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Tod eines Geflüchteten in Heim Torgauer Straße in Leipzig – Resultat einer verfehlten Asylpolitik

Der erst 34-jährige Hashim Yasbek aus dem Libanon starb Anfang Mai 2013 in der Unterkunft für Asylsuchende in der Torgauer Straße in Leipzig. Erst nach mehreren Wochen wurde seine Leiche entdeckt.
„Ich bedauere den Tod des jungen Mannes außerordentlich. Er war wie viele andere nach Deutschland gekommen, um ein besseres und sichereres Leben zu führen. Diese Suche endete in der Endlosschleife des Asylverfahrens, in menschenunwürdigen Lebensbedingungen und schließlich im Tod.
Die Situation von Hashim ist kein Einzelfall. Deutschlands Asylpolitik ist eine Asylverhinderungspolitik. Die Menschen, die hierher fliehen, durchlaufen ein entwürdigendes Verfahren, das für die meisten in einer Abschiebung oder dem unsicheren Duldungsstatus mündet (Duldung bedeutet nach § 60a Aufenthaltsgesetz, dass es eine Ausreisepflicht gibt, die wegen Abschiebehindernissen aber nicht vollzogen wird; die Duldung muss regelmäßig verlängert werden und bedeutet einen permanenten Zustand der Unsicherheit). Während des Asylverfahrens dürfen die Betroffenen zunächst nicht arbeiten, müssen von minimalen Sozialleistungen leben in Massenunterkünften wie der Torgauer Straße leben und dürfen sich aufgrund der Residenzpflicht nur beschränkt bewegen.
Diese Zwangssituation ist für viele Betroffene nicht auszuhalten.
Ein wichtiger Schritt, um die Situation zumindest zu lindern, war der Stadtratsbeschluss zur Neuorientierung bei der Unterbringung von Asylsuchenden in Leipzig im Jahr 2012. Kern des Konzeptes ist es die Massenunterkunft in der Torgauer Straße am Stadtrand von Leipzig zu schließen und Asylsuchende in kleinteiligen Wohnhäusern im gesamten Stadtgebiet unterzubringen. So können zumindest die Ausgrenzung an den Stadtrand und die damit verbundene Isolation sowie der Verlust der Privatsphäre  in einer Massenunterkunft vermieden werden. An der schlechten Gesamtsituation von Asylsuchenden, die gesetzlich fixiert und von den Regierenden scheinbar gewollt ist, kann dieses Konzept jedoch nicht rütteln. Zudem verhindert der Freistaat Sachsen, dass Asylsuchende prinzipiell dezentral, das heißt selbstbestimmt in eigenen Wohnungen, leben können.

Die einzige Konsequenz aus dem Tod von Hashim kann es sein, die herrschende Asylpolitik grundlegend zu überdenken. Er war und ist nicht das letzte Opfer dieser inhumanen Gesetzgebung.

Die Stadt Leipzig ist aufgefordert das Unterbringungskonzept weiter voranzutreiben und das Heim in der Torgauer Straße so schnell als möglich zugunsten kleinteiliger und integrativer Wohnformen und vor allem dezentraler Unterbringung zu schließen. Der derzeit avisiserte Zeitpunkt der Schließung der Massenunterkunft im Norden der Stadt – Ende 2014 – ist nicht akzeptabel.
Weiterhin muss darüber nachgedacht werden, Betreibung von Unterkünften und soziale Betreuung in eine Hand zu geben. Die Unterkunft in der Torgauer Straße wird von einer Sicherheitsfirma betrieben, um die Betreuung kümmert sich ein sozialer Träger. Dass es auch anders geht, zeigt das Modell in den Heimen in der Liliensteinstraße und Riebeckstraße.“

Juliane Nagel, 15.8.2013

>>> MDR-Exakt-Beitrag zum Thema

>>> ENDSTATION MIT TODESFOLGE IM ASYLBEWERBERHEIM, Artikel von Jennifer Stange

7 Gedanken zu „Tod eines Geflüchteten in Heim Torgauer Straße in Leipzig – Resultat einer verfehlten Asylpolitik

  1. Falk

    Für mich ergeben sich, aus der Berichterstattung des MDR, einige Fragen.

