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Debatte um die Neofolk Band „Blood Axis“

Eigentlich war der Brief, den das Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz wegen des Auftrittes der  Band „Blood Axis“ an die Theaterfabrik Leipzig gerichtet hat, nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Schließlich sollte es nicht darum gehen eine Location in irgend eine Ecke zu stellen ohne vorher kommuniziert zu haben. Da das Thema nun ausgiebig in der Leipziger Internetzeitung (Artikel vom 6.6. und 8.6.) diskutiert wird, sei er an dieser Stelle zur Schaffung von Transparenz dokumentiert.

Von: Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz
An: Theater-Fabrik-Sachsen GmbH

Leipzig, 6. Juni 2011

Auftritt der Band „Blood Axis“ in der Theaterfabrik Leipzig am 20.8.2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie ihrer Internetseite zu entnehmen ist, soll am 20.8.2011 in der Theaterfabrik ein Konzert mit der US-amerikanischen Band „Blood Axis“ stattfinden. Im folgenden Schreiben stellen wir ihnen Hintergrundinformationen zu dieser Band zur Verfügung und hoffen damit dazu beitragen zu können, dass sie dieses Veranstaltungsvorhaben noch einmal kritisch überdenken.

Denn: „Blood Axis“ gehört zu den maßgeblichen extrem rechten Bands des Dark Wave-Genres. Ihr Frontmann Michael Moynihan befördert in seiner Position als Publizist, Verleger und Musiker esoterische, rechte Weltanschauung und bekannte sich nicht nur einmal zu faschistischen und geschichtsrevisionistischen Ideen

Folgerichtig wird das Konzert in der Theaterfabrik am 20.8.2011 u.a. in einem der wichtigsten neonazistischen Internetforen, thiazi.net, beworben (http://forum.thiazi.net/showpost.php?p=2048985&postcount=1060). Damit wird deutlich welches Klientel am 20.8. zumindest Teile des Publikums in ihrem Haus bestimmen würde.

Wir bitten Sie die Ausrichtung des Konzertes von „Blood Axis“ zu überdenken, sich die angeführten Informationen zu Herzen zu nehmen und durch unten stehende Quellenangaben zu überprüfen. Gern stehen wir oder ExpertInnen ihnen für ein Gespräch zu Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz


Hintergrundinformationen zu „Blood Axis“ und Michael Moynihan

„Blood Axis“ gehört neben „Allerseelen“ und „Von Thronstrahl“ zu den maßgeblichen extrem rechten Bands des Dark Wave-Genres.

Ihr Sänger und Begründer von „Blood Axis“, Michael Moynihan, gilt als Beförderer neuheidnischer und rechter Esoterik sowie germanischer und keltischer Mythen.

Die Grenzen zur Verherrlichung nationalsozialistischer Ideologie wurden von Moynihan in seinem Wirken als Verleger, Publizist und Musiker immer wieder überschritten.

Seine Verehrung des SS-Brigadeführers Karl Maria Wiligut (1), seine positive Bezugnahme auf die Ästhetik von Leni Riefenstahl oder die Ideen des NS-Ideologen Karl Rosenberg (2) kommen nicht von ungefähr. Rechter Dark-Wave a la „Blood Axis“ treibt den Antimodernismus mit seiner Idealisierung von Reinheit, Einfachheit und Natürlichkeit auf die Spitze und untermalt ihn mit faschistischer Ästhetik. Bei Auftritten oder Veröffentlichungen spielt(e) Michael Moynihan/ „Blood Axis“ in der Vergangenheit immer wieder mit NS-Symboliken (1989 Auftritt mit Boyd Rice in Oklahoma, Einspielen von Klängen marschierender Soldaten und Auszüge aus einer Hitler-Rede im Joy Division-Klassiker „They walked in line“ – bei Moynihan „We walked in line“) (3).

Berührungsängste zu Publikationsorganen der rechten Szene existieren nicht, so veröffentliche Moynihan beispielsweise in der US-amerikanischen Neonazi-Zeitschrift „Plexus“ (4), in dem britischen neurechten Magazin „The Scorpion“ und in der deutschen neurechten Zeitung „Junge Freiheit“ (5).

Der Bandname „Blood Axis“ selbst bezieht sich auf die Achsenmächte (NS-Deutschland und seine PartnerInnen im 2. Weltkrieg), als Bandsymbol wird das Krückenkreuz genutzt, das mindestens zweimal in seinen gestalterischen Details verändert wurde (1996 – entsprechend der Fahne des Austrofaschismus und 1998 entsprechend des völkisch-esoterischen Neutempler-Ordens) (6).

Sowohl „Blood Axis“ als auch andere als Dark-Wave-Bands, die sich in Wort und Ästhetik klar auf den NS oder rechten Okkultismus beziehen weisen Vorwürfe immer wieder zurück.

