des IStGH nicht unterzeichnet, die Ukraine inzwischen schon. Ein Beschluss des UN-Sicherheitsrats oder der UN-Vollversammlung wäre möglich, jedoch politisch schwierig. Mit dem Sondertribunal überträgt die Ukraine die Strafverfolgung von Putin und seinen Unterstützer*innen an den Europarat, was in eine Anklage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte münden könnte (mehr Infos: </span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4 url"><a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/ukraine-russland-angriffskrieg-europarat-sondertribunal-lux.VyqKKjeFcb5bWuVAoQqtiw" rel="noreferrer noopener">https://www.sueddeutsche.de/politik/ukraine-russland-angriffskrieg-europarat-sondertribunal-lux.VyqKKjeFcb5bWuVAoQqtiw</a></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">).</span></div>
<div id="magicdomid7" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid8" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Die Symbolik des Sondertribunals und des Befreiungstages könnte in Deutschland Irritationen auslösen. Dennoch kann sie als Plädoyer für ein „Nie wieder“ gelesen werden. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass nicht nur Russland, sondern auch die Ukraine und die 14 weiteren ehemaligen Sowjetrepubliken zur Befreiung Europas vom nationalsozialistischen Terror beigetragen haben. Die historischen Narrative sind jedoch ambivalent. In der Ukraine gab es mit der UPA und der OUN-B unter Stepan Bandera Kollaboration mit dem NS-Regime sowie Beteiligung an antisemitischen Pogromen. Gleichzeitig, so Lichachev, darf der Hitler-Stalin-Pakt nicht vergessen werden, der durch die Aufteilung Polens und die Annexion der baltischen Staaten sowie Teilen Rumäniens den Weg für Hitlers Eroberungszug ebnete. In der Ukraine ist das historische Erbe umstritten. Auf kommunaler Ebene gibt es Bestrebungen, Kollaborateur</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>innen wie Bandera als Kämpfer</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">innen für die Unabhängigkeit umzudeuten, doch solche Debatten sind derzeit auf Eis gelegt.</span></div>
<div id="magicdomid9" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid10" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Ein weiterer Fokus liegt auf der Umdeutung der Geschichte durch Putins Russland. Putin stellt den Krieg gegen die Ukraine als Kampf gegen den „Faschismus“ dar und diffamiert die EU als Unterstützerin des Faschismus. Seit 2020 verändert Russland seine historische Erzählung: Nicht mehr der Holocaust an Jüdinnen und Juden steht im Zentrum des größten Menschheitsverbrechens, sondern der „Holocaust an den Sowjets“. Dies zeigt sich etwa in Putins Rede zum 75. Holocaust-Gedenktag in Yad Vashem oder in Publikationen von Vertrauten wie der Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa.</span></div>
<div id="magicdomid11" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid12" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Slava gibt Einblicke in die Transformation der russischen und ukrainischen Neonazi-Szenen, die sich im Kontext des Krieges neu formiert haben. Ein Großteil der russischen Neonazis habe sich trotz ihrer Gegnerschaft zum Staat entschieden, in der russischen Armee gegen die Ukraine und „den Westen“ zu kämpfen, oder sei gewaltsam dazu gezwungen worden. Der russische Staat habe ein instrumentelles Verhältnis zu Neonazis, die auch als „Kanonenfutter“ dienten. Andere Teile der Szene entschieden sich hingegen, in ukrainischen Einheiten zu kämpfen, um ihren Widerstand gegen das ihrer Ansicht nach korrupte russische System auszudrücken. Vor diesem Hintergrund sei die Zahl rechter und rassistischer Angriffe in Russland zurückgegangen.</span></div>
<div id="magicdomid13" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid14" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Die ukrainische extreme Rechte, etwa Swoboda oder der Rechte Sektor, befinde sich bereits vor 2022 in einer Krise. Ihre Präsenz bei den Maidan-Protesten 2013/14 habe ihnen Auftrieb verschafft, insbesondere durch die Gegnerschaft zu Ex-Präsident Janukowytsch. Akteure der extrem rechten Swoboda waren 2014 Teil der Übergangsregierung nach dessen Sturz. Bei den Wahlen 2014 fielen sie jedoch unter die 5-Prozent-Hürde und konnten nur noch wenige Direktmandate in der ukrainischen Rada erringen. Selbst mit einer gemeinsamen Liste der extremen Rechten erzielten sie bei den Parlamentswahlen 2019 lediglich 2,4 Prozent. Unser Gesprächspartner sieht einen Grund darin, dass die Gegnerschaft zu Russland kein Alleinstellungsmerkmal der extremen Rechten mehr sei und ihre Europafeindlichkeit in der ukrainischen Gesellschaft kaum noch Zustimmung finde. Auch ihre heroische Inszenierung als Kämpfer*innen im Krieg verpuffe zunehmend. Dennoch sei ihre Aggression gegen Minderheiten, wie die LGBTIQ-Community, nicht zu unterschätzen. Bereits bei unserem letzten Besuch hatte Sergey Movchan vom </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Solidarity Collective</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> darauf hingewiesen, dass große politische Parteien rechte Narrative übernommen hätten, was ebenfalls die Schwächung der parlamentarischen Rechten erkläre. Ob und inwieweit rechte Einstellungen in der ukrainischen Gesellschaft verbreitet sind, sei ein eigenes Thema. Fest steht, dass Militär und Männlichkeitsbilder, besonders in Kriegszeiten, eine prägende Rolle spielen.</span></div>
