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Update: Ein Tag & zwei Preise für antifaschistisches & antirassistisches Engagement +Laudatio

lysistrataAm 1.9.2013 wurden mir zwei Preise verliehen, zwei Friedenspreise, die sich würdigend auf mein bzw. vielmehr unser! Engagement gegen Neonazismus, Rassismus, Antisemitismus – sprich für ein solidarisches, angst- und gewaltfreies Zusammenleben richten. Ich betrachte beide Preise nicht allein als individuelle Ehrung, sondern widme sie dem kontinuierlichen Kampf so vieler Menschen und Strukturen, mit denen ich zusammenarbeite.

Der 1. Preis kam sehr überraschend. Auf dem Landesparteitag der LINKEN Sachsen in Dresden wurde mir am Morgen des 1.9. der Lysistrata-Friedenspreis der feministischen Arbeitsgemeinschaft LISA verliehen. Der Preis, dessen Name eine Anleihe auf die griechische „Heeresauflöserin“ Lysistrata nimmt, wird seit 2007 an Frauen verliehen, die „in der Lysistrata- Tradition zum Frieden anstiften, zum politischen Frieden auf unserer Erde und zur Gewaltlosigkeit zwischen den Menschen um uns, in unserer Region“.
In einer überwältigenden Laudatio blickte Kerstin Köditz, Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, auf bestimmte Stationen zurück. Ein Schlüsselmoment dabei war Silvester 2000/ 2001, als ich am Connewitzer Kreuz in Leipzig gvon der Polizei Ingewahrsam genommen und des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt wurde. Auf den Fuß folgten Rücktrittsforderungen auch aus den eigenen (lokalen) Partei, den ich wenige Monate später aufgrund ganz anderer Dinge auch nachkam. Ein weiterer Schlüsselmoment war der Protest gegen die NPD-Demo in Grimma am 1.5.2000. Damals stellte sich die hiesige PDS gegen eine Antifa-Demo und zog sich auf bunte Wimpel zurück. Ich stand auf der Seite der offensiven AntifaschistInnen. Zur selben Zeit lief innerhalb der PDS eine intensive Debatte um das Verhältnis zur autonomen Antifa, das im Angesicht von z.B. Wurzen oder der Naziokkupation des Kirschberghauses in Leipzig-Grünau unmissverständlich beantwortet werden musste und von mir bis heute auch unmmissverständlich beantwortet wird.
Dass das Engament für ein friedliches Zusammenleben mit dem Kampf gegen Neonazismus und dem Engagement gegen jedes Infragestellen der Gleichheit von Menschen in Eins gesetzt wird, rechne ich den „Lysistrata“-StifterInnen hoch an. Das wohl prägenste Ereignis der letzten Jahre war und ist in diesem Zusammenhang das Ringen um Anerkennung rechts motivierter Morde. Ein krasser Einschnitt ist und bleibt dabei der rassistische Mord an Kamal, der im Alter von nur 19 Jahren im Oktober 2010 von zwei Nazis in Leipzig erstochen wurde. Seit Oktober 2010 kämpf(t)e ich mit vor allem Nicht-Partei-GenossInnen und der Familie um die Anerkennung des Tatmotives (was mit dem Urteil im Juli 2011 geschehen ist) und um einen würdige Erinnerung an ihn und alle anderen Opfer rechter Gewalt in Leipzig (was sich als müssig und zäh erweist).

Der 2. Preis an diesem historisch bedeutsamen Tag, dem Beginn des 2. Weltkrieges mit dem Überfall auf Polen am 1.9.1939, wurde vom Leipziger Friedenszentrum verliehen. Die PreisträgerInnen des Vorjahres, in persona Sandra von Bon Courage e.V., hielten eine ebenso umwerfende Rede auf mein langjähriges Engagement – begonnen bei den Protesten gegen die Aufmärsche des Hamburger Neonazis Christian Worch über das „Ladenschluss“-Bündnis, „Leipzig nimmt Platz“, „Rassismus tötet“ und weitere Initiativen, Bündnisse und Netzwerke gegen Neonanzismus und Rassismus in Leipzig und Umgebung.
Schade nur, dass die InitiatorInnen der Veranstaltung der verschwörungstheoretischen, rechtsoffenen „BüSo“ die Möglichkeit gaben sich mit einem Stand zu präsentieren,. wie auch der DDR-verhafteten Sekte „FDJ“, die darüber hinaus auch noch einen Redebeitrag halten durfte. Mit der Präsenz derartiger Gruppierungen wird nicht nur die Veranstaltung, sondern auch der Friedenspreis geschmälert.

Die recht sinnlos Ankündigung der JN die Aktion auf dem Nikolaikirchhof zu stören, blieb unrealisiert. Und ist zu guter Letzt ein Indiz dafür, dass die Ankündigung des verstorbenen NPD- Landtagsabgeordneten Winfried Petzold „Leipzig nicht den Roten [zu] überlassen“ unerfüllt bleibt ;)

 

Dokumenation: Laudatio zum Lysistrata-Preis, gehalten am 1.9.13 von Kerstin Köditz

Für uns als Partei DIE LINKE ist es völlig klar, dass wir gegen Nazis auf die Straße gehen. Natürlich. Ob früher regelmäßig gegen Christian Worch in Leipzig, ob jedes Jahr in Chemnitz oder Plauen, wenn dort die Nazis zum Jahrestag der Bombardierung marschieren, und nicht zuletzt am 13. Februar in Dresden. Und das ist natürlich erstens notwendig und zweitens richtig.

Nun will es die historische Wahrheit, dass das für uns keineswegs immer und überall selbstverständlich war. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeiten, da wir bunte Wimpelketten und Plakate mit der Aufschrift „Die Welt ist bunt, nicht schwarz-weiß“ für eine angemessene Reaktion auf Nazimärsche hielten. Oder wir delegierten die Verantwortung und forderten von den Verantwortlichen das Verbot des jeweiligen Nazimarsches. Oder aber wir schwiegen gleich ganz. Oder man hatte spätestens dann Probleme mit antifaschistischen Demonstrationen, wenn die eigene Stadt deren Ziel sein sollte. Glücklicherweise gab es aber in unserer Partei, damals noch der PDS, immer auch andere, die darauf drängten, dass wir vom Antifaschismus nicht nur reden, sondern ihn auch auf der Straße zeigen müssen. Die mit unendlicher Geduld und manchmal der Verzweiflung nahe, daran arbeiteten, dass sich das allmählich änderte, dass die jungen Antifaschistinnen und Antifaschisten nicht mehr als „Schmuddelkinder“ betrachtet wurden, dass antifaschistische Solidarität auch untereinander praktiziert wurde.

Ich erinnere mich noch sehr gut an den 1. Mai 2000 in Grimma. Die NPD hatte gerade mit ihrem Versuch begonnen, den 1. Mai zum „Tag des deutschen Arbeiters“ umzudeuten, und wollte in Grimma demonstrieren. Wir in der Stadt hatten als Reaktion bunte Wimpelketten gespannt. Im breiten Bündnis – versteht sich. Eine Antifa-Demo sollte es auch geben, doch unterstützt wurde diese nur von einzelnen Abgeordneten der PDS auf Bundes- und Landesebene. Beide Demos waren zwar zeitlich voneinander getrennt worden. Aber die Antifa-Demoroute endete am Bahnhof, wo die der Nazis beginnen sollte. Dort kam Juliane Nagel auf mich zu, eine junge Frau, eigentlich noch im Teenager-Alter. Die Antifa-Demo war bereits beendet, die Teilnehmenden größtenteils schon abgereist. Dafür trafen immer mehr Nazis ein. Jule war zurückgeblieben, um sich um einen jungen Antifaschisten zu kümmern, dem schlecht geworden war. Sie ließ ihn nicht allein, ungeachtet der Gefahr, in die sie sich selbst damit brachte. Sie sorgte dafür, dass der Betreffende sicher zurück nach Leipzig kam.

