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Runen und Männer, Kunst ist Kunst? oder die Normalisierung faschistischer Ästhetik in Leipzig

Am 4. und 5. Oktober wird in der Theaterfabrik Leipzig das Festival „Runes & Men“ stattfinden. Ein weiterer Anlass für einen eingehenden Blick auf die rechte Neofolkszene, ihre Netzwerke und Locations. Ein weiterer Anlass die Absage derartiger Kulturveranstaltungen zu fordern und an die gesellschaftliche Verantwortung von Kultur zu appellieren.

Nachdem in der Theaterfabrik rechtsoffenen Neofolk-Bands schon des öfteren eine Bühne geboten wurde, soll dies im Rahmen von „Runes & Men“ geballt geschehen. Schon der Name des Festivals ist Programm: „Runes & Men“ (1) ist der Titel eines der bekanntesten und beliebtesten Songs von Death in June (DIJ), die wiederum eine der zentralen rechten Neofolk-Bands ist (2). Im Refrain des Liedes heißt es u.a.: „I drink a German wine And drift in dreams of other lives And greater times“.  („Ich trinke einen deutschen Wein und schwelge in Träumen von anderen Leben und besseren Zeiten.“)
Beim ersten „Runes & Men“-Festival im Dezember 2012 in Dresden gab sich die Band mit ihren von „größeren, deutschen Zeiten“ träumenden Frontman Douglas Pearce auch selbst die Ehre (3) . Ein Jahr zuvor war die Band im Rahmen ihrer Tour zum 30. Jubiläum ebenfalls in Dresden aufgetreten, damals aber noch konspirativ organisiert. Auf solche Heimlichkeit glaubt die Szene inzwischen offenbar verzichten zu können.

In Leipzig wird Death in June zwar fehlen, doch das Line-up dürfte Fans neurechter Ideen und faschistischer Ästhetik nichtsdestotrotz hinreichend Grund zur Freude bieten. Auf der Bühne wollen sich an jenem Oktoberwochenende u.a. die Bands Sol Invictus, Darkwood und Sonne Hagal ein Stelldichein geben, Bands, die in der rechten Neofolkszene wohlbekannt und -beliebt sind. Alle drei Bands präsentierten in der Vergangenheit immer wieder ästhetische und inhaltliche Anleihen an den Faschismus, die nicht kritisch kontextuiert und kommentiert wurden. So schaffen sie eine Grauzone, die Anknüpfungspunkt sowohl für Menschen mit romantisch-antimodernen Weltbild als auch für Neonazis ist. Musik und Bühnenshows verschaffen diesen Identifikations- und Vergemeinschaftsungsangebote – von elitären Überlegenheitsphantasien bis hin zu reaktionären und autoritären Utopien.

 Die Bands:

Darkwood
Darkwood ist eine aus Leipzig stammende Neofolk-Band, die beim Label „Heidenvolk“ aus Dresden publiziert. Gemeinsam mit anderen bekannten Szene-Bands wie Von Thronstahl, Blood Axis, Belborn oder Dernière Volonté beteiligten sie sich 2001 an dem Sampler „Codreanu – Eine Erinnerung an den Kampf“, der nichts anderes als eine Hommage an den rumänischen Faschisten Corneliu Zelea Codreanu, in den 1920/30er Jahren Gründer und langjähriger Führer der terroristischen, faschistischen und antisemitischen Bewegung bzw. Partei „Eiserne Garde“.
Auf ihrer Website ist als Sinnstiftung der Bandgründung verzeichnet: „Das Projekt DARKWOOD wurde aus der Notwende heraus geboren, der Liebe zu unserer Heimat Ausdruck zu verleihen.“