Der „Blood-Axis“-Frontmann Moynihan spricht in Bezug auf das Wirken seiner Band von „Freidenkertum“ und bekundet die Ablehnung von totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts. (7) Eine explizite Abgrenzung gegen den Nationalsozialismus, der für die systematische Ermordung von JüdInnen, von Anders Denkenden, Homosexuellen, Behinderten etc. verantwortlich ist, ist Moynihan allerdings noch nicht über die Lippen gekommen. Im Gegenteil, in einem Interview mit „No Longer A Fanzine„ redete er 1994 dem Geschichtsrevisionismus das Wort und leugnete und legitimierte nationalsozialistische Vernichtungspolitik: „Einerseits denke ich, daß die Zahl 6 Millionen nur zufällig und ungenau und wahrscheinlich eine große Übertreibung ist. Ich habe revisionistische Bücher gelesen, die gut gegen den Holocaust-‚Kanon‘ argumentieren, und selbst die jüdischen Historiker verändern fortwährend ihre Ansprüche (sic!). Doch mein Hauptproblem bezüglich der Revisionisten ist, daß sie von der Annahme ausgehen, das Töten Millionen unschuldiger Menschen sei als solches ‚böse‘. Mehr und mehr neige ich zur entgegengesetzten Schlußfolgerung. Ich geriete nicht aus der Fassung, wenn ich herausfände, daß die Nazis jede ihnen zugeschriebene Grausamkeit begangen hätten – ich zöge es vor, wenn es wahr wäre.“ (8)

Teile der BesucherInnen von „Blood Axis“-Konzerten erscheinen laut AugenzeugInnen wie die „Reinkarnationen der NS-Zeit“, das Tragen von verfassungsfeindlichen Symbolen (z.B. die Wolfsangel oder der SS-Totenkopf) gehört für viele zum guten Ton. (9)

Fußnoten:

1) Moynihan ist Herausgeber des mit seinem Haupthelden nicht besonders kritisch ins Gericht gehenden Buches „The Secret King: Karl Maria Wiligut, Himmler’s Lord of the Runes„, erschienen 2001 in seinem eigenen Verlag Dominion Press

2) Christian Dornbusch: „Von Landsertrommeln und Lärmorgien. Death In June und Kollaborateure“ in „Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien“,Unrast Verlag 2002

3) vgl. http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&task=view&id=707&Itemid=1&limitstart=1, aufgerufen am 4.6.2011

4) vgl. http://www.intro.de/magazin/buecher/23013557/lords-of-chaos-kulturkampf-black-metal, aufgerufen am 4.6.2011

5) http://www.diss-duisburg.de/Internetbibliothek/Artikel/Heidentum.htm, aufgerufen am 4.6.2011

6) A. Speit (Hrg.): „Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien“. Unrast Verlag 2002

7) vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Blood_Axis, aufgerufen am 4.6.2011

8 ) zitiert nach Albert Schobert, Heidentum, Musik und Terror, http://www.diss-duisburg.de/Internetbibliothek/Artikel/Heidentum.htm, aufgerufen am 4.6.2011

9) vgl. http://www.turnitdown.de/483.html?&type=98, aufgerufen am 4.6.201

4 thoughts on “Debatte um die Neofolk Band „Blood Axis“

  1. Pingback: „Faschismus in seiner subtilsten und alltäglichsten Form“ « tee

  2. Tomas Sonder

    Super Artikel… wußte garnicht das die gegenwärtigen Faschisten aus der linken Ecke kommen. Danke dafür. …und als kleine Anregung: Blood Axis CD Verbrennung am 20.08. auf dem Leipziger Markt. Ich bin dabei.

  3. Bloody Stoner

    Faschismus hat viele Gesichter und steht im Prinzip in keinem Zusammenhang mit der politischen Richtung. Jede Unterdrückung von Menschen- und Grundrechten kann man im Begriff des Faschismus zusammenfassen. Diktatur ist Diktatur. Egal aus welchen Motiven gehandelt wird. Die Besonderheit der rechten Szene dabei ist die Verherrlichung antihumanitärer, Volksverhetzender, hassorientierter Weltanachaunungen. Freiheit des Geistes und Freiheit der eigenen Meinung sind sehr wichtig.
    Unterdrückung bring wenig.
    Dennoch sind in meinen Augen die Ideale „Rechter“ verabscheuungswürdig und antidemokratisch. Passt also bitte auf, dass wir „eher links gerichtete“ Mitbürger nicht den selben Fehler machen. Dennoch darf und muss unsere Toleranz gegenüber Neo-Nazis ihre Grenzen haben. Hört Euch an, was diese Leute zu sagen haben um dagegen vorgehen zu können. Es gibt genug Plattformen im Netz um sich über die Beweggründe von denen anonym zu informieren.
    Fazit: Ich unterstütze somit diesen Brief und das bestreben der Urheber.

  4. Thomas G.

    Richtig. Richtig und sicher noch einmal richtig.

    Aber: „…positive Bezugnahme Ästhetik Riefenstahl“ als valider Kritikpunkt?!? Das ist so platt, wie nur möglich. Trotz der persönlichen Schuld der Fr. Riefenstahl, sprechen ihre Leistungen auf dem Gebiet von Film komplett für sich. Es muß Ihnen nicht gefallen, aber jeder der sich auch nur ein bißchen mit Filmgeschichte auskennt, kann dies entsprechend würdigen. Eine Leistung steht erst einmal für sich unabhängig des Schöpfers und dessen Charakters. Ich wünsche mir, daß Sie in Zukunft Fakten recherchieren und diese objektiv wiedergeben ohne eine persönliche Wertung einfließen zu lassen bzw. Fakten populistisch-manipulativen mißbrauchen, weil gerade Ihrer Sache dienlich.

    Man sollte immer fair bleiben, insbesondere in den Situationen, wo dies schwer fällt.

    Mit freundlichen Grüßen

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