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	<title>Partei &#8211; jule.linXXnet.de</title>
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	<title>Partei &#8211; jule.linXXnet.de</title>
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		<title>Stellungnahme des linXXnet zur Mobilisierung am 17. Januar in Leipzig-Connewitz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Jan 2026 12:49:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Kurz vor dem Jahresende tauchte im Internet ein Sharepic auf, das zu einer Demonstration unter dem Motto „Antifa means free palestine“ nach Leipzig-Connewitz aufruft. Einen Tag später folgte ein präzisierender Aufruf, unter anderem veröffentlicht von der antisemitischen Gruppierung Handala. Darin werden das linXXnet und das Conne Island explizit als feindliche Orte markiert. Der Text arbeitet &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/stellungnahme-des-linxxnet-zur-mobilisierung-am-17-januar-in-leipzig-connewitz-06-01-2026/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Stellungnahme des linXXnet zur Mobilisierung am 17. Januar in Leipzig-Connewitz“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/signal-2026-01-06-17-05-44-088.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-25322" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/signal-2026-01-06-17-05-44-088-240x300.jpg" alt="" width="240" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/signal-2026-01-06-17-05-44-088-240x300.jpg 240w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/signal-2026-01-06-17-05-44-088-819x1024.jpg 819w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/signal-2026-01-06-17-05-44-088-768x960.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/signal-2026-01-06-17-05-44-088.jpg 1080w" sizes="(max-width: 240px) 85vw, 240px" /></a>Kurz vor dem Jahresende tauchte im Internet ein Sharepic auf, das zu einer Demonstration unter dem Motto „Antifa means free palestine“ nach Leipzig-Connewitz aufruft. Einen Tag später folgte ein präzisierender Aufruf, unter anderem veröffentlicht von der antisemitischen Gruppierung Handala. Darin werden das linXXnet und das Conne Island explizit als feindliche Orte markiert. Der Text arbeitet mit Lügen und kalkulierten Falschdarstellungen, um Stimmung in den sozialen Medien zu erzeugen.<span id="more-25320"></span></p>
<p>Innerlinke Auseinandersetzung über Israel und Palästina gibt es seit Jahrzehnten, leider auch gewalttätig ausgetragen, wie ein <a href="https://antifainfoblatt.de/aib56/es-gibt-keine-bedingungslose-solidaritaet">Text aus dem Antifaschistisches Infoblatt 2002 </a>zeigt:</p>
<p><i>&#8222;Weil in Palästina und Israel die kriegerischen Auseinandersetzungen eskalieren, spitzen sich die Konflikte zwischen den »Pro-Israel«- und »Pro Palästina«-Lagern in der deutschen Linken weiter zu. Risse und Brüche ziehen sich durch politische Zusammenhänge, Gruppen, Wohngemeinschaften und Freundschaften. Vielerorts hat die Auseinandersetzung ein Niveau erreicht, das allenfalls als schauerhaft und jenseits jeglicher bis dato scheinbar noch verbindlicher Umgangsnormen innerhalb einer außerparlamentarischen, unabhängigen Linken bezeichnet werden kann.<br />
</i><i>Das zeigte sich auf diversen Demonstrationen, wo Selbstkritik an den Rand gedrängt oder ganz von den Veranstaltungen ausgeschlossen wurde. Der Wille, eine gegnerische Position auch unter Anwendung körperlicher Gewalt zu unterdrücken, wurde inzwischen mehrfach in die Tat umgesetzt. Wenn von beiden Seiten &#8211; wie in den letzten Monaten vielfach geschehen &#8211; zu »bedingungsloser Solidarität« aufgerufen wird und sich Identitäten geborgt werden, sollte die antifaschistische deutsche Linke in der Suche nach eigenen Positionen eine kritische Distanz zu solchen Standpunkten bewahren.&#8220;</i></p>
<p>Wir melden uns als linXXnet zu Wort, weil wir körperliche Gewalt und die Methoden von Handala und Co. entschieden ablehnen. Wer in Zeiten fortschreitender Faschisierung, verschärfter Migrationspolitik, wachsender Repression gegen Antifaschist*innen und zunehmender Angriffe auf Erwerbslose und Beschäftigte gezielt eine plurale linke Szene in einem linksalternativen Stadtteil ins Visier nimmt, erledigt das Geschäft der Rechten und des Staates.</p>
<p>Linke Orte und Menschen als Feinde zu markieren, sie der Denunziation auszusetzen und zum Ziel von Mobilisierungen zu machen, bedeutet den vollständigen Verlust jedes emanzipatorischen Anspruchs. Es geht dabei nicht um Frieden für Gaza und Israel, sondern um Hass, ideologisches Schaulaufen und Machtdemonstration. Dass sich extreme Rechte längst dieser Mobilisierung angeschlossen haben, wird dabei bewusst in Kauf genommen.</p>
<h5><b>Das linXXnet: plural, offen, solidarisch: </b></h5>
<p>Das linXXnet versteht sich seit seiner Gründung als pluraler, linker und linksradikaler Ort mit Verbindung zur Partei Die Linke. Es lebt vom Austausch zwischen außerparlamentarischer Linker und Parteipolitik. Unsere Räume sind offen: Wir stellen Technik für Demonstrationen, unterstützen bei Anmeldungen, bieten Platz für Plena, Beratungen und Vernetzung.</p>
<p>Über die Jahre waren die Kollektive im linXXnet Orte politischer Debatte, antifaschistischer Bündnisarbeit, Organisierung und Stadtteilarbeit. Wir haben Geflüchtetenproteste unterstützt, sind Teil mieten- und wohnungspolitischer Bewegungen, engagieren uns in der linken Ukraine-Solidaritätsarbeit und supporten linke und solidarische Strukturen auf dem flachen Land.</p>
<p>Gleichzeitig haben wir uns immer wieder für ein emanzipatorisches, undogmatisches linkes Verständnis eingesetzt – gegen autoritäre Verkürzungen und Geschichtsvergessenheit. Die Lehren aus den brutalen Ausprägungen des Realsozialismus sind für uns zentral: Sozialistische Errungenschaften ohne Freiheit führen zwangsläufig zu Autoritarismus und Repression. Eine befreite Gesellschaft entsteht durch die Menschen selbst und nicht durch den Plan einer autoritären Macht.</p>
<p>Mit diesem Selbstverständnis sind wir Teil der pluralen Stadtteilgesellschaft Connewitz. Der Stadtteil ist kein homogenes Gebilde, sondern lebt von Vielfalt, Widersprüchen und Entwicklung. Viele hier verbindet jedoch ein antifaschistisches, humanistisches und freiheitliches Selbstverständnis sowie Solidarität und Widerständigkeit. Genau dieses Selbstverständnis und diese Praxis sind es, die nun angegriffen werden. Das lassen wir nicht unwidersprochen!</p>
<h5><b>Internationalismus ohne Lagerdenken </b></h5>
<p>Im Kontext des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben wir <a href="https://www.linxxnet.de/2022/10/20/ukraine-und-russland-einwurf-zur-notwendigen-neujustierung-der-aussenpolitischen-position-der-linken/">unser internationalistisches Verständnis geschärft</a>, das auch unsere Haltung zu Israel und Gaza prägt. Wir verzichten bewusst auf Worthülsen wie „bedingungslose Solidarität“. Kein Staat verdient sie. Staatliches Handeln ist immer kritisch zu betrachten. Politische Verbündete können für uns nur Akteur*innen sein, die Menschenrechte sowie demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien achten. Wir unterstützen zivilgesellschaftliche Bewegungen für Demokratisierung, soziale Rechte, Klimagerechtigkeit, Feminismus, Geschlechtergerechtigkeit und sexuelle Selbstbestimmung. Die Umsetzung universeller Rechte für alle Menschen ist unser Ziel, das schließt die Aufarbeitung kolonialer Verbrechen und die Kritik an den strukturellen Defiziten nationalstaatlicher Demokratien explizit ein.</p>
<p>Mit der <a href="https://la-presse.org/tag/btl/">Veranstaltungsreihe „between the lines“</a> schaffen wir bewusst Räume für Stimmen jenseits von Lagerlogiken und Einseitigkeiten. Wir wollen Widersprüche aushalten, ungehörte Perspektiven sichtbar machen und universalistische Positionen stärken. Freiheit, Solidarität und die Unversehrtheit aller Menschen müssen im Zentrum stehen. Und genau das fehlt der deutschen Nahostdebatte zunehmend.</p>
<h5><b>Doppelte Solidarität statt Feindbilder</b></h5>
<p>Für uns ist klar: Der 7. Oktober 2023 war kein „Widerstandsakt“, sondern ein antisemitischer Terroranschlag gegen die Bevölkerung Israels. Zugleich wurde der israelische Gegenschlag zu einem Krieg mit verheerenden zivilen Opfern in Gaza, zerstörten Lebensgrundlagen und massenhaftem Leid. Auch der völkerrechtswidrige Siedlungsbau im Westjordanland verschärft die Situation.<br />
Weder die extrem rechte Regierung Netanjahus noch die islamistische Hamas sind Teil einer Lösung. Unsere Hoffnung liegt bei der Zivilgesellschaft auf beiden Seiten, die für Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit kämpft.</p>
<p>Die deutsche Linke trägt derzeit wenig zur Entschärfung bei. Statt Brücken zu bauen und den Schmerz beider Seiten anzuerkennen, werden Gräben vertieft. Israelsolidarität verkommt zur identitären Pose, Palästinasolidarität zum ideologischen Instrument. Statt Humanismus, Frieden und den Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus ins Zentrum zu stellen, wird gespalten, gehetzt und gedroht. Das akzeptieren wir nicht – weder in Connewitz noch anderswo.</p>
<p>Unser Ansatz ist die doppelte Solidarität: solidarisch mit progressiven Kräften in Israel und in den palästinensischen Gebieten, die für friedliche Lösungen und ein gemeinsames Leben in Freiheit eintreten. Grundlage dafür ist die konsequente Ablehnung von Antisemitismus und Rassismus sowie die universelle Geltung der Menschenrechte.</p>
<h5><b>Antifaschistische Solidarität verteidigen</b></h5>
<p>Antifaschist*innen waren wir, sind wir und bleiben wir. Wir bekämpfen Rassismus und Antisemitismus in all ihren Erscheinungsformen. Wir werden nicht zulassen, dass linke Orte bedroht und denunziert werden.</p>
<p>Unsere Solidarität gilt dem Conne Island als linkem Kulturzentrum und zentralem Freiraum für Generationen junger Menschen seit 1990. Linke Zentren müssen geschützt werden, sei es vor Neonazis, vor konservativen Angriffen und vor staatlicher Repression. Gerade jetzt.</p>
<p>Wir rufen dazu auf, am 17. Januar nach Connewitz zu kommen und sich solidarisch dem Aufmarsch jener entgegenzustellen, die Hass und Feindbilder verbreiten. Und auch den Neonazis, die sich das &#8222;Spektakel&#8220; in Connewitz&nbsp; &#8222;anschauen wollen&#8220;, muss zehn Jahre nach ihrem Angriff auf der Wolfgang-Heinze-Str. deutlich gemacht werden, dass sie hier nichts zu suchen haben.</p>
<p>Zeigen wir gemeinsam, dass das Leben und die Freiheit der Menschen in Gaza und Israel im Mittelpunkt stehen müssen – nicht ideologische Stellvertreterkriege.</p>
<h5><strong>Unser Büro ist am 17. Januar ab 11 Uhr geöffnet. Unsere Tür steht für solidarische Menschen offen. </strong></h5>
<p>Solltet ihr jedoch für den Handala-Aufruf nach Connewitz kommen, seht es uns nach, dass wir an diesem Tag keine Kapazitäten für Diskussionen haben.&nbsp;</p>
<p>An diesem Tag sammeln wir außerdem Spenden für Transaidency e.V.</p>
<p><em>Ein Hinweis an Pressevertreter*innen, am 17. Januar werden wir keine Zeit für Interviews oder ähnliches im linXXnet haben. Sehen sie daher davon ab das Büro auf suchen zu wollen oder &#8222;O-Töne&#8220; sammeln zu wollen. Wenden sie sich für etwaige Presse-Anfragen bitte an: kontakt@linxxnet.de</em></p>
<p><em>Ausschlussklausel: Das linXXnet behält sich vor, vom Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten Parteien und/oder Organisationen angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, verschwörungsideologische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zum Büro/Gelände zu verwehren oder sie auszuschließen.</em></p>
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		<title>Weg mit den Strukturen, die Ungleichheit und Unfreiheit erzeugen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 2026 16:52:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Mein Beitrag in der Reihe der Leipziger Internetzeitung zu Träumen von Leipziger*innen: Rund um Weihnachten öffnen sich die Herzen. Wohnungslose Menschen werden wahrgenommen, die Tafeln rücken in den Fokus, karitatives Engagement steigt, es wird gespendet. Kaum ist das Fest vorbei, ist es das auch mit Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Ich will niemandem diese vorweihnachtliche Beruhigung des &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/weg-mit-den-strukturen-die-ungleichheit-und-unfreiheit-erzeugen-01-01-2026/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Weg mit den Strukturen, die Ungleichheit und Unfreiheit erzeugen“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/Juliane-Nagel.png"><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-25314" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/Juliane-Nagel-300x200.png" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/Juliane-Nagel-300x200.png 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/Juliane-Nagel-768x512.png 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2026/01/Juliane-Nagel.png 883w" sizes="(max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Mein Beitrag in der Reihe der Leipziger Internetzeitung zu Träumen von Leipziger*innen:</p>
<p>Rund um Weihnachten öffnen sich die Herzen. Wohnungslose Menschen werden wahrgenommen, die Tafeln rücken in den Fokus, karitatives Engagement steigt, es wird gespendet. Kaum ist das Fest vorbei, ist es das auch mit Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Ich will niemandem diese vorweihnachtliche Beruhigung des eigenen Gewissens vorwerfen. Die Betroffenen profitieren von dieser kurzen Phase der Gutherzigkeit.<span id="more-25313"></span></p>
<p>Doch schauen wir auf das, was im Windschatten des leuchtenden Weihnachtsfestes über die politische Bühne getrieben wird, wird einem angst und bange. Während Nächstenliebe beschworen wird, werden Rechte geschliffen. Die Bürgergeldreform wird zurückgedreht, das Asylrecht in EU und Bundesrepublik faktisch zu Grabe getragen.</p>
<p>Kürzungen sorgen für die Abwicklung von Projekten, die tagtäglich Unterstützung für jene leisten, die in der gesellschaftlichen Hierarchie ganz unten stehen: Menschen, die in Armut leben, Menschen, deren Aufenthaltsrecht bedroht ist. Gleichzeitig werden Immobilien an die Börse gebracht, Mieterinnen und Mieter auf die Straße gesetzt, weil sie nicht mehr profitabel genug sind. Das ist kein Zufall. Das ist politische Linie.</p>
<h2>Wovon ich träume?</h2>
<p>Ich träume davon, dass endlich die Strukturen zerstört werden, die Ungleichheit und Unfreiheit zementieren. Strukturen, die dafür sorgen, dass Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden. Die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Passes oder vermeintlich „falscher“ Fluchtgründe entrechten und ihnen das letzte Quäntchen Würde rauben.</p>
<p>Diese Strukturen haben Namen: Kapitalismus, Rassismus und Nationalstaat.</p>
<p>Aufgerüstete Grenzen, die entwürdigende Bezahlkarte für Geflüchtete, die Gängelung all jener, die auf Unterstützung angewiesen sind – all das sind keine Sachzwänge. Es sind bewusste politische Entscheidungen.</p>
<p>Auch die Behandlung von Wohnraum als kapitalistische Ware, die dazu führt, dass das Dach über dem Kopf zur Profitmacherei oder zum Spekulationsgut wird und Menschen mit geringen Einkommen auf die Straße oder an den Stadtrand gespuckt werden, ist kein Naturgesetz. Sie ist Ausdruck eines Systems, das Rendite höher bewertet als Menschenwürde.</p>
<p>Ich träume davon, dass wir uns diesen Strukturen kollektiv erwehren. Dass wir eine Gesellschaft erkämpfen, in der Profitmaximierung nicht länger über dem Gemeinwohl steht, in der Konkurrenz und Individualismus nicht als Tugenden gefeiert werden, sondern Solidarität und soziale Sicherheit.</p>
<p>Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte. Aber er ist verantwortlich dafür, dass Menschen sich Lebensmittel, Bus und Bahn und Wohnen nicht mehr leisten können – oft trotz Arbeit. Er erschöpft, vereinzelt und treibt viele an den Rand ihrer ökonomischen Möglichkeiten.</p>
<p>Die Aushöhlung des Öffentlichen und Sozialen bereitet zugleich den Boden für den Aufstieg der extremen Rechten. Jede Kürzung, jede Entrechtung vulnerabler Menschen ist Wasser auf deren Mühlen. Längst sind neoliberale und menschenfeindliche Positionen in der vermeintlichen Mitte angekommen. Längst exekutieren Regierungsparteien auf Bundes- und Landesebene die Agenda der extremen Rechten. Das muss aufhören – bevor alles den Bach heruntergeht.</p>
<p>Insofern gilt: Das Fünkchen Humanismus und Gemeinwohlorientierung der Weihnachtszeit muss verdammt noch mal ab dem 27.12. weiter glühen – und zur Flamme werden. Nicht als moralische Geste, sondern als politische Praxis. Denn dieser Traum wird nicht geschenkt. Er wird erkämpft. Und alles andere hieße, ihn kampflos aufzugeben.</p>