Die Plattencover der Band reden dem Geschichtsrevisionismus recht unmissverständlich das Wort: Ob ein dem NS entsprungener Junge auf „Notwendfeuer“ 2006 oder wiederkehrende Soldatenfiguren („Ins dunkle Land“ 2009 und „Flammende Welt“ 2001) – hier wird militaristische und faschistische Ästhetik plakativ eingesetzt. Von Distanzierung oder Brechung keine Spur, so dass von einem identifikatorischen Einsatz dieser Bildsprache ausgegangen werden muss. In einem Interview schärft Frontmann Henryk Vogel 2009 seinen Heimatbegriff im Zusammenhang mit dem sich im Zuge der Fußball-WM Bahn brechenden Nationalstolz: „Dieser aufkeimende Patriotismus war natürlich ein inszeniertes Medienspektakel, aber dieses inszeniertes Medienspektakel hatte einen positiven Nebeneffekt, nämlich genau den, dass sichtbar wurde, dass ein großes Identitätsvakuum in Deutschland herrscht und dass die Menschen dieses Landes begierig sind, dass diese Vakuum gefüllt wird. […] Nun ist Fußball nicht das Leben und auch nicht gleich Kultur, obschon Tradition, und so könnte doch diese WM als Vorbild dienen für den gesunden Nationalstolz, der uns so abhanden gekommen zu sein scheint.“ (4)

Sol Invictus
An der Spitze dieser englischen Neofolk-Band steht Tony Wakeford, der 1981 bereits gemeinsam mit Douglas Pearce die Band Death in June gegründet hatte. Diese musste er drei Jahre später aufgrund seiner Mitgliedschaft in der britischen Nazi-Partei „National Front“ verlassen. Seit 1987 lebt Wakeford seine elitären und antimodernen Weltabkehrphantasien bei Sol Invictus aus. Von Anfang an gab es bei der Band Bezüge zu Vordenkern der Neuen Rechten wie dem italienischen Faschisten, Esoteriker und „Rassetheoretiker“ Julius Evola und dem jungkonservativen Autor Oswald Spengler Beide sind mit Werken wie „Revolte gegen die moderne Welt“ (1934) und „Der Untergang des Abendlandes“ (1918/1922) wichtige Inspirationsquellen und Identifikationsfiguren für viele NeofolkerInnen . Sol Invictus beziehen sich auf diese Werke mit ihren Stücken „ Against the Modern World“ (1987) und „Death of the West“ (1994). Zwar distanzierte sich Frontmann und Bandmacher Tony Wakeford (erst!) 2007 per 8-Zeiler auf seiner Website von seiner Nazivergangenheit. (5) Die Motivation dafür dürften wohl eher wiederholte Konzertabsagen aufgrund kritischer Interventionen und daraus erwachsene Erklärungsnöte gewesen sein. Seinen AnhängerInnen, die sich zwar vom Habitus von Straßennazis distanzieren, diesen aber in Bezug auf völkische, elitäre und rassistische Denkweisen möglicherweise überlegen sind, dürfte Wakefords knappe Distanzierung von seinen „Jugendsünden“ eher gefallen haben.

Sonne Hagal
Die Band aus Rathenow gehört zu den Neofolk-Bands, die sich mit ihrer Vorliebe für faschistischeÄsthetik, für Runen und nordische Mystik oder mit fragwürdigen Provokationen und Projekten in der Vergangenheit berechtigterweise einen zweifelhaften Ruf erworben haben. Bis 2005 publizierte Sonne Hagal beim Label „Eis & Licht“, das zum Korsortium von S.  Pockrandt gehörte. Dieser kann mit Fug und Recht als zentraler Akteur der rechten Neofolk-Szene bezeichnet werden. Neben „Eis und Licht“ war bis Ende 2010 Herausgeber des Fanzines „Zwielicht“. (6)

Auch sonst zeigte Sonne Hagal keine Berührungsängste mit einschlägigen Akteuren des rechten Spektrums. Unter anderem traten sie 2001 bei einem vom damaligen Neonazi-Szenegänger Christian K. veranstalteten Festival auf und kooperierten 2005 bei einer Veröffentlichung mit Ian Read von Fire & Ice, der mit seinen Sympathien für Faschismus und NS nicht hinter dem Berg hält. Ebenfalls als Konzertveranstalter für Sonne Hagal hat sich mehrmals Uwe Nolte aus Halle hervorgetan, der sich in seinem langjährigen künstlerischen und Veranstalter-Wirken deutlich ins rechte Licht“ gerückt hat. (7)

