Jugendhilfe nach Kassenlage? Zur aktuellen Diskussion um die Zentralisierung der Jugendberatungsstellen

Während Offene Treffs und Jugendmedienprojekte gerettet werden konnten, wurde das Ende von vier Jugendberatungsstellen zugunsten einer zentralisierten mit Beschluss des Haushalts 2014 besiegelt. DIE LINKE kritisiert das Verfahren, die fachliche Zielrichtung und die andauernde Unterfinanzierung der Jugendhilfe in Leipzig

Nach massiven Protesten und langen Debatten konnten im Dezember 2013 schwere Einschnitte in der Leipziger Jugendhilfelandschaft abgewendet werden. Nachdem die Kürzung um fast eine Mio. Euro abgewendet werden konnte, stand die Schließung von drei Offenen Treffs (OFT), zwei Medienprojekten und die Zentralisierung von vier Jugendberatungsstellen zu einer auf der Tagesordnung.  Nur durch die Solidarität unter den Trägern der Jugendhilfe, die auf Anteile der dringend notwendigen Anpassung von Personal- und Sachkosten verzichteten, und eine Erhöhung des Budgets um 130.000 Euro konnten die OFT und Medienprojekte gerettet werden. Das Aus der vier Jugendberatungsstellen wurde dagegen mit dem Beschluss des Haushaltes besiegelt. Ein entsprechender Haushaltsantrag der LINKEN und Grünen fand im Stadtrat keine Mehrheit.

Besonders bitter ist dabei, dass die Umstrukturierung der Jugendberatung durch die Zentralisierung von vier Beratungsstellen zu einer gemeinsam mit dem Jobcenter betriebenen keine fachliche Entscheidung war, sondern Resultat der finanziellen Notsituation. Die LINKE hat diese Entscheidung von Anfang an kritisiert und den Erhalt der dezentralisierten und pluralen Beratungslandschaft abzuwenden versucht.
Der am 20. Januar 2014 im Jugendhilfeausschuss vorgestellte konzeptionelle Ansatz für die neue Beratungsstelle überzeugt die JugendpolitikerInnen der Fraktion DIE LINKE in keinem Fall.

Die bestehenden dezentralen Beratungsstellen werden stark von Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt, die der Unterstützung bei sozialen Leistungsansprüchen, Familienproblemen, Wohnungssuche, Schulden oder psychischen Problemlagen bedürfen. Bei der geplanten neuen Beratungsstelle könnten sowohl die Kooperation mit als auch die räumliche Nähe zum Jobcenter für Teile der KlientInnen eine ernste Hürde darstellen.

Trotzdem die Intransparenz auf dem Weg zur neuen zentralen Beratungsstelle im Jugendhilfeausschusses inzwischen kritisch diskutiert und eine Einbeziehung des Gremiums erwirkt wurde, steht der Erhalt der Jugendberatungsstellen bis dato nicht zur Diskussion.

Die LINKE wird sich einer fachlichen Diskussion über die Gestaltung einer bedarfsorientierten Jugendberatungslandschaft in Leipzig nicht entziehen.

Wir müssen endlich beginnen, Angebote nicht nach Kassenlage, sondern orientiert an den Bedarfen von Kindern, Jugendlichen und Familien vorzuhalten! Warum beginnen wir diesen Prozess nicht bei den Jugendberatungsstellen?

Juliane Nagel, Kinder- und Jugendpolitische Sprecherin, 7.2.2014

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