Das, so finde ich, ist eine Szene, die typisch für Juliane Nagel ist. Sie lebt Solidarität, allen Widerständen und Hemmnissen zum Trotz. Der einfache Weg ist nie der ihre gewesen. Ihr war es immer wichtiger, das Richtige zu tun, als eine Mehrheit hinter sich zu wissen. Für viele – auch in den eigenen Reihen – war sie damit unbequem. Vor allem aber war und ist sie für jene unbequem, die immer wieder und penetrant daran arbeiten, die Grund- und Menschenrechte abzubauen.

Ein Beispiel – es ist ein Zitat: “So wie jedes Jahr trafen sich Connewitzer Bürgerinnen und Bürger am Connewitzer Kreuz, um dort gemeinsam den Jahreswechsel zu begehen. Auch ich war mit meinen Freunden dort. Die Zerstörungswut mir unbekannter Anwesender konnte ich von weitem beobachten. Ich verurteile diese und distanziere mich nachdrücklich davon. Als die Polizei einen meiner Freunde aus unserer am Rande des Geschehens stehenden Gruppe auf eine äußerst brutale Art und Weise herauszog, mischte ich mich ein. Ich hielt meinen Freund fest und versuchte den Grund für die Festnahme von den BeamtInnen zu erfahren. Daraufhin wurde auch ich zu Boden geworfen und unsanft in den Polizeiwagen geschleppt. Von Handgreiflichkeiten meinerseits gegenüber Polizeibeamten kann dabei überhaupt keine Rede sein. Auf mein Angebot den Personalausweis von einem ca. 100 m entfernten Ort zu holen, gingen die BeamtInnen nicht ein, nahmen mich mit und ließen mich erst 20 Minuten später wieder frei.“

Dieses Zitat stammt aus einer Pressemitteilung zum Jahreswechsel 2000/2001. Viele Bürgerinnen und Bürger gingen damals noch davon aus, dass die Polizei stets nach Recht und Gesetz handelt. Und vor allem, dass sie nicht lügt. Die Behauptung, dass Jule einen Beamten getreten haben soll, sorgte also in Leipzig für einen handfesten Skandal und umgehend für die Forderung nach ihrem Rücktritt als Stadträtin.

Inzwischen wissen wir alle die Polizei besser zu beurteilen. Und wir alle sind froh, dass wir mit Jule in Leipzig eine Stadträtin haben, die mit ihrer ganzen persönlichen Geschichte glaubhaft für jene Inhalte steht, die sie im Stadtrat vertritt. Sie hat sich und uns Anerkennung für ihr Engagement verschafft. Widerwillige und bisweilen zähneknirschende Anerkennung bei ihren Gegnern.

Ich sehe es als besonders positiv, dass Jule kein lohnendes Ziel darin erblickt, dass diese Gegnerinnen und Gegner weniger werden. Sie erregt Anstoß und sie gibt Anstöße. Dies gilt natürlich noch immer auch innerparteilich. Ich will an dieser Stelle nur daran erinnern, dass sie eine engagierte Streiterin für das bedingungslose Grundeinkommen ist. Natürlich ist sie das. Wenn eines der Postulate in diesem Staat ist, dass die Würde der Menschen unantastbar sein soll, dann müssen wir auch die materiellen Voraussetzungen dafür schaffen. Das ist ein noch unbekannter Weg. Und dabei gilt wie immer: wenn man die ausgelatschten Pfade verlässt, dann kann man knietief im Sumpf landen, aber man kann eventuell auch wunderschöne Landschaften finden. Natürlich ist das ein Risiko! Aber Leben ist immer Risiko! Jule ist bereit, Risiken einzugehen, wenn das Ziel lohnend erscheint.

Eine Laudatio heißt Laudatio, weil sie dazu gedacht ist, eine bestimmte Person zu loben. In diesem Fall also ist es Juliane Nagel, der heute der Lysistrata-Friedenspreis der LISA, der feministischen Landesarbeitsgemeinschaft der LINKEN Sachsen, überreicht wird. Es ist ganz und gar kein bloßes Lob, wenn ich behaupte, dass mich Jule keineswegs an einen Friedensengel erinnert, sondern eher an zwei Worte aus dem Neuen Testament. „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“ heißt es bei Matthäus 10, Vers 34. Und: „Meinet ihr, dass ich hergekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht.“ steht bei Lukas 12, Vers 51. Wer wirklich Frieden schaffen will, sei es der Friede nach außen oder der im Inneren, der oder die, so lehrt uns Lysistrata, muss den Mut zu ungewöhnlichen Maßnahmen haben und muss es verstehen, die Machtlosen gegen die Mächtigen zu sammeln.