Der Auftrittsort – Theaterfabrik
Die Theaterfabrik im Stadtteil Leutzsch hat sich in den letzten Jahren zur festen Adresse für die rechtslastige Neofolk-Szene gemausert. Sol Invictus waren hier bereits zu Gast (5.2.2011). Darüber hinaus gaben sich die ebenfalls umstrittenen Bands Dernière Volonté (31.12.2011), Fire + Ice, Sonne Hagal (27.10.2012 ) und Kirlian Camera (25.12.2012) die Ehre, übrigens fast alle vom einschlägig bekannten Veranstalter Equinoxe Organization präsentiert. Über einen der Band Death in June gewidmeten Abend im April 2012 zeigte sich deren Frontmann Douglas Pearce via Internet sehr erfreut. Im Rahmen des Abends stellte der Autor Alexander Nym, ein vehementer Verharmloser von rechten Tendenzen in der Neofolk-Szene (8) , das von ihm auf Deutsch herausgegebene Buch „Verborgen unter Ruinen“ des Italieners Aldo Chimenti über DIJ vor. Für die BesucherInnen gab es neben gecoverte DIJ-Songs auch noch „Ein Gratis Death In June – T-Shirt pro Besucher.“

Eine heftigere Auseinandersetzung gab es um den Auftritt der US-amerikanischen Szenegröße Blood Axis (9) im August 2011 in der Theaterfabrik. Hier war eine Forderung nach Absage des Konzertes erhoben worden, der eine längere öffentliche Debatte folgte. (10)

Die Theaterfabrik wusste auf diese Kritik nichts anderes zu entgegnen als sich von „Antidemokratisch-radikalen welcher Richtung auch immer“ zu distanzieren. O-Ton: „Wir werden uns auch bei diesem, wie bei allen anderen Veranstaltungen, ganz klar positionieren, indem wir schon im Eingangsbereich ggf. sämtliche Zeichen rechts- sowie linkradikaler Vereinigungen wie T- Shirts, Button etc. nicht erlauben werden und durch unsere Security dafür Sorge tragen, dass dieses Konzert nicht zu einem ‚Tummelplatz‘ von radikalpolitischen Gruppierungen wird.“ Zum Konzert selbst, das trotz massiver Kritik stattfinden durfte, hatte die Theaterfabrik zudem Ordnungsamt und Verfassungsschutz eingeladen.
All dies geht am Problem vorbei. Es sind eben nicht einschlägige, VS-relevante Nazi-Symboliken, die den Kern des Problems ausmachen. Der Blick durch die Extremismus-Brille, wie ihn Theaterfabrik-Chef Roy Meißner an den Tag legt, verkleistert eher die Augen für die Probleme, die eine mit dem Faschismus spielende Subkultur induziert.

Wer das mit den genannten und weiteren angeblich „unpolitischen“ Bands verbundene Problem verstehen will, muss tiefer bohren anstatt einen Blick in den Verfassungsschutzbericht zu werfen, dessen Glaubwürdigkeit spätestens mit Blick auf den NSU sowieso infrage gestellt werden muss.

Das Problem: Projektionsfläche für faschistische Ideenwelten
Mit klassischen Stiefel-Neonazitum und plumpen NS-Bezügen hat der rechte Rand des Neofolk im Großen und Ganzen tatsächlich nichts zu tun. Trotzdem ist es sicher kein Zufall, dass sich bei entsprechenden Konzerten auch zahlreiche AnhängerInnen von NPD und Freien Kräften tummeln.
Diese Differenzierung ergibt sich auch aus der Betrachtung der historischen Verortungen und Anknüpfungspunkte, deren sich die entsprechenden NeofolkerInnen bedienen. Dies sind beispielsweise Nationalkonservative und rechte EsoterikerInnen.