<div id="magicdomid16" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid17" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24837" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu-225x300.jpeg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu-225x300.jpeg 225w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu-768x1024.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu-1152x1536.jpeg 1152w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu-1200x1600.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu.jpeg 1536w" sizes="auto, (max-width: 225px) 85vw, 225px" /></a>Am Nachmittag steht die Lage linker Akteure im Krieg im Vordergrund. Wir besuchen das „Solidarity Collective“, eine nicht-autoritäre, antifaschistische Initiative, und treffen Taras, ehemaliger Redakteur der linken Zeitschrift </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Commons</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">, der seit 2022 in der ukrainischen Armee kämpft. Das </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Solidarity Collective</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> unterstützt Linke an der Front, </span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4">baut Drohnen (im neuen Büro fand gerade ein Drohnenbauworkshop statt), </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">organisiert Hilfstransporte in Gebiete, die von anderen NGOs nicht erreicht werden, und pflegt internationale Netzwerke, unter anderem nach Sachsen. Es ist ein „Solidaritäts-Hub“, der basisdemokratisch organisiert ist. Die Ambivalenz, sich nicht-staatlich oder staatskritisch zu engagieren und dennoch in der staatlichen Armee zu dienen, wird reflektiert, doch Alternativen gibt es kaum. Jede*r muss diese Entscheidung individuell treffen. Die Unterstützung durch das Collective ist für die Kämpfenden logistisch und ideell eine wichtige Stütze.</span></div>
<div id="magicdomid18" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid19" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Taras betont, dass die Idee von </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Sotsialny Rukh</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">, den Wehrdienst zeitlich zu begrenzen, schwierig umzusetzen ist: Woher sollen dann Soldat</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>innen kommen?</i> Viele, die sich nach der großangelegten Invasion 2022 freiwillig meldeten, hätten dies angesichts der langen Kriegsdauer nicht getan. Zudem berichten viele von negativen Erfahrungen in der Armee. Ein Problem ist das Fehlen klarer Strukturen und Regeln sowie einer eigenen Militärgerichtsbarkeit, die in Streitfällen kompetent entscheiden könnte. Stattdessen bleibt vieles der Willkür von Kommandant</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">innen überlassen. 2022 wurde ein Gesetz erlassen, das Ungehorsam oder Desertion härter bestraft. Diese Fälle werden von überlasteten Zivilgerichten bearbeitet, die für militärische Angelegenheiten nicht spezialisiert sind. Das Gesetz stieß auf Widerstand von Menschenrechtsorganisationen.</span></div>
<div id="magicdomid20" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir gehen mit Taras durch die Straßen Kyivs und sprechen über die Lage in der Armee, die gesellschaftliche Situation in der Ukraine und seine Perspektiven für die Entwicklung von </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Sotsialny Rukh</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">. Wir empfehlen das Interview, das er 2024 der Zeitschrift </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Emanzipation</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> gegeben hat: https://emanzipation.org/2024/04/als-sozialist-die-ukraine-verteidigen/</span></div>
