Aufgewärmt und deplatziert.

extremismus-96Reißerisch kommt eine MDR-Reportage daher, die mit dem Titel „Gewalt von links“ am 26.1.2016 im Rahmen der Sendung FAKT ausgestrahlt wurde.

Im Grunde handelt es sich um einen Aufguss einer Exakt-Reportage, die bereits am 17.6.2015 im MDR gesendet wurde. Angereichert um einen schweren Übergriff auf Neonazis in Oschersleben am 16.1. dreht sich im Beitrag alles um linke Gewalt-Aktionen in der Stadt Leipzig im Jahr 2015. Es geht um die bekannten Angriffe auf den Polizeiposten in Leipzig-Connewitz, auf diverse Gerichtsgebäude, eine spontane Mob-Aktion in der Nähe des Amerikanischen Konsulats sowie zusätzlich einen gewalttätigen Übergriff auf ein NPD-Mitglied und die Ausschreitungen am Rande des Naziaufmarschs am 12.12.2015 in der Leipziger Südvorstadt. Aufgewärmt wird auch die „KronzeugInnenschaft“ eines „Szenenmitglieds“ aus dem Sommer-Beitrag.

Tatsächlich neu ist die Ansage der Polizei. Der Polizeisprecher Andreas Loepki spitzt im Beitrag zu: „Man hat den Eindruck, dass es seitens verschiedener Linksextremisten auch darum geht, die Reizschwelle herauszufinden, wann der Schusswaffeneinsatz eines Polizeibeamten unausweichlich wird. Ich befürchte ein bisschen, dass dieser Tag irgendwann kommen wird, dass wir einen Angriff erleben, dem ein Polizeibeamter erliegt, […] und es ist nicht gesagt, wie ein Polizeibeamter am Ende reagiert um sich und seine Kollegen vor einer solchen Gefahr zu bewahren.“

Diese Aussage kann nur als Drohung und Ermutigung der KollegInnen verstanden werden und trägt dazu bei die verfälscht als „Gewaltspirale“ bezeichnete derzeitige gesellschaftliche Situation weiter anzuheizen.
Denn: Was machte die Gewalt von links in Leipzig im vergangenen Jahr vor allem aus? Zum allergrößten Teil klandestine Anschläge auf staatliche Gebäude, Sachbeschädigungen an Bahnanlagen und Auseinandersetzungen im Demonstrationsgeschehen. Von allem gab es  nichts zu knapp, tatsächlich kann mensch von einer Serie sprechen. Ob dies einen „Schusswaffeneinsatz“ rechtfertigt dürfte zumindest streitbar sein. .

Es ist allerdings nicht zu verhehlen, dass die Schwelle zu selbstinitiativer körperlicher Gewalt bei den TäterInnen, die sich selbst links verorten, erkennbar gesunken ist. Meine eigene Position dazu kann ich an dieser Stelle zum x.ten Mal wiederholen: Gezielte und lebensbedrohliche Gewalt gegen Menschen ist für mich kein Teil einer linken Praxis, deren Ziel eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Unterdrückung und – eben – Gewalt ist. Diese Position könnte in Teilen der (radikalen) Linken streitbar sein, Räume zur Debatte gibt es kaum.

Nichts desto trotz rechtfertigt die Ablehnung von Gewalt keine Position wie sie vom Rechtsextremismus-Experten Bernd Wagner im Fakt-Beitrag vorgetragen wurde: Die Gleichsetzung von Nazis und Antifas. Wie uns die Kritik an der Extremismusthese lehrt, bedarf es einer inhaltlichen Differenzierung zwischen politischen Motiven. Es reicht nicht eine Schublade aufzumachen, dort Rechte und Linke hineinzuwerfen, und das Label „Extremismus“ drauf zu schreiben. Die Reduktion auf Gewalt als Bindeglied zwischen rechts und links vernebelt jeden inhaltlichen Befund. Und diese Feststellung bedeutet keine gewaltbejahende Haltung.

Fragwürdig ist warum gerade jetzt ein solcher Beitrag gesendet wird – in einer Zeit, in der fast täglich eine Unterkunft von Asylsuchenden angegriffen wird, in der Menschen, die nicht ins Weltbild von Nazis und *gida-Anhänger*innen gehören, markiert, bedroht und angegriffen werden, in der fast täglich hasserfüllte Manifestationen gegen schutzsuchende Menschen stattfinden und auf eben jenen die Grundrechte massiv angegriffen werden.