    Wo waren die vielen Freiwilligen welche Frau Brogiato im letzten Jahr erwähnt hat? Wo waren die Aktivisten von Menschen-Würdig? Wieso lebt Hashim über 10 Jahre als Asylbewerber in Deutschland, obwohl er in seiner Heimat nichts zu befürchten hatte? Der Grund seines Asylantrages war, laut seiner Mutter, er wünscht sich ein besseres Leben in Deutschland. Das ist kein Asylgrund…

    Schuld an seinem Tod war jetzt auf jeden Fall das System. Ich denke Schuld an einem Drogentod ist derjenige welcher die Drogen nimmt. Bei einem Selbstmord ist auch der Selbstmörder Schuld, und nicht das Haus aus dem er springt. Jetzt wird man sagen, dass Hashim Drogen genommen hat weil er in einer verzweifelten Situation war. Das ist sicher richtig. Hier hätte man schon vor 10 Jahren sagen müssen: „Hör zu Hashim, nur weil Dir Deutschland besser gefällt, hast du keinen Anspruch auf Asyl“. Das Asylrecht soll verfolgte und bedrohte Menschen schützen. Und das ist auch gut so.

    Sorge bereitet mir auch was Herr Gillo, in einem dazu geführten Interview, sagt. So ist es für ihn nachvollziehbar und verständlich, dass Menschen sich in einer solchen ausweglosen Situation Drogen, Alkohol und Kriminalität zuwenden. Diese Menschen lernen sehr schnell, dass sie trotz ihrer Handlungen keinerlei Repressionen erfahren. Wie auch. Man kann ihnen ja nichts mehr nehmen, und eine Ausweisung bekommt man aus verschiedenen Gründen auch nicht hin. Das schlimme ist, dass sich um diese Menschen auch kein „Freiwilliger“ kümmern möchte.

    Abschließend stellt sich mir noch eine Frage. Im Beschluss zur „dezentralen Unterbringung…“ ist nicht von einem deutlichen Anstieg der sozialen Betreuung die Rede. Vielmehr wird die Betreuung pro Kopf schlechter werden. Hinzu kommen die Wege, welche durch die Sozialarbeiter zurück gelegt werden müssen. Wie werden solche Schicksale durch eine größere Streuung verhindert? Wer schützt diese Menschen vor sich selbst? Wer schütz das Umfeld vor diesen Menschen?

    Eine Ausweisung, hätte Hashim wahrscheinlich das Leben gerettet…

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  3. rue23

    Auch wenn es ein Tod durch Drogen war, weil sich der Erwaehnte womoeglich eine Ueberdosis gesetzt hat, ist mir unerklaehrlich wie sein Tod erst nach Wochen festgestellt wurde.
    Das ganzeist ein schwieriges und leidiges Thema…
    Manchmal sind es Kreislaeufe.
    Jedoch sollte in einem Asylantenheim die Betreung des Heimes soweit gewaehrleistet sein, das sowas einfach in diesem Ausmass nicht vorkommt.

  4. falcone

    @Falk: Dagegen, dass geflüchtete Menschen in Deutschland so behandelt werden, dass sie nicht nur keine Hilfe erhalten, sondern auch ihr Tod unentdeckt bleibt, hätte die Ausweisung Hashims ganz bestimmt nichts bewirkt, weil sich die kasernierende Art der Unterbringung und das rohe Mittel der Abschiebung nun einmal nicht widersprechen, sondern das eine der Vorbereitung des anderen dient.