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		<title>Tag 2 &#8211; #ukrXX</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Apr 2025 08:34:39 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Beitrag ist geschrieben vor der Nacht zum Donnerstag, in der Russland massive Angriffe auf die ganze Ukraine und auch Kyiv fuhr. Uns geht es gut. Trotzdem eine schockierende Erfahrung, die nahe geht. Mehr vermag ich dazu nicht zu schreiben. Wir passen auf uns und einander auf. Ohne Flugabwehr wäre die Lage schwieriger. &#160; Doch &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/tag-2-ukrxx-24-04-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Tag 2 &#8211; #ukrXX“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="moz-forward-container"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/AhLiRX6H.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24832" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/AhLiRX6H-300x169.jpeg" alt="" width="300" height="169" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/AhLiRX6H-300x169.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/AhLiRX6H-1024x576.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/AhLiRX6H-768x432.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/AhLiRX6H-1536x864.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/AhLiRX6H-1200x675.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/AhLiRX6H.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Der Beitrag ist geschrieben vor der Nacht zum Donnerstag, in der Russland massive Angriffe auf die ganze Ukraine und auch Kyiv fuhr. Uns geht es gut. Trotzdem eine schockierende Erfahrung, die nahe geht. Mehr vermag ich dazu nicht zu schreiben. Wir passen auf uns und einander auf. Ohne Flugabwehr wäre die Lage schwieriger.</div>
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<p>Doch nun zum zweiten Tag: Endlich richtig angekommen, jedoch erneut nächtlicher Luftalarm und auch zweimal am Tag, während wir unterwegs sind.</p>
<p>Wir knüpfen an die gestrigen Gespräche an: Wir wollen zuhören und die Kraft der ukrainischen Zivilgesellschaft erkunden.<span id="more-24831"></span></p>
<p>Zunächst erleben wir einen Parforceritt durch die historischen Wunden der Ukraine: das Denkmal des Unbekannten Soldaten mit ewiger Flamme in Gedenken an den 2. Weltkrieg, das Holodomor-Museum, das Höhlenkloster (dessen Grund und Boden vom ukrainischen Staat aufgrund der vermeintlichen Nähe zum Moskauer Patriarchat beschlagnahmt wurde), die mächtige Statue „Mutter Ukraine“ (die in einer Hand das Wappen der Ukraine trägt, das erst 2023 nach einem Referendum das sowjetische Symbol ersetzte) sowie imposante Monumente und die „Allee der Heldenstädte“ im Gedenken an die sowjetischen Verdienste beim Sieg über das nationalsozialistische Deutschland. Allein die erinnerungskulturellen Herausforderungen vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs böten Stoff für ausführliche Reflexionen.</p>
<p>Weiter geht es mit dem Besuch bei Skhid SOS, einer großen Nichtregierungsorganisation, die essenzielle humanitäre Hilfe leistet. Die seit 2022 von 30 auf 230 Mitarbeitende gewachsene Organisation evakuiert Menschen – darunter auch Menschen mit Behinderungen – aus umkämpften und in Kooperation mit anderen NGOs auch aus besetzten Gebieten, hilft bei der Suche nach Zufluchtsorten, wandelt leerstehende Häuser in Unterkünfte um, versorgt Vertriebene und dokumentiert Kriegsverbrechen. Sie kooperiert mit Organisationen aus ganz Europa und evakuiert Menschen auch dorthin. Zudem gibt es Pilotprojekte für Kinder aus Krisenregionen, die so erstmals reguläre Schulen besuchen können. Denn: Wo Schulen keinen Schutzraum bieten, werden Kinder und Jugendliche in der Ukraine online unterrichtet. Seit 2022 hat Skhid SOS 12.000 Menschen mit Behinderungen und insgesamt 88.000 Personen aus umkämpften und besetzten Gebieten evakuiert. Die NGO finanziert sich ausschließlich über Spenden. Durch die Einstellung des USAID-Programms geraten Organisationen wie Skhid SOS in existenzielle Not, was die Menschen betrifft, die auf diese Unterstützung und Überlebenshilfe angewiesen sind. Alternative Spendenprogramme der EU und Großbritanniens decken den Bedarf bei Weitem nicht ab. Skhid SOS ist ein beeindruckendes Beispiel für die Kraft der ukrainischen Zivilgesellschaft: Menschen helfen anderen, obwohl Russland selbst vor dem Beschuss von humanitären Helfer*innen und Krankenwagen nicht zurückschreckt. Oxana, mit der wir sprechen, betont, dass auch nach Kriegsende immense Aufgaben anstehen: der Wiederaufbau der sozialen Infrastruktur, die Behandlung physischer und psychischer Verletzungen – ein Kraftakt. Bis dahin heißt es: Überleben und weiterleben.</p>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/VT1M_vGr.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24833" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/VT1M_vGr-300x225.jpeg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/VT1M_vGr-300x225.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/VT1M_vGr-1024x768.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/VT1M_vGr-768x576.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/VT1M_vGr-1536x1152.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/VT1M_vGr-1200x900.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/VT1M_vGr.