Von Protagonisten der so genannten Konservativen Revolution (11) gab es in den 1930er Jahren durchaus Abgrenzungsbestrebungen gegenüber dem Nationalsozialismus. Den National- bzw. Jungkonservativen in der Weimarer Republik war der NS einfach zu „primitiv“ und „dumpf“. Einzelne VertreterInnen wurden im Zuge der Säuberungsaktion infolge des angeblichen „Röhm-Putsches“ 1934 ermordet. Oswald Spengler brach danach mit dem Nationalsozialismus.
Auch zwischen NSDAP und rechts-esoterischen Bewegungen, die NeofolkerInnen aufgrund ihrer Bezüge zu Neuheidentum und germanischer Mythologie als Bezugspunkt gilt, gab es ein spannungsgeladenes Verhältnis, das mit der Verfolgung auch völkisch-esoterischer Akteure einherging.

Zu gern betonen Neofolk-Akteure diese historischen Differenzen, wenn sie mit ihrem Hang zur Verherrlichung des Faschismus konfrontiert werden. Hinzu kommen Erklärungsmuster vom eigenen Unpolitisch-Sein, von künstlerischer Freiheit und Provokation.
Dem ist zu entgegnen, dass ein Verzicht auf bewusste Brechungen, Ironisierungen, Übertreibungen oder Kontextuierungen eben zur Propagierung und gesellschaftlichen Reetablierung faschistischer Symboliken und Formen und damit auch Ideenwelten führt. Denn Kunst ist niemals nur Kunst, sie bewegt sich in einem gesellschaftspolitischen Gesamtzusammenhang. Kunst bietet Identifkationsangebote, die gesellschaftspolitisch wirken und damit über die reine ästhetische Rezeption hinausgehen.

Die entkontextualisierte und kritiklose Präsentation faschistischer Ästhetik birgt so die Gefahr der Verherrlichung zentraler Motive der faschistischen Weltanschauung in sich. Die Gefahr die Nation als natürlich gewachsenes, kulturell homogenes Gebilde misszuverstehen und zu idealisieren, traditionelle Bindungen und reaktionäre Abhängigkeiten gegen die vermeintlich zerstörerische Moderne also hierarchische Abhängigkeit gegen das Leitbild von Freiheit und Gleichheit zu setzen.

Sich dieser Kritik endlich zu stellen, ist unsere Forderung an die Theaterfabrik. Wir erwarten, dass der Geschäftsführer der Location, Roy Meißner, eine ernsthafte Auseinandersetzung vorantreibt anstatt sich in oberflächlichen, am Kern der Problematik vorbeigehenden Abwehrreflexen, zu ergehen. Wir erwarten, dass KünstlerInnen, die die Theaterfabrik für ihre Darbietungen nutzen, eine Positionierung einfordern und sich damit selbst positionieren.

Wir fordern, dass der Präsentation faschistischer Ästhetik ein Ende gesetzt wird. Kunst bewegt sich immer in einem gesellschaftlichen Kontext und hat damit eine gesellschaftliche Verantwortung. Indifferenz gegenüber oder gar Verherrlichung faschistischer Ideenwelten dürfen nicht mit dem Plädoyer für künstlerische Freiheit legitimiert werden.

Eine mögliche Konsequenz dessen wäre die Absage von „Runes & men“.

Denn die Verklärung des Faschismus, wie sie die vorgenannten Bands betreiben, ohne dessen antiegalitäre, antidemokratische und letztlich gewaltvollen Charakter zu problematisieren, ist und bleibt gefährlich. Sie bietet Raum und Anknüpfungspunkt für ewig Gestrige und antimoderne EskapistInnen und für handfeste Neonazis.

Fußnoten:

