Für & Wider: Containern

Zum dritten Mal fragte Martin in der „Weltnest“-Rubrik “Für & Wider“ Kommunalpolitiker*innen verschiedener Parteien nach ihrer Position – diesmal zur Frage „was mit all den Lebensmitteln passiert, die in Leipzig nicht mehr verkauft werden können“


Martin:

In meiner Funktion als „gesellschaftspolitischer Stuntman“ habe ich in den Mülleimern von Leipziger Supermärkten nach Lebensmitteln gesucht. Nun ist es so, dass dieses so genannte Containern illegal ist, da sich der Müll noch im Besitz der Supermärkte befindet. In Hessen gibt es einen Fall, in dem sogar drei Monate Gefängnis drohen. Ist es Ihrer Meinung nach legitim, Menschen zu bestrafen, die Lebensmittel aus dem Müll holen?

Meine Antwort:

Nein, auf keinen Fall. „Containern“ ist ja eine sich durchaus verbreitende und sinnvolle Praxis. Für mich ist es auch eine hochpolitische, die eine kritische Haltung gegenüber der kapitalistischen Wirtschaftsweise in sich trägt. Halten wir uns vor Augen: jährlich werden bundesweit rund ein Drittel der genießbaren Lebensmittel weggeworfen, 11 Millionen Tonnen sollen es sein. Die Ursachen liegen unter anderem in Konkurrenzkampf und Unterbietungswettbewerb in Lebensmittelindustrie und Handel. Hauptsache viel produzieren und stets volle Regale mit perfekten Lebensmitteln vorhalten. Wenn die Kosten für Lagerhaltung und Personal den Warenwert übersteigen, wird eben entsorgt. Angesichts weltweiter aber auch lokaler Armut ist dies ein Hohn! DIE LINKE im Bundestag hat bezüglich des Containerns eine Umkehr der Rechtslage vorgeschlagen: statt das „Containern“ als Straftat zu verfolgen, sollte das unmittelbare Entsorgen von Lebensmitteln ohne den nachweislichen Versuch diese weiterzureichen geahndet werden. Gleichzeitig könnten Lebensmittelprodukte vor der entgültigen Entsorgung als „abgetretenes Eigentum“ deklariert werden. Somit wäre Containern straffrei.

Das wären natürlich nur kleine, aber durchaus vernünftige Schritte, um das Gesamtproblem anzugehen.

>>> hier sind alle Antworten

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