So erlebe ich Jule bis auf den heutigen Tag. Als unermüdliche Kommunikatorin, die die disparaten Kräfte der Schwachen bündelt und ihr gemeinsames Handeln fördert. Ihr Revier ist die Großstadt, genauer: der Stadtteil Connewitz. Dort können wir gegenwärtig auf Aufklebern lesen: „Connewitz hat eine lange Tradition der Widerspenstigkeit, aber auch der Freiheitsliebe, der Solidarität und der Kritik an der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Das teilen wir.“ Groß über diesem Text steht: „Connewitz bleibt rot! Richtig rot!“ Der Aufkleber stammt aus dem Linxxnet. Und – natürlich! – das Linxxnet ist undenkbar ohne Jule.

Aber: es gibt kein ruhiges Hinterland! Auch darum, dass das nicht nur ein Spruch bleibt, kümmert sich zuverlässig Jule. Auch wenn das bedeutet, die Zwietracht zu bringen. Ob es darum geht, antifaschistische Aktivitäten in der Provinz zu unterstützen, oder ob es darum geht, Solidarität mit von der Abschiebung bedrohten Flüchtlingen zu organisieren: wir werden Jule stets in der vordersten Reihe finden, obwohl sie sich wahrlich nie in den Vordergrund drängelt.

Ich beglückwünsche deshalb LISA Sachsen zu ihrer Entscheidung, den diesjährigen Lysistrata-Friedenspreis an Juliane Nagel zu verleihen. Ihr hättet keine würdigere Preisträgerin finden können. Obwohl ich vor dem Wort „Würde“ in Zusammenhang mit Jule fast schon wieder zurückschrecke. Wir alle aber, die wir hier in diesem Saal versammelt sind, können stolz darauf sein, Juliane Nagel in unseren Reihen zu haben, dass sie es so lange mit uns ausgehalten hat. Ich jedenfalls wünsche mir von Herzen, dass du, Jule, noch lange Zwietracht säen mögest und uns auf neue Wege lockst.

 

Presse:
Linken-Stadträtin Nagel erhält Friedenspreis – Angekündigte Proteste bleiben aus (LVZ-online, 1.9.13)
Gebhardt gratuliert Juliane Nagel zum Leipziger Friedenspreis 2013 (1.9.13)
Linke in Sachsen verleiht Friedenspreis (dpa, 1.9.)

2 Gedanken zu „Update: Ein Tag & zwei Preise für antifaschistisches & antirassistisches Engagement +Laudatio

  1. uz

    Hier zu gratulieren, ist etwas schwierig. Juliane Nagel ist meine Lieblingspolitikerin in Leipzig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie mit einiger Grundaggression das auf die Straße trägt, was andere Politiker nur in Sonntagsreden loben – vor allem Burkhard Jung glänzt darin.

    Der Übergang von Aggression zu Gewalt ist fließend, und Kamal würde noch leben, wenn den beiden Tätern hinreichend Gewalt widerfahren wäre. Ich glaube an angemessene Gewalt und daran, dass sie „vom Volke“ ausgehen sollte. Wählen geh ich eh nicht. Das ist nicht die Gewalt, die ich meine.

    Ja, ich wünschte, die verlogene antiaggressive, jegliche Gewalt ablehnende, P.C.-Streber-Zeit wäre endlich mal wieder vorbei.