Die Zahlen legen es nah: in Sachsen stehen 2015 242 Ermittlungsverfahren im Bereich der politisch motivierten Kriminalität rechts 34 von links gegenüber.
Diese Zahlen erfassen nicht die Hetze und Bedrohung, die gegenüber Geflüchteten, deren Unterstützer*innen, anders Lebenden und alternativ aussehenden Menschen insbesondere auf dem flachen Land ausgeübt wird. Der rechte Mainstream hat mehr und mehr die vermeintliche Mitte der Gesellschaft erreicht. Der Ton wird rauer und der Rückhalt, den organisierte Nazis finden, größer.
Sowohl etablierte Politik als auch etablierte Medien machen es sich mit ihren durch die Extremismusbrille gebrochenen „Gewaltspiralen“-These einfach. Sie entpolitisieren und bagatellisieren damit die virulente Menschenfeindlichkeit und Gewalt von rechts. Von der alltäglichen Gewalt der Verhältnisse ganz zu schweigen, die weit über Polizeigewalt geht.

PS: Ich wurde kritisiert, dass ich im besagten Beitrag des MDR mich einreihe in mit Schüssen drohenden Polizisten und mit ExpertInnen, die Nazis und Antifa gleichsetzen. Ich habe vor der Kamera selbstverständlich mehr gesagt, habe den gesellschaftlichen Kontext beschrieben, in dem sich Gewalt ereignet, die extremen Demokratiedefizite und die lang anhaltende Diffamierung antifaschistischen Engagements in Sachsen erwähnt. Im Beitrag geblieben ist ein Satz, der ins Sendekonzept passte, das ich selbstverständlich nicht kannte.
Außerdem ist zu sagen, dass ich weder Sprachrohr noch Expertin für eine wie auch immer gearteten linken Szene bin. Aber ich werde – nahezu immer – gefragt. Entziehen kann zumindest ich mich dem nicht.

16 Gedanken zu „Aufgewärmt und deplatziert.“

  1. 1. Der Einsatz der Dienstwaffe gegen Steinewerfer ist unverhältnismäßig, da es mildere Möglichkeiten gibt und die Polizisten zumindest bei Großdemos mit Helmen, Visier und Körperprotektoren vor schweren Verletzungen geschützt sind.

    2. Wie soll man die Leute auf der Straße, egal ob Links oder Rechts oder sonst wie beeinflussen können? Die meisten tun was sie tun weil sie irgendein Bedürfniss haben, seihen es bessere Lebensbedingungen, besserer Job, suche nach günstigen Wohnraum, Unzufriedenheit mit der persönlichen Situation oder Partnerschaft….

    Eine glücklichere Gesellschaft mit weniger Gewalt wird nur erreicht, wenn das Gemeinwohl für alle steigt, solange es giftige Nahrungsmittel, Abgase pur, Zerstörung von Naturflächen und ungezügelten Kapitalismus statt sozialer Marktwirtschaft gibt, werden zuviele Menschen auf der Strecke bleiben und als dumme Arbeitssklaven dahinvegetieren. Je weiter das Gemeinwohl sinkt desto unzufriedener wird eine Gesellschaft und destomehr Spannungen kommen zum Vorschein, am Ende ist sich jeder selbst am nächsten….

    Aber ganz soweit ist es noch nicht, wir haben hier in Leipzig Freiheit und Weltoffenheit und die wird zu vielen Events wie Messen, WGT, Kirchentag und im Alltag gelebt!

    Doch wenn man das als Selbstverständlichkeit ansieht, kann es in ein paar Jahren sein, das Metropolis, ein Theaterstück am Leipziger Schauspielhaus zur Realität wird:
    http://www.schauspiel-leipzig.de/fileadmin/user_upload/SL_neu/Inszenierungen/Audiodeskription/10_Metropolis.mp3

    Wer noch nicht verstanden hat was eine Gesellschaft zusammenhält und was sie spaltet, kann darin seinen Horizont erweitern.

