Casa Pound – Italiens „Faschisten des 3. Jahrtausends“

In zahlreichen europäischen Ländern sind rechtspopulistische und faschistische Parteien und Bewegungen im Aufwind. Zuletzt wurde angesichts des Ergebnisses der Parlamentswahlen in Italien von einem Rechtsruck gesprochen. In der maßgeblich durch Silvio Berlusconi geprägten gesellschaflichen Stimmung hat sich in den vergangenen zehn Jahren die faschistische Gruppierung Casa Pound etabliert.

Casa Pound nimmt Anleihen am Faschismus Mussolinis, setzt auf Kapitalismuskritik und betätigt sich stark in jugendkulturellen Bereichen, agitiert und organisiert junge Erwachsene und sieht sich als non-konforme Avantgarde einer neofaschistischen kulturellen Revolution.
Zur italienischen Parlamentswahl im Februar 2013 trat Casa Pound erstmals als Partei an und konnte immerhin 40.000 Stimmen auf sich vereinen. Der faktische Wahlsieger Beppe Grillo lud Casa Pound im Wahlkampf ein seiner 5-Sterne-Bewegung beizutreten.

Im Interview stellt Rene von Azzoncao Grundzüge von Ideologie und Praxis von Casa Pound dar. Den Erfolg dieser neofaschistischen Strömung ordnet er in die gesamtgesellschaftliche Stimmung in Italien ein, in der der historische Faschismus rehabilitiert wird und Auswirkungen der Krise einen Nährboden für faschistische Ideen bieten. Außerdem geht es um grenzüberschreitende Bezüge von Casa Pound, explizit zur deutschen Naziszene.

>>>  zum Interview 

*Veranstaltungshinweise*

Vortragsreihe „Casa Pound“: Italiens „Faschisten des 3. Jahrtausends“ mit Saverio Ferrari von dem antifaschistischen Dokumentationszentrum «Osservatorio Democratico» in Mailand.

Termine: 9. April 2013, 19 Uhr Dusiburg (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung), 11. April, 19 Uhr Berlin (k-fetisch)  und 13. April 19 Uhr Leipzig (linXXnet, Bornaische Str. 3d)

Ausgehend von einem Kulturzentrum in Rom, benannt nach dem US-Poeten und Mussolini-Unterstützer Ezra Pound, hat eine nationalrevolutionäre, soziale Bewegung namens «Casa Pound» in den zurückliegenden 10 Jahren einen ebenso bemerkenswerten wie beängstigenden Aufstieg erlebt. Ihre ProtagonistInnen bezeichnen sich selbst als «I fascisti del terzo millenio», als Faschisten des 3. Jahrtausends.

«Casa Pound» nach  betätigt sich außerordentlich stark in jugendkulturellen Bereichen, agitiert und organisiert junge Erwachsene und sieht sich als non-konforme Avantgarde einer neofaschistischen kulturellen Revolution.

Ihre AktivistInnen besetzen Häuser für rechte Sozialzentren und organisieren Müttervereinigungen, karitative Sammlungen für Obdachlose und Waisenhäuser, sowie humanitäre Hilfe für Erdbebenopfer in Italien und NGOs im Ausland. Sie protestieren für Sozialtickets, gegen Entlassungen und Steuererhöhungen und agitieren äußerst aggressiv gegen Kapitalismus und Neoliberalismus und für ihren Entwurf eines starken autarken «Sozialstaats des 3. Weges», fernab von Kapitalismus und Kommunismus. Dafür bedarf es ihrer Meinung nach einer italienischen und europäischen Identität, die sich nur ohne Immigration gewährleisten ließe.

Um mehr über diese Bewegung im Kaleidoskop der italienischen Rechten und ihre Wirkmächtigkeit in der italienischen Gesellschaft zu erfahren, laden wir zum Vortrag von Saverio Ferrari vom Osservatorio Democratico, einem antifaschistischen Dokumentationszentrum in Mailand ein.

veranstaltet von Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, DISS, linXXnet Leipzig, Azzoncao

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