    Dein Argument sagt nichts anderes als: Wäre ein verunfallter Mensch schon vor zehn Jahren ins Koma geschlagen worden, wie sich das eben gehört, hätte er später nicht mehr so unvorsichtig vor ein Auto rennen können. Erzählst du so eine stumpfe Scheiße eigentlich auch deinen Kindern? Und wer schützt dich eigentlich vor dir selbst? Ach ja: „Das schlimme ist, dass sich um diese Menschen auch kein ‚Freiwilliger‘ kümmern möchte.“

  5. Falk

    Wäre Hashim ein anerkannter Flüchtling gewesen, hätte er nach mehr als 10 Jahren nicht mehr in einem Heim gewohnt. Er hatte offenbar den Status „geduldet“. Somit wurde er aufgefordert das Land zu verlassen, da es keinen Asylgrund gibt. Diese Annahme bestätigt auch der TV Bericht. Er hätte daher schon vor einigen Jahren die Entscheidung treffen können wieder Heim zu reisen. Hätte er diese Option gewählt, wäre er nicht einsam in einem Heim gestorben.

    Ihnen ist schon klar, dass der Vergleich mit dem Auto etwas wirr ist. Oder?

    Ich würde sagen, das es nicht sinnvoll ist mehrfach gegen eine verschlossene Tür zu rennen, wenn keine Chance besteht das sie sich öffnet. Meine Empfehlung wäre einen anderen Weg zu wählen. Manchmal wäre es sogar sinnvoll einen Schritt zurück zu machen.

    Das sich freiwillige Helfer um Menschen kümmern die diese Hilfe auch wünschen ist nachvollziehbar und auch absolut bewundernswert. Diese Hilfe erreicht aber eben nicht den drogenabhängigen, kriminellen jungen Mann ohne Perspektive. Und hier ist die Frage berechtigt: „Wer schützt das Umfeld, und auch diese Personen?“

  6. Falk der ewige Rassist

    Schön wie selektiv Falk wieder Fernsehn schaut. Ihnen ist ja nicht mal aufgefallen, dass Hashim in Berlin geboren wurde. Aber im völkischen Deutschland mit solchen Mitbürgern wie Falk, kann er natürlich nur ein Ausländer bleiben. Hier gilt ja immer noch weiter das Blutrecht wie im Mittelalter.

    Zu dieser Idiotie passt auch dieser Beitrag: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2013/fluechtlinge341.html

    Jule, kannst du Falk als Kommentator nicht mal kicken? Immerhin hat er jetzt schon mehrmals bewiesen wie rassistisch er ist, dass er nur selektiv liest, nicht auf Argumente eingehen kann und das er so etwas wie Empathie überhaupt nicht besitzt, ausser es geht um sein 1000 jähriges Wahren.

    Ja ja Falk, stimmt alles nicht, ich weiß, sie wissen es ja sicher wie immer besser, weil sie der Schlauste auf der ganzen Welt sind. Nur blöd, dass dies unter all den anderen Artikeln hier nachzulesen ist.

  7. Falk

    Auch dass er in Berlin geboren wurde stellt keinen Asylgrund dar. Wenn ein Flüchtling Asyl sucht, bedarf es eines Asylgrunds. Wenn ich nach Deutschland reisen möchte um Urlaub zu machen oder zu studieren dann benötigt man ein Visum. Evtl. wäre das der richtige Weg für Hashim gewesen.

    Was Sie fordern ist die weltweite Freizügigkeit. Diese wird erst möglich sein, wenn der Kommunismus gesiegt hat. Wenn nur noch der Mensch wichtig ist. Wenn jeder für des anderen Wohl Werte schafft. Alles allen gehört. Religionen gleichberechtig und weltweit untereinander toleriert sind.
    Hiervon sind wir noch sehr weit entfernt. Und so lange das so ist, macht ein realistischer Blick durchaus Sinn.

    Sie gehen ziemlich inflationär mit dem Begriff Rassist um. Aber das macht es Ihnen schön einfach. Sie brauchen sich über eine andere Meinung somit keine Gedanken mehr zu machen. Das erinnert mich an einen Witz zum Thema BSE. Da ruft der Veterinärmediziner auch sofort „BSE“ als eine Kuh mit dem Ohr wackelt…

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