Autor*innen & Corona – mit Christine Koschmieder

In der mittlerweile 9. Folge der »linXXnet-talXX« habe ich mit der Leipziger Autorin und Literaturagentin Christine Koschmieder gesprochen. Für sie wäre wie für viele andere Autor*innen die diesjährige Buchmesse eine besonders wichtige gewesen – denn nach jahrelanger Arbeit ist Anfang März ihr neues Buch »Trümmerfrauen – Ein Heimatroman« bei Edition Nautilus erschienen.

Da der Lohn für die lange Arbeit an einem Roman sich natürlich nicht nur im Bücherverkauf bemisst, sondern gleichfalls in der Präsentation des eigenen Werks vor einem möglichst breiten Publikum, traf die Absage der Buchmesse Autor*innen wie Christine Koschmieder und Verlage abseits des konventionellen Buchmarkts besonders hart.

Mit ihr habe ich aber natürlich auch noch über viele weitere generelle Probleme für Kulturschaffende in der aktuellen Situation gesprochen: Darüber, dass der Umsatz der Buchbranche rapide eingebrochen ist, weil Buchhandlungen schließen mussten und Amazon andere Waren als prioritär betrachtet und keine Bücher mehr ausliefert (zum Glück bieten aber die meisten lokalen Buchhandlungen Liefer- oder Abholdienst: https://kreuzer-leipzig.de/2020/03/23/buecher-hamstern/) oder auch die Lücke in den staatlichen Hilfen für Solo-Selbstständige.

Immerhin: Während Dresden schon Ende März unbürokratisch 1.000€ Soforthilfe für freie Kulturschaffende zur Verfügung stellte, ist nun endlich auch in Leipzig ein ähnliches Angebot in Arbeit.
Was bleibt, ist der Paragraphendschungel zur Beantragung der Hilfen von Land und Bund.

Abseits von Corona geht es im zweiten Teil des Talks natürlich auch um die inhaltlichen Schwerpunkte von Christine Koschmieders Roman »Trümmerfrauen« – und diese sind auch aus linker Perspektive besonders interessant. So beschäftigt sich etwa Ottilie, eine der Protagonistinnen, mit der breiten Öffentlichkeit bislang weniger bekannten Verbrechen der Nationalsozialisten in den besetzten Ostgebieten, in die ihr Vater mutmaßlich verstrickt war.
Konkret bringt der Roman die »Regermanisierungsversuche« der »Aktion Zamość« rund um die Stadt Lublin ebenso an die Oberfläche wie die »Aktion Erntefest«, deren perverser Name für die Erschießung von etwa 42.000 Jüdinnen und Juden steht, während der die Lubliner Stadtgesellschaft parallel mit Volksmusik beschallt wurde, um die Erschießungen zu übertönen.
In einem weiteren Handlungsstrang sieht Lou, die zweite Protagonistin aus »Trümmerfrauen«, ihre ehemalige beste Freundin immer mehr in Richtung reichsbürgerlich-neurechter Kreise abdriften und muss sich die Frage stellen, was sie selbst dagegen hätte tun können und wann der Punkt erreicht ist, an dem es an der Zeit ist, mit dem Reden aufzuhören.

Wer mehr über den Roman und die derzeitige Situation von freien Kulturschaffenden erfahren will, sollte unbedingt hier https://youtu.be/JCfh5T_Kcis die Folge 9 der linXXnet-TalXX mit Christine Koschmieder anschauen.

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