Für & Wider: Massentourismus oder Umweltschutz?

Martin fragt:

Auch wenn die Nachricht, über die Eröffnung des Störmthaler Sees, eine gute war. In der letzten Woche dominierten die negativen Schlagzeilen über das Gewässernetz. Ob Parkplätze am Cossi, schleppender Grundstücksverkauf am Lindenauer Hafen, oder Streit über die Befahrbarkeit des Floßgrabens.

Es ist klar, dass es schwierig ist, Visionen, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz unter einen Hut zu bringen. Gerade deshalb stellt sich eine Grundsatzfrage: Ist es für Leipzig besser, wenn man der Natur ihren Raum lässt, oder wenn man das Gebiet für den Massentourismus erschließt?

Meine Antwort:

Nun, das ist wirklich eine sehr grundsätzliche Grundsatzfrage. Na klar muss sich der Mensch die Natur unterwerfen und zunutze machen, das ist ja Ausgangspunkt des gesellschaftlichen Fortschritts. Der Kapitalismus allerdings betreibt Raubbau an den natürlichen Grundlagen, ohne Rücksicht auf Verluste beziehungsweise Auge in Auge mit Profitmaximierung. Genau dieses Wirtschaftssystem ist das Problem! Die von dir angesprochene Erschließung von Naturgebieten für die touristische Nutzung ist wohl noch das kleinere aller Probleme. Die hohe Auto-Nutzungsquote und der weiterhin hohe Anteil von Atom- und Kohle-basierter Energie-Versorgung, auch in Leipzig, halte ich da schon für grundauf gefährlicher. Das sind die zentralen Gefahren für Klima und das allgemeine ökologische Gleichgewicht. Aber zum Punkt: Die Nutzbarmachung von Gewässern, Parks, Grünflächen und dem Auenwald für die Freizeitnutzung ist gut und wichtig. Natur sollte nicht unantastbar sein. Voraussetzung ist allerdings ein verantwortungsvoller Umgang mit den natürlichen Grundlagen und die Zugänglichkeit – also nicht-kommerzielle Nutzungsmöglichkeit – für alle. Dass der Floßgraben nur sehr eingeschränkt und durch muskelbetriebene Boote befahren wird, findet meine absolute Zustimmung. Das vertritt auch die ökologische Plattform meiner Partei. Wozu muss mensch mit motorisierten Gefährten durch Naturreservate heizen? Es soll doch bei der Freizeitnutzung auch um Momente der Entschleunigung gehen. Die Debatte über mehr Parkmöglichkeiten am Cospudener See kann dagegen nur in die Sphäre des Wahlkampfes eingeordnet werden. Die CDU schlägt hier eine gefährliche, autofetischistische Bresche ein und schürt zudem Unmut gegen FahrradfahrerInnen. Wer kann den ernsthaft fordern, Autoverkehr zur Aufwertung eines Naherholungsgebietes zu verstärken? Dasselbe gilt für die Tendenzen Parks und Grünanlagen für Autodurchleitungen und als Parkplätze zu nutzen, siehe Clara-Zetkin- bzw. Johanna-Park und um das Zentralstadion herum. Summa summarum: Bitte keine verklärende Naturromantik sondern ökologische und rücksichtsvolle Nutzungen, ohne kommerzielle Barrieren!

 

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