  2. Na immerhin wurden am 12.12.2015 trotz Helmen und Schutzwesten 69 Polizisten verletzt. Sollen sich die Polizisten etwa opfern, damit die Linken einen Sieg gegen den Staat feiern können? Nein! Wer Gewalt sät, wird Gewalt ernten. Und wenn Polizisten im Hagel von Pflastersteinen, umringt von Gewalttätigen, egal welchen Spektrums, Angst um Leib und Leben haben, ist der Einsatz der Schusswaffe völlig legitim. Jeder hat das Recht gewaltfrei für seine Meinung zu demonstrieren. Keiner muss Steine werfen, um gehört zu werden.
    Die Polizei ist das Staatsorgan, welches die innere Ordnung und Sicherheit, unsere Demokratie und Meinungsfreiheit zu gewährleisten hat. Wer auch immer mit Gewalt gegen den Staat kämpft, stellt sich selbst ins politische Abseits, für den ist kein Platz in der Demokratie.
    In diesem Punkt stehen Rechts und Links zu Recht auf einer Stufe und sollten auch gleich behandelt werden.
    Gewalt ist, egal aus welchem Beweggrund, völlig inakzeptabel.

  3. Was waren das für Verletzungen und wie schwer waren sie?

    Im Einsatz kommt es häufig zu Verletzungen die auf ganz verschiedene Ursachen zurückzuführen sind. Es gibt Verletzungen wegen Knalltrauma z.B. durch abgeschossene Gaspatronen oder Pyrotechnik, es gibt Verletzungen der Atemwege durch Reizgas, Rauch… und Prellungen von Rangelleihen.

  4. Ach, diese Verletzungen sind akzeptabel, diese müssen sich Polizisten zufügen lassen oder wie jetzt?? Prinzipiell kann ein Pflasterstein ein tödliches Wurfgeschoss sein, der Werfer nimmt zumindest billigend körperliche Verletzungen in Kauf, sonst würde er mit rosa Wattebällchen werfen. Oder ist derjenige schuldig, der sich von einem fliegenden Stein treffen lässt?
    In unserer friedlichen Demokratie ist jegliche Gewaltanwendung untersagt, selbst Gewaltandrohung und Aufruf zur Gewalt erfüllen einen Straftatbestand.
    An diesem Punkt gibt es nichts zu verharmlosen oder schön zu reden, genauso wie es bei Angriffen auf Asylheime nichts schön zu reden gibt. Das ist absolut zu verurteilen, selbst wenn keiner verletzt wurde.
    Man könnte natürlich auch dort Helme und Körperprotektoren verteilen….

  5. Wo steht das Verletzungen akzeptabel sind? Ist das etwa Ihre Meinung?

    Und wo bleibt die Antwort zu der Art und Schwere der Verletzungen?

  6. Was soll die Frage nach Art und Schwere der Verletzungen? Jede Art von körperliche Verletzung ist inakzeptabel. Das von dir angeführte Knalltrauma durch Pyrotechnik bekommt man nur, wenn man mit dieser beworfen wird- inakzeptabel.
    Die von dir angeführten Prellungen durch Rangeleien- inakzeptabel. Wie soll man auf einer friedlichen Demo bitte zu solche Verletzungen kommen?

  7. Sehr geehrte Frau Nagel, es verwundert mich, dass Sie meine Aussage zum Schusswaffengebrauch trotz vermeintlicher Zitierung nur sinngemäß wiedergeben. Ich hoffe, dies wird nicht zum Prinzip, denn auch einer Ihrer kürzlichen Tweeds reißt ein Zitat von mir („Über der PD Leipzig liegt ein brauner Schatten.“) abermals völlig aus dem Kontext, der ausdrücklich die Beschreibung der Fremdwahrnehmung betraf.

    Warum Sie meine o. a. Aussage als Drohung bzw. Ermutigung hinstellen, kann ich nicht nachvollziehen, da ich diese eindeutig als Akt der Eigensicherung, Selbstverteidigung bzw. Notwehr und im Zusammenhang mit direkten Angriffen auf Polizeibeamte darstelle – also jenseits der „harmlosen“ Sachbeschädigungen. Sie selbst lehnen doch wenige Sätze später „GEZIELTE und LEBENSBEDROHLICHE Gewalt gegen Menschen“ ab. Offenbar sind wir also einer Meinung, dass Polizisten dieser mitunter ausgesetzt sind und ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie es ablehnen, sich dagegen in den vom Gesetzgeber vorgegebenen Schranken wehren zu dürfen, wozu gegebenenfalls auch der Schusswaffeneinsatz zählt. Dies kann jedermann im Sächsischen Polizeigesetz nachlesen.

    MfG

  8. Sehr geehrte Frau Nagel,
    ich erachte Herrn Loepki als den zur Zeit einzigen hier in Leipzig, der versucht neutral zu bleiben und einen verdammt guten Job macht. Verbuchen Sie dies unter „dumm gelaufen“ aus Ihrer Sicht. Obwohl, wenn man vor einer Kamera spricht sollte man besonnener sein oder im Vorfeld mal die Hintergründe abklären.

  9. Die Aussagen im Video kann sich jeder selbst anschauen.

    Einmal angenommen ein Polizist wird von einem Faustgroßen Stein getroffen und ernsthaft verletzt. Jetzt sieht er wie der Steinewerfer einen weiteren Stein werfen will, zieht seine Schusswaffe und trifft den Steinewerfer. Der Steinewerfer wurde irgendwo am Körper getroffen, vielleicht in die Lunge, vielleicht in die Gedärmer, das Herz oder gar den Hals oder Kopf, er wäre lebensbedrohlich verletzt, vielleicht würde er sterben.

    Was würden die Richter dazu urteilen? Würden sie sagen, alles Notwehr oder würden sie sagen, dass der lebensbedrohliche Schusswaffeneinsatz unverhältnismäßig war?

    In Deutschland wird die Schusswaffe von Polizisten im Jahr ca. 30 bis 40 Mal gegen Menschen abgefeuert, ca. 1/3 der getroffenen Menschen stirbt daran und ca. 10% der Schusswaffeneinsätze gegen Menschen waren unzulässig.

  10. Nur mal angenommen, es werden faustgroße Steine in Richtung Polizei geworfen, aber keiner wird getroffen. Die Werfer werden trotzdem festgenommen und dem Richter vorgeführt. Wie soll er urteilen? Vorsätzlicher, versuchter Totschlag, Widerstand gegen die Staatsgewalt. Haft ohne Bewährung, logisch. Urteilsbegründung: Das Werfen von Steinen ist keine Form der freien Meinungsäußerung, sondern zielt einzig und allein auf die körperliche Verletzung von Menschen.
    Nicht die Polizei, sondern die, die ursächlich Gesetze verletzen, sollten sich vor Gericht verantworten müssen.

  11. Sehr geehrter Herr Loepki,

    vielen Dank, dass sie sich an dieser Stelle einmischen. An einer transparenten Klärung von Missverständnissen ist mir immer sehr gelegen. Natürlich gestehe ich ihnen zu, dass auch sie im Interview mehr als diese Aussage gebracht und diese damit kontextuiert haben. Nichts desto trotz behaupten sie, dass Menschen, die sich aufmachen um mutwillig Dinge zu zerstören in Wirklichkeit die Auseinandersetzung oder gar direkte Konfrontation mit der Polizei suchen und somit den Schusswaffeneinsatz herausfordern würden. Das halte ich nun wirklich für eine steile These. Sie stellen zudem in den Raum, dass der Tag kommen wird, an dem das passieren würde. Genau das empfinde ich als Panikmache. Ich hoffe ja sehr, dass es ruhiger wird und genau dies wäre auch meine Kommunikationsstrategie. Von ihnen wird in meinem Verständnis Eskalation signalisiert, eben weil sie den Schusswaffeneinsatz überhaupt ins Spiel bringen. Aber das ist natürlich meine Interpretation. Genau wie ich
    müssen sie, wenn sie sich öffentlich äußern, allerdings einkalkulieren, dass Menschen das Gesagte einordnen, reflektieren, interpretieren.

    Stichwort Wahrnehmung: Es verwundert mich, dass Sie hier eigene Unterstellungen bezüglich der Korrektheit der Wiedergabe Ihrer Aussagen zum Anlass nehmen, den Inhalt des Artikels zu ignorieren. Sie schreiben, ich hätte Ihre „Aussage zum Schusswaffengebrauch trotz vermeintlicher Zitierung nur sinngemäß wiedergeben“. Was auch immer Sie damit tatsächlich sagen wollen – ich vermute jetzt mal, Sie wollen sagen, ich hätte Sie irgendwie falsch wiedergegeben. Im angesprochenen MDR-Beitrag sagen Sie:

    „In der Entwicklung der letzten Monate hat man schon den Eindruck, dass es seitens verschiedener Linksextremisten darum auch geht, die Reizschwelle herauszufinden, wann der Schusswaffeneinsatz eines
    Polizeibeamten unausweichlich wird. Und ich befürchte ein bisschen, dass dieser Tag irgendwann kommen wird, dass wir einen Angriff erleben, dem ein Polizeibeamter erliegt, weil nie gesagt ist, wo ein Stein, der
    faustgroß geschleudert wird, tatsächlich einschlägt und es ist auch nicht gesagt, wie ein Polizeibeamter am Ende reagiert um sich und seine Kollegen vor einer solchen Gefahr zu bewahren.“

    Ich habe sie so zitiert:
    „Man hat den Eindruck, dass es seitens verschiedener Linksextremisten auch darum geht, die Reizschwelle herauszufinden, wann der Schusswaffeneinsatz eines Polizeibeamten unausweichlich wird. Ich befürchte ein bisschen, dass dieser Tag irgendwann kommen wird, dass wir einen Angriff erleben, dem ein Polizeibeamter erliegt, […] und es ist nicht gesagt, wie ein Polizeibeamter am Ende reagiert um sich und seine Kollegen vor einer solchen Gefahr zu bewahren.“

    Tatsächlich habe ich also einen einleitenden Halbsatz „In der Entwicklung der letzten Monate“ weggelassen, wie auch den Nebensatz: “ wo ein Stein, der faustgroß geschleudert wird, tatsächlich einschlägt“.
    Nun weiß ich natürlich nicht, inwiefern Sie diese Auslassungen für relevant halten, ich würde doch behaupten: sie sind nicht sinnentstellend, der Kern Ihrer Aussage bleibt erhalten.

    Weiter behaupten Sie, es bestünde die Gefahr, dass ich es zum Prinzip erhebe, Sie sinnentstellend zu zitieren, „denn auch einer Ihrer kürzlichen Tweeds reißt ein Zitat von mir („Über der PD Leipzig liegt
    ein brauner Schatten.“) abermals völlig aus dem Kontext, der ausdrücklich die Beschreibung der Fremdwahrnehmung betraf.“ Ich sehe diese Gefahr nicht. Ich vermute, Sie meinen folgendes:
    https://twitter.com/luna_le/status/693383435176517632
    Auch in diesem Fall habe ich Sie keinesfalls entstellend zitiert, sondern eine – vorsichtig gesagt – skurrile Twitterkommunikation zwischen Ihrer Pressestelle und einem Twitternutzer wiedergegeben:
    http://www.prinzessinnenreporter.de/wp-content/uploads/2016/01/Screen-Shot-2016-01-11-at-10.25.49-PM.png
    Nun geht es in dem Twittergespräch zwar gewissermaßen um Ihre Aussage, allerdings hat ja nicht der Twitternutzer, also auch ich nicht, diese Aussage entkontextualisiert, sondern offenbar die LVZ, so zumindest Ihre Behauptung.
    Sehr geehrter Herr Loepki, Sie fühlen sich möglicherweise missverstanden in der Interpretation Ihrer Aussagen. Das mag so sein, ändert aber nichts an Ihren Aussagen. Gerade als Politikerin muss ich mit dem
    arbeiten, was Funktionsträger_innen äußern. Ihren Vorwurf aber, ich hätte Ihre Aussagen falsch wiedergegeben, muss ich zurückweisen.

    Ich hoffe ich konnte zur Aufklärung der Missverständnisse beitragen.
    Ich wünsche ihnen auch zukünftig ein glückliches Händchen bei der Öffentlichkeitsarbeit der PD Leipzig und verbleibe mit freundlichen Grüßen,
    Juliane Nagel

  12. Sehr geehrte Frau Nagel,

    ich bin erfreut, dass meine Kommentierung eine Veröffentlichung erfahren hat und Sie sich überdies mit dieser beschäftigt haben. Diesbezüglich habe ich mit mir gerungen, ob ich neuerlich reagieren sollte, denn ich zweifle ein wenig, ob meine Argumente wertfrei angenommen werden. Letztlich habe ich mich jetzt dennoch dafür entschieden, da ich die neuerliche Meldung so nicht im Raum stehen lassen kann. Ich verspreche aber, es nunmehr dabei bewenden zu lassen.

    Den eigentlichen Inhalt betreffend verwahre mich nochmals gegen Ihre Interpretation meiner Aussagen.

    Wenn Sie schreiben: „Nichts desto trotz behaupten sie, dass Menschen, die sich aufmachen um mutwillig Dinge zu zerstören in Wirklichkeit die Auseinandersetzung oder gar direkte Konfrontation mit der Polizei suchen und somit den Schusswaffeneinsatz herausfordern würden.“ geben Sie meiner Aussage mutwillig eine falsche Bedeutung, die sich einem objektiven Zuschauer nicht erschließt. In meiner Teilaussage: „und ich befürchte ein bisschen, dass dieser Tag irgendwann kommen wird, dass wir einen Angriff erleben, dem ein Polizeibeamter erliegt, weil nie gesagt ist, wo ein Stein, der faustgroß geschleudert wird, tatsächlich einschlägt und es ist auch nicht gesagt, wie ein Polizeibeamter am Ende reagiert um sich und seine Kollegen vor einer solchen Gefahr zu bewahren.“ ist deutlich der Bezug zu erkennen, auf welchen ich bereits in meiner ersten Kommentierung hingewiesen habe. Ich kenne außer Ihnen (und Martin) keinen, der dies derart missversteht.

    Ich bedanke mich in diesem Zusammenhang auch für die nunmehr korrekte Zitierung, welche die tatsächliche Aussage wortgetreu wiedergibt. Hätten Sie in Ihrem ersten Text eine Notiz i. S. „sinngemäß“ genutzt, hätte ich Ihren Beitrag wahrscheinlich als politische Agitation hingenommen, die ich Ihnen gern zugestehe. Aber erst durch die Auslassung der Passage: „wo ein Stein, der faustgroß geschleudert wird, tatsächlich einschlägt“ war es Ihnen überhaupt möglich, das vermeintliche Missverständnis ins Gespräch zu bringen. Sie konnten und können unter Beachtung der direkt nachfolgenden Passage: „es ist auch nicht gesagt, wie ein Polizeibeamter am Ende reagiert um sich und seine Kollegen vor einer solchen Gefahr zu bewahren“ nicht ernsthaft annehmen, ich hätte von Sachbeschädigungen gesprochen.

    Um es eineindeutig darzulegen, füge ich hier noch an, dass es mir um die Körperschutzausrüstung eines Polizeibeamten ging, die keinen hundertprozentigen Schutz aller Körperpartien bieten kann. Auch wenn eine diesbezüglich erfolgte Aussage nicht ausgestrahlt wurde, halte ich meine hinterfragte Aussage gleichwohl für hinreichend logisch und nachvollziehbar.

    Zudem führe ich hier noch einmal aus, was es mit der Aussage: „Über der PD Leipzig liegt
    ein brauner Schatten.“ auf sich hat. Am 11. Januar wurde ich im Umfeld des Versammlungsgeschehens mehrfach zu dem Umstand befragt, dass offenbar polizeiinterne Daten an die NPD gelangten. Gegenüber zwei Journalisten (LVZ online und Sächsische Zeitung) beklagte ich den Umstand, dass ein einzelner Beamter direkt oder indirekt dafür gesorgt hat, dass man behaupten wird: „Über der Polizeidirektion Leipzig liegt ein brauner Schatten.“ Dieses Zitat wurde kurz darauf ohne Kontext bei LVZ online veröffentlicht, weshalb ich kurz darauf telefonisch um Löschung bat, der freundlicherweise nachgekommen wurde. Sicherlich wäre es günstiger gewesen, lieber gleich um Wiedergabe des Kontextes zu bitten, aber angesichts der Mediensituation um das Versammlungsgeschehen sowie das Geschehen in Connewitz hatte ich auch noch ein oder zwei andere Dinge im Kopf und konnte mich nicht allumfassend mit diesem Problempunkt befassen. Im Nachgang hat LVZ online übrigens das Zitat und den Kontext in den Artikel einfließen lassen.
    Ihnen sind die Umstände bisher vielleicht nicht vollumfänglich bekannt gewesen, aber ganz offensichtlich wussten Sie in ausreichendem Maß Bescheid. Insofern machen Ihre Ausführungen Ihren Tweed nicht eben besser. Diesen sehe ich aber als gar nicht so wild an, denn Klappern gehört unweigerlich zu jedem Geschäft und Sie werden nicht die einzige sein, die sich an der Plakatierungsaktion in Connewitz ergötzt.

    Für mich sind diese Missverständnisse nunmehr geklärt.

    Da ich durchaus ein Freund ironischer Kommentare bin und solche selbst gern austeile, nehme ich Ihre abschließenden Wünsche schmunzelnd hin. Da sich unsere Wege dabei weiter kreuzen werden, freue ich mich, Sie im Kampf um die Einheit von Gemeintem und Gesagtem an meiner Seite zu wissen.

    Viele Grüße
    Andreas Loepki

  13. Herr Loepki,

    Sie sagen: „Ich kenne außer Ihnen (und Martin) keinen, der dies derart missversteht.“. Dem würde ich gerne entgegnen. In dem Zitat, dass sie jetzt so wiedergegeben wissen wollen:

    „In der Entwicklung der letzten Monate hat man schon den Eindruck, dass es seitens verschiedener Linksextremisten darum auch geht, die Reizschwelle herauszufinden, wann der Schusswaffeneinsatz eines Polizeibeamten unausweichlich wird. Und ich befürchte ein bisschen, dass dieser Tag irgendwann kommen wird, dass wir einen Angriff erleben, dem ein Polizeibeamter erliegt, weil nie gesagt ist, wo ein Stein, der faustgroß geschleudert wird, tatsächlich einschlägt und es ist auch nicht gesagt, wie ein Polizeibeamter am Ende reagiert um sich und seine Kollegen vor einer solchen Gefahr zu bewahren.“

    Sie behaupten es ginge den „Linksextremisten“ darum den Schusswaffengebrauch unausweichlich zu machen, Sie unterstellen diesen Menschen also den Wunsch zu sterben. Können Sie diese Behauptung auch irgendwie belegen? Gibt es Texte in denen steht, dass die „Linksextremisten“ wollen, dass die Polizei schießt und ein „Märtyrer“ geschaffen wird? Immerhin leiten Sie so Ihr Statement ein, also müssen Sie diese Behauptung doch auch belegen können, klingt es doch bei Ihnen wie eine Strategie von „Linksextremisten“. Und wollten Sie eigentlich die Stimmung unter Ihren Kollegen wiedergeben, dass mehr darüber nachgedacht wird auch die Dienstwaffe zu benutzen? Können Sie eigentlich auch sagen wann in Sachsen durch „Linksextremisten“ durch den Bewurf mit Steinen Polizisten ums Leben gekommen sind?

  14. Der Schußwaffengebrauch war und ist unausweichlich, man kann nur den Polizisten danken, bisher darauf verzichtet zu haben. Oder soll das jetzt heißen, das sich Polizisten vom linken Mob mit Steinen bewerfen lassen müssen, weil daran noch keiner gestorben ist?
    Welche rechtliche Grundlage soll denn eine steingeworfene Meinungsäußerung haben? Auch die Linksextremen sollten mal akzeptieren in einer gewaltfreien Demokratie zu leben.
    Jedem, dem Gewalt angetan wird, hat das Recht sich zu wehren. Und wenn ein Polizist Angst um sein Leben hat, wird, wenn es keine anderen Möglichkeiten der Gewaltabwehr gibt, geschossen.

