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Doku: Herderfest „Kontrollbereich“ mit 800 Teilnehmer*innen – Fokus auf bezahlbarem Wohnen für alle

27644877595_1d493a046e_zAm Sonntag, 12. Juni 2016 fand auf dem Herderplatz in Leipzig-Connewitz das 3. Herderfest der Initiative „Für das Politische“ statt. Um die 800 Besucher*nnen besuchten das Event. An dieser Stelle ein kurzer Rückblick 

Im thematischen Fokus des Festes stand in diesem Jahr das Thema Mieten und Wohnen. In zahlreichen Redebeiträgen wurde ein kritischer Blick auf die kapitalistische Wohnraumvermarktungspolitik geworfen.

Das Netzwerk Stadt für alle thematisierte die Wohnungsmarkt-, Leerstands- und Mietpreisentwicklung. Es ist nicht die wachsende Stadt, sondern das Profitinteresse der VermieterInnen, das die Preise steigen lässt. Die Alternative Wohngenossenschaft Connewitz (AWC) stellte anhand der Zusammensetzung ihrer Mieten in 13 verwalteten Häusern dar, dass
Mietpreise auch bezahlbar sein können.

Weiterhin wurde über mögliche Interventionsmöglichkeiten und praktische Solidaritätsmöglichkeiten berichtet. Die Initiative „Solidarische Nachbarschaft im Aufbau“ und die Mietsprechstunde der Initiative „Für das Politische“ berichteten über selbstorganisierte, solidarische Nachbarschaftshilfe.
Vertreter*innen der solidarisch organisierten Mietsprechstunde forderten die Legalisierung der aktiven Wiederinanspruchnahme von ungenutztem Wohnraum. Hierzu erläuterte das Social Center 4 All anhand der Besetzung der alten Führerscheinstelle Anfang des Jahres einen praktisch umgesetzten Versuch. Die Aktivist*innen des Social Centers wollen ein selbstverwaltetes Begegnungszentrum für politischen Austausch als alternative zu Diskriminierung und Marginalisierung aufbauen.
Die Hausgemeinschaft der Eichendorffstraße berichteten über ihren Versuch ihr Haus von der LWB zu erwerben. 2014 beschloss der Stadtrat den MieterInnen von LWB-Häusern, die zum Verkauf stehen, diese Möglichkeit einzuräumen.
Eine Vertreterin der Jahnallee 14 berichtete über ihre Kämpfe gegen Entmietung und empfahl Betroffenen in derselben Situation juristische Unterstützung, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung.
Um die Vermittlung von Wohnraum für Geflüchtete kümmert sich die neu eingerichtete Kontaktstelle Wohnen. Auch Geflüchtete sind auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen. Barrieren wie fehlender Sprachkenntnisse und rassistische Diskriminierung seitens Vermieter*innen erschweren ihnen die Wohnungssuche. Dabei versucht die Kontaktstelle zu unterstützen und sucht dafür auch PatInnen.
Das Bündnis Privatsphäre wies in ihrem Beitrag u.a. auf Datenschutz-Rechte gegenüber VermieterInnen hin.

An Informationsständen informierten neben den genannten Initiativen der Verein MachtLos, der Wagenplatz Fockestraße 80, der Rechtshilfefonds für Geflüchtete URRF, Rassismus tötet und die Rote Hilfe. An den Ständen von Bambule, Gothic Second Hand, Mob Action und einem Plattenstand konnten Klamotten und weiteres Zubehör erworben werden. Zudem gab es einen Graffiti-Workshop und die Möglichkeit selbst Buttons herzustellen. Am Aktionsstand von KawiKids gab es kreative Gesichtsbemalungen für Groß und Klein. Die Kulinarische Versorgung der Gäste übernahmen die Kneipe „Frau Krause“ und Grill, Feinkost Meißner und eine Soli-Kuchentheke, die Spendengelder für den solidarisch organisierten Mietkampf sammelte.
Während des Festes spielten die Bands Rana Esculenta (HipHop), Thybeaux (Postmetal) und 2erSitz (Reggae). Die letzte Band FCKR (Punk) konnte wegen des einsetzenden Starkregens leider nicht mehr auf dem Herderplatz spielen, somit fand das Abschiedskonzert im nahe gelegen Fischladen, dem Vereinsladen des Sportvereins „Roter Stern“, statt. Der Rote Stern betreute während des Festes eine Torwand und informierte über ihre Arbeit mit Geflüchteten. Von 14 bis 17 Uhr sendete Radio Blau live vom Fest.

„Das Herderfest war ein weiteres Mal ein voller Erfolg. Unsere Intention war es politische Themen zu setzen und Menschen zu animieren selbst aktiv zu werden, gegen Entmietung, Mieterhöhung und den Ausverkauf der Stadt. Wohnen ist ein Grundrecht und keine Ware. In diesem Sinne werden auch wir weiter aktiv bleiben.“ so Eike Sommer von Für das Politische.

„Wir danken denen, die die Veranstaltung möglich gemacht hat, den zahlreichen HelferInnen, der Band Lektion für die Notfallhilfe, Mad Flava für Graffiti-Dosen-Spenden, Krisenherd für das Kochgeschirr, Tim Wagner fürs Fotografieren sowie Monika Lazar (MdB), der Linksfraktion im Sächsischen Landtag und dem Black Label Pub für die finanzielle Unterstützung.“

PM Für das Politische! vom 13. Juni 2016

Bildquelle: Caruso pinguin

3 thoughts on “Doku: Herderfest „Kontrollbereich“ mit 800 Teilnehmer*innen – Fokus auf bezahlbarem Wohnen für alle

  1. Martin

    Das Fest ist Top! Doch die Wohnsituation kann man doch vergessen, sicherlich viel besser als in den meisten deutschen Großstädten, aber die Gentrifizierung ist im vollen Gang.

    Wer kann sich denn noch eine schöne Wohnung in der Südvorstadt, in Schleußig, im Waldstraßenviertel oder in Connewitz leisten? Die Wohnungen in guter Lage werden alle verkauft, da muss man also schon einiges an Einkommen haben oder sie gehen an Leute die bereit sind 8Euro und mehr pro m² zu bezahlen und so wird das jetzt immer höher gehen.

    Ich weiß von Mietpreisen für die neugebauten Betonwüfelblock-Häuser von 12Euro/m²…das ist kein Witz, das ist die aktuelle Marktlage 2016! In München sind sie schon bei 25Euro!

    Für alle mit wenig Einkommen bleibt dann nur der Stadtrand oder eben Wohnungen mit niedriger Qualität z.B. mit Ofenheizung, undichten Fenstern oder an einer lauten Straßenkreuzung.

  2. Martin

    Hier erwarte ich schön stärkeres Engagement vom Stadtrat, der muss endlich mal in die Poette kommen, indem verstärkt sozialer Wohnungbau in allen Stadtvierteln betrieben wird, um einer Gentrifizierung entgegenzuwirken!

    Es geht ja nicht nur um den Wohnraum für alle sondern sogar bisdahin, dass dann nur noch die ober Mittelschicht ihre Kinder in eine Schule schickt und die Unterschicht in andere, weil die Schichten getrennt in verschiedenen Stadteilen wohnen würden!

    Es würde also die soziale Kluft und Bildungschancen verschäft werden.

    Nicht zuletzt würde auch die Kulturszene in Leipzig absterben….in Grünau wird es bestimmt nichts mit kreativer Entfaltung und ein WGT wird doch auch keiner feiern wollen.

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