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Das nächste Treffen führt uns ins Büro von Sotsialny Rukh, der sozialen Bewegung. Im Gespräch mit Vitali und Deniz knüpfen wir an das an, was wir 2023 bereits kennengelernt haben: eine agile, linke Organisation, die sich auf die Verteidigung der Rechte von Arbeiter*innen konzentriert, politische Bildung organisiert und ein Ankerpunkt für jene ist, die sich als links verstehen. Das ist in der Ukraine nicht selbstverständlich, da der Staatssozialismus sowjetischer Prägung tiefe Spuren hinterlassen hat. Es gibt eine große Distanz zu politisch-weltanschaulichen Strömungen, insbesondere zur politischen Linken. Parteien wie die Kommunistische und die Sozialistische Partei der Ukraine entpuppten sich nicht nur als Steigbügelhalter Russlands, sondern auch als Vorfeld von Oligarchie und Korruption. Sotsialny Rukh hat überlegt, eine eigene demokratisch-sozialistische Partei zu gründen, doch die Hürden dafür sind hoch. Es gilt, weiterhin Vertrauen aufzubauen und linke Politik im Land gesellschaftsfähig zu machen. Vorläufer der Bewegung waren auch bei den Maidan-Protesten aktiv, konnten daraus jedoch keine linken Erfolge generieren. Sotsialny Rukh hat weiterhin etwa 100 Mitglieder, ist vor allem in Kyjiw, Krywyj Rih und Lwiw aktiv und verfügt über zahlreiche Kooperationen und Sympathisant*innen. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und der Verhinderung neoliberaler Reformen des Arbeitsrechts. Dieses wurde bereits nach Kriegsbeginn verschlechtert; Streik- und Demonstrationsrechte stehen in Kriegszeiten stark unter Druck. Ein Gesetzesentwurf zur weiteren Einschränkung von Beschäftigtenrechten liegt in der Schublade, trifft jedoch auf so massiven Widerstand – auch von etablierten Gewerkschaften –, dass er bisher nicht umgesetzt wurde.</p>
<p>Derzeit gerät die Zwangsrekrutierung von Männern zwischen 25 und 60 Jahren auch in Deutschland zunehmend in den kritischen Fokus. Auch Mitglieder von Sotsialny Rukh kämpfen im Krieg, freiwillig oder unfreiwillig. Dass die Ukraine verteidigt werden muss, steht für die Aktiven außer Frage. Die Rekrutierungspraxis muss laut ihnen jedoch humaner gestaltet werden: Es braucht dringend eine zeitliche Begrenzung der Einsatzzeit und Lohngarantien für eingezogene Beschäftigte. Zudem zeigt sich die Macht des Neoliberalismus auch in der Rekrutierungspraxis: Manager und Unternehmenschefs werden oft ausgespart.</p>
<p>Nicht zuletzt geht es um die EU-Beitrittsperspektive der Ukraine, die auch bei Sotsialny Rukh kontrovers diskutiert wird. Die EU wird – wie in vielen linken Kontexten – kritisch betrachtet, insbesondere wegen ihrer demokratischen Defizite und ihres Fokus auf kapitalistische Prinzipien. „Schlechter als in der Ukraine mit dem Primat von Privatisierung und Oligarchentum kann die EU kaum sein“, meint Vitali Dudin, der als Jurist Menschen bei der Durchsetzung ihrer Arbeiter*innenrechte unterstützt. Der EU-Beitritt könnte die Basis für Kämpfe um soziale Rechte und Demokratie erweitern – und dafür tragen auch wir als westeuropäische Linke Verantwortung.</p>
<p>Kurz bleibt noch Zeit mit den jungen Aktivst*innen von Direct Action zu sprechen, eine Studierenden-Gewerkschaft, die im gesamten Land für freie Bildung und gegen neoliberale Bildungsreformen aktiv ist. Ein Erfolg ihre Arbeit war unter anderem der Erhalt der Krim-Universität im Exil, die vom Bildungsministerium geschlossen werden sollte.</p>
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		<title>Tag 1: #ukrXX</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2025 06:25:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
		<category><![CDATA[Partei]]></category>
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					<description><![CDATA[Luftalarm schon in der ersten Nacht. Er war schnell vorbei, ohne Einschläge in Kyiv, aber mit dem Hinweis, dass Drohnen auf die ukrainische Hauptstadt zusteuern. Im Osten der Ukraine gehen die Bombardements unvermindert weiter, unter anderem ist Odessa ein Hauptziel der russischen Angriffe. &#160; Die meisten Menschen in Kyiv haben sich an die Alarme gewöhnt, &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/tag-1-ukrxx-23-04-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Tag 1: #ukrXX“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="magicdomid49" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/mQ8NoeSX.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24829" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/mQ8NoeSX-226x300.jpeg" alt="" width="226" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/mQ8NoeSX-226x300.jpeg 226w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/mQ8NoeSX-771x1024.jpeg 771w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/mQ8NoeSX-768x1020.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/mQ8NoeSX-1157x1536.jpeg 1157w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/mQ8NoeSX-1200x1594.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/mQ8NoeSX.jpeg 1542w" sizes="auto, (max-width: 226px) 85vw, 226px" /></a></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Luftalarm schon in der ersten Nacht. Er war schnell vorbei, ohne Einschläge in Kyiv, aber mit dem Hinweis, dass Drohnen auf die ukrainische Hauptstadt zusteuern. Im Osten der Ukraine gehen die Bombardements unvermindert weiter, unter anderem ist Odessa ein Hauptziel der russischen Angriffe.</span></div>