    Was ich auch nicht verstehe, ist ein behauptetes „Engagement gegen jedes Infragestellen der Gleichheit von Menschen“. Menschen sind nicht gleich und wollen das auch gar nicht sein, vor allem wollen sie nicht per Staatsgewalt und Förmchen gleich gemacht werden. Ich habe es bis heute nicht geschafft, einen sinnvollen Begriff von Gleichheit zu entwickeln. Gleichheit vor dem Gesetz? Nein, eine individuelle Prüfung ist besser, und dann gegebenenfalls Milderung oder Verhärtung. Gleichbehandlung in der Arbeitswelt? Was soll das sein? Das führt zu so Absurditäten, zwei Menschen als gleich qualifziert zu erachten, wenn sie gleiche Abschlüsse haben. Idiotische Papiergläubigkeit zu ungunsten derjenigen, die womöglich wirklich gut geeignet wären, obgleich vielleicht sogar männlich.

    Dass Leipzig es nicht geschafft hat, eine barrierefreie Unterführung in den Hauptbahnhof zu realisieren, ist dennoch unglaublich peinlich. Auch die jahrelange Praxis, Altbauten verfallen zu lassen, bis sie nicht mehr zu halten sind, und dann die entstehende Lücke Besserverdienern für Stadtvillen zu überlassen, ist alles andere als okay, auch wenn Gerkens dafür geliebt wird – und sich selbst dafür liebt. Wird eine Zeit kommen, in der das Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung als das angesehen wird, was es ist? Verhinderer innovativer, kommerzferner Stadtentwicklung, hörig der Immobilienwirtschaft, Zerstörer von Städtischem Erbe …

    Eigenheim in Leipzigs City? Kein Problem, vergleichsweise günstig. Platz für selbstbestimmtes Leben, etwa im Bauwagen? Zähe, ergebnislose Verhandlungen, Hinhaltetaktik, keine befriedigenden Ergebnisse.

    Gleichheit? Nein.

    Gewaltfreiheit? Wenn die Nichtgleichen die Ungleichbehandler angreifen, dann haben sie meinen Segen! Schwächere sind tendenziell im Recht, auch dann, wenn sie Unrecht haben.

    Burkhard Jung findet, dass alle arbeiten sollen und schickt die einen unterbezahlt in dämlichen Westen zum Bürgerdienst auf die Straße, während andere überbezahlt im Management Städtischer Betriebe immensen Schaden anrichten dürfen, ohne dafür zu haften.

    Ich hoffe übrigens sehr, dass der Einsatz für Kamal – für ein würdiges Gedenken, für die unbeschönigte Anerkennung fremdenfeindlicher Tatmotive – nicht „müssig“ ist, sondern letztlich erfolgreich sein wird, trotz aller Widerstände.

    Vielleicht könnte bei der nächsten Gedenkdemo dennoch ein anderer Sprecher gewählt werden? Der von 2012 war derart voller Hate Speech, dass ich mich beinah auf einer Nazidemo statt bei den Guten wähnte, sorry, das ging echt nicht. Das war unheimlich, unanagemessen, unnötig.

    In viel milderem Umfang kamen mir Bedenken auch bei der Anti-Putin-Demo vor dem russischen Konsulat. Ich weiß nicht, wer da arbeitet. Aber vermute stark, es sind selbstdenkende Individuen. Ich glaube nicht, dass sie Putins Politik gutheißen. Ich glaube, dass man da mit Kommunikation mehr erreichen könnte als mit Frotenbildung und paranoiden „Lasste Euch nicht anquatschen“ Aufrufen.

    Zu guter Letzt sind auch die Wahrheiten über Connewitz – auch mein Viertel! – schwierig. Da wird die harmlose, schon fast traditionelle Wasserschlacht von Polizei und Presse regelrecht kriminalisiert. Da wird aber zugleich Fremden, zumal wenn sie touristisch und – Todsünde – mit Kamera umherspazieren, signalisiert, dass sie unerwünscht sind, mitunter handgreiflich. Das sind Momente, in denen ich mich in alternative Kreise in Hamburg oder New York sehne, wo eine ganz andere Offenheit herrscht. Offen sind linke Kreise in Leipzig nicht. Am ehesten noch die Bäckerei.

  2. Pingback: Der Leipziger Friedenspreis: Drei Jahre und ein einziges Trauerspiel « Kritischer Frieden

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