Für & wider: Schulabbrecher*innenquote senken, aber wie?

schule-linkeWeltnest fragt diesmal nach bildungspolitischen Positionen. In Sachsen und Leipzig gibt es die meisten Schulabbrecher*innen. Wie kann Politik hier umsteuern?

 

 

 

Martin fragt:

Leipzig hat die sachsenweit höchste Quote von Schulabgängern ohne Abschluss. Kann die Stadt irgendetwas tun, um diese Zahl zu verringern? Bitte beachten Sie, dass die Antwort „Bildung ist Landessache und die Verantwortung liegt bei Dresden.“ Punktabzug gibt

Meine Antwort:

Auch wenn du die Lösung für dieses Problem auf die kommunalpolitische Ebene verschieben willst, muss ich erwidern: wir kommen an eine Lösung nur durch andere landespolitische Weichenstellungen und einen sozialpolitischen Paradigmenwechsel ran. Es ist das dreigliedrige Schulsystem, das Ungleichheit verschärft, es sind die großen Klassen, die eine individuelle Förderung von Schüler*innen verunmöglichen, Leistungsdruck durch Noten oder Angst Sitzenzubleiben, aber eben auch die Verhältnisse aus denen Schüler*innen kommen. Die Herkunft hat erwiesenermaßen einen großen Einfluss auf den Bildungserfolg. Schauen wir uns dazu die Sozialdaten von Leipzig an. Die meisten Förder- und Hauptschüler*innen sowie Abgänger*innen ohne Abschluss finden sich in West (Grünau und Altwest) und Ost. Hier ballen sich gleichsam Armutslagen. Wer in Förder- oder Hauptschulen landet, findet sich bereits auf dem faktischen Abstellgleis, sich höherer Bildungswege zu erschließen, erfordert dann besonders große Anstrengungen und gelingt nur in Einzelfällen. Längeres gemeinsames und jahrgangsübergreifendes Lernen und kleinere Klassen  wären Schritte um um Wege auch für momentan Benachteiligte zu öffnen.

Wenn wir auf die kommunale Ebene schauen, bleiben uns „nur“ Instrumente der Schadensbegrenzung. Zum Beispiel Ganzstagsangebote, die die Schule stärker zum sozialen Ort zu machen, an dem alle Kinder und Jugendlichen auch jenseits des stark strukturierten und formalisierten Unterrichts Zeit miteinander verbringen und „informell“ lernen können. 83 Prozent der Leipziger Schulen nutzen diese Möglichkeit! Die Mittel kommen vom Land.
Oder Schulsozialarbeiter*innen, die einen Raum öffnen, Kinder und Jugendliche nicht nur als Leistungserbringer*innen zu sehen, sondern ganzheitlich als Menschen. Auch hier spielt jedoch das Land eine Rolle. Um Schulsozialarbeit – momentan an 43 kommunalen Leipziger Schulen – zu stabilisieren und auszuweiten braucht die Stadt Kohle. In Thüringen hat das Land zum Beispiel 18 Millionen Euro in die Hand genommen um 200 Stellen in diesem Bereich zu schaffen.

Weitere Möglichkeiten sind Projekte gegen Schulverweigerung, von denen es in Leipzig zwei gibt, oder gegen Schulmüdigkeit. Die drei Projekte, die es hier gab, liegen erstmal auf Eis, da die Zukunft der EU-Fördermittel ungewiss war. Ab Herbst ist aber eine Weiterführung greifbar. Die gesamte Jugendhilfelandschaft ist ein wichtiges Korrektiv zum selektiven Schulsystem, ist aber in Leipzig ebenfalls Jahr für Jahr durch Kürzungen bedroht. Sprich: alle Projekte bleiben Flickwerk und in hohem Maße von Förderung durch höhere Ebene abhängig. Viel Wert ist es, engagierte und emphatische Lehrer*innen zu haben, die versuchen das beschriebene System zu durchbrechen. Dies bleibt – auch aufgrund der prekären Situation im Schulbetrieb – jedoch eher ein Kampf gegen Windmühlen.

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