<div id="magicdomid3" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid65" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Die meisten Menschen in Kyiv haben sich an die Alarme gewöhnt, erzählt uns Tim, den wir </span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4">am Dienstag</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> getroffen haben. Er arbeitet bei einer Nichtregierungsorganisation und kennt die ukrainische Zivilgesellschaft gut. Für deren Stärkung engagiert er sich gemeinsam mit vielen anderen. Er kennt auch Sachsen und nennt es das „deutsche Herz der Finsternis“. In Deutschland, besonders in Sachsen, ist die Solidarität mit den Menschen in der Ukraine längst verblasst. Selbst Geflüchtete, die zunächst mit offenen Armen empfangen und gegenüber Geflüchteten aus nicht-europäischen Ländern bevorzugt wurden – nicht nur gesellschaftlich, sondern auch staatlich –, sind inzwischen Anfeindungen ausgesetzt. Die neue Bundesregierung plant zudem ihre sozialrechtliche Schlechterstellung. (Wir haben hingegen stets die Gleichbehandlung aller Geflüchteten auf dem Niveau der Ukrainer*innen gefordert.)</span></div>
<div id="magicdomid5" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid308" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Zurück nach Kyiv: Die Stadt wirkt im Frühling, drei Jahre nach der „full scale invasion“, lebendiger und heller als im Januar 2023. Einigen von uns fällt auf, dass im Straßenbild Männer im „wehrfähigen Alter“ fehlen. Die meisten von ihnen kämpfen an der Front, freiwillig oder unfreiwillig. Der Maidan ist inzwischen ein Zeugnis des Leids, das dieser Krieg verursacht. Angehörige haben dort einen Gedenkplatz für die inzwischen zehntausenden gefallenen Soldat*innen geschaffen, der seit unserem letzten Besuch deutlich gewachsen ist. Kleine Wege zwischen den Erinnerungsstätten führen durch diesen Ort der Trauer und des Gedenkens</span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4">, Fahnen, Fotos und Blumen säumen die Pfade. Wenige Frauen befinden sich unter den Gefallenen.<a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/pcXpwCPL.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24828" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/pcXpwCPL-300x226.jpeg" alt="" width="300" height="226" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/pcXpwCPL-300x226.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/pcXpwCPL-1024x771.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/pcXpwCPL-768x578.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/pcXpwCPL-1536x1157.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/pcXpwCPL-1200x904.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/pcXpwCPL.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a></span></div>
<div id="magicdomid7" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid8" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Genau wie dieser Ort funktioniert offenbar die ukrainische Gesellschaft: selbstorganisiert, staatsfern und vielfältig. Das haben wir selbst erlebt, und es wird uns auch heute bestätigt. Internationale Debatten über die Zukunft der Ukraine, die über die Köpfe der Menschen hinweg geführt werden, empfinden viele als Verletzung und Verhöhnung. Gerade heute haben die USA laut Medienberichten ins Spiel gebracht, die Krim als russisches Territorium anzuerkennen. Solche Vorschläge treffen die Ukrainer*innen hart und stoßen auf Kritik. Entsprechende Stimmen hat kürzlich auch der MDR-Journalist Thomas Datt in Odessa eingefangen.</span></div>
<div id="magicdomid9" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid425" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir sprechen über die Notwendigkeit intensiverer Kontakte zwischen Menschen in Deutschland und der Ukraine. Austauschprogramme – sei es auf wissenschaftlicher Ebene, zwischen jungen Menschen oder zivilgesellschaftlichen Akteuren – sind durch die Kriegssituation selten geworden, was äußerst kontraproduktiv ist. Gerade jetzt müsste der Austausch gefördert werden. </span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4">Unser Gesprächspartner verweist darauf, dass es ins</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">esonders in Ostdeutschland angesichts der Geschichte mehr Sensibilität für die Belange Mittel- und Osteuropas</span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4"> bräuchte.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid426" class="ace-line" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid432" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Morgen werden wir Vertreter</span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4 i"><i>*i</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>nnen der großen NGO Vostok SOS treffen, die vor allem in der Ostukraine aktiv ist, sowie unseren Genoss</i></span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4">*i</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">nnen von Sotsialnyi Rukh begegnen.</span></div>
