Für & Wider: Friede den Brachen, Krieg den Stadthäusern!

farbbeutel_stadthaus_leLeipzig wächst, Brachen verschwinden und werden weiter mit Stadthäusern bebaut. Weltnest fragt nach

 

Leipzig kommt. Was die Neunziger Jahre versprachen, wird endlich eingelöst. Immer mehr Menschen zieht es in die Stadt und die müssen irgendwo wohnen. Leipzigs berühmt berüchtigter Wohnungsleerstand schmilzt ab und es werden immer mehr neue Mehrfamilienhäuser gebaut. Viele Anwohner reagieren übberrascht und frustriert, wenn sie erfahren, dass der kleine Park vor ihrem Fenster, einem Wohnhaus weichen muss.

Martin fragt:

In einer wachsenden Stadt müssen wir uns alle umgewöhnen und der Bebauungsplan lässt da auch keinen Spielraum. Was mich aber viel mehr interessieren würde: Warum werden noch immer Stadthäuser auf innenstadnahen Grundstücken errichtet?  Ist diese Platzverschwendung noch zeitgemäß?

Meine Antwort:

Gute Frage. Die Errichtung von Stadthäusern ist ein klassisches Instrument der Lückenschließung einerseits, der Eigentumsbildung andererseits.

Die Stadt schreibt selbst dazu: „In den letzten zehn Jahren wurden in Leipzig als Reaktion auf die Suburbanisierung und den Neubau von jährlichen Hunderten Einfamilienhäusern am Stadtrand auf innerstädtisch gelegenen Brachflächen über 200 Stadthäuser neu gebaut.“

Dieses Modell wurde umfassend unterstützt (die Leistungen kann mensch sich unter selbstnutzer.de anschauen.)
Das Modell gilt als Erfolgsrezept, muss aber dringend als überholt betrachtet werden.

1. Verschwanden damit wichtige Lücken, die immer seltener werden in Leipzig.

2. Stellt sich das Modell angesichts der wachsenden Stadt als platzmäßig ineffektiv dar, denn in der Regel wohnt dort lediglich eine geringen Anzahl an Menschen.

3. Ist der Ansatz der Eigentumsbildung infrage zu stellen.

Der Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, Karsten Gerkens, antwortete im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf dem Stadtteilfest Kontrollbereich 04277 in Connewitz auf die Kritik an diesem Modell, dass aus heutiger Sicht Geschosswohnungsbau die bessere Variante wäre. Richtig, und zu spät erkannt.

Architektonisch widersprechen die meisten dieser Häuser meinem ästhetischen Sinn, aber das ist tatsächlich eine subjektive Kiste. Zentral ist die (sozial)politische Kritik daran. In Connewitz waren die Stadthäuser in der Auerbauchstraße 2011 bekanntermaßen Stein des Anstosses einer intensiven Debatte um Aufwertung und Verdrängung. Denn die viel beschworene Gentrifizierung funktioniert nicht allein durch Verdrängung aufgrund steigender Mieten, ein weiterer Aspekt ist der sozialstrukturelle und soziokulturelle Wandel, der durch eine wohlhabendere BewohnerInnenschaft in ein Viertel kommt. Ob das bei den bestehenden Stadthäusern so ist, weiss ich nicht und würde auch darauf orientieren, sich nicht an diesen Symbolen abzuarbeiten. In Connewitz bspw. wohnen darin (auch) Menschen, die sich bewusst dafür entschieden haben und ihre Bezüge zum Viertel haben. Fragwürdiger ist meines Erachtens der Ansatz der Eigentumsbildung. Die Wohnungseigentumsquote lag in Leipzig 2009 bei 11 % und dürfte auch angesichts des Immobilienbooms gestiegen sein, 2014 wurden 65 Prozent mehr Kaufverträge abgeschlossen als 2013. Erklärtes Ziel des OBM (O-Ton im Auftaktworkshop zum Wohnungspolitischen Konzept im vergangenen Jahr) ist es, diese Quote zu steigern. Ich denke dagegen, dass Wohnen eine Sache ist, die in die öffentliche Hand gehört. Wohnen darf kein Spekulations- aber auch kein Rendite-Objekt sein. Darum sollte statt privaten Häusle-Bau zu fördern kräftig in Wohnungen in öffentlicher Hand investiert werden.

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