  1. Der dem Festival seinen Namen gebende Song „Runes & Men“ erschien erstmalig im Jahr 1987 auf dem Album „Brown Book“ von Death in June, welches von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wegen nationalsozialistischer Tendenzen indiziert wurde. Das Album enthielt u.a. auch eine Vertonung des „Horst-Wessel-Liedes“, der inoffiziellen Hymne des NS-Regimes. In „Runes & Men“ ist im Hintergrund eine Rede des SA-Stabschefs Viktor Lutze eingespielt: Darin wird die Ermordung der Führungsriege der SA inklusive ihres Anführers Ernst Röhm sowie weiterer als feindlich angehsener NSDAP-Protagonisten und Nationalkonservativerdurch das NS-Regime im Zuge des so genannten Röhm-Putsches im Juni 1934 gerechtfertigt. Auf diese Säuberungswelle spielt auch der Name der Band („Tod im Juni“) an.
  2. Texte und Auftreten von Death in June sind von einer faschistischen Ästhetik geprägt und sparen nicht mit Bezügen zum Nationalsozialismus.
    Sowohl in Bühnenshows als auch auf Veröffentlichungen kokettieren Death in June immer wieder mit NS-Symboliken wie dem SS-Totenkopf oder der Schwarzen Sonne. Erwähnenswert ist auch der Song „Rose Clouds of Holocaust“ , in dem der Holocaust als „bittere Lüge“ bezeichnet wird.
  3. siehe Beitrag des Antifa Recherche Team Dresden vom 6.12.2012: http://venceremos.sytes.net/artdd/artikel/co/rechtes-neofolk-konzert-in-dresdner-party-location.html
  4. Interview mit dem Metal- und Gothic-Webzine obliveon, November 2009 http://www.obliveon.de/pn-om/modules.php?op=modload&name=tplhome&file=index&req=showcontent&id=9829, eingesehen am 6.4.2013
  5. A Message from Tony“, archiviert unter http://web.archive.org/web/20110524205737/http://www.tursa.com/message.html
  6. Die Vorläufer von „Zwielicht“ waren bis 1993 bis 2000 „„Sigill – Magazin für die konservative Kulturavantgarde Europas” bzw. bis 2006 „Zinnober“.
  7. Einen guten Überblick bietet der Artikel „Absage für Nolte wird zur Debatte über Kunstfreiheit“ aus der Mitteldeutschen Zeitung vom 10.2.2013, http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/sitte-galerie-absage-fuer-nolte-wird-zur-debatte-ueber-kunstfreiheit,20641266,21812542.html, eingesehen am 2.5.2013
  8. Beispielhaft dafür stehen Aussagen im Interview „Verborgen unter Runen: Ist Death in June eine rechte Band oder was ganz anderes?“ (Leipziger Internetzeitung, 24.2.2012 http://www.l-iz.de/Kultur/Musik/2012/02/Verborgen-unter-Runen-Ist-Death-in-June-Alexander-Nym-Interview-40351.html), in dem Nym das Wirken von Death in June u.a. als cleveres „Geschäftsmodell“, das von diesem Nimbus des Ominösen lebt“ und als „verstörende Ambilvanz“ entpolitisiert und bagatellisiert. In „Leipzig exklusiv“ bezeichnete im Mai 2012 den Drang von Nazis in die „schwarze Szene“ als „bösartiges Gerücht“ (http://www.leipzig-exklusiv.de/von-schwarzromantikern-fusballfreunden-und-ps-affinen-die-topthemen-der-aktuellen-ausgabe).
    In seinem eigenen Buch „Schillerndes Dunkel“ (Plöttner Verlag 2010) gibt Alexander Nym auch dem neurechten Verleger Pockrandt sowie Martin Lichtmesz, Autor für die neurechte Postille Junge-Freiheit sowie das Debatten- und Theorieorgan des rechten Instituts für Staatspolitik, Sezession, Platz sich über „Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene“ auszulassen.
  9. Der Sänger und Begründer der Band, Michael Moynihan, gilt als Beförderer neuheidnischer und rechter Esoterik. Die Grenzen zur Verherrlichung nationalsozialistischer Ideologie wurden von Moynihan in seinem Wirken als Verleger, Publizist und Musiker immer wieder überschritten. Sowohl der Name als auch die Symbolik der Band sprechen eine klare, den Faschismus verherrlichende Sprache. Moynihan ist u.a. Mitherausgeber des neuheidnischen Magazin TYR, in dem auch der neurechte Vordenker Alain de Benoist schrieb.
  10. Diese wurde vor allem in der Leipziger Internetzeitung ausgetragen, siehe http://www.l-iz.de/Allgemeines/Suche?searchfield=Blood+Axis&find.x=0&find.y=0.
    In der Leipziger Volkszeitung kam in diesem Zusammenhang der renommierte Kenner der Szene Martