Silvesternachbetrachtung – Stimmungsmache in der Leipziger Volkszeitung

Frank Döring will es wissen. Scheinbar grämt ihn, dass es in der Silvesternacht 2010/ 2011 am Connewitzer Kreuz ruhig zugegangen ist. Und so schreibt er – trotzdem weder Sachbeschädigungen noch Auseinandersetzungen zwischen Menschen vermeldet werden konnten und sogar die Polizei schon über eine Reduzierung von Kräften im kommenden Jahr spricht – in seinem Beitrag in der Lokal- LVZ am 3.1. die Bedrohungssituation kurzerhand einfach daher. Auf der Titelseite der Lokalausgabe fabuliert er exponiert von „Szenestrategen“, die „ihrer erlebnisorientierten Klientel diesmal ganz bewusst Zurückhaltung auferlegt haben“ und zeigt einmal mehr ein absurdes Verständnis bzw. besser gesagt eine Nicht-Kenntnis emanzipatorischer links(radikal)er Strukturen. Diese lassen sich schwerlich lenken und leiten, wie es viele mit Vorurteilen behaftete Pseudo-KennerInnen des „Black Block“ so gern behaupten.
Wie Frank Döring die „Chaoten“, die sich „zurückgehalten“ haben, wohl ausgemacht haben will? An ihrer schwarzen Kleidung (die über 75 % der am Kreuz Feiernden trugen), an leeren Flaschen in den Hände (die sicherlich ebenso viele Sekttrinkende bei sich trugen), an bösen Gesichtern (die es sicher auch irgendwie gab)?
Der Silvester-Rücklick in der Print-LVZ unterscheidet sich gänzlich von dem der online-Variante, wo statt Stimmungsmache in letzter Zeit des Öfteren realitätsbezogenere Blicke auf das Stadtgeschehen gewagt werden.
Bereits wenige Tage vor dem Jahreswechsel wurde in der Print-LVZ mit Blick auf das Connewitzer Kreuz Stimmung gemacht und eine bedrohliche Atmosphäre konstituiert (Siehe auch Silvester 2010 – The same procedure as every year). Diese Negativ-Stimmung mit aller Kraft aufrecht zu erhalten, scheint sich die LVZ bzw. ihr Polizeireporter vorgenommen zu haben.

Schon am 30.12.2010 berichtete die Lokal-LVZ in tendenziöser Art und Weise über die Demonstration „Das Schweigen brechen, Rassismus bekämpfen“ die vom Initiativkreis Antirassismus im Andenken an den am 24.10.2010 ermordeten Kamal K. veranstaltet hatte, indem ein Drittel des Kurz-Artikels der hemdsärmeligen Information eingeräumt wurde, dass der Umgang der DemoveranstalterInnen mit der Problematik, „mittlerweile in der linken Szene umstritten“ sei. Auch in der Silvesterberichterstattung wird auf die Erwähnung des Themas der Demo, die sich spontan gegen 0.30 Uhr des 1.1.2011 formierte, verzichtet, obwohl dieses auf Fotos des Fronttransparentes recht deutlich erkennbar ist:

„Krawalle“, „Chaoten“, „Schlagstöcke“, „Krawalltouristen“, „Marschblock“, „Attacken“ – mit diesem Vokabular muntioniert Frank Döring seiner Artikel um die Polizei dann in seinem Kommentar zu mahnen das Kreuz nicht den „gewaltbereiten Chaoten“ zu überlassen, die auf „eine bessere Gelegenheit“ warten würden. So klingen Propheten, die sich ihre Realität entgegen jeder Rationalität selbst zusammenbasteln. Möge die Klugheit obsiegen.

Lesenswerte Kontrapunkte finden sich hier:
Frontberichterstattung vom Kreuz (Diffusionen-Blog, 3.1.2011)
Viel Lärm um nichts: Leipziger begrüßen das neue Jahr so friedlich wie schon lange nicht mehr (Leipziger Internetzeitung, 1.1.2011)

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