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Kinder- und Jugendkriminalität steigt geringfügig – Panikmache unangebracht

Laut der Antwort auf eine Stadtratsanfrage der Linken ist bei der Kinder- und Jugendkriminalität in Leipzig nur ein geringer Anstieg zu verzeichnen. Der Leipziger Polizeipräsident hatte im Mai diesen Jahres in der Leipziger Volkszeitung von einer „Explosion“ der Zahlen gesprochen. Mein Kommentar:

Die absoluten Steigerungsraten im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität erscheinen auf den ersten Blick immens. Laut Antwort des Innenministeriums auf eine  Kleine Anfrage des Abgeordneten Enrico Stange gab es in der Stadt Leipzig bei Kindern (unter 14-jährige) einen Anstieg von 638 Straftaten (2015) auf 1624 im Jahr 2016. Bei Jugendlichen (14 bis 18 Jahre) stieg die Zahl der Straftaten von 1912 (2015) auf 2705 (2016). Diese Zahlen müssen allerdings in Relation zum allgemeinen Bevölkerungswachstum gesetzt werden, das selbstverständlich auch die Zahlen Kinder und Jugendlicher betrifft. So stieg beispielsweise die Zahl der 15 bis 20-jährigen von 21446 im Jahr 2015 auf 23133 im Jahr 2016. Das ist eine Steigerung um fast 8 %. (Quelle: http://statistik.leipzig.de/statcity/table.aspx?cat=2&rub=5&obj=0)
Zudem gab es mit der gestiegenen Zahl von Geflüchteten, darunter auch unbegleitete Minderjährige, einen deutlichen Aufwärtstrend bei den Asyl- und Aufenthaltsdelikten – Straftaten, die nur von Menschen ohne deutschen Pass begangen werden können. Bei den von Kindern begangenen Straftaten machen die entsprechenden Delikte mehr als 68 % aus, bei Jugendlichen immerhin noch ca. 21 %.

Die Stadtverwaltung kommentiert die Entwicklung der Kinder- und Jugendkriminalität in Antwort auf die Anfrage meiner Fraktion wie folgt: Die Statistik der Polizei zeigt, „dass es keine erhebliche Zunahme bei den tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen gibt. So stieg die Zahl der tatverdächtigen Kinder von 2015 auf 2016 um 10 Fälle, das sind 2,1% und die der Jugendlichen um 122 Fälle, das sind 10,4%.“.
Herausgerechnet sind hier richtigerweise die Straftaten nach Asyl-, Aufenthalts- und EU-Freizügigkeitsgesetz und damit Straftaten, die insofern zwangsläufig erfasst werden, weil sie zumeist durch die als Straftat gewertete Einreise nach Deutschland begangen werden. Diese Zahlen vernebeln den Blick auf die tatsächliche Entwicklung der Kinder- und Jugendkriminalität.

Fakt ist also: Bevor über Maßnahmen und Handlungsbedarfe gesprochen wird, müssen Statistiken richtig gelesen und ausgewertet werden. Panikmache auf Basis falscher Zahlen nutzt niemandem etwas. Es steht zu vermuten, dass es sich bei der geringen Steigerung der Kinder- und Jugendkriminalität um ganz normale statistische Schwankungen handelt.

So oder so muss darüber gesprochen werden, wie präventiv gegen Kinder- und Jugendkriminalität gehandelt werden kann. Dies kann nur bedeuten endlich wirksam gegen das Problem der Kinderarmut vorzugehen – Leipzig ist hier in Sachsen immer noch negativer Spitzenreiter, jedes 4. Kind lebt hier von Sozialleistungen, kann nur bedeuten Familien zu stärken und eine stabile und vielfältige Kinder- und Jugendhilfelandschaft zu gewährleisten.

PM 26. Juni 2017

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