<div id="magicdomid12" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid13" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">&nbsp;</span></div>
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		<title>#ukrXX: Frühling der Emphatie &#038; Solidarität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Apr 2025 20:18:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir sind auf dem Weg in die Ukraine. Anknüpfend an unsere Reise im Januar 2023 wollen Engagierte aus dem linXXnet-Kollektiv &#38; friends vor Ort Stimmen und Stimmungen erkunden. Seit 2023 ist viel geschehen: der russische Krieg währt nun schon seit über drei Jahren. Seit dem völkerrechtswidrigen Angriff sind laut UN-Hochkommissariats für Menschenrechte fast 13.000 Zivilist*innen &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/ukrxx-fruehling-der-emphatie-solidaritaet-21-04-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„#ukrXX: Frühling der Emphatie &#038; Solidarität“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/ci5sT-Vn.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24824" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/ci5sT-Vn-226x300.jpeg" alt="" width="226" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/ci5sT-Vn-226x300.jpeg 226w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/ci5sT-Vn.jpeg 512w" sizes="auto, (max-width: 226px) 85vw, 226px" /></a>Wir sind auf dem Weg in die Ukraine. <a href="https://www.rosalux.de/news/id/50000/wenn-frieden-neu-gedacht-werden-muss">Anknüpfend an unsere Reise im Januar 2023</a> wollen Engagierte aus dem linXXnet-Kollektiv &amp; friends vor Ort Stimmen und Stimmungen erkunden.</p>
<p>Seit 2023 ist viel geschehen: der russische Krieg währt nun schon seit über drei Jahren. Seit dem völkerrechtswidrigen Angriff sind laut <span lang="de-DE">UN-Hochkommissariats für Menschenrechte</span> fast 13.000 Zivilist*innen in der Ukraine getötet wurden, fast 20.000 Kinder wurden nach Russland verschleppt, fast 7 Millionen Ukrainer*innen sind ins Ausland geflohen. Für zu viele ist dieses Grauen zur Normalität verblasst, für Menschen in der Ukraine ist es der bittere Alltag.<br />
Spätestens die Annäherung von US-Präsident Trump an den Aggressor Russland rüttelt auf: Die Ukraine droht im globalen Machtspiel an den Rand gedrängt zu werden. Wieder wird viel über die Ukraine gesprochen, aber nicht mit den Menschen, die es betrifft.<span id="more-24821"></span></p>
<p>Wir planen während unserer 1-wöchigen Reise erneut Gespräche mit Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, linker Organisationen, Gewerkschaften und Akteuren, die humanitäre Hilfe leisten. Gerade in diesen Tagen, wo ein Waffenstillstand und ein gerechter Frieden zum Spielball von Autokraten zu werden droht, sind uns die Eindrücke derer, die es unmittelbar betrifft, wichtig. Dabei ist uns und sicher auch denen, die wir treffen die Ambivalenz der aktuellen Lage durchaus bewusst. Die Weiterführung des Krieges wird noch mehr Menschenleben kosten und die soziale Lage in der Ukraine weiter verschärfen. Auch demokratiepolitisch leidet das Land und dabei besonders die politische und gewerkschaftliche Linke. Männer werden von der Straße weggefangen und fürs Militär zwangsrekrutiert, das Streik- und Versammlungsrecht in Kriegszeiten ausgehöhlt, während soziale Kürzungen und Arbeitsrechtsverschärfungen auf der Tagesordnung sind. An eine Rückkehr der vielen Geflohenen glaubt fast keiner mehr. Das Land leidet unter einer riesigen Schuldenlast, die Folgen muss die einfache Bevölkerung tragen.</p>
<p>Trotzdem nehmen wir aus der Ferne weiter einen starken Willen wahr nicht unter russischem Diktat zu leben und die Ukraine in Richtung Europas und auch der EU zu entwickeln.</p>
<p>In unserem Gepäck haben wir eure Spenden – 1700 Euro sind zusammen gekommen – die wir vor Ort in vertrauensvolle Hände geben werden.</p>
<p>Nicht zuletzt steht unser Besuch auch im Zeichen des 80. Jahrestages der Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Viel zu oft fällt unter den Tisch, dass auch ukrainische Angehörige der Roten Armee an der Niederschlagung Nazi-Deutschlands beteiligt waren, und dass die Ukraine besonders unter dem NS-Feldzug im Osten litt. Unter anderem das Massaker von Babyn jar zeugt davon. In dem Tal in/bei Kyiv erschossen Angehörige von Wehrmacht und SS am 29./30. September 1941 mehr als 33.000 Jüdinnen und Juden – das größte Einzelmassaker an Jüd*innen im NS. Bereits bei unserem letzten Besuch in Kyiv besuchten wir Babyn jar und bekamen einen Überblick über die wechselvolle Geschichte des Umgangs mit diesem historischen Ort. Wir hoffen gerade in diesen Tagen daran anknüpfen zu können.</p>
<p><strong>Wir werden versuchen jeden Tag einen kleinen Bericht über Erlebtes und Erkenntnisse publizieren zu können: An dieser Stelle, auf Blueskye, Mastodon oder Instagram unter dem Hashtag #ukrXX</strong></p>
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		<title>Spendenaufruf: Praktische Solidarität für die Menschen in der Ukraine</title>
		<link>https://jule.linxxnet.de/spendenaufruf-praktische-solidaritaet-fuer-die-menschen-in-der-ukraine-01-04-2025/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Apr 2025 17:43:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit über drei Jahren wütet Russlands Krieg gegen die Ukraine – drei Jahre voller Zerstörung, Vertreibung und Leid. Doch für viele hier ist dieses Grauen zur Normalität verblasst. Spätestens die Annäherung von US-Präsident Trump an den Aggressor Russland rüttelt auf: Die Ukraine droht im globalen Machtspiel an den Rand gedrängt zu werden. Wieder wird viel &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/spendenaufruf-praktische-solidaritaet-fuer-die-menschen-in-der-ukraine-01-04-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Spendenaufruf: Praktische Solidarität für die Menschen in der Ukraine“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/F_B5CLFz.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24775" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/F_B5CLFz-240x300.jpeg" alt="" width="240" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/F_B5CLFz-240x300.jpeg 240w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/F_B5CLFz.jpeg 544w" sizes="auto, (max-width: 240px) 85vw, 240px" /></a>Seit über drei Jahren wütet Russlands Krieg gegen die Ukraine – drei Jahre voller Zerstörung, Vertreibung und Leid. Doch für viele hier ist dieses Grauen zur Normalität verblasst. Spätestens die Annäherung von US-Präsident Trump an den Aggressor Russland rüttelt auf: Die Ukraine droht im globalen Machtspiel an den Rand gedrängt zu werden. Wieder wird viel über die Ukraine gesprochen, aber nicht mit den Menschen, die es betrifft.</p>
<p>Ein Frieden zu Russlands Bedingungen kann kein gerechter Frieden sein. Wie sich die aktuellen Geschehnisse auf die Zivilbevölkerung und auf linke, gewerkschaftliche sowie feministische Akteure auswirkt, bleibt hierzulande oft unsichtbar. Das wollen wir ändern. Nach unserer Reise im Januar 2023, bei der wir vor Ort Gespräche führten und Hilfe leisteten, brechen wir im April erneut auf. Aus dem „Winter der Solidarität“ wird nun ein „Frühling der Solidarität und Aufmerksamkeit“.<span id="more-24774"></span></p>
<p>Wir treffen Hilfsorganisationen und Engagierte aus Gewerkschaften, linker Politik und Menschenrechtsarbeit. Ihre Lage ist dramatisch: Der Krieg zehrt an Leib und Seele, raubt geliebte Menschen und Zukunftshoffnung. Dazu kommen Entdemokratisierung und der Abbau sozialer und politischer Rechte durch den Kriegszustand. Unser Ziel: Zuhören, sehen, berichten – und daraus politisches Handeln ableiten.</p>
<p><strong>Mit euren Spenden unterstützen wir die Menschen vor Ort in ihrem humanitären, gewerkschaftlichen und politischen Einsatz.</strong></p>
<p><strong>– Paypal (juliane.nagel@linxxnet.de/ Betreff: Ukraine) und</strong></p>
<p><strong>– Überweisung an Juliane Nagel, DE93 8605 5592 1631 8125 60 bei Sparkasse Leipzig</strong></p>
<p>Wir werden dann über die Spendensumme und deren Verteilung informieren!</p>
<p><em>„Wer glaubt, dass der Krieg eine entfernte russisch-ukrainische Angelegenheit sei, mit der die deutsche Gesellschaft nichts zu tun habe, für den habe ich eine schlechte Nachricht – auch aus meiner Zeit in russischer Gefangenschaft: Die Russen glauben nicht, dass sie einen Krieg gegen die Ukraine führen. Sie sind überzeugt, dass sie einen Krieg gegen den Westen und alle liberalen, demokratischen Gesellschaften führen.“ (Maksym Butkevych, ukrainischer Menschenrechtsaktivist, über zwei Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft)</em></p>
</div>
</div>
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			</item>
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		<title>Emanzipatorische Perspektiven auf Frieden und Außenpolitik</title>
		<link>https://jule.linxxnet.de/emanzipatorische-perspektiven-auf-frieden-und-aussenpolitik-21-03-2025/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Mar 2025 19:55:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Partei]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[Diskussion &#38; Organisierung: Wann, wenn nicht jetzt? Am Montag, 7. April 2025, 18:00 Uhr &#8211; online https://bbb.linxx.net/rooms/jul-dzm-fmj-gzv/join Drei Jahre russischer Krieg gegen die Ukraine – drei Jahre voller Zerstörung, Leid und Vertreibung. Während die Aufmerksamkeit dafür schwindet, brachte jüngst die Drohung des US-Präsidenten der Ukraine die Unterstützung zu entziehen Bewegung in die Auseinandersetzung. Es ist &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/emanzipatorische-perspektiven-auf-frieden-und-aussenpolitik-21-03-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Emanzipatorische Perspektiven auf Frieden und Außenpolitik“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/03/ema_frieden.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24755" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/03/ema_frieden-240x300.png" alt="" width="240" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/03/ema_frieden-240x300.png 240w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/03/ema_frieden-819x1024.png 819w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/03/ema_frieden-768x960.png 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/03/ema_frieden.png 1080w" sizes="auto, (max-width: 240px) 85vw, 240px" /></a>Diskussion &amp; Organisierung: Wann, wenn nicht jetzt?</b></p>
<p><b>Am Montag, 7. April 2025, 18:00 Uhr &#8211; online </b><b><a href="https://bbb.linxx.net/rooms/jul-dzm-fmj-gzv/join">https://bbb.linxx.net/rooms/jul-dzm-fmj-gzv/join</a></b></p>
<p>Drei Jahre russischer Krieg gegen die Ukraine – drei Jahre voller Zerstörung, Leid und Vertreibung. Während die Aufmerksamkeit dafür schwindet, brachte jüngst die Drohung des US-Präsidenten der Ukraine die Unterstützung zu entziehen Bewegung in die Auseinandersetzung. Es ist ein Treppenwitz, dass im Schlepptau des skrupellosen amerikanischen Gebarens intensiver über einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen gesprochen wird. Die Konditionen, über die Trump mit Putin verhandelt, dürften dabei für die Ukraine nicht zumutbar sein. Die USA unter Trump droht an und für sich internationale Regeln und Institutionen ins Wanken zu bringen. Die Alternativen sind Autoritarismus, Imperialismus und nationalistischer Hardcore-Kapitalismus.</p>
<p><i>Wie aber positioniert sich die Linke – als Partei oder Bewegung?</i></p>
<p>Die neue weltpolitische Härte und der Einfluss der Linken auf Entscheidungen zur Ukraine-Unterstützung und Aufrüstung führte zu gemischten Reaktionen von Neumitgliedern und Freund*innen der Partei. Die große Lücke linker Programmatik mit Völkerrechtsbrüchen und der sich wandelnden weltpolitischen Machtblöcke adäquat umzugehen, klafft weiter. Und sie klafft auch im Hinblick auf Ideen für eine deeskalierende europäischen Außen- und Sicherheitspolitik als nicht-aggressive Alternative zu despotischen Playern a la Russland, China oder USA.</p>
<p>Daneben steht die Aufgabe ein progressives Verständnis von Internationalismus zu entwickeln. Linke in der Ukraine wie auch in anderen osteuropäischen Ländern, die wie in Georgien gegen autoritäre Führungen und eine europäische Perspektive ihrer Ländern kämpfen, fühlen sich von westlichen Linken nicht gehört und durch die Brille eines angestaubten/ falsch verstanden Antiimperialismus zu bloßen Statisten degradiert.</p>
<p>Kurzum: Wir wollen reden, wir müssen reden.</p>
<p>Wir laden euch ein zu Inputs, Diskussion und Impulsen zur Organisierung!&nbsp;</p>
<p>Inputs von Jan Schlemermeyer (Politikwissenschaftler, ehem Referent für Strategie und Grundsatzfragen, Die Linke), Nelia Vakhovska (Übersetzerin, Kyiw/ Ukraine) und Markus Pohle (Mitglied Parteivorstand Die Linke)</p>
<p>Moderation und Strukturierung: Jule Nagel, Pawel Matusz, Artyom Stassyuk</p>
<p><b>Textempfehlungen:</b></p>
<p>Axel Gehring: Außenpolitische Verspannungen der Linken, <a href="https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/aussenpolitische-verspannungen-der-linken/">https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/aussenpolitische-verspannungen-der-linken/</a></p>
<p>Jan Schlemermeyer: Links im multipolaren Kapitalismus <a href="https://www.nd-aktuell.de/artikel/1162751.linke-debatte-links-im-multipolaren-kapitalismus.html">https://www.nd-aktuell.de/artikel/1162751.linke-debatte-links-im-multipolaren-kapitalismus.html</a></p>
<p>Thomas Nord &amp; Jan Schlemermeyer: Gedanken zur Lage nach der Bundestagswahl und Handlungsperspektiven für das Netzwerk Progressive Linke <a href="https://progressive-linke.de/gedanken-zur-lage-nach-der-bundestagswahl-und-handlungsperspektiven-fuer-das-netzwerk-progressive-linke">https://progressive-linke.de/gedanken-zur-lage-nach-der-bundestagswahl-und-handlungsperspektiven-fuer-das-netzwerk-progressive-linke</a></p>
<p>linXXnet-Kollektiv: Ukraine und Russland: Einwurf zur notwendigen Neujustierung der außenpolitischen Position der LINKEN <a href="https://www.linxxnet.de/2022/10/20/ukraine-und-russland-einwurf-zur-notwendigen-neujustierung-der-aussenpolitischen-position-der-linken/">https://www.linxxnet.de/2022/10/20/ukraine-und-russland-einwurf-zur-notwendigen-neujustierung-der-aussenpolitischen-position-der-linken/</a></p>
<p>Publikationen von Nelia Vakhovska bei RLS: <a href="https://www.rosalux.de/profil/es_detail/MP29VFSGUT/nelia-vakhovska?cHash=fb8ed1669f5bcd1a033dea33784e8f8a">https://www.rosalux.de/profil/es_detail/MP29VFSGUT/nelia-vakhovska?cHash=fb8ed1669f5bcd1a033dea33784e8f8a</a></p>
<p>La presse: Interview mit Sergey Movchan &#8222;„Russland gibt der extremen Rechten einen Freibrief“ <a href="https://la-presse.org/sergey-movchan/">https://la-presse.org/sergey-movchan/</a></p>
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