Auf sie mit Gebrüll! Zum Umgang mit rechten Parolen – mit Hasnain Kazim

In der 14. Folge der linXXnet-talXX ist der Autor Hasnain Kazim zu Gast. Er hat Anfang des Jahres sein neues Buch „Auf sie mit Gebrüll! … mit guten Argumenten“ herausgegeben. Damit wäre er im Rahmen der Leipziger Buchmesse zu Gast im linXXnet gewesen, doch dies kam corona-bedingt nicht zustande.

Anfangs stellt sich auch in diesem Talk die Frage welche Folgen die Absage der Buchmesse und von Veranstaltungen für Autor*innen hat. Hasnain Kazim hatte Glück: Sein neues Buch erschien schon im Februar 2020, schaffte es in die Bestseller-Liste und ist trotz Corona erstmal gesetzt. Anders erging es anderen Autor*innen, deren Bücher genau in der Krise erschienen, wie beispielsweise Christine Koschmieder, mit der ich vor einigen Wochen sprach.

Allerdings sind Lesungen und Lesereisen nicht möglich. Kazim hat die Situation genutzt um online-Lesungen zu veranstalten, denen Tausende Menschen folgten. Das ist eine Möglichkeit um weiter Kontakt zu Leser*innen zu halten. Allerdings vermisst er die echten, physischen Lesungen.

Im weiteren Gesprächsverlauf geht es um die Situation in Österreich, wo Hasnain Kazim lebt. Corona erreichte das Land eher als den Nachbarstaat Deutschland. Insbesondere in den Skigebieten, Stichwort Ischgl, wurde falsch und verzögert gehandelt, woorauf sich das Virus von dort aus noch stark verbreiten konnte. Deshalb habe Österreich dann auch sehr hart reagiert, mit Grenzschließungen oder Ausgangsbeschränkungen. Hasnain Kazim findet die zum Teil harten Maßnahmen allerdings nachvollziehbar, schließlich grenzt Österreich direkt an Norditalien, dem Hotspot des Corona-Virus in Europa.

Mit Besorgnis habe er allerdings auch betrachtet, dass Menschen die Einschränkungen, die Eingriffe in Grundrechte, einfach hingenommen hätten. In Krisenzeiten brauchen Menschen scheinbar eine harte Hand, eine starke Führungsfigur. Wichtig ist ihm selbst, dass die Maßnahmen begründet und zeitlich begrenzt sind.
Auch in Österreich gibt es wie hierzulande Hilfsmaßnahmen, einen recht unbürokratischen Härtefallfonds.

Im zweiten Teil des Gespräches geht es um das neue Buch Kazims „Auf sie mit Gebrüll! … mit guten Argumenten“. Dieses ist eine Streitanleitung, es soll Anregung sein, dass Menschen ihren Mund aufmachen, wenn menschen- und demokratiefeindliche Dinge gesagt werden. Das neue Buch führt die Auseinandersetzung mit Rassisten, Nationalisten, wie es im Vorgänger „Post von Karlheinz“ begonnen ist, fort. Hasnain Kazim meint ganz richtig, dass rechte Beleidigungen und Drohungen kein normaler Beitrag im Meinungsspektrum sind.

In den letzten Jahren hat es eine Grenzverschiebung gegeben, viele Dinge sind inzwischen sagbar, die es vorher nicht waren. In einem zivilisierten Miteinander muss es aber Grenzen des Sagbaren geben. Überall in der Welt gäbe es jedoch führende Politiker*innen, die selbst so handeln und damit Menschen ermutigen Grenzen zu überschreiten. Das Paradebeispiel dafür ist Donald Trump.

Kazim selbst, der den Dialog und Austausch von Argumenten immer sucht, hat selbst vor kurzem seine Teilnahme an einer Talkshow mit Tilo Sarrazin abgesagt, denn eine Bühne für menschenfeindliche Einstellungen und Verschwörungstheorien müsse man eben auch nicht bieten.

Zum Schluss geht es um die aktuellen Mobilisierungen von Verschwörungsideolog*innen, Rechten und Neonazis (dazu haben wir im linksdrehenden radio auch mit der Autorin Karoline Schwarz gesprochen). Hasnain Kazim vollzieht nach, wie sich rechte Akteure in der Corona-Krise verhalten haben: Von Ratlosigkeit über die versuchte Markierung von Sündenböcken bis hin zum Versuch sich an die Spitze der Bewegung für Demokratie und Freiheitsrechte zu setzen. Gerade dieser Spin ist gefährlich. Rechte Umsturzphantasien müssen von berechtigter Kritik an der Einschränkung von Grund- und Freiheitsrechten abgegrenzt werden.

Das gesamte Gespräch mit Hasnain Kazim findet sich hier zum Anschauen: https://youtu.be/8ILxJiW3cBo

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