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		<title>Vom Plenarsaal auf die Barrikaden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Oct 2025 21:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Linke hat kurz vor der Bundestagswahl eine denkwürdige Kehrtwende hingelegt und ist mit einem der besten Ergebnisse seit der Gründung souverän als Fraktion in den Bundestag und auch ins Interesse der Medienöffentlichkeit zurückgekehrt (https://emanzipation.org/2025/03/die-linke-nach-der-wahl-aufbauen/). Wiederentdeckte Taktiken linker Politik durch direkte Hilfsangebote, Organizing in den Betrieben, Haustürgespräche, aber auch eine professionelle und strategische Öffentlichkeitsarbeit vor &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/vom-plenarsaal-auf-die-barrikaden-21-10-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Vom Plenarsaal auf die Barrikaden“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2019/07/LINKE-SX_LTW19_Mockup_Sozialismus_900x900px.png"><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-20375" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2019/07/LINKE-SX_LTW19_Mockup_Sozialismus_900x900px-300x300.png" alt="" width="300" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2019/07/LINKE-SX_LTW19_Mockup_Sozialismus_900x900px-300x300.png 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2019/07/LINKE-SX_LTW19_Mockup_Sozialismus_900x900px-150x150.png 150w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2019/07/LINKE-SX_LTW19_Mockup_Sozialismus_900x900px-768x768.png 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2019/07/LINKE-SX_LTW19_Mockup_Sozialismus_900x900px-624x624.png 624w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2019/07/LINKE-SX_LTW19_Mockup_Sozialismus_900x900px.png 900w" sizes="(max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Die Linke hat kurz vor der Bundestagswahl eine denkwürdige Kehrtwende hingelegt und ist mit einem der besten Ergebnisse seit der Gründung souverän als Fraktion in den Bundestag und auch ins Interesse der Medienöffentlichkeit zurückgekehrt (<a href="https://emanzipation.org/2025/03/die-linke-nach-der-wahl-aufbauen/">https://emanzipation.org/2025/03/die-linke-nach-der-wahl-aufbauen/</a>). Wiederentdeckte Taktiken linker Politik durch direkte Hilfsangebote, Organizing in den Betrieben, Haustürgespräche, aber auch eine professionelle und strategische Öffentlichkeitsarbeit vor allem im Social-Media-Bereich scheinen sich deutlich in Wähler*innenstimmen ausgezahlt zu haben. Dem Pakt von CDU und AfD zur Verschärfung der Migrationspolitik widersprach die Linke in klarer und authentischer Art und Weise Wir sind die Brandmauer! &#8211; lautet unser Versprechen, auch dieses Momentum trug zum Comeback bei.</p>
<p>Doch was kommt danach, und wie lauten die Alltags-Erfolgsrezepte einer linken, sozialistischen Partei? Wir meinen, dass die Möglichkeiten parlamentarischer Arbeit und deren grundsätzliche Bedeutung für die Partei nicht unterschätzt werden sollten. Wir wollen in diesem Beitrag die Vielzahl der Ressourcen parlamentarischer Mandate für Partei und Bewegung sowie Perspektiven für eine radikalreformistische Politik aufzeigen, die unseren Wähler*innen präzise Ansatzpunkte liefert, wie wir nicht nur von unten, sondern auch vom Parlament aus einer Umgestaltung der Gesellschaft näherkommen können.&nbsp;</p>
<p>Wir wollen Antworten geben auf die Fragen: Wofür braucht es Die Linke im Parlament auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene – und warum sind diese Funktionen eben nicht durch Parteiaufbau und Organizing zu ersetzen? Durch einen komplementären Ansatz lassen sich strukturelle Erneuerung mit aktivistischer Parteiarbeit einerseits und rebellische Parlamentsarbeit verbinden.</p>
<p>Mein Debattenbeitrag mit Katalin Gennburg<span id="more-25190"></span></p>
<p><strong>I. Mandate = Ressourcen &amp; Strukturen</strong><br />
Eine automatische Folge einer starken Fraktion im Bundestag sind umfangreiche finanzielle Zuwendungen aus der staatlichen Parteienfinanzierung. Zusätzlich profitiert die Partei dank unserer hohen Mandatsträger*innenabgaben finanziell erheblich durch jeden gewonnenen Parlamentssitz. Klug genutzt, lässt sich dieses zusätzliche Budget unmittelbar in mehr greifbare Hilfs- und Beratungsangebote, Präsenz an den Haustüren und Social-Media-Feeds sowie linke Treffpunkte ummünzen: Mehr Ressourcen ergeben bessere Strukturen, mehr Vernetzung und Organisierung. Nicht zuletzt unterstützen viele unserer Abgeordneten als Einzelpersonen lokale Initiativen im Wahlkreis mit regelmäßigen Spenden und stärken so ganz konkret Akteur*innen für eine solidarische Gesellschaft vor Ort.</p>
<p>Jeder gewonnene Parlamentssitz ist zudem mit mehr Geldmitteln für Fraktions- und Wahlkreismitarbeitende verbunden, die wiederum für unsere Strategie- und Kampagnenentwicklung, die Erarbeitung linker Gesetzesvorhaben und die Präsenz im Wahlkreis unverzichtbar sind. Darüber hinaus haben staatliche Zuwendungen für die Arbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine überlebenswichtige Bedeutung. Mitgliedsbeiträge allein reichen nicht, um die dortigen Strukturen linker Theorie-, Bildungs- und Strategiearbeit zu erhalten und auszubauen, deren Bedeutung für linke Politik innerhalb und außerhalb des Parlaments sehr wichtig ist.<br />
&nbsp;<br />
<strong>II. Mandate als Sprachrohr für Partei und Bewegung</strong><br />
Eine sehr wichtige Rolle für unsere politische Glaubwürdigkeit spielt außerdem die individuelle Ausgestaltung des Mandats durch die Gewählten. Der über die Jahre ritualisierte und an vielen Stellen (nachvollziehbarer Weise) von Unverständnis geprägte Blick vieler Basismitglieder auf die frühere „Fraktionsblase“ im politischen Berlin darf kein Dauerzustand bleiben. Ein sinnvoller Einsatz von realistischen Mandatszeitbegrenzungen und die parteiinterne Deckelung der Abgeordnetendiäten können hierzu beitragen. Für Diskussion und Auseinandersetzung zwischen Basis und Fraktion(en) sollten Orte etabliert werden und die Anbindung unserer Abgeordneten an die Basisarbeit vor Ort selbstverständlich sein.</p>
<p>Insbesondere geht es uns hier darum, die Position von Abgeordneten als Sprachrohr und Ressource für Partei und Bewegung zu betrachten. Hierzu gehört die Frage, wie wir unsere Wahlkreisbüros nutzen. Diese Orte sollten ganz selbstverständlich nicht nur für Aktivitäten rund um die Partei zur Verfügung stehen, sondern für alle Menschen im eigenen Wahlkreis offen sein, die sich für eine solidarischere Gesellschaft einbringen wollen. Von Antifa- und Klimagruppen bis zu lokalen Kulturvereinen und Freizeittreffs ist die Klientel, die unsere Räume benötigt und nutzt, sicherlich je nach Standort sehr unterschiedlich. Vor allem im ländlichen Ostdeutschland, wo es teilweise kaum oder keine Treffpunkte außerhalb einer stramm rechten Hegemonie gibt, sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung, einen Schutzraum, Support und Infrastruktur für die verbliebenen demokratischen Akteuren*innen anzubieten.</p>
<p>Je nach Anforderungen können unsere Büros vieles sein: Plenumsort und Bibliothek, Veranstaltungslocation und Techniklager, Café und Kneipe, Copyshop und Beratungszentrum. Um diese Funktionen zu erfüllen, braucht es aber nicht nur Ressourcen für Einrichtung und Miete, sondern auch eine solidarische Vergütung für Genoss*innen, die unsere Büros betreuen und progressive Akteur*innen im Wahlkreis miteinander vernetzen. Das Abgeordnetenbüro ist nicht nur Treffpunkt und offener Raum, sondern hat auch einen Schutzstatus: Von der Bereitstellung der Postadresse für Initiativen bis hin zu verschlüsselten und sicheren IT-Angeboten können wir unsere Namen für diejenigen hinhalten, die in ihrer Arbeit lieber anonym bleiben wollen. Die Idee und Umsetzung von offenen Büros hat in unserer Partei inzwischen eine lange Traditionslinie und heute werden viele Abgeordnetenbüros als solche Kollektivorte geführt. Die Erfolge dieser Bürokonzepte lassen sich in Leipzig, Dresden, Treptow und anderswo nachvollziehen.<br />
&nbsp;<br />
<strong>III. Mandate als Schutz linker Aktivist*innen</strong><br />
Das Parlamentsmandat exponiert uns und bietet darüber hinaus einen rechtlichen Schutz, um bspw. Demonstrationen und Aktionen des zivilen Ungehorsams als parlamentarische Beobachter*innen zu begleiten. Wo wir als Anmelder*innen von Kundgebungen auftreten, können wir außerparlamentarische Akteur*innen entlasten und unterstützen.<br />
Die parlamentarischen Möglichkeiten sind darüber hinaus vielfältig. Es gilt, die eigene Zeit nicht nur an den analogen und digitalen Kampfplätzen zu verbringen, die auch ohne Mandat zugänglich wären. Sehr wirkmächtig lässt sich mit parlamentarischen Instrumenten der politische Betrieb aufmischen. Eines der simpelsten Mittel ist das Öffentlichmachen von Informationen mittels Kleiner Anfragen – Informationen, an die Medienschaffende, NGOs und Aktivist*innen ansonsten nur unter sehr viel umständlicheren Bedingungen gelangen können. Bereits unzählige Male wurden skandalöse Zustände in der Polizei, auf dem Wohnungsmarkt oder der Asylpolitik aufgrund unserer unermüdlichen parlamentarischen Anfragen aufgedeckt und medial aufgegriffen.</p>
<p>Kleine Anfragen und parlamentarische Informationsbeschaffung liefern uns wichtige Daten zu Regierungshandeln und Informationen über politische Machtstrukturen. Systematisch eingesetzt, stellen sie eine unverzichtbare Grundlage für das Erkennen und Verstehen von politischen Problemen, die Entwicklung von Forderungen und für programmatische Diskurse für Die Linke und emanzipatorische soziale Bewegungen dar. Ohne Mandate und parlamentarische Repräsentation fehlen uns all diese Informationen. Ohne Kenntnis dessen, was im Zentrum der Macht geschieht, fällt der Aufbau von Gegenmacht schwer.<br />
Das gilt auch in die andere Richtung: Gerade, weil das Parlament ein Machtraum ist und von der Geschäftsordnung bis hin zu den wissenschaftlichen Parlamentsdiensten eine so komplexe Handlungsstruktur existiert, braucht es Menschen, die sich damit auskennen und auch aus Überzeugung dieses Wissen nutzen und umverteilen.</p>
<p><strong>IV. Parlamentarische Präsenz als Garant für (mediale) Sichtbarkeit</strong><br />
Der finanzielle und informationsbezogene Aspekt parlamentarischer Mandate ist zwar ein überlebenswichtiger, aber längst nicht der einzige Vorteil des ungeahnt erfolgreichen Winterwahlkampfes. Besonders bemerkbar ist aktuell auch die völlig veränderte Rolle in der Medienöffentlichkeit, die unsere Partei seit dem massiven Zugewinn an Wähler*innenzuspruch spielt. Auch wenn wir es zu lange vernachlässigt haben, möglichst alle Menschen, für die wir Politik machen &#8211; vom Werkstor über die Haustür bis zu Social Media &#8211; zu erreichen; die Massenmedien bleiben ein zentraler Ort des Agendasettings und der Produktion politischer Narrative. Wir können es uns nicht leisten, in Tagesschau und Talkshows, aber auch in den Regional- und Lokalzeitungen nicht präsent zu sein, wenn wir wirklich alle potenziellen Wähler*innen mit unserer Politik erreichen wollen. Das gilt vor allem für die großen Claims der politischen Debatte, für Widerspruch gegen eine neoliberale Finanz- und Steuerpolitik, die große Vermögen und Superreiche begünstigt, für eine laute Stimme gegen zutiefst menschenverachtende Äußerungen gegen Sozialleistungsbeziehende oder für die Abschaffung von Rechten von Menschen ohne deutschen Pass. Es reicht nicht, diesem permanenten Rechtsruck in den eigenen Social-Media-Blasen zu trotzen, wir müssen auch in die klassischen Arenen der Aufmerksamkeits- und Meinungsproduktion. Dabei nicht zu vergessen: gedruckte Materialien, um vor Ort in den Häusern und Nachbarschaften unsere Botschaften zu verteilen.</p>
<p><strong>V. Transformation beginnt im Kleinen – Belege für Erfolge lokaler linker Parlamentsarbeit</strong><br />
Wir haben mit der Bedeutung von finanziellen Ressourcen, Medienpräsenz, Wahlkreisbüros und Mandatsträger*innenrechten für die Partei und außerparlamentarische Zusammenhänge bereits verschiedene Funktionen ausgeführt, aufgrund derer parlamentarische Mandate ein unverzichtbarer Bestandteil erfolgreicher linker Politik sind – und welche gravierenden Auswirkungen deren Wegfall mit sich bringt. Gleichermaßen müssen wir jedoch bessere Antworten auf die Fragen nach Strategien und inhaltlichen Leitplanken für linke parlamentarische Mehrheiten finden, als sie die bisherige Praxis unserer Partei herausarbeiten konnte.</p>
<p>Oft übersehen, liefert die kommunale Ebene erfolgreiche Beispiele dafür, wie sich linke Mehrheiten in konkrete und spürbare Veränderungen ummünzen lassen. In Leipzig erkämpften wir als Stadtratsfraktion in vielen Bereichen wichtige Mehrheiten für eine solidarischere Stadtgesellschaft t: mit der Implementierung von Milieuschutzgebieten gegen konservative und liberale Akteure aus Politik und Immobilienwirtschaft, der Einführung konkreter Verfahren für die Ahndung von Mietwucher, durch die Erklärung zum „sicheren Hafen“ für Geflüchtete samt Begleitmaßnahmen, die Abschaffung von sachgrundlosen Befristungen für Verwaltungsmitarbeiter*innen oder die Entlastung von Beschäftigten in Kitas. Auch wenn die Handlungsmacht auf kommunaler Ebene manchmal marginal wirkt, hat sie oftmals bedeutsame Auswirkungen auf das Leben von Menschen. Dank unserer Initiative im Stadtrat wird es in Leipzig bald den neben Berlin ersten Drogenkonsumraum in Ostdeutschland geben – dieser wird das Leben von prekär lebenden Konsumierenden retten.</p>
<p>Die Berliner Linksfraktion erkämpfte kostenlose Mieter*innenberatungen in allen zwölf Berliner Bezirken, kostenfreie Toiletten (wenn auch derzeit nur 50 Prozent aller Toiletten) und freie Uferwege entlang der Berliner Gewässer als Ziel für die Stadtentwicklungspolitik, sowie den Schutz aller Kleingärten.In Treptow gelang es über die Basisorganisierung im Wahlkreis als sicht- und hörbare Abgeordnete, anknüpfend an vorherige Kiezkampagnen, gemeinsam mit den Anwohner*innen die medizinische Versorgung zu sichern. In einem zuvor bereits privatisierten Ärztehaus im Osten der Stadt wurde den damaligen Hausärzt*innen vom neuen Eigentümer gekündigt. Nach zwei Jahren Kampf ist die Hausarztversorgung wieder gesichert. Diese Beispiele zeigen eindrücklich, wie entscheidend linke Mehrheiten auf lokaler Ebene für konkrete Veränderungen sind.<br />
&nbsp;<br />
<strong>VI. Linkes Regieren im Kapitalismus – ein Desaster mit Ansage?</strong><br />
Wenig überraschend lassen sich die Erfolge linker Kommunalpolitik nur schwerlich auf die in ihren politischen Mehrheiten und Entscheidungskompetenzen völlig anders strukturierte Landes- und Bundesebene übertragen. Zwar können wir uns auf die Fahne schreiben, in der Vergangenheit durch politischen Druck und Bündnisse mit gesellschaftlichen Akteur*innen dazu beigetragen zu haben, dass genuin linke Forderungen wie Mindestlöhne oder die Ehe für Alle von den Regierenden eingeführt worden sind. Auch in den Länderparlamenten konnten wir aus der Opposition heraus strukturelle Veränderungen bewirken. In Sachsen betrifft dies etwa den sozialen Wohnungsbau, der erst 2017 auch durch unsere stetige parlamentarische Arbeit wieder in Gang gesetzt wurde oder die Einführung des Zweckentfremdungsverbots für Wohnraum, um gegen die kommerzielle Umnutzung durch Anbieter wie Airbnb und spekulativen Leerstand vorgehen zu können.</p>
<p>In der neuen Situation einer Minderheitsregierung aus CDU und SPD hat Die Linke in den Verhandlungen zum sächsischen Haushalt 2025/26 maßgeblich dazu beigetragen, schmerzliche Kürzungen im Sozialen, in der Jugendarbeit, Kultur, Integration und Demokratieförderung abzuwenden. Außerdem konnten wir die in Sachsen sehr strikte Schuldenbremse zumindest etwas lockern, um zukünftige Investitionen in die soziale Infrastruktur zu ermöglichen. Die parlamentarische Konstellation in Sachsen versetzt die Linke in die Situation, punktuell reale Verbesserungen durchzusetzen, aber nicht sklavisch an eine Koalition gebunden zu sein. Ein schmaler Grat, der immer wieder neu ausgelotet werden muss – auch durch eine breite, offene Debatte in Partei und Gesellschaft.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>In Berlin wurde in der rot-rot-grünen Regierung darüber hinaus unter anderem erreicht: ein kostenloses Schüler*innenticket, die Einführung des 9€-Tickets als Sozialticket, die Umsetzung des Mietenvolksentscheides, der die soziale Steuerung der landeseigenen Wohngesellschaften inklusive der Mietobergrenzen in den Wohnungen der landeseigenen Wohnungen forderte, die nach wie vor diskutierte Bebauung des Tempelhofer Feldes zu verhindern und die Sicherung des Freiraums gegen Investorenwünsche, sowie des Fahrradvolksentscheids mittels des Ausbaus und der Priorisierung der Fahrrad- und Fußgänger*innensicherheit in Berlin. Alle diese Entscheide wurden von uns umgesetzt und werden jetzt durch die schwarz-rote Regierung angegriffen und zurückgedreht.<br />
Nicht zu vergessen: die Einführung des für die gesamte Berliner Verwaltung bis zur Polizei geltende Antidiskriminierungsgesetz, der kostenlose Museums-Sonntag, den schwarz rot&nbsp; mit Amtsantritt unmittelbarabgeschaffte.. oderdas „Netzwerk der Wärme“, welches aus Erfahrungen der Pandemie solidarische Nachbarschaften und unkommerzielle Orte stärkt.</p>
<p>Linke Regierungsbeteiligungen auf Landesebene standen oft in einem unvorteilhaften Licht und konnten den in sie gesetzten Erwartungen nicht entsprechen. In einigen Fällen sind unsere Erfolge zu unsichtbar geblieben oder wurden durch den Druck des konservativ-rechten Lagers infrage gestellt. Dass es linken Parteien quer durch Europa ähnlich ergangen ist (<a href="https://www.nd-aktuell.de/artikel/1041573.linksregierungen-in-europa-haben-versagt.html">https://www.nd-aktuell.de/artikel/1041573.linksregierungen-in-europa-haben-versagt.html</a>), markiert die besondere Schwierigkeit, tragfähige Argumente und überzeugende Strategien für eine auf Regierungsverantwortung ausgerichtete linke Politik zu entwickeln. Dennoch sind diese Perspektiven unverzichtbar, um Die Linke langfristig als eine politische Kraft zu etablieren, die gesellschaftliche Mehrheiten gewinnen und ihren Wähler*innen einen überzeugenden Transformationsplan hin zum demokratischen Sozialismus anbieten kann (<a href="https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/wir-muessen-mehr-ueber-macht-nachdenken-unsere-eigene-und-die-der-anderen-warum-linkes-mit-regieren-notwendig-ist/">https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/wir-muessen-mehr-ueber-macht-nachdenken-unsere-eigene-und-die-der-anderen-warum-linkes-mit-regieren-notwendig-ist/</a>).</p>
<p>Ein Beispiel für mutige, an Systemgrenzen kratzende linke Politik war der Berliner Mietendeckel.&nbsp; Es waren vor allem unabhängige Jurist*innen, die sich mit ihrer fachlichen Expertise für dieses politische Anliegen zusammensetzten und in endlosen Abendstunden einen Gesetzesvorschlag erarbeiteten. Mit dem Druck der Straße im Rücken und dem Wissen, dass eine linke Regierungsbeteiligung immer einem Transformationsanspruch folgen muss, ging die Linke in den Widerstand gegen das Immobilienkapital. Wir wissen heute: Der Mietendeckel wurde von CDU &amp; FDP weggeklagt und muss nun auf Bundesebene eingeführt werden. In Berlin haben wir als Linke gezeigt, dass es dieses entschlossene Handeln braucht.<br />
Inzwischen haben mehrere europäische Länder eine gesetzliche Mietenregulierung nach Berliner Vorbild eingeführt.</p>
<p>Das von einer rot-rot-grünen Landesregierung erarbeitete Gesetz war eine unserer wichtigsten Forderungen im Bundestagswahlkampf 2025 – und wir waren damit sehr erfolgreich. Für die Einführung eines Mietendeckels streitet auch die neue Bundestagsfraktion. Dafür braucht es mehr Druck aus Gesellschaft und Mieter*innenschaft sowie ein kluges Zusammenwirken aus verschiedenen strategischen Ansätzen, die auch linke Regierungspolitik mutig einbeziehen. Für progressive Ansätze im Rahmen des Möglichen benötigen wir zwingend parlamentarische Arbeit und den unbändigen Willen, das Bestehende in Frage zu stellen – aus dem heute in ein sozialistisches Morgen. Daran können wir scheitern, gerade wenn wir auf den verschiedenen Ebenen unterschiedlichen– nämlich wenig(er) – Gestaltungsspielraum haben. Hieraus aber muss der Ansporn erwachsen, daran etwas zu ändern.</p>
<p><strong>Conclusio: Das Parlament ist tot, es lebe die Haustür!</strong><br />
Viel ist in jüngerer Zeit über die Bedeutung von Haustürgesprächen, betrieblicher Organisierung und Gegenmacht von unten geschrieben worden. Diese Konzepte und strategischen Überlegungen erwiesen und erweisen sich als enorm bedeutsam für die Neuaufstellung der Linken als Mitmach- und Kümmererpartei. Zuweilen werden Verlautbarungen dazu jedoch von einem Impetus getragen, der Verantwortungsträger*innen und Abgeordnete unserer Partei kollektiv als lethargische Bürokrat*innen und bloße Karrierist*innen darstellt, die sich stets auf der Jagd nach dem nächsten vermeintlich lukrativen Posten befänden und die man entsprechend an die Kette legen müsste. Wahlweise wird dabei die Möglichkeit progressiver Veränderungen durch parlamentarische Arbeit gleich mit unter den Bus geworfen und der Machtaufbau an der Basis der Gesellschaft – der Haustür &#8211; zur einzig erfolgsversprechenden Strategie erklärt.</p>
<p>Bei allem verständlichen Frust über ehemalige Mitglieder dieser Partei, die unsere Strukturen und Mandate für den Aufbau eines nationalistisch-autoritären Gegenprojekts missbraucht haben, halten wir diese polarisierte Erzählung von Basis vs. „Funktionär*innen“ auf mehreren Ebenen für irreführend und falsch. Keinesfalls plädieren wir für eine Heroisierung von Mandatsträger*innen, aber wünschen uns eine innerparteiliche Kultur, welche die großen persönlichen Aufwendungen, die Abgeordnete genau wie die unzähligen ehrenamtlich tätigen Menschen in unserer Partei leisten, gleichermaßen wertschätzt.</p>
<p>Statt das Wirken im Rahmen des parlamentarischen Systems und außerparlamentarischer Organisierung als gegensätzliche Strategien zu propagieren, sollten wir beides als zwei Seiten der gleichen Medaille begreifen. Ohne direkte Ansprache an der Haustür, auf TikTok und am Werkstor keine Verankerung in der breiten Masse. Ohne Strategie, die auf parlamentarische Wirkmächtigkeit orientiert, eben auch keine realistische Perspektive, gesellschaftliche Zustimmungswerte tatsächlich in systemische Veränderungen umzusetzen. Eine Partei, die sich als Kümmerer und Empowerer geriert, wird langfristig nur dann gewählt werden, wenn sie glaubhaft Wege zur Umsetzung ihrer Forderungen präsentieren kann.</p>
<p>Im Plenarsaal selbst können uns sowohl die Konfrontation auf offener Bühne als auch das nachdenkliche Gespräch im Hinterzimmer weiterbringen. Es braucht unermüdlich nervende Abgeordnete, politische Verlässlichkeit zwischen den Machtebenen Partei–Parlament–Regierung und Bewegung, außerdem die Zuarbeiten von Expert*innen in Wissenschaft, Ämtern und Fachverbänden. Dieses komplexe Zusammenspiel lässt sich nur durch Glaubwürdigkeit der einzelnen Beteiligten erzielen, und die bekommen wir dann, wenn wir Überzeugungstäter*innen in unseren Spielfeldern mit sichtbaren Vorgeschichten sind und nicht so tun, als wäre das Parlament nur eine Bühne.</p>
<p>Was ein dezidiert antiparlamentarischer Ansatz darüber hinaus schnell aus dem Blick verliert, ist die Möglichkeit einer Politik der kleinen Schritte, die schon heute in der Lage ist, konkrete Momente der Solidarität und kollektiven Fürsorge parlamentarisch zu erkämpfen. Statt auf den Streif der Klassenmacht am Horizont zu warten, verlangen die sich zuspitzenden Verhältnisse von uns als Partei des demokratischen Sozialismus, auch bereits in der Gegenwart den engen Rahmen des Möglichen auf pragmatischen Wegen auszunutzen.</p>
<p>Wir stehen für einen komplementären Ansatz. Parteiaufbau und -Organisierung sind kein Selbstzweck, gesellschaftliche Bündnisse kommen nicht von allein und eine von allem abgeschottete Fraktion, die sich hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt, braucht niemand. Doch erst im Zusammenwirken im strategischen Dreieck von Parlament, Partei und Gesellschaft werden wir eine stärkere Wirkung erzielen, davon sind wir überzeugt. Für die Zukunft braucht es Verfahren, um die naturgemäß auftretenden Widersprüche von linker Politik in Regierungsverantwortung und Parteipositionen konstruktiv zu bearbeiten und in konkreten Fällen handlungs- und sprechfähig zu sein. Dazu benötigt es Räume, Zeit und vor allem die allseitige Bereitschaft, Debatten konstruktiv und unter Anerkennung eigener Fehler zu führen.</p>
<p><strong>Zeit für was Neues – den Aufbruch von Links gemeinsam gestalten</strong><br />
Anti-Establishment und gestaltende Politik müssen sich keinesfalls ausschließen. Es geht um die Ausarbeitung konkreter Utopien, verbunden mit der Anerkennung der Notwendigkeit von Kompromissbildung bei deren Umsetzung. Unsere Wähler*innen müssen sich darauf verlassen können, dass wir im Zweifel zu unseren Grundsätzen und unserem Wahlprogramm stehen, derentwegen sie uns ihre Stimme gegeben haben. Dieses neben unzähligen inhaltlichen Differenzen zentrale Unterscheidungskriterium zur rückgratlosen Realpolitik von SPD und Grünen hat uns nach dem Fall der Brandmauer im Januar 2025 zahllose Stimmen zurückerobert und ist von essenzieller Bedeutung, um die Mehrheit der progressiv denkenden Menschen auf Bundesebene langfristig an uns binden zu können.</p>
<p>Wenn, und nur wenn der Erhalt unserer Glaubwürdigkeit auf der einen und die Erarbeitung im parlamentarischen Rahmen umsetzbarer Schritte der Transformation zum demokratischen Sozialismus auf der anderen Seite gelingen, können linke Regierungsoptionen erfolgreich und ein Weg zur Verwirklichung konkreter Utopien sein. Es ist an uns allen – auf der Straße, an den Haustüren, in den Wahlkreisbüros und Plenarsälen – in den nächsten dreieinhalb Jahren die Weichen dafür zu stellen, dass wir als Etappenziel dorthin 2029 deutlich zweistellig in den Bundestag einziehen, uns in den Landesparlamenten (wieder) etablieren und zur zentralen Stimme der gesellschaftlichen Linken werden. Packen wir’s an!</p>
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		<title>Die ukrainische Linke verdient es, gehört zu werden</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jun 2025 20:38:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im April dieses Jahres reiste eine Gruppe aus dem Umfeld des linXXnet-Abgeordneten- und Projektebüros Leipzig in der Ukraine. Bereits im Januar 2023 – ein Jahr nach dem russischen Angriff auf das gesamte Land – waren wir vor Ort, um die politische Linke und die Zivilgesellschaft kennenzulernen und etwas über die Erwartungen an die deutsche Linke &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/reise-in-die-ukraine-eindruecke-aus-einem-land-im-krieg-und-die-rolle-der-ukrainischen-linken-06-06-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Die ukrainische Linke verdient es, gehört zu werden“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24843" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-300x169.jpeg" alt="" width="300" height="169" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-300x169.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1024x576.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-768x432.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1536x864.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1200x675.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Im April dieses Jahres reiste eine Gruppe aus dem Umfeld des linXXnet-Abgeordneten- und Projektebüros Leipzig in der Ukraine. Bereits im Januar 2023 – ein Jahr nach dem russischen Angriff auf das gesamte Land – <a href="https://www.rosalux.de/news/id/50000/wenn-frieden-neu-gedacht-werden-muss">waren wir vor Ort</a>, um die politische Linke und die Zivilgesellschaft kennenzulernen und etwas über die Erwartungen an die deutsche Linke zu erfahren.</p>
<p>Die Entscheidung, den Weg erneut auf uns zu nehmen, fiel nach der erneuten Amtsübernahme von Donald Trump, deren außenpolitische Auswirkungen weltweit Wellen schlagen. Vorstöße wie der Anspruch auf Grönland, die Entsiedlung des Gaza-Streifens oder ein möglicher Friedensschluss mit Russland über den Kopf der Ukraine hinweg zeugen von einer radikalisierten US-amerikanischen Außenpolitik, in der nur noch das Rechts des Stärkeren gilt. Unser Ziel war es, herauszufinden, was diese Entwicklungen in einem Land bedeuten, das seit 2022 vom russischen Angriffskrieg geprägt ist, und wie die Menschen vor Ort auf sie reagieren.<span id="more-24912"></span></p>
<p>In der Nacht zum 24. April erlebten wir in Kyjiw den heftigsten Beschuss durch Drohnen und Raketen seit Monaten. Während deutsche Medien titelten, Trump glaube an einen „Deal mit Russland“, starben in dieser Nacht mehrere Menschen, viele wurden verletzt. Wir selbst blieben unversehrt, jedoch nicht ohne Angst. Schon bei unserem Besuch im Winter 2023 hatten wir die Effektivität der ukrainischen Raketenabwehr zu schätzen gelernt.</p>
<p>Diesmal, im Frühling 2025, waren unsere Eindrücke anders. Wir sahen ein Land, das trotz des Krieges Normalität lebt und Menschen, die Außergewöhnliches leisten. Eine lebendige Zivilgesellschaft kompensiert staatliche Untätigkeit, und linke Strukturen engagieren sich selbst unter Kriegsbedingungen für soziale Rechte und progressive Veränderungen. Fast trotzig stellen sich viele Menschen sowohl dem russischen Angriff als auch den Versuchen der USA entgegen, ihr Land geopolitisch zu opfern. Im Gegensatz zu 2023 standen in den Gesprächen weniger weitere Waffenlieferungen oder Deutschlands Rolle in dem Konflikt im Fokus. Klar wurde jedoch: Der Widerstand gegen den russischen Angriff oder eine mögliche Vorherrschaft Russlands über die Ukraine ist überwältigend.</p>
<p>Dieser Text versucht, sich auf Schwerpunkte des Erlebten zu fokussieren. Es gäbe sehr viel mehr zu berichten.</p>
<h3>Linke Politik in der Ukraine</h3>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24917" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-300x200.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-1024x681.jpg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-768x511.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-1536x1022.jpg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024-1200x799.jpg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5861_DSC_6464_6048x4024.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Ein zentraler Schwerpunkt unserer Reise war, wie bereits 2023, der Kontakt zu Akteuren der ukrainischen Linken. Fakt ist: Die Linke ist in der Ukraine, wie in vielen osteuropäischen Ländern, marginalisiert. Nach dem Umbruch 1989/90 ist es nicht gelungen eine glaubhafte, reformierte linke Alternative zu etablieren, die sich kritisch mit der staatssozialistischen Vergangenheit – Klientelismus und Repression eingeschlossen – auseinandersetzt und sich im aufgeladenen Spannungsfeld zwischen West- und Ostorientierung klug positioniert.</p>
<p>In Ländern der ehemaligen Sowjetunion wird linke Politik oft mit Stalinismus, Bevormundung, Repression und Klientelismus assoziiert. Auch in der Ukraine wurde die politische relevante Linke auch nach dem Umbruch durch die Nachfolgeparteien der sowjetischen KPdSU dominiert. Die Kommunistische Partei der Ukraine (KPU) konnte jedoch in den 1990er-Jahren bis in die 2000er-Jahre relevante Wahlerfolge erzielen. Dennoch verspielte sie durch Korruption und Unzuverlässigkeit das Vertrauen ihrer Wähler*innen. 2014 scheiterte ihr Einzug in die Werchowna Rada, das Parlament der Ukraine, und 2015 wurde ihr sowie zwei kleineren kommunistischen Parteien die Tätigkeit verboten.<a title="" href="https://www.links-bewegt.de/de/article/988.die-ukrainische-linke-verdient-es-geh%C3%B6rt-zu-werden.html#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p>
<p>In Abgrenzung zu den „alten“, oft nationalistisch und prorussisch orientierten Parteien gibt es eine vielfältige, wenn auch kleine reformierte Linke. Dazu zählen Sotsialnyi Rukh, die soziale medizinische Bewegung Be Like We Are, das intellektuelle Netzwerk um die Zeitschrift Commons, sowie antiautoritäre Gruppen wie Solidarity Collective oder Direct Action. Ihnen gemein ist, dass sie sich als demokratische, soziale Bewegungen in einer eigenständigen Ukraine verstehen. Infolge der Maidan-Proteste und des russischen Angriffs auf die gesamte Ukraine bejahen die Akteure die europäische Integration. In ein antiimperialistisches Selbstverständnis wird Russland als imperialistische Macht inkludiert.</p>
<p><em>Sotsialnyi Rukh („Soziale Bewegung“)</em> sieht sich als Vertretung der Arbeiter*innen und fokussiert sich auf die Klassenfrage. Als NGO registriert, ist der Weg zur Parteigründung steinig, wie uns Vitalij Dudin, ein Jurist, der Beschäftigte in Arbeitsgerichtsprozessen vertritt, erzählt. Die Bewegung ist in Kyjiw, Krywyj Rih, Lwiw und Odessa aktiv. Ihr Ziel ist es, weitere Verschlechterungen von Arbeiter*innenrechten zu verhindern und gewerkschaftliche Organisierung zu fördern – eine Herausforderung in Kriegszeiten, in denen Streiks und Demonstrationen weitgehend verboten sind. Sotsialnyi Rukh kooperiert mit Bewegungen wie der Studierenden-Gewerkschaft Direct Action und der medizinischen Bewegung Be Like We Are. Die Bewegung kritisiert das oligarchendominierte politische System der Ukraine und setzt auf Organisierung von unten. Der russische Angriffskrieg wird klar abgelehnt; einige Mitglieder kämpfen freiwillig oder in der ukrainischen Armee, andere wurden eingezogen. Eine langfristige Perspektive sieht Sotsialnyi Rukh im EU-Beitritt, wobei die EU als neoliberales Projekt kritisiert wird. „Schlechter als die Ukraine mit ihrem Primat von Privatisierung und Oligarchentum kann die EU kaum sein“, betont Vitalij Dudin. Als westeuropäische Linke tragen wir Verantwortung, für eine soziale und demokratische EU zu kämpfen, gemeinsam mit unseren ukrainischen Genoss*innen.</p>
<p>Die Studierenden-Gewerkschaft <em>Direct Action (Prjama Dija)</em> besteht seit den 2010er-Jahren und machte während der Maidan-Proteste durch die Besetzung des Bildungsministeriums auf sich aufmerksam. Seit der russischen Invasion 2022 ist sie wieder aktiv. Direct Action organisiert Studierende landesweit, wehrt sich gegen neoliberale Bildungsreformen und dient als Bildungs- und Sozialisierungsort für junge Menschen, die sich links engagieren wollen. Erfolge gibt es: So konnte die Schließung der Krim-Exil-Universität in Kyjiw verhindert werden.</p>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24847" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-300x225.jpeg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-300x225.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1024x768.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-768x576.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1536x1152.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1200x900.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a></p>
<p>Seit 2020 existiert die <em>medizinische Bewegung Be Like We Are</em>. Laut Mitgründerin Oksana Slobodiana begann alles 2019 mit einem Facebook-Post einer Krankenpflegerin, die die schlechten Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen kritisierte und Zehntausende erreichte. Daraus entstand eine Bewegung, die in zahlreichen Städten aktiv ist und Beschäftigte ermutigt, neue Gewerkschaften zu gründen. Alte Gewerkschaften gelten als korrupt und untätig. Be Like We Are agiert als landesweites Netzwerk und unterstützt lokale Gewerkschaften. Die Facebook-Gruppe hat über 85.000 Mitglieder, die NGO über 700, überwiegend Frauen, was das Geschlechterverhältnis im Pflegebereich widerspiegelt. Das ukrainische Gesundheitssystem ist prekär: Es gibt eine öffentliche Basisversorgung, doch spezialisierte Behandlungen, Medikamente und Operationen müssen oft privat bezahlt werden. Eine flächendeckende Krankenversicherung fehlt. Der staatliche Basiskatalog für medizinische Leistungen ist seit über zehn Jahren unverändert – trotz Inflation, komplexer Bedarfe und Krieg. Die Regierung plant eine Reform nach britischem Vorbild, die jedoch durch den Krieg ins Stocken geraten ist – das Gesundheitssystem bleibt also weiter chronisch unterfinanziert. Be Like We Are organisiert Beschäftigte, um ihre Interessen durchzusetzen – keine Selbstverständlichkeit im Krieg. Ein konkreter Erfolg ist die Einführung monatlicher Zulagen für Ärztinnen (20.000 Hrywnja, ca. 400 Euro) und Pflegerinnen (15.000 Hrywnja, ca. 300 Euro), sofern die Personalkosten eines Krankenhauses 85 Prozent nicht überschreiten.</p>
<p><em>Solidarity Collective</em> ist eine antiautoritäre Struktur, die sich seit dem russischen Angriffskrieg formiert hat, um Linke unterschiedlicher Couleur zu unterstützen, die kämpfen. Diese Arbeit sehen sie als Beitrag im Kampf gegen ein kolonialistisches, imperialistisches System und für eine freie Welt. Das Netzwerk pflegt internationale Kontakte und leistet humanitäre Hilfe für Zivilist*innen in umkämpften Gebieten.</p>
<p>Das jährliche Event<em> Filma</em> der queerfeministischen Szene grenzt sich von konservativem Feminismus und nationalistischen Tendenzen in der Pride-Szene ab. Es verfolgt einen intersektionalen Ansatz, inkludiert Transpersonen und versteht sich als antirassistisch, antikolonial, inklusiv und nicht-hierarchisch. Ira Tantsiura vom Filma-Kollektiv kritisiert die zunehmende Rechtsverschiebung der ukrainischen Gesellschaft, die sie auch mit der durch den Staat geförderten Militarisierung in Verbindung sieht.</p>
<p>Die Landschaft linker Akteure in der Ukraine ist klein, aber die Aktivist*innen wirken entschlossen. Die neue Linke in der Ukraine ist basisorientiert und bewegt sich in bewegungsförmigen Strukturen. Sotsialnyi Rukh bleibt ein zentraler Akteur, der jedoch die Vielfalt linker Themen und Organisierungsformen stärker integrieren muss; progressive Klassenpolitik bedeutet, feministisch, antirassistisch und inklusiv zu sein und neben Theoriearbeit vielfältige Aktionsansätze zu verfolgen. Der Krieg wird von allen Akteuren abgelehnt, ebenso wie ein Leben unter russischem Einfluss oder ein Diktatfrieden. Die Dauer des Krieges zermürbt besonders jene, die in der Armee kämpfen. Die Verteidigung der Ukraine bleibt für die Protagonist*innen ein notwendiges Übel, um frei und demokratisch leben und die Gesellschaft mitgestalten zu können. Nach dem Krieg dürfte dies für Linke nicht einfacher werden.</p>
<h3>Soziale Infrastruktur</h3>
<p>Die Ukraine leidet unter einer immensen Schuldenlast, die sich seit dem russischen Angriffskrieg massiv verschärft hat. Bereits vor der Annexion der Krim und der Ostukraine 2014 sowie dem großflächigen Angriff auf das gesamte Land 2022 war die Ukraine stark von internationalen Geldgebern wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank abhängig. Die ukrainische Wirtschaft war seit der Unabhängigkeit 1991 instabil, und Geldflüsse in Sozialsysteme oder Infrastruktur blieben aufgrund von Korruption oft intransparent.</p>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24918" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-300x200.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-1024x681.jpg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-768x511.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-1536x1022.jpg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504-1200x799.jpg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5832_DSC_6330_5267x3504.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a></p>
<p>Die Armutslage hat sich durch den Krieg erheblich verschlimmert: Vor dem Krieg galten etwa 18 Prozent der Bevölkerung als arm, mittlerweile sind es 24 Prozent. Rund 40 Prozent der Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, und fast 6 Millionen Menschen sind Binnenvertriebene. Das äußerst prekäre Sozial- und Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps und ist ohne internationale humanitäre Hilfe nicht aufrechterhaltbar. Es gibt keine flächendeckende Krankenversicherung, sondern lediglich eine Basisversorgung, die für Menschen in ländlichen Regionen schwer zugänglich ist. Der Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung hängt oft von privaten Zuzahlungen ab. Besonders im Krieg haben sich Nichtregierungsorganisationen (NGOs) als unverzichtbare Akteure erwiesen, um vulnerable Gruppen, Binnenvertriebene und Menschen in frontnahen Gebieten zu versorgen.</p>
<p class="MediaBox-Clearfix">Durch den von Donald Trump angekündigten Stopp der Auslandshilfe durch die US-Entwicklungshilfebehörde USAID drohen die Leistungen dieser NGOs in der Ukraine einzubrechen. Betroffen wären lebenswichtige Maßnahmen wie die Evakuierung von Menschen aus umkämpften Gebieten, mobile medizinische und psychologische Versorgung sowie HIV-Prävention und -Behandlung. Im Jahr 2023 war die Ukraine der größte Empfänger von USAID-Hilfen mit einem Volumen von 14,4 Milliarden US-Dollar, die hauptsächlich für humanitäre Unterstützung und Wiederaufbau eingesetzt wurden.</p>
<p>Am Beispiel der Organisation Skhid SOS und der Ukrainian Foundation for Public Health wird deutlich, welche Folgen der Wegfall dieser Hilfsgelder hätte. Seit 2022 hat Skhid SOS etwa 12.000 Menschen mit Behinderungen und insgesamt 88.000 Personen aus umkämpften oder besetzten Gebieten evakuiert. Die Organisation finanziert sich ausschließlich durch Spenden und übernimmt Aufgaben, die der Staat nicht leisten kann. Sie unterstützt bei der Suche nach Unterkünften, wandelt leerstehende Gebäude in Zufluchtsorte um, versorgt Vertriebene und dokumentiert Kriegsverbrechen. Skhid SOS kooperiert mit Organisationen in ganz Europa und evakuiert Menschen auch ins Ausland. Zudem gibt es Pilotprojekte, die Kindern aus Krisenregionen den Besuch regulärer Schulen ermöglichen. In Regionen, in denen Schulen keinen Schutzraum bieten, werden Kinder und Jugendliche in der Ukraine online unterrichtet – ein Modell, das sogar auf Kindergärten angewendet wird.</p>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24919" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-300x200.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-1024x681.jpg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-768x511.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-1536x1022.jpg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024-1200x799.jpg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5864_DSC_6479_6048x4024.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Ein ähnliches Schicksal droht der Ukrainian Foundation for Public Health, die landesweit Frauenhäuser sowie mobile Teams und Anlaufstellen für medizinische, psychologische und soziale Unterstützung vulnerabler Personen betreibt. Die Stiftung integriert Angebote für Betroffene sexualisierter Gewalt und psychologische Betreuung in die Grundversorgung. Darüber hinaus leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung von HIV-Infizierten. Die Ukraine weist eine der höchsten HIV-Infektionsraten in Europa auf: Im Jahr 2020 lag die Inzidenz bei 41 pro 100.000 Einwohner*innen, in Deutschland bei 3,1. Dank internationaler Unterstützung konnten Prävention und Versorgung bis zum Beginn des Krieges verbessert werden. Seitdem hat sich die Lage jedoch drastisch verschlechtert, und mit dem Wegfall humanitärer Hilfsprogramme droht eine weitere Verschärfung der Krise.</p>
<p>Bereits jetzt ist der Wiederaufbau der Ukraine im Gange, und Milliarden sind bereits in die Wiedererrichtung von Wohnhäusern, Schulen, Infrastruktur sowie Energie- und Wasserversorgung geflossen. Die Herausforderungen bleiben jedoch enorm. Nur in begrenztem Umfang wird die ukrainische Gesellschaft in den Wiederaufbau einbezogen. Wir lernen Yanna kennen, die mit der Methode des Forumtheaters<a title="" href="https://www.links-bewegt.de/de/article/988.die-ukrainische-linke-verdient-es-geh%C3%B6rt-zu-werden.html#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> arbeitet und versucht, marginalisierten Gruppen eine Stimme zu geben. Eine ihrer Interventionen zielte darauf ab, dass beim Wiederaufbau von Wohnraum für Menschen mit Behinderungen selbstbestimmtes Wohnen in eigenen Wohnungen statt in Heimen berücksichtigt wird.</p>
<p>Linke Politik muss die ungleichen Lebensverhältnisse in der Ukraine angehen und die wirtschaftliche Zerstörung durch den Krieg sowie die wachsende soziale Ungleichheit thematisieren. Die Abhängigkeit von internationalen Hilfen macht das Land verwundbar, Kredite und Zinsen führen zu einer massiven Schuldenlast, die die Bevölkerung trägt und die neoliberale Umstrukturierungen forciert. Ein Schuldenschnitt ist ebenso notwendig wie die Verhinderung, dass die Unterstützung der Ukraine mit dem Ausverkauf ihrer Ressourcen verknüpft wird. Ein EU-Beitritt birgt Risiken, kann aber die Lebensbedingungen verbessern und demokratische Rechte stärken. Dafür braucht es eine stärkere linke Bewegung, die auf Sozialsysteme, Gesundheitsversorgung, Arbeiter*innenrechte und den Wiederaufbau Einfluss nimmt.</p>
<h3>Erinnerungskultur, extreme Rechte und Militär</h3>
<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24920" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-300x200.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-1024x681.jpg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-768x511.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-1536x1022.jpg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007-1200x799.jpg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5851_DSC_6438_6023x4007.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Die Erinnerungskultur ist in der Ukraine ein umkämpftes Thema, das sowohl die Aufarbeitung des Nationalsozialismus als auch des Stalinismus betrifft. Dies ist entscheidend, um die Marginalisierung der Linken und die Formierung der politischen Rechten zu verstehen.</p>
<p style="text-align: left;">Am 8. Mai 2025 wurde in der Ukraine der 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus begangen, seit 2024 bewusst nicht mehr am 9. Mai, um sich von russischen Gedenkfeiern abzugrenzen. Dies ist eine direkte Folge des russischen Angriffskrieges. Auch hierzulande muss der Blick geschärft werden: In der Roten Armee kämpften ab 1941 Menschen aus allen 16 sowjetischen Teilrepubliken – aus Russland genau wie aus der Ukraine, Lettland, Litauen, Kasachstan etc. – gegen die deutsche Wehrmacht. Die Ukraine erlitt überproportional viele Opfer sowohl militärisch als auch zivil. Mahnend stehen Massaker wie in Babyn Yar, wo deutsche Sonderkommandos der SS im September 1941 fast 34.000 Jüdinnen und Juden in nur zwei Tagen erschossen und in der gleichnamigen Schlucht bei (heute in) Kyjiw verscharrten, zum Teil bei lebendigem Leibe. Diese Gräueltaten der Nationalsozialisten blieben lange Zeit auch in der deutschen Forschung und Aufarbeitung ein blinder Fleck. In der Sowjetunion wurde versucht, Aufarbeitung und Gedenken zu erkämpfen, in den Vordergrund des staatlichen Erinnerns wurden dabei die sowjetischen Opfer gerückt. Dies verstellte auch den Blick auf die an dieser Stelle ermordeten Jüd*innen, Sinti*zze und Rom*nja, Menschen mit Behinderungen und neben Kommunist*innen auch ukrainische Nationalist*innen. Erst nach der ukrainischen Unabhängigkeit 1991 wurde der Raum für ein umfassendes Gedenken und Aufarbeitung auch durch die Öffnung von Archiven ermöglicht. Inzwischen gibt es in Babyn yar zahlreiche Einzeldenkmale, die an die verschiedenen Opfergruppen erinnern, geplant ist durch das Babyn Jar Holocaust Memorial Center zudem ein größeres Gedenk- und Forschungszentrum, das aufgrund seiner Beteiligung vieler Oligarchen, unter anderem auch aus Russland, aber stark umstritten ist. Lokale Gedenkinitiativen kritisieren in diesem Zusammenhang zudem die drohende „Dysneylandisierung“ des Gedenkens.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/20230210210512-c89e66fd-me.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-24922 alignright" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/20230210210512-c89e66fd-me-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/20230210210512-c89e66fd-me-300x225.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/20230210210512-c89e66fd-me-768x576.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/20230210210512-c89e66fd-me.jpg 1008w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a></p>
<p>Ein schwieriges Thema ist die Kollaboration der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), dem militärischen Arm der ultranationalistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN-B) unter Stepan Bandera, mit dem nationalsozialistischen Regime. Die OUN-B verfolgte ein antikommunistisches, ultranationalistisches und teilweise antisemitisches Programm und war an ethnischen Säuberungen und Pogromen in Polen und der Ukraine beteiligt. Nachdem die Nationalsozialisten das Ziel eines unabhängigen ukrainischen Staates ablehnten, wandte sich die OUN-B 1943 gegen die Wehrmacht. Bandera selbst war ab 1941 im KZ Sachsenhausen inhaftiert.</p>
<p>Das Dekommunisierungsgesetz von 2015 betonte die historische Bedeutung von OUN und UPA, indem es sie zu Kämpfern für die Unabhängigkeit erklärte und ihren Mitgliedern Veteranenstatus verlieh. Es setzt zudem die Verbrechen von Kommunismus und Nationalsozialismus gleich und verbietet entsprechende Symbolik im öffentlichen Raum. Sowjetische Denkmäler wurden entfernt, Straßen nach Bandera benannt. Laut dem Historiker Viacheslav Lichachev ist diese geschichtspolitische Debatte im Krieg auf Eis gelegt, doch die Gleichsetzung von Kommunismus und Nationalsozialismus befeuert anti-linke Narrative.</p>
<p>Russland nutzt dies, indem es den Krieg als Kampf gegen „den Faschismus“ darstellt und die EU als Unterstützerin dessen diffamiert. Die russische Umdeutung des Holocaust und die Heroisierung der sowjetischen Geschichte – unter Ausblendung stalinistischer Verbrechen wie des Holodomor<a title="" href="https://www.links-bewegt.de/de/article/988.die-ukrainische-linke-verdient-es-geh%C3%B6rt-zu-werden.html#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a> – dienen einer imperialen Politik gegen „den Westen“.</p>
<p>Die organisierte extreme Rechte in der Ukraine bezieht sich positiv auf UPA und Bandera, bleibt jedoch seit 2019, insbesondere seit 2022, parlamentarisch geschwächt und quasi inexistent (bei der Parlamentswahl 2019 errang die extrem rechte Swoboda im Bündnis mit, unter anderem, Rechter Sektor und National Corps nur 2,4 Prozent und ist mit nur einem Direktmandat in der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament, vertreten). In einer Gesellschaft, die den Angriff Russlands ablehnt und sich europäisch orientiert, hat sie wenig Rückhalt. Einzelne Einheiten, wie die von Andriy Biletsky (der ehemals das Asow-Regiment und die extrem rechte Partei Natsionalnyi korpus leitete) geführte 3. Sturmbrigade, schöpfen Kapital aus militärischem Heldentum.</p>
<p>Die in Deutschland viel diskutierte Asow-Brigade dagegen gilt politischen Beobachter*innen inzwischen nicht mehr als das, was sie war. 2014 als Freiwilligenbataillon gegründet, geriet sie wegen extrem rechter Mitglieder und Menschenrechtsverbrechen in die Kritik. Die USA hoben erst im letzten Jahr das 2015 verhängte Verbot auf, Asow mit Waffen zu beliefern. Bereits 2014 wurde die Brigade in die Nationalgarde der Ukraine eingegliedert und in ein Regiment umgewandelt. In den Kämpfen um Mariupol im Jahr 2022 machte sich Asow wegen ihres erbitterten Kampf gegen die russischen Angriffe einen Namen und wird in der Ukraine als Symbol des Widerstands glorifiziert. Seit ihrer Eingliederung in die offizielle Armee und nach dem Weggang extrem rechter Protagonisten habe eine Entideologisierung stattgefunden. Abzugrenzen sei die Asow-Bewegung als loses Netzwerk aus militärischen, politischen, zivilen und paramilitärischen Gruppen.</p>
<p>Die extreme Rechte ist mit ihren Organisationen gesellschaftlich wenig präsent, die Zahl von rechten Angriffen hat seit dem russischen Überfall 2022 abgenommen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Neonazis sich der Armee angeschlossen haben. Seit dem letzten Jahr haben Aktivitäten von Mitgliedern extrem rechter Jugendorganisationen zugenommen, wie in Deutschland richten sie sich vor allem gegen Aktivitäten der LGBTIQ-Szene.</p>
<p>Eine Gefahr liegt im Primat des Militärischen, das Maskulinismus und Kampfesgeist verherrlicht – ein Phänomen, das nicht auf die Ukraine beschränkt ist, sondern auch in Russland und anderen Ländern zu beobachten ist. Die Aufrüstungslogik in Reaktion auf den Krieg lässt ähnliche Entwicklungen für Europa erwarten.</p>
<p>Linke in Deutschland müssen aufhören, die Ukraine als Hort des Faschismus zu sehen und zu verunglimpfen. Dies ist nicht nur falsch, sondern nährt russische Narrative, mit denen der brutale imperialistische Angriffskrieg rechtfertigt wird. Die staatliche ukrainische Erinnerungspolitik ist problematisch und verhindert eine differenzierte Aufarbeitung der Sowjetzeit und der Rolle ukrainischer Nationalisten im Nationalsozialismus. Darunter leidet die reformierte Linke. Im Krieg ist eine Korrektur dieser Politik unwahrscheinlich; heroisierende Narrative des ukrainischen Unabhängigkeitskampfes werden gestärkt und mit dem aktuellen Widerstand gegen Russland verknüpft. Im Krieg wachsen nationale Identität, Fokus aufs Militär und auch Blindstellen in Bezug auf extrem rechte, autoritäre Einflüsse. Doch es gibt zivilgesellschaftliche Akteure, die das beobachten und gegenhalten.</p>
<p>Nach dem Krieg wird eine differenzierte Aufarbeitung entscheidend sein, bei der progressive Linke und Wissenschaftler*innen an Einfluss gewinnen sollten.</p>
<h3>Politische Implikationen für die außenpolitischen Positionen der Linken</h3>
<p>Unsere Reise in die Ukraine bettet sich auch in eine nicht beendete Debatte der Linken über die Unterstützung der Ukraine ein. Die Partei Die Linke bekennt sich durch Parteitagsbeschlüsse klar zum Völkerrecht und damit gegen den völkerrechtswidrigen Krieg Russlands und für das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine nach Artikel 51 der UN-Charta. Eine Unterstützung des Landes mit Waffen wird dagegen von der Partei klar abgelehnt. Diese Position erscheint angesichts der wieder begonnenen massiven russischen Angriffe auf die Ukraine schwer haltbar. Ohne eine effektive Raketenabwehr wären in der Ukraine schon viel mehr Zivilist*innen getötet worden. Ohne die Unterstützung mit Waffen würden auch viele Genossinnen und Genossen an der Frontlinie ohnmächtig sein.</p>
<p class="MediaBox-Clearfix"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24921" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-300x200.jpg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-1024x681.jpg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-768x511.jpg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-1536x1022.jpg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017-1200x799.jpg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/5873_DSC_6593_6038x4017.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Die Linke positionierte sich klar für wirksame Sanktionen gegen Russland und fordert uneingeschränkt die humanitäre Unterstützung der Ukraine sowie als einzige Partei in Deutschland einen Schuldenschnitt für das ökonomisch geschwächte Land. Auch der Aggressor und dessen imperiale Bestrebungen werden klar benannt und die Forderung nach diplomatischen Initiativen zur Beendigung des Krieges in den Vordergrund gestellt.</p>
<p>Eine eklatante Leerstelle bleibt die Frage, wie sich das Land effektiv wehren und damit sein völkerrechtlich verbrieftes Selbstverteidigungsrecht wahrnehmen kann. Diplomatie zur Kriegsbeendigung hängt unmittelbar von den militärischen Kräfteverhältnis ab: Eine wehrlose Ukraine hätte in Verhandlungen keine Verhandlungsmasse.</p>
<p>Die Ukraine wird derzeit von westlichen Staaten unterstützt. Auch die zivilgesellschaftlichen Solidaritätsbewegungen kommen zumeist aus dem liberalen Spektrum. Das erschwert es Linken, eine klare Position zu beziehen. Eine glaubwürdige Linke muss die geopolitischen Strategien des Westens, insbesondere der NATO, kritisch hinterfragen, ohne die Unterstützung der Ukraine zu untergraben. Gerade deswegen braucht es eine alternative linke Idee zur Sicherung von Völkerrecht und Frieden. Richtschnur müssen dabei klar die Wahrung von Menschenrechten und das Gewaltverbot sein. Bestehende internationale Gremien wie die UN sind dysfunktional und wenig wirksam. Deshalb ist es notwendig, die Rolle der Europäischen Union neu zu denken und sie im Kontext der Konfrontation zwischen autokratischen Machtblöcken im Westen und Osten von links zu gestalten. Jan Schlemermeyer <a href="https://www.nd-aktuell.de/artikel/1162751.linke-debatte-links-im-multipolaren-kapitalismus.html">schrieb</a> dazu schon 2022: „Mittelfristiges Ziel wäre eine EU, die sich unabhängig von der Blockkonfrontation zwischen den USA auf der einen und Russland/China auf der anderen Seite macht. Das ist nicht nur die Forderung linker Parteien in Osteuropa. Es wäre auch kommunikativ eine völlig andere Ausgangslage. Dann könnte Die Linke tatsächlich eine dritte Position aufmachen und sich als linker Flügel des europäischen Projektes begreifen.“</p>
<p>Viele osteuropäische Staaten – und dort auch progressive linke Kräfte – drängen in Richtung der EU. Das führt zu neuen Spannungen mit Russland, etwa durch russische Desinformationskampagnen und Einflussversuche gegen europafreundliche Parteien und Politiker*innen bei Wahlen in Ländern wie Rumänien, Georgien oder Moldau. Auch westliche Akteure versuchen, ökonomische Abhängigkeiten zu schaffen und ideell, bspw. durch NGO-Finanzierung, Einfluss auf die Gesellschaften zu nehmen.</p>
<p>Das Streben nach einem Leben in Freiheit, demokratischen und sozial gerechten Verhältnissen ist allerdings ein wichtiger Anknüpfungspunkt für eine emanzipatorische Linke. Dabei könnte ein Ziel sein, positive Elemente osteuropäischer Erfahrungen im Staatssozialismus, wie soziale Absicherung oder Kollektivwirtschaft, mit demokratischen und freiheitlichen Perspektiven zu verbinden, um eine neue, emanzipatorische Gesellschaftsvision zu entwickeln. Vielleicht lässt sich daraus etwas Neues erschaffen.</p>
<p>Gerade deshalb plädieren wir für eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit linken Akteuren in der Ukraine und anderen osteuropäischen Ländern, um deren Erfahrungen und Bedürfnisse als Grundlage für ein solidarisches und emanzipatorisches Handeln zu nutzen.</p>
<p><strong>Fußnoten:</strong></p>
<div id="sdfootnote1">
<p><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a> Seit 2015 gilt in der Ukraine das Dekommunisierungsgesetz, das die Verbrechen der Nationalsozialisten mit denen der Sowjetunion gleichsetzt und die Verwendung „kommunistischer“ Symbolik in der Öffentlichkeit unter Strafe stellt. Dies bildet die Grundlage für das Verbot der KPU u.a.</p>
</div>
<div id="sdfootnote2">
<p><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote2anc" name="sdfootnote2sym">2</a> Das Forumtheater („Theater der Unterdrückten“) ist eine Methode des Empowerments, die eine benachteiligte Gruppe dazu befähigen soll, die eigenen Interessen und Ziele zu formulieren und für diese einzustehen.</p>
</div>
<div id="sdfootnote3">
<p><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote3anc" name="sdfootnote3sym">3</a>„Tötung durch Hunger“, die Zwangskollektivierung der 1920er/30er-Jahre unter Stalin, die mit Hungersnöten und Repressionen Millionen Todesopfer, vor allem Ukrainer*innen, forderte</p>
<p><em>Fotos: le grex, Marco und Eva</em></p>
</div>
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		<title>Wir können auch mal verlieren, aber niemals den antifaschistischen Kampf</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jun 2025 07:46:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der Kampf gegen die AfD ist nicht nur symbolische Geste. Es geht um den Erhalt der Demokratie in den nächsten Jahren. Antifaschistische Strategien müssen daher über den „Schutz der Brandmauer“ hinausgehen und regionale sowie Ost-West-Unterschiede, den industriellen Abbau und soziale Kämpfe um bessere Löhne und wirksame Mitbestimmung – wie sie etwa Gewerkschaften führen – gezielt &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/wir-koennen-auch-mal-verlieren-aber-niemals-den-antifaschistischen-kampf-05-06-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Wir können auch mal verlieren, aber niemals den antifaschistischen Kampf“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/06/01-Strategie3-Opener.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24961" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/06/01-Strategie3-Opener-240x300.png" alt="" width="240" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/06/01-Strategie3-Opener-240x300.png 240w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/06/01-Strategie3-Opener-819x1024.png 819w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/06/01-Strategie3-Opener-768x960.png 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/06/01-Strategie3-Opener.png 1080w" sizes="auto, (max-width: 240px) 85vw, 240px" /></a>Der Kampf gegen die AfD ist nicht nur symbolische Geste. Es geht um den Erhalt der Demokratie in den nächsten Jahren. Antifaschistische Strategien müssen daher über den „Schutz der Brandmauer“ hinausgehen und regionale sowie Ost-West-Unterschiede, den industriellen Abbau und soziale Kämpfe um bessere Löhne und wirksame Mitbestimmung – wie sie etwa Gewerkschaften führen – gezielt aufgreifen. Ob eine „antifaschistische Wirtschaftspolitik“ – wie sie in Teilen der Partei derzeit diskutiert wird – allein ausreicht, ist fraglich. Wahrscheinlich kann sie nur ein Teil einer umfassenderen Strategie sein. Wir schlagen deshalb eine „Drei-plus-Strategie“ vor: Erstens den Kampf um Demokratie, zweitens einen linken Kulturkampf, drittens einen sozialen Antifaschismus – ergänzt um eine spezifische Ost-Perspektive.<span id="more-24959"></span></p>
<p><em>von Inva Halili und Jule Nagel</em></p>
<h3>Kampf um Demokratie</h3>
<p>Bei der Bundestagswahl hat die AfD ihr Ergebnis bundesweit verdoppelt. In allen ostdeutschen Bundesländern wurde sie stärkste Kraft, gewann fast alle Wahlkreise direkt – teils mit über 50 Prozent. Auch im Westen erzielt die AfD inzwischen flächendeckend zweistellige Ergebnisse. Sie hat in den letzten Jahren andere neonazistische Akteure marginalisiert und aufgesogen, sie gibt der extremen Rechten eine politische Heimat, eine Plattform und Einkommensquellen. Vielerorts<br />
sind lokale Bündnisse mit der AfD schon Alltag – über 100 Kooperationen bestehen auf kommunaler Ebene, quer durch alle Parteien. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann die AfD zur realen Machtoption auf Bundesebene wird. Wir befinden uns mitten im Faschisierungsprozess, dessen Ausgang offen in beide Richtungen ist. Die AfD wird alles daransetzen, sich als koalitionsfähige Kraft zu inszenieren. Ob das gelingt, hängt nicht nur von ihrer Selbstverkleidung<br />
als bürgerliche Partei ab, sondern auch davon, wie entschlossen wir als Gesellschaft dagegenhalten – mit klaren Strategien, politischem Mut und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Wer die Demokratie stärken will, muss auch das Vertrauen der Menschen in die Politik zurückgewinnen.</p>
<p>Die <em>politische Einflussnahme großer Konzerne</em> muss offengelegt und kritisiert werden. Gleichzeitig braucht es glaubwürdige Gegenmodelle, wie wir sie in der Partei stark machen. Unsere Lobby sind nicht Unternehmen, Konzerne und Tech-Giganten – es sind Menschen und Bewegungen, die die Gesellschaft von unten aufbauen.</p>
<p>Dem <em>Bild einer käuflichen Politik</em> müssen wir entgegenwirken. Um Vertrauen zurückzugewinnen, braucht es klare und glaubwürdige Signale – etwa durch die Begrenzung von Mandatszeiten, eine Deckelung von Politiker:innengehältern und volle Transparenz bei Nebeneinkünften und Parteispenden.</p>
<p><em>Klassenpolitik statt Desillusionierung</em>: Viele fühlen sich nicht gehört und vertreten. Genau hier setzen wir an: mit konkreter Unterstützung wie bei „Die Linke hilft“ und mit organisierender Politik – im Betrieb, im Viertel, in der Schule, überall dort, wo sich Alltag und Ungleichheit begegnen. Demokratie zu verteidigen heißt, Machtverhältnisse infrage zu stellen – und gelebte Alternativen sichtbar zu machen.</p>
<h3>Kulturkampf von links</h3>
<p>Ein wirksamer Widerstand gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck braucht mehr als Abwehr – er braucht einen offensiven, linken Kulturkampf: Wer bestimmt die Werte, Normen und Weltbilder unserer Gesellschaft? Was macht Antifaschismus zur Selbstverständlichkeit? Wir brauchen einen breit angelegten Gegenentwurf zur rechten Ideologie – einen, der alle Lebensbereiche durchdringt: Wissenschaft, Kultur, Bildung, Wirtschaft und vor allem die Arbeitswelt. im Zentrum steht die Frage: Wie sieht ein gutes Leben für alle aus – und welche Gesellschaft schafft die Grundlage für Solidarität, soziale Gerechtigkeit und echte demokratische Teilhabe? Doch genauso entscheidend ist: Wer verhindert diese Gesellschaft? Wer spaltet, grenztaus, baut soziale Rechte ab – und warum sind genau diese Kräfte die Feinde der Demokratie?</p>
<p>Dafür braucht es:</p>
<p><em>Starke Bildungsarbeit:</em> Antifaschistische und demokratische Haltungen müssen gezielt gestärkt und rechte Ideologien aktiv zurückgedrängt werden. Politische Bildung darf dabei nicht nur auf Aufklärung und Agitation gegen rechts zielen, sondern muss als ein Prozess der Ermächtigung verstanden werden: um die gesellschaftlichen Verhältnisse zu erkennen und sie verändern zu können. Es geht nicht nur um Widerstand gegen Nazis, sondern um eine Bildung, die uns aus dem<br />
Kapitalismus befreit.<br />
<em>Starke Betriebe:</em> Auch in der Arbeitswelt wächst das Misstrauen – gegenüber dem Staat, der Politik aber auch gegenüber den Gewerkschaften. Als Linke müssen wir Gewerkschafter:innen darin unterstützen, Debatten darüber in den Betrieben aktiv zu führen. Der Erfolg liegt nicht nur in den Ergebnissen, sondern im Prozess – im gemeinsamen Handeln und in der Veränderung. Wenn Kolleg:innen spüren, dass sie gemeinsam etwas bewegen können – sei es durch Streiks, Tarifverhandlungen oder andere Formen des Widerstands – verändert sich die Stimmung im Betrieb. Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit ist es, das wir stärken müssen. Einheit statt Spaltung bedeutet, dass wir alle gemeinsam für etwas einstehen. Nur so können wir den autoritären und spalterischen Kräften von rechts etwas entgegensetzen.<br />
<em>Starke Antifa-Bündnisse:</em> Bei großen Bündnissen wie es etwa Unteilbar oder „Hand in Hand“ waren, darf die Linke nicht fehlen. Oft sind diese Bündnisprozesse mit enormem Aufwand verbunden, der nicht immer im Verhältnis zum Ergebnis steht. Auf entsprechenden Großveranstaltungen dringt die Kritik an beteiligten Regierungsparteien nur schwer durch oder führt zu Unmut. Nichtsdestotrotz sind diese Events ein Raum der Sichtbarkeit, von Empowerment und Vernetzung. Sie werden nicht sofort das Erstarken der AfD verhindern, aber sie sind für Meinungsbildungsprozesse entscheidend. Die Linke muss in ihnen ein Sprachrohr und eine kritische Stimme jenseits nomineller Demokratie-Lobhudelei sein. Ein linker Kulturkampf in allen Lebensbereichen bedeutet, den Mut zu haben, sich allem autoritären Denken und Handeln entgegenzustellen, Hoffnung zu verbreiten und sich zu stärken, um für ein besseres Lebenskonzept – wie den Sozialismus – zu kämpfen.</p>
<h3>Mit sozialem Antifaschismus</h3>
<p>Der Kampf gegen Faschismus ist untrennbar mit sozialer Gerechtigkeit verbunden. Wer rechte Ideologien bekämpft, kämpft auch für bezahlbare Mieten, einen günstigen Nahverkehr und eine Rente, die zum Leben reicht. Unsere Strategie setzt dabei auf Nähe und Beteiligung: Wir gehen zu den Menschen, hören zu, führen Gespräche an der Haustür, organisieren Mieter:innentreffen und überzeugen im direkten Austausch.<br />
Dafür braucht es eine klare und verbindende Kampagne, die für Stadt und Land funktioniert. Mit flexiblen, anpassbaren Bausteinen können Genoss:innen vor Ort auswählen, was zu ihrer Region passt und direkt loslegen. Unsere Antworten auf soziale Spaltung, Klimakrise und Rechtsruck müssen im Alltag der Menschen spürbar sein. Für eine Politik, die sofort entlastet und gleichzeitig in eine solidarische Zukunft investiert. Dazu gehören konkrete Forderungen wie die Einführung eines Mietendeckels, Senkung oder Deckelung der Strom- und Energiepreise oder die Einführung einer Übergewinnsteuer. In ausgebluteten ländlichen Regionen sind es die erreichbare Nahversorgung und Räume für soziales Miteinander und Kultur. Bezahlbarer Wohnraum, Investitionen in Bildung und Gesundheit, ein klimafreundlicher, auch auf dem Land und in Kleinstädten funktionierender Nahverkehr, eine Ausbildungsoffensive, die Fachkräfte sichert und<br />
eine Einwanderungsgesellschaft, die partizipativ ist. Eine Rüstungsindustrie, die auf zivile Produktion umgestellt und Busse und Bahnen statt Panzer baut. Das Morgen beginnt heute – mit Forderungen, die überall anschlussfähig sind.</p>
<h3>Eine Strategie für den Osten</h3>
<p>In Ostdeutschland, besonders in ländlichen Regionen und kleineren Städten, herrscht eine rechte Hegemonie. Rechte Straftaten, Anfeindungen und die Verharmlosung durch lokale Politiker haben extrem rechte Milieus verfestigt. Die Perspektivlosigkeit in vielen Regionen, die durch Deindustrialisierung und neoliberale Politik verstärkt wurde, hat zu einem tiefen Ohnmachtsgefühl geführt, das die Distanz zum politischen System verstärkt. Die Partei braucht für den Osten eine Strategie, die nicht nur langfristige Ziele verfolgt. Die aktive Unterstützung kommunalpolitisch engagierter Genoss:innen ist zentral – sie sind oft die erste Verteidigungslinie gegen rechteDominanz. Es braucht den gezielten Aufbau lokaler Bündnisse mit zivilgesellschaftlichen Akteur:innen, Initiativen und Gewerkschaften. Klassische antifaschistische Praxis – von der Präsenz auf der Straße bis zur Dokumentation rechter Vorfälle – bleibt unverzichtbar. Sie bietet unmittelbaren Schutz für Betroffene und schafft Räume, in denen antifaschistische Kultur erfahrbar bleibt. Unsere Verbündeten sind diejenigen, die für Demokratie und Menschenwürde eintreten. Besonders aus den Großstädten heraus muss es eine Selbstverständlichkeit sein, zu unterstützen, wenn extreme Rechte oder konservative Kräfte vor Ort angreifen. Es erfordert eine kluge Bündnispolitik, die pragmatisch die Kräfteverhältnisse vor Ort bewertet, statt sich in Distinktionen zu verlieren. An vielen Orten im Osten geht es darum, das letzte Stück „Normalität“ gegen die fortschreitende Faschisierung zu verteidigen.</p>
<p>Auch wenn uns die Entwicklungen Sorgen machen: Der Kampf gegen rechts ist nicht verloren. Es gibt Spielräume, die wir nutzen können und müssen. Wenn wir als Linke konkrete, sozialpolitische Perspektiven aufzeigen, tragfähige Bündnisse aufbauen und langfristige Strategien für den Weg in eine solidarische, sozialistische Gesellschaft entwickeln, dann schaffen wir auch Gegenwind. Wir sind die Hoffnung. Die Kraft, die zeigt: Es geht auch anders. Wir können vieles verlieren, aber nicht diesen Kampf.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Offener Brief: Für einen Frieden in Nahost</title>
		<link>https://jule.linxxnet.de/offener-brief-fuer-einen-frieden-in-nahost-01-06-2025/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 15:22:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Partei]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir, Mitglieder der Partei Die Linke und Menschen aus der Zivilgesellschaft, möchten hiermit unsere Haltung zu der Entwicklung seit dem 7. Oktober 2023 und besonders seit dem Chemnitzer Parteitag der Linken zum Ausdruck bringen, da unsere Perspektive bisher zu wenig vorkam. &#160; Wir wenden uns an die jüdische Community in Deutschland, die durch den Bundesparteitag &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/offener-brief-fuer-einen-frieden-in-nahost-01-06-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Offener Brief: Für einen Frieden in Nahost“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/06/drbB6Sqx.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24948" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/06/drbB6Sqx-300x296.jpeg" alt="" width="300" height="296" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/06/drbB6Sqx-300x296.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/06/drbB6Sqx.jpeg 680w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Wir, Mitglieder der Partei Die Linke und Menschen aus der Zivilgesellschaft, möchten hiermit unsere Haltung zu der Entwicklung seit dem 7. Oktober 2023 und besonders seit dem Chemnitzer Parteitag der Linken zum Ausdruck bringen, da unsere Perspektive bisher zu wenig vorkam.<br />
&nbsp;<br />
Wir wenden uns an die jüdische Community in Deutschland, die durch den Bundesparteitag der Linken vor den Kopf gestoßen wurden. Deren Perspektive als Betroffene &#8211; wenn überhaupt &#8211; zu wenig eingebunden wurde.<br />
Wir wenden uns an diejenigen, die solidarisch mit den Menschen in Palästina sind.<br />
Und an jene, die wir als unsere Genoss:innen oder Verbündete bezeichnen, die in diesem Thema eine ähnliche Perspektive teilen.<span id="more-24947"></span><br />
&nbsp;<br />
<strong>Das eine Unrecht wiegt das andere nicht auf. Weder jetzt noch historisch!</strong><br />
&nbsp;<br />
Wer fordert, die „Juden ins Meer“ zu treiben, lässt nicht nur seine eigene Menschlichkeit vermissen, sondern verkennt auch die lange Realität jüdischen Lebens in dieser Region und der Menschen, die Israel ihre Heimat nennen und keine andere Heimat kennen.<br />
&nbsp;<br />
Wer fordert, die Palästinenser:innen umzusiedeln, oder sie gar auslöschen will, äußert sich ebenso unmenschlich und verkennt das Selbstbestimmungs- und Existenzrecht des palästinensischen Volkes.<br />
&nbsp;<br />
<strong>Laut und sichtbar – Ein Aktivierungsaufruf </strong><br />
<strong>Appell für Frieden in Nahost &amp; gegen jeden Antisemitismus im Netz und auf unseren Straßen</strong><br />
&nbsp;<br />
Wir wenden uns an alle Menschen &#8211; in Politik, Medien, Bildung, Kultur, Religion und Zivilgesellschaft in Deutschland &#8211; in dieser Zeit Haltung zu zeigen und klare Grenzen zu setzen.<br />
Einzutreten gegen Jene, die versuchen, auf Kosten der Betroffenen in diesem Konflikt ihre menschenfeindliche Ideologie voranzutreiben.<br />
&nbsp;<br />
In einer Zeit, in der Hass laut schreit, Fakten und Menschlichkeit an Wert verlieren, braucht es mehr als die bloße Geste.<br />
Es braucht eine klare und unmissverständliche Haltung:<br />
Seid mit uns unüberhörbar!</p>
<p><span lang="de-DE"><strong>Solidarität darf nicht selektiv sein. Nicht ideologisch verzerrt. Und nicht blind für das Leid der Anderen.</strong><br />
&nbsp;<br />
Diese Anderen leben unter uns. Sie sind unsere Nachbar:innen, Kolleg:innen, Freund:innen und manchmal sind sie auch unsere Familie.<br />
&nbsp;<br />
Wer wollen wir sein angesichts ihres Schmerzes?<br />
<strong>Wir wollen die Stimmen des Friedens stärken – in Israel, in Palästina und hier bei uns. Wir unterstützen die, die Brücken bauen. Nicht die, die Gräben ziehen.</strong><br />
Unsere Solidarität gilt den Menschen.<br />
Nicht den Mächtigen. Nicht den Tätern.<br />
Sie gilt den Verletzlichen. Den Angegriffenen. In Nahost wie in Deutschland.<br />
&nbsp;<br />
<strong>An ihre Seite stellen wir uns.</strong><br />
<strong>&nbsp;</strong><br />
Palästinenser:innen und Israelis haben das Recht auf ein Leben in Freiheit, Sicherheit und eigener Staatlichkeit – ebenso wie Jüdinnen und Juden das Recht haben, weltweit in Frieden und ohne Angst zu leben.<br />
Das ist nicht gegeneinander auszuspielen – es gehört zusammen.<br />
&nbsp;<br />
Deshalb treten wir für eine auf Menschenrechte begründete Perspektive auf den Nahostkonflikt ein.<br />
Eine Perspektive, die die Komplexität des Konfliktes abbildet.<br />
Die sich nicht scheut, Täter, Anheizer und Extremisten klar zu benennen und Rechenschaft zu fordern.<br />
&nbsp;<br />
Wir erheben unsere Stimme gegen jede Form von Antisemitismus.<br />
Wir verwehren uns gegen jede Verharmlosung oder politische Instrumentalisierung.<br />
&nbsp;<br />
Wir erheben unsere Stimme gegen Islamfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und ideologische Verhärtung.<br />
Wir verwehren uns gegen demokratiefeindliche, rassistische Narrative oder deren politische Instrumentalisierung.<br />
&nbsp;<br />
Wir verurteilen alle Bestrebungen, den terroristischen Überfall am 7. Oktober 2023 zu relativieren und zu instrumentalisieren.<br />
&nbsp;<br />
An diesem Tag hat die Hamas auf barbarische Weise ihren Judenhass in einer unfassbaren Gewaltorgie zelebriert. Sie hat billigend in Kauf genommen, dass über zwei Millionen Palästinenser:innen in akute Lebensgefahr gerieten.<br />
&nbsp;<br />
Infolgedessen haben tausende Menschen ihr Leben verloren und werden weiter sterben, solange dieser Konflikt ausschließlich mit militärischen Mitteln gelöst werden soll.<br />
Die Opfer auf beiden Seiten dürfen weder politisch, ideologisch oder aktivistisch missbraucht, noch vergessen werden.<br />
&nbsp;<br />
Wer sich an die Seite von Akteur:innen stellt, die antisemitische, antimuslimische, antifeministische, rassistische, antidemokratische, homo-, trans- oder queerfeindliche Ziele verfolgen, macht sich mit diesen Gedanken und Zielen gemein. Und ist kein:e Partner:in für uns.<br />
Wer mit Gruppierungen paktiert, die diese Akteur:innen implizit oder explizit dulden oder mit ihnen kooperieren, ebenso.<br />
&nbsp;<br />
<strong>Palästinasolidarität darf kein Hafen für verdeckten Antisemitismus und Hass sein.</strong></span></p>
<p><strong>Was wir fordern</strong><br />
&nbsp;<br />
Wir fordern die Freilassung der am 7. Oktober 2023 gekidnappten und verschleppten Menschen.<br />
&nbsp;<br />
Der Militäreinsatz in Gaza und die schreckliche Blockade durch die Regierung Netanjahu und alle beteiligten Kräfte in der Region müssen beendet werden.<br />
&nbsp;<br />
Erst wenn alle Anheizer des Konfliktes in der Region ihre Waffen niederlegen, ist Frieden eine mögliche Zukunft. Dazu gehören auch die islamistischen Organisationen der Hamas, Hisbollah, Huthis, Islamischer Dschihad u. a.. Die Menschen müssen sicher sein können, dass der Raketenbeschuss aufhört und der 7. Oktober sich nicht wiederholt.<br />
&nbsp;<br />
Frieden entsteht nicht durch Parteinahme, sondern durch Prinzipien: Menschenwürde, Völkerrecht, Empathie und Gerechtigkeit.<br />
&nbsp;<br />
Was können wir hier tun, weit weg von den Bomben, die auf Gaza fallen, weit weg von den Terrortunneln, in denen immer noch Geiseln gefangen sind?<br />
&nbsp;<br />
Wir wollen die Stimmen des Friedens stärken – in Israel, in Palästina und hier bei uns. Wir unterstützen die, die Brücken bauen, nicht die, die Gräben ziehen.<br />
&nbsp;<br />
Lasst uns laut sein auf Demonstrationen in unseren Parteien und Organisationen. Lasst uns Menschenfeindlichkeit benennen, auch in unseren eigenen Reihen. Lasst uns Räume schaffen, in denen differenzierter Austausch und Lernen möglich ist.<br />
&nbsp;<br />
Lasst uns die Stimmen der Betroffenen verstärken, die jetzt unsere Unterstützung brauchen.<br />
Lasst uns in diesem Sinne solidarisch sein – mit beiden Völkern. Für eine Zukunft in Nahost, die diesen Namen verdient.<br />
&nbsp;<br />
Und lasst uns gemeinsam laut sein auf unseren Straßen, in unseren Parteien und Organisationen, wenn Antisemitismus sein hässliches Gesicht zeigt.</p>
<p><strong>Erstunterzeichner:innen</strong></p>
<p>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;Martin Striegnitz, Die Linke Berlin<br />
2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;Brigitte Forßbohm, Die Linke Hessen, Stadtverordnete in Wiesbaden<br />
3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;Miriam Notowicz, Berlin, Parteilos<br />
4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;Annegret Gabelin, Die Linke Berlin<br />
5.&nbsp;&nbsp;&nbsp;Marcus Nolten, Die Linke Berlin<br />
6.&nbsp;&nbsp;&nbsp;Claudio Altenhain, Die Linke Berlin<br />
7.&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christoph Keller, Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit Berlin-Mitte<br />
8.&nbsp;&nbsp;&nbsp;Regina Kittler, Die Linke Berlin<br />
9.&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rüdiger Lötzer, Die Linke Berlin<br />
10.&nbsp;Timo Traulsen, Die Linke, Kreisvorsitzender Die Linke Nordhausen<br />
11.&nbsp;&nbsp;Jan Degenhardt, Die Linke Berlin<br />
12.&nbsp;Hartmut Prescher, Die Linke Hessen<br />
13.&nbsp;Walter van Hove, Die Linke Berlin<br />
14.&nbsp;Dr. Brunhilde van Hove, Mitglied im Bezirksvorstand Die Linke Friedrichshain-Kreuzberg<br />
15.&nbsp;Andreas Juhls, Die Linke Bremen<br />
16.&nbsp;Dr. Klaus Lederer, Berlin, MdA<br />
17.&nbsp;Ruth Notowicz, Berlin, Parteilos<br />
18.&nbsp;Regine Sommer-Wetter, stellvertretende Bürgermeisterin und Stadträtin für soziales, Arbeit und Bürgerdienste Friedrichshain-Kreuzberg, Mitglied des Landesvorstands Die Linke Berlin<br />
19.&nbsp;Anne Schlönvoigt, Die Linke Berlin<br />
20. Dr. Christoph Chiaffrino, Mitglied im Bezirksvorstand Die Linke Treptow-Köpenick<br />
21.&nbsp;Felix Lang, Die Linke Berlin<br />
22. Dr. Manuela Schmidt, Die Linke Berlin, MdA<br />
23. Dr. Christoph Spehr, Landesvorsitzender Die Linke Bremen<br />
24. Dr. Michael Bittner, Die Linke Berlin<br />
25. Dorothée Katz (ehem. Menzner), Niedersachsen, Ex-MdB Die Linke (2005-2013)<br />
26. Sabine Golczyk, Niedersachsen<br />
27.&nbsp;Karsten Peters, Parteilos<br />
28. Lena Tietgen, Die Linke Schleswig-Holstein<br />
29. Marianne Esders, Die Linke Niedersachsen<br />
30. Martina Renner, Die Linke, ehem. MdB<br />
31.&nbsp;Steffen Oppermann, parteilos<br />
32. Tobias Rieder, Berlin, parteilos<br />
33. Cyrill Callenius, Die Linke Berlin<br />
34. Luca Grimminger, Die Linke Schleswig-Holstein<br />
35. Leon Kloke, Berlin, parteilos<br />
36. Eva-Maria Galthe-Braun, Die Linke Baden-Württemberg<br />
37. Thomas Raffel, Die Linke Hessen<br />
38. Hans Schrieber, Die Linke Schleswig-Holstein<br />
39. Katja Chudoba, Die Linke Berlin<br />
40. Marco Pompe, Die Linke Berlin<br />
41.&nbsp;Juliane Nagel, Die Linke Sachsen, MdL<br />
42. Sabine Riese, parteilos<br />
43. Své Manigk, Die Linke Berlin<br />
44. Rahel Melis, Berlin, parteilos<br />
45. Elke Breitenbach, Berlin, MdA<br />
46. Peter Rudel, Sachsen-Anhalt, parteilos<br />
47. Dietmar Schnell, Die Linke Hessen<br />
48. Konstanze Kriese, Die Linke Berlin<br />
49. Salome Berhanu, Die Linke Berlin<br />
50. Eliora Notowicz, Berlin, parteilos<br />
51. Norbert Seichter, Die Linke Berlin<br />
52. Dr. Michael Forßbohm, Die Linke Hessen</p>
<h3>&gt;&gt;&gt; <strong><a href="https://www.openpetition.de/petition/online/offener-brief-fuer-einen-frieden-in-nahost">Unterstützen!</a> </strong></h3>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Was machen Sie bei McDonalds in Kyiv, Frau Nagel?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 May 2025 19:27:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Partei]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[Nachdem der &#8222;Zehn vor zwölf&#8220;-Newsletter der Freien Presse etwas daneben gegriffen hat, meinen Besuch in einem Fastfood-Restaurant in eine Reihe mit Trump, Merz und Söder stellte, bekam ich in einem Kurzinterview die Möglichkeit den Grund des Besuches zu erklären: eine politische Reise in die Ukraine: Freie Presse: Ein wenige Tage altes Foto zeigt sie bei &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/was-machen-sie-bei-mcdonalds-in-kyiv-frau-nagel-07-05-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Was machen Sie bei McDonalds in Kyiv, Frau Nagel?“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="artikel-content" class="article__text"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24883" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN-300x297.jpeg" alt="" width="300" height="297" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN-300x297.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN-150x150.jpeg 150w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN-768x759.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/05/igNfJ0dN.jpeg 879w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Nachdem der &#8222;Zehn vor zwölf&#8220;-Newsletter der Freien Presse etwas daneben gegriffen hat, meinen Besuch in einem Fastfood-Restaurant in eine Reihe mit Trump, Merz und Söder stellte, bekam ich in einem Kurzinterview die Möglichkeit den Grund des Besuches zu erklären: eine politische Reise in die Ukraine:</div>
<p><span id="more-24882"></span></p>
<div class="article__text">
<div class="article__first-p-wrapper">
<p><strong>Freie Presse: Ein wenige Tage altes Foto zeigt sie bei <a class="internal-article-link" title="Nachrichten zu: McDonalds" href="https://www.freiepresse.de/thema/organisation/mcdonalds" data-ct="ENTITY/ORGANISATION/MCDONALDS">McDonalds</a> in <a class="internal-article-link" title="Nachrichten für den Ort: Kiew" href="https://www.freiepresse.de/thema/ort/kiew" data-ct="ENTITY/LOCATION/UNKNOWN/KIEW">Kiew</a>. Was haben Sie da gemacht?</strong></p>
</div>
<p><b>Juliane Nagel: </b>Ich war eine Woche unterwegs in der Ukraine, aber nicht, um in Fast-Food-Restaurants zu essen. Ich habe dort Mitglieder einer neuen Bewegung für die Rechte von Frauen, Krankenschwestern und Pflegepersonal getroffen. Sie waren auf der Durchreise in die Westukraine und sind in Kiew umgestiegen. Wir brauchten einen pragmatischen Treffpunkt am Bahnhof.</p>
<p><strong>FP: Worum ging es dabei?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Die Bewegung organisiert landesweit Protest gegen die Sparpolitik im Gesundheitswesen. Das ist wie hier, nur viel dramatischer, weil das Geld nicht reicht und der Betreuungsschlüssel im Pflegebereich sehr, sehr schwierig ist. Die Sprecherin der Initiative hat gesagt: Bei uns liegt der Schlüssel bei 1:50, während man sich bei euch über 1:12 beschwert.</p>
<p><strong>FP: Waren Sie das erste Mal in der Ukraine?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Ich war schon im Januar 2023 dort, um zu erfahren, was in der Gesellschaft los ist. Jetzt wollte ich wissen, wie Trump und die Debatten hierzulande in der Ukraine gesehen werden und wie der Zustand des Landes nach drei Jahren Krieg ist.</p>
<p><strong>FP: Und wie gucken die Menschen auf Trump und Debatten in Sachsen?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Sehr kritisch. Ein Gesprächspartner hat sich sehr geärgert über das, was <a class="internal-article-link" title="Artikel zum Thema: Ministerpräsident" href="https://www.freiepresse.de/thema/ministerpr%C3%A4sident" data-ct="ENTITY/KEYWORD/MINISTERPRäSIDENT">Ministerpräsident</a> Kretschmer hier und da verlautbart hat und – sehr verkürzt ausgedrückt &#8211; so eine Flanke in Richtung <a class="internal-article-link" title="Nachrichten für den Ort: Russland" href="https://www.freiepresse.de/thema/ort/russland" data-ct="ENTITY/LOCATION/UNKNOWN/RUSSLAND">Russland</a> durchscheinen lässt. Auch von Trump fühlen sich die Menschen bevormundet, weil er über den Kopf der Ukraine und der ukrainischen Gesellschaft hinweg agiert.</p>
<p><strong>FP: Trump macht ja angeblich Fortschritte auf einem Weg zum Frieden.</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Die Menschen wollen aber nicht unter russischem Diktat leben oder einen Frieden, der nicht die Interessen der Ukraine als eigenständiges Land berücksichtigt. Besonders makaber war für mich eine Nacht, in der Kiew so stark wie noch nie mit Raketen und Drohnen angegriffen wurde, während in der internationalen Presse Trumps Ankündigung zu lesen war, dass man jetzt einen Deal mit Putin hätte und eine Annäherung stattfinde. Bei dem Luftangriff wurden Dutzende verletzt und einige getötet.</p>
</div>
<p><strong>FP: Und wie haben Sie sonst die Lage vor Ort erlebt?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Die von Trump gestoppten humanitären Hilfen von USAID wirken sich massiv auf die medizinische Versorgung, soziale Hilfen für Binnenvertriebene aus der Ostukraine, Hilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen oder Opfer sexualisierter Gewalt aus. Senioren müssen im großen Maßstab in den Westen des Landes transferiert und im ländlichen Gebiet verbliebene Menschen versorgt werden, die durch den Krieg schon jetzt, wenn überhaupt, nur schwer an medizinische Leistungen kommen. Das Streichen der US-Hilfen lässt Strukturen zusammenbrechen und Hilfsorganisationen können nicht weiterarbeiten, die diese Leistungen erbringen.</p>
<p><strong>FP: Aber was können Sie da vor Ort bewirken?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Einerseits können wir diese Botschaften mitnehmen und öffentlich machen. Andererseits: Ich komme aus <a class="internal-article-link" title="Nachrichten für den Ort: Leipzig" href="https://www.freiepresse.de/thema/ort/leipzig" data-ct="ENTITY/LOCATION/UNKNOWN/LEIPZIG">Leipzig</a>, der Partnerstadt von Kiew. Leipzig könnte ein soziales Modellwohnprojekt für Binnenvertriebene unterstützen. Das werde ich auf jeden Fall mit in den Stadtrat nehmen. Und es geht auch um die schwierige Debatte in der <a class="internal-article-link" title="Nachrichten zu: Linkspartei" href="https://www.freiepresse.de/thema/organisation/linkspartei" data-ct="ENTITY/ORGANISATION/LINKSPARTEI">Linkspartei</a>.</p>
<p><strong>FP: <a class="internal-article-link" title="Nachrichten zu: Die Linke" href="https://www.freiepresse.de/thema/organisation/die+linke" data-ct="ENTITY/ORGANISATION/DIE-LINKE">Die Linke</a> ist ja gegen Waffenlieferungen.</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Vorsichtig ausgedrückt habe ich eine Minderheitenposition in meiner Partei, weil ich dafür offen bin. Ich wüsste nicht, wie die Ukrainer sich sonst selbst verteidigen könnten. Ich habe dort auch viele linke Akteure getroffen, die in der Armee kämpfen, obwohl sie vielleicht zu dem Staat und bestimmten neoliberalen Politiken in der Ukraine eine Distanz haben, aber klar sagen: Ich lebe lieber in der freien Ukraine als unter russischem Diktat. Die beißen deshalb in den sauren Apfel. Ich habe den Luftangriff, das Feuer am Himmel gesehen und die Einschläge waren laut und heftig. Wenn man weiß, dass Luft- und Raketenabwehr auch ein Waffentyp ist, muss ich sagen: Wir waren froh, dass es diese Abwehr gibt.</p>
<p><strong>FP: Wann fahren Sie wieder hin?</strong></p>
<p><b>Nagel: </b> Wir müssen jetzt erst mal die Ideen verarbeiten, die wir mitgebracht haben und die Kontakte mit den Gewerkschaften und Organisationen aus der Ukraine verknüpfen, damit die gesehen und unterstützt werden. Wir haben ein Bild davon bekommen, wie sich die Gesellschaft im Krieg am Leben hält und gut weiterexistiert, demokratisch existiert. In einem Jahr fahre ich dann vielleicht wieder hin. (two)</p>
<p><a href="https://www.freiepresse.de/nachrichten/sachsen/linken-abgeordnete-was-machen-sie-bei-mcdonals-in-kiew-frau-nagel-artikel13799969">Freie Presse, 07. Mai 2025</a></p>
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		<title>Tag 5: #ukrXX</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Apr 2025 11:31:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Außerparlamentarisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Der fünfte und letzte Tag unserer Reise beginnt morgens mit dem Besuch einer Schutzwohnung für Frauen. Dort treffen wir Felix, der für eine NGO arbeitet und diesen Termin sehr kurzfristig ermöglicht hat. Die Wohnung ist eines der zahlreichen Angebote der Ukrainian Foundation for Public Health (https://www.healthright.org.ua/en/), die seit 2008 existiert. Die Stiftung konzentriert sich insbesondere &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/tag-5-ukrxx-27-04-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Tag 5: #ukrXX“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="magicdomid2" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24849" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-300x225.jpeg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-300x225.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-1024x768.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-768x576.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-1536x1152.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO-1200x900.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Nb_s4zwO.jpeg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Der fünfte und letzte Tag unserer Reise beginnt morgens mit dem Besuch einer Schutzwohnung für Frauen. Dort treffen wir Felix, der für eine NGO arbeitet und diesen Termin sehr kurzfristig ermöglicht hat. Die Wohnung ist eines der zahlreichen Angebote der </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Ukrainian Foundation for Public Health</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> (</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci url"><a href="https://www.healthright.org.ua/en/" rel="noreferrer noopener">https://www.healthright.org.ua/en/</a></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">), die seit 2008 existiert. Die Stiftung konzentriert sich insbesondere auf vulnerable Personen und arbeitet mit Schwerpunkten in den Bereichen HIV-Prävention und -Versorgung, psychische Gesundheit, sexualisierte Gewalt sowie geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung. Seit der russischen Invasion in der Ostukraine 2014 hat die UFPH zahlreiche essenzielle Angebote in Krisenregionen aufgebaut. </span></div>
<p><span id="more-24845"></span></p>
<div spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Dazu gehören grundlegende Gesundheitsversorgungsangebote wie mobile Teams, die psychologische Unterstützung für Frauen leisten, sowie Zentren für eine umfassende medizinische, psychologische und soziale Versorgung von vertriebenen Personen mit Gewalterfahrungen.<br />
</span></div>
<div id="magicdomid3" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir erleben erneut, dass Nichtregierungsorganisationen in der Ukraine grundlegende Leistungen der sozialen Daseinsvorsorge erbringen, während der Staat mit seinem rudimentären Gesundheits- und Sozialsystem diese Aufgaben kaum übernimmt. Der Wegfall finanzieller humanitärer Unterstützungsprogramme – insbesondere von USAID – hat daher gravierende Folgen. Nicht nur in der Ukraine fallen dadurch Leistungen weg, die in Deutschland als staatliche Basisversorgung gelten. Für die Stiftung bedeutet das Ende von USAID den Verlust von 35 % der Gesamtfinanzierung, weshalb erste mobile Teams bereits abgezogen werden mussten. Ein weiteres Problem ist, dass Geldgeber vor allem Krisenregionen nahe der Front unterstützen. Viele Menschen fliehen jedoch in sicherere Gebiete, etwa in den Westen der Ukraine – 2023 waren es über fünf Millionen. Auch dort müssen Strukturen wie die Wohnraumversorgung sichergestellt werden.<br />
</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Ein weiteres drängendes Thema ist die Versorgung von HIV-Patient</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i">innen. Die Ukraine hat eine der höchsten HIV-Infektionsraten in Europa: 2020 lag die Inzidenz bei 41 pro 100.000 Einwohner</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">innen, in Deutschland bei 3,1. Seit der großangelegten Invasion hat sich die Versorgung massiv verschlechtert, und mit dem Wegfall humanitärer Hilfsprogramme wird sich die Lage weiter zuspitzen. Wir treffen ein engagiertes und empathisches Team von Mitarbeiterinnen, das sich auch an legislativen Prozessen beteiligt, etwa an der Umsetzung der 2022 von der Ukraine ratifizierten Istanbul-Konvention. Ein Beispiel ist die Transformation häuslicher Gewalt von einem Antragsdelikt zu einem Offizialdelikt.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid5" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Während des Besuchs entsteht die Idee, die Städtepartnerschaft Leipzig-Kyiv stärker zu nutzen und über die Stadt sowie die Zivilgesellschaft in Leipzig Kooperationen anzustoßen. Unser Dank gilt den engagierten Mitarbeiterinnen und Felix für ihre wertvolle Arbeit.</span></div>
<div spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24848" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-300x225.jpeg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-300x225.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-1024x768.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-768x576.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-1536x1152.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8-1200x900.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/Djy4jgj8.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Am Nachmittag treffen wir in den Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung nicht nur deren Mitarbeiterin Sasha, sondern auch die queerfeministische Aktivistin Ira Tantsiura. Sie gehört zum Team des feministischen Filmfestivals </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Filma</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> (</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci url"><a href="https://filmafest.org/en/about-en/" rel="noreferrer noopener">https://filmafest.org/en/about-en/</a></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">), das einen intersektionalen, nicht-hierarchischen Ansatz verfolgt und offene Zugänge für alle unabhängig von Herkunft, geschlechtlicher Identität oder Behinderung ermöglicht. Dies zeigt sich nicht nur in der thematischen Filmauswahl, sondern auch in deren Präsentation, etwa durch Untertitel. Ira hat gemeinsam mit anderen einen speziellen Leitfaden entwickelt, der inzwischen auch von anderen Festivals wie dem eher konventionellen LGBTQIA-Festival </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Sunny Bunny</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> genutzt wird.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid7" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Im Gespräch mit Ira thematisieren wir den Feminismus in der Ukraine, der aus ihrer Sicht einen konservativen Rückschritt erlebt. 2016 nahm ein anarchafeministischer Block an der Frauentagsdemonstration in Kyiv teil, wurde jedoch von traditionellen Frauengruppen stark kritisiert und erfuhr staatliche Repression. Auch in der queeren Community beobachtet sie einen „Homonationalismus“, der die Prides prägt und sich von emanzipatorischen, egalitären Zielen entfernt. Die Gesellschaft rücke nach rechts, was auch mit der zunehmenden Militarisierung zusammenhänge, die sogar von der staatlichen Kulturstiftung in Förderprogrammen für junge Menschen forciert werde.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid8" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Dennoch gibt es Hoffnung: Ira nimmt wahr, dass es immer mehr junge Menschen mit radikalen, progressiven Ideen gibt. Gleichzeitig gelingt es extrem rechten Gruppierungen, sehr junge, aktionsorientierte Menschen zu rekrutieren, die etwa am Karfreitag gegen das LGBTQIA-Festival mobilisieren. Ähnliche Entwicklungen kennen wir aus Sachsen, wo jedoch auch eine Repolitisierung der CSD-Bewegung zu beobachten ist.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid9" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Ira betont die Notwendigkeit sozialer Reformen in der Ukraine: Es brauche dringend ein Programm zur sozialen Wohnraumversorgung für marginalisierte und vertriebene Menschen sowie verbesserte HIV-Programme. Diese dringenden Fragen werden von politisch Verantwortlichen, ob auf kommunaler oder nationaler Ebene, jedoch nicht angegangen. Wir nehmen diese Botschaft mit.</span></div>
<div spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid10" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24847" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-300x225.jpeg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-300x225.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1024x768.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-768x576.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1536x1152.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn-1200x900.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/sRpLr6pn.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Am Abend haben wir das Glück, drei Aktivistinnen der medizinischen Bewegung </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Be Like We Are</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> auf ihrer Durchreise nach Lwiw zu treffen. Gründerin Oksana Slobodiana erzählt, dass die Bewegung 2019 mit einem Facebook-Post einer Krankenpflegerin begann, die die schlechten Bedingungen im Gesundheitswesen kritisierte und Zehntausende erreichte. Dies war die Geburtsstunde der Bewegung, die inzwischen in zahlreichen Städten aktiv ist und Beschäftigte ermutigt, Gewerkschaften zu gründen. Die alten, trägen Gewerkschaften seien korrupt und würden die Probleme der Arbeiter*innen nicht lösen.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid11" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Be Like We Are</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> agiert zweigleisig: als landesweites Netzwerk und mit lokalen Gewerkschaften. Die Facebook-Gruppe hat über 85.000 Mitglieder, die NGO über 700. Über 90 % der Aktiven sind Frauen, was das Geschlechterverhältnis im Pflegebereich widerspiegelt. Das Gesundheitssystem in der Ukraine ist äußerst prekär. Zwar gibt es eine öffentliche Basisversorgung, doch spezielle Behandlungen, Medikamente und Operationen müssen teilweise von den Patient</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i">innen bezahlt werden. Eine flächendeckende staatliche Krankenversicherung existiert nicht. Der staatlich finanzierte Basiskatalog für medizinische Leistungen ist seit über zehn Jahren unverändert – trotz Inflation, komplexer Bedarfe und Krieg. Das System droht zu kollabieren, und die Leidtragenden sind vor allem die Krankenpfleger*</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">innen. <em>„W</em>ährend ihr euch in Deutschland über einen Betreuungsschlüssel von 1:12 beschwert, ist er bei uns 1:50“, erzählt Oksana. Hinzu kommen Belastungen durch verletzte Soldat*innen, die bevorzugt versorgt werden, was die Versorgung der Zivilbevölkerung beeinträchtigt.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid12" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Es fehlt an gesellschaftlichem Respekt für die Arbeit der Fachkräfte und vor allem an staatlicher Unterstützung für diesen zentralen Bereich der sozialen Daseinsvorsorge. Die Regierung strebt eine Reform des Gesundheitswesens nach britischem Vorbild an – eine steuerfinanzierte Grundversorgung, die jedoch chronisch unterfinanziert ist. Durch den Krieg ist dieser Umbau noch nicht vollzogen. </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Be Like We Are</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> organisiert Beschäftigte, um ihre Interessen durchzusetzen – keine Selbstverständlichkeit in der Ukraine, besonders im Krieg.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid13" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Ein konkreter Erfolg der Bewegung ist die Einführung einer monatlichen Zulage für Ärzt</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i">innen in Höhe von 20.000 Hrywnja (über 400 Euro) und für Pfleger</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">innen von 15.000 Hrywnja (über 300 Euro) – allerdings nur, wenn die Personalkosten des Krankenhauses 85 % nicht überschreiten. Anfang Mai werden Vertreter*innen von </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Be Like We Are</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> bei der Streikkonferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin präsent sein. Wir sind beeindruckt: Diese Organisierung hat Kraft und Potenzial, ist europaweit gut vernetzt und wünscht sich Unterstützung. </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i">We will care!</span></div>
<div spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">An diesem Abend fallen wir erschöpft ins Bett. Es war der letzte, ereignisreiche Tag einer intensiven Reise. Inzwischen sitzen wir im Zug Richtung Polen. Danke an alle, die wir treffen und mit denen wir sprechen durften, und an alles, was wir sehen und erfahren konnten. Weiteres Getexte folgt in jedem Fall!</span></div>
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		<title>Tag 4: #ukrXX</title>
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		<dc:creator><![CDATA[luna]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Apr 2025 06:24:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Heute, am vierten Tag, war es ruhiger. Die Nacht verlief ruhig, sowohl in Kyiv als auch in der gesamten Ukraine. Wir besuchten heute Yana Salachova von Teatrzmin – dem Theater der Unterdrückten, einem lokalen Partner des deutschen Vereins Kurve Wustrow. Yana arbeitet bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und ist im Bereich des Forumtheaters &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/tag-4-ukrxx-26-04-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Tag 4: #ukrXX“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="magicdomid11" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24843" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-300x169.jpeg" alt="" width="300" height="169" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-300x169.jpeg 300w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1024x576.jpeg 1024w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-768x432.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1536x864.jpeg 1536w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o-1200x675.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/LWVjAU_o.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a>Heute, am vierten Tag, war es ruhiger. Die Nacht verlief ruhig, sowohl in Kyiv als auch in der gesamten Ukraine.</span></div>
<div id="magicdomid12" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir besuchten heute Yana Salachova von <a href="https://teatrzmin.org.ua/">Teatrzmin</a> – dem Theater der Unterdrückten, einem lokalen Partner des deutschen Vereins Kurve Wustrow. Yana arbeitet bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und ist im Bereich des Forumtheaters aktiv. Forumtheater ist eine Methode, die marginalisierte Menschen ermutigen soll, ihre Bedürfnisse zu formulieren. Zielgruppen sind Menschen mit Behinderungen, Kinder und Jugendliche, Roma, LGBTIQ-Personen und andere. Ziel ist es, in lokalen Kontexten Lösungen für Problemlagen zu finden. Besonders im Krieg ist dies eine große Herausforderung, aber auch ein wichtiges Mittel, um Dissens gewaltfrei aufzulösen oder abzumildern und nicht gehörten Stimmen Gehör zu verschaffen.&nbsp;&nbsp;</span></div>
<p><span id="more-24842"></span></p>
<div id="magicdomid30" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Yana berichtet von ihrer Arbeit in einer kleinen Gemeinde, wo für 2.000 Menschen jährlich nur 20.000 Hrywnja (ca. 420 Euro) für besondere soziale Bedarfe zur Verfügung stehen. Beim Forumtheater, bei dem dieses Thema angesprochen wird, ist auch eine lokal Verantwortliche anwesend. Anders als in anderen Kontexten ist es hier möglich, offen über das Defizit zu sprechen und es zu problematisieren. Am Ende wird sogar eine gute Lösung gefunden.&nbsp;&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid15" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Yana erzählt auch von Interventionen im Prozess des Wiederaufbaus der Ukraine: Statt geschlossene Heime für Menschen mit Behinderungen zu bauen, werden die Stimmen für selbstbestimmte Wohnformen lauter und gestärkt. Nicht nur Effizienz, sondern auch die Bedürfnisse marginalisierter Gruppen sollen berücksichtigt werden. Sie spricht von Theaterstücken, die familiäre Konflikte und Beziehungsabbrüche aufgrund der (Weiter-)Nutzung der russischen Sprache thematisieren.&nbsp;&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid17" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir sprechen auch über Rassismus und Queerfeindlichkeit. Yana beobachtet, dass Alltagsrassismus weit verbreitet ist, dieser jedoch selten in rassistische Gewalt umschlägt. Es gibt, wie in vielen Ländern, romafeindliche Stimmungen und Ausgrenzung, auch im militärischen Kontext. Queerfeindlichkeit hingegen ist ein wachsendes Problem. Kürzlich hatten rechte Gruppen gegen das in Kyiv stattfindende LGBTQIA+-Festival „Sunny Bunny“ mobilisiert. Diesmal reagierte die Polizei vorbildlich und schützte die Veranstaltung, was nicht immer der Fall war.&nbsp;&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid59" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir statten dem Festival einen kurzen Besuch ab, es ist sein letzter Tag. Wir sehen viele junge, queere Menschen zwischen den Kinosälen hin- und hergehen und bemerken eine kleine Polizeipräsenz.&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid60" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">&nbsp;&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid19" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Am Abend haben wir die Gelegenheit, das neue Domizil der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu besuchen, die kürzlich an einen zentralen Platz nahe dem Maidan umgezogen ist. Mit der von uns geschätzten Mitarbeiterin Nelia Vahovska sprechen wir über Perspektiven der ukrainischen Linken, das Oligarchentum in der Politik und faschistische Tendenzen in der Armee. Im Stadtbild fällt überall Werbung für die Armee auf, aber auch für spezifische Einheiten. Besonders negativ sticht die „3. Sturmbrigade“ hervor. Diese wurde 2022 aus ehemaligen Asow-Kämpfern gegründet und ist für ihre extrem rechten Bezüge und Protagonisten bekannt. Bei ihrer Promotiontour durch Europa im vergangenen Jahr gab es antifaschistische Proteste.&nbsp;&nbsp;</span></div>
<div id="magicdomid20" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid334" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Ein Lichtblick ist, so Nelia, die linke Organisierung junger Menschen. Ein Beispiel dafür ist die basisdemokratische, syndikalistische Organisation <a href="http://www.priama-diia.org/">„Direct Action“</a>, die an Universitäten in der gesamten Ukraine aktiv ist. Sie kämpft für freie Bildung und gegen den neoliberalen Umbau des Bildungswesens. Ihre Strukturen, ihre Organisationsform und ihre Inhalte machen Mut und sind sogar dem Staat aufgefallen, der versucht, Aktivist*innen einzuschüchtern.</span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4"> Ein weiterer Lichtblick ist Med Rukh, die Bewegung der Krankenschwestern, die sich gegen die Zustände im Gesundheitssystem organisieren.&nbsp; Eine Vertreterin werden wir am Samstag, an unserem letzten Tag, treffen.&nbsp;</span></div>
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		<title>Tag 3: #ukrXX</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Apr 2025 09:23:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der dritte Tag beginnt sehr früh nach einer kurzen Nacht. Das Leben in Kyiv erwacht trotz der Drohnen- und Bombenangriffe der vergangenen Stunden. In dem Café, in dem wir unser erstes Gespräch führen, findet um 9:00 Uhr eine Schweigeminute für die Opfer der Angriffe statt. &#160; Unsere erste Gesprächspartnerin, eine Journalistin mit Schwerpunkt Sicherheitsfragen, eröffnet &#8230; <a href="https://jule.linxxnet.de/tag-3-ukrxx-25-04-2025/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Tag 3: #ukrXX“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="magicdomid2" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24836" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U-225x300.jpeg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U-225x300.jpeg 225w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U-768x1024.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U-1152x1536.jpeg 1152w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U-1200x1600.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/B9K5zb8U.jpeg 1536w" sizes="auto, (max-width: 225px) 85vw, 225px" /></a>Der dritte Tag beginnt sehr früh nach einer kurzen Nacht. Das Leben in Kyiv erwacht trotz der Drohnen- und Bombenangriffe der vergangenen Stunden. In dem Café, in dem wir unser erstes Gespräch führen, findet um 9:00 Uhr eine Schweigeminute für die Opfer der Angriffe statt. </span></div>
<p><span id="more-24835"></span></p>
<div spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Unsere erste Gesprächspartnerin, eine Journalistin mit Schwerpunkt Sicherheitsfragen, eröffnet eine internationale Perspektive. Sie spricht über den russischen Informationskrieg, die Notwendigkeit, diesem entgegenzutreten</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci b"> &#8211; nicht </span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4 b">allein </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci b">mit Widerlegung von Falschinformationen sondern mit eigenen, positiven Erzählungen. Ebenfalls betonte sie die Notwendigkeit der Unabhängigkeit von Russland in energiepolitischen Fragen. Deutschland sei bezüglich der Einflußnahme, auch durch Agentinnen, bislang noch zu naiv. </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Gleichzeitig betont sie die Bedeutung der Phase nach einem möglichen Kriegsende: Es müsse genau im Blick bleiben, wohin Geldflüsse und Waffen in ukrainischen Händen dann fließen.</span></div>
<div id="magicdomid3" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid4" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Den zweiten Gesprächspartner treffen wir auf der westlichen Seite des Dnepr: Viacheslav Lichachev, einen bekannten Historiker und Experten für die extreme Rechte. Er ist zudem Vorstand des </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Center for Civil Liberties</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">, einer Menschenrechtsorganisation, die Kriegsverbrechen untersucht.</span></span></p>
<div id="magicdomid127" class="ace-line" aria-live="assertive"><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4">Bereits&nbsp;</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> im Januar 2023</span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4"> haben wir Vertreter*innen der Organisation&nbsp; </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">getroffen. Viacheslav, genannt „Slava“, gibt Einblicke in die ukrainische Erinnerungspolitik und beschreibt, wie Russland die Geschichte umdeutet, indem es an seine</span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4"> durchaus</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> verdienstvolle Rolle bei der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus anknüpft.</span></div>
</div>
<div id="magicdomid5" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid6" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Am 9. Mai 2025 wird in Kyiv der 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus gefeiert, mit internationalen Gästen. An diesem Tag soll auch das Sondertribunal zur strafrechtlichen Verfolgung von Wladimir Putin und weiteren Verantwortlichen für Kriegsverbrechen in der Ukraine durch den Europarat eingerichtet werden. Das Sondertribunal soll eine Strafbarkeitslücke schließen: Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag ist für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zuständig, doch beim politisch heiklen Tatbestand der Aggression – also des Angriffskriegs – sind ihm die Hände gebunden. Russland hat das Statut des IStGH nicht unterzeichnet, die Ukraine inzwischen schon. Ein Beschluss des UN-Sicherheitsrats oder der UN-Vollversammlung wäre möglich, jedoch politisch schwierig. Mit dem Sondertribunal überträgt die Ukraine die Strafverfolgung von Putin und seinen Unterstützer*innen an den Europarat, was in eine Anklage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte münden könnte (mehr Infos: </span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4 url"><a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/ukraine-russland-angriffskrieg-europarat-sondertribunal-lux.VyqKKjeFcb5bWuVAoQqtiw" rel="noreferrer noopener">https://www.sueddeutsche.de/politik/ukraine-russland-angriffskrieg-europarat-sondertribunal-lux.VyqKKjeFcb5bWuVAoQqtiw</a></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">).</span></div>
<div id="magicdomid7" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid8" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Die Symbolik des Sondertribunals und des Befreiungstages könnte in Deutschland Irritationen auslösen. Dennoch kann sie als Plädoyer für ein „Nie wieder“ gelesen werden. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass nicht nur Russland, sondern auch die Ukraine und die 14 weiteren ehemaligen Sowjetrepubliken zur Befreiung Europas vom nationalsozialistischen Terror beigetragen haben. Die historischen Narrative sind jedoch ambivalent. In der Ukraine gab es mit der UPA und der OUN-B unter Stepan Bandera Kollaboration mit dem NS-Regime sowie Beteiligung an antisemitischen Pogromen. Gleichzeitig, so Lichachev, darf der Hitler-Stalin-Pakt nicht vergessen werden, der durch die Aufteilung Polens und die Annexion der baltischen Staaten sowie Teilen Rumäniens den Weg für Hitlers Eroberungszug ebnete. In der Ukraine ist das historische Erbe umstritten. Auf kommunaler Ebene gibt es Bestrebungen, Kollaborateur</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>innen wie Bandera als Kämpfer</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">innen für die Unabhängigkeit umzudeuten, doch solche Debatten sind derzeit auf Eis gelegt.</span></div>
<div id="magicdomid9" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid10" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Ein weiterer Fokus liegt auf der Umdeutung der Geschichte durch Putins Russland. Putin stellt den Krieg gegen die Ukraine als Kampf gegen den „Faschismus“ dar und diffamiert die EU als Unterstützerin des Faschismus. Seit 2020 verändert Russland seine historische Erzählung: Nicht mehr der Holocaust an Jüdinnen und Juden steht im Zentrum des größten Menschheitsverbrechens, sondern der „Holocaust an den Sowjets“. Dies zeigt sich etwa in Putins Rede zum 75. Holocaust-Gedenktag in Yad Vashem oder in Publikationen von Vertrauten wie der Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa.</span></div>
<div id="magicdomid11" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid12" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Slava gibt Einblicke in die Transformation der russischen und ukrainischen Neonazi-Szenen, die sich im Kontext des Krieges neu formiert haben. Ein Großteil der russischen Neonazis habe sich trotz ihrer Gegnerschaft zum Staat entschieden, in der russischen Armee gegen die Ukraine und „den Westen“ zu kämpfen, oder sei gewaltsam dazu gezwungen worden. Der russische Staat habe ein instrumentelles Verhältnis zu Neonazis, die auch als „Kanonenfutter“ dienten. Andere Teile der Szene entschieden sich hingegen, in ukrainischen Einheiten zu kämpfen, um ihren Widerstand gegen das ihrer Ansicht nach korrupte russische System auszudrücken. Vor diesem Hintergrund sei die Zahl rechter und rassistischer Angriffe in Russland zurückgegangen.</span></div>
<div id="magicdomid13" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid14" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Die ukrainische extreme Rechte, etwa Swoboda oder der Rechte Sektor, befinde sich bereits vor 2022 in einer Krise. Ihre Präsenz bei den Maidan-Protesten 2013/14 habe ihnen Auftrieb verschafft, insbesondere durch die Gegnerschaft zu Ex-Präsident Janukowytsch. Akteure der extrem rechten Swoboda waren 2014 Teil der Übergangsregierung nach dessen Sturz. Bei den Wahlen 2014 fielen sie jedoch unter die 5-Prozent-Hürde und konnten nur noch wenige Direktmandate in der ukrainischen Rada erringen. Selbst mit einer gemeinsamen Liste der extremen Rechten erzielten sie bei den Parlamentswahlen 2019 lediglich 2,4 Prozent. Unser Gesprächspartner sieht einen Grund darin, dass die Gegnerschaft zu Russland kein Alleinstellungsmerkmal der extremen Rechten mehr sei und ihre Europafeindlichkeit in der ukrainischen Gesellschaft kaum noch Zustimmung finde. Auch ihre heroische Inszenierung als Kämpfer*innen im Krieg verpuffe zunehmend. Dennoch sei ihre Aggression gegen Minderheiten, wie die LGBTIQ-Community, nicht zu unterschätzen. Bereits bei unserem letzten Besuch hatte Sergey Movchan vom </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Solidarity Collective</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> darauf hingewiesen, dass große politische Parteien rechte Narrative übernommen hätten, was ebenfalls die Schwächung der parlamentarischen Rechten erkläre. Ob und inwieweit rechte Einstellungen in der ukrainischen Gesellschaft verbreitet sind, sei ein eigenes Thema. Fest steht, dass Militär und Männlichkeitsbilder, besonders in Kriegszeiten, eine prägende Rolle spielen.</span></div>
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<div id="magicdomid17" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"><a href="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-24837" src="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu-225x300.jpeg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu-225x300.jpeg 225w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu-768x1024.jpeg 768w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu-1152x1536.jpeg 1152w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu-1200x1600.jpeg 1200w, https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2025/04/fiJnY_wu.jpeg 1536w" sizes="auto, (max-width: 225px) 85vw, 225px" /></a>Am Nachmittag steht die Lage linker Akteure im Krieg im Vordergrund. Wir besuchen das „Solidarity Collective“, eine nicht-autoritäre, antifaschistische Initiative, und treffen Taras, ehemaliger Redakteur der linken Zeitschrift </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Commons</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">, der seit 2022 in der ukrainischen Armee kämpft. Das </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Solidarity Collective</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> unterstützt Linke an der Front, </span><span class="author-a-upz67zepytz80zloiz69zz90z3z81z4">baut Drohnen (im neuen Büro fand gerade ein Drohnenbauworkshop statt), </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">organisiert Hilfstransporte in Gebiete, die von anderen NGOs nicht erreicht werden, und pflegt internationale Netzwerke, unter anderem nach Sachsen. Es ist ein „Solidaritäts-Hub“, der basisdemokratisch organisiert ist. Die Ambivalenz, sich nicht-staatlich oder staatskritisch zu engagieren und dennoch in der staatlichen Armee zu dienen, wird reflektiert, doch Alternativen gibt es kaum. Jede*r muss diese Entscheidung individuell treffen. Die Unterstützung durch das Collective ist für die Kämpfenden logistisch und ideell eine wichtige Stütze.</span></div>
<div id="magicdomid18" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive">&nbsp;</div>
<div id="magicdomid19" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Taras betont, dass die Idee von </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Sotsialny Rukh</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">, den Wehrdienst zeitlich zu begrenzen, schwierig umzusetzen ist: Woher sollen dann Soldat</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>innen kommen?</i> Viele, die sich nach der großangelegten Invasion 2022 freiwillig meldeten, hätten dies angesichts der langen Kriegsdauer nicht getan. Zudem berichten viele von negativen Erfahrungen in der Armee. Ein Problem ist das Fehlen klarer Strukturen und Regeln sowie einer eigenen Militärgerichtsbarkeit, die in Streitfällen kompetent entscheiden könnte. Stattdessen bleibt vieles der Willkür von Kommandant</span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">innen überlassen. 2022 wurde ein Gesetz erlassen, das Ungehorsam oder Desertion härter bestraft. Diese Fälle werden von überlasteten Zivilgerichten bearbeitet, die für militärische Angelegenheiten nicht spezialisiert sind. Das Gesetz stieß auf Widerstand von Menschenrechtsorganisationen.</span></div>
<div id="magicdomid20" class="ace-line" spellcheck="true" aria-live="assertive"><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">Wir gehen mit Taras durch die Straßen Kyivs und sprechen über die Lage in der Armee, die gesellschaftliche Situation in der Ukraine und seine Perspektiven für die Entwicklung von </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Sotsialny Rukh</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci">. Wir empfehlen das Interview, das er 2024 der Zeitschrift </span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci i"><i>Emanzipation</i></span><span class="author-a-ez90zb3z122zxz72zw8z74zz66zoxeci"> gegeben hat: https://emanzipation.org/2024/04/als-sozialist-die-ukraine-verteidigen/</span></div>
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