    Die Internationale „erkämpft“ das Menschenrecht.
    Die Partei, die Partei, die hat immer Recht, denn wer für das Recht „kämpft“ hat immer Recht.
    Hört einfach mit eurem sinnlosen Gekämpfe auf. In einer friedlichen Demokratie setzt man sich mit Worten auseinander, nicht mit Steinen. Wenn ihr es mit Worten nicht schafft, eine Mehrheit von eurer politischen Idee zu überzeugen, dann wird’s auch mit Steinen nicht gelingen. Begreift’s, oder es wird irgendwann der erste Schuß fallen und wir singen wieder das Lied vom kleinen Trompeter…..

  15. @Hannes

    wenn sie schon historisch mit der internationalen und dem kleinen trompeter argumentieren, dann sollten sie doch auch wissen, dass es nie zuerst die menschen waren die demokratisch die gesellschaft verändern wollten, die gewalt angewendet haben. die gewalt folgte immer als reaktion auf gewaltätiges (staatliches) handeln auf den friedlichen protest. da können sie jahrhunderte in der geschichte zurück gehen.

    und als polizei sollte man sich schon fragen warum menschen steine auf einen werfen. die leute kommen so nicht zur welt, sondern die umstände machen das aus ihnen. sie sind dafür, dass polizisten sich gegen gewalt wehren dürfen. wie sieht es denn mit friedlichen demonstranten aus, die von der polizei angegriffen oder ermordet (Benno Ohnesorg) werden? es war doch die polizei die in der alten BRD aus friedlichen studentenprotesten militante gemacht hat. wie war denn das auftreten in der DDR gegen friedlichen demokratischen protest?

    oder nehmen sie doch die jüngere vergangenheit:

    https://mopo24.de/#!nachrichten/freispruch-fuer-chemnitzer-pruegel-polizisten-46402

    https://www.youtube.com/watch?v=HCvPGi3iwxo

    https://www.youtube.com/watch?v=8hKzvdmtsT8

    https://www.youtube.com/watch?v=c1WVs2FYjt4

    wer für einen rechtsstaat ist, muss auch dafür sein, dass polizisten veruteilt werden, wenn sie grundlos menschen verprügeln oder ihre macht missbrauchen. dies passiert aber nicht, die zahlen sind bekannt, genauso wie die gründe dafür.

    man kann das zitat von Herrn Loepki auch provokant umformulieren:

    „In der Entwicklung der letzten Monate und Jahre hat man schon den Eindruck, dass es seitens verschiedener staatlicher Behörden darum auch geht, die Reizschwelle herauszufinden, wann der Schusswaffeneinsatz eines Demonstranten unausweichlich wird. Und ich befürchte ein bisschen, dass dieser Tag irgendwann kommen wird, dass wir einen Angriff erleben, dem ein Demonstrant erliegt, weil nie gesagt ist, wo ein Schlagstock, eine Gasgranate, ein Wasserstrahl oder ein Faustschlag tatsächlich einschlägt und es ist auch nicht gesagt, wie ein Demonstrant am Ende reagiert um sich und seine Mitstreiter vor einer solchen Gefahr zu bewahren.“

    wohlgemerkt gibt es sicherlich mehr menschen die von polizisten ums leben gebracht wurden. daher ist die frage wann in sachsen linke einen polizisten ermordet haben bei demonstrationen durchaus interessant.
    hannes können sie das beantworten?

    wenn wir für ein friedlichen zusammenleben in dieser gesellschaft eintreten wollen, dann müssen auch friedliche demonstranten rechtssicherheit in diesem land haben. dazu würde es auch gehören, dass Herr Loepki und andere stellen dies in ihren reihen umsetzen, warum passiert dies aber nicht?

    https://www.youtube.com/watch?v=xQoWU22-q-8

    „Mehrzweckeinsatzstock“ (MES):
    „Der MES ist, eine fundierte Ausbildung vorausgesetzt, eine sehr wirksame Waffe.“
    Tatsächlich bedeutete die Einführung des MES eine Verschärfung des Gewaltpotentials. Der Stock erlaubt über den seitlichen Griff Drehschläge, die mit ungemein größerer Wucht ausgeführt werden können als Schläge mit einem normalen Knüppel. Ein Vertreter der Polizeigewerkschaft GdP konstatierte demnach: „Wenn der Stock bei Dreh- und Schleuderbewegungen einen Kopf trifft, dann knackt er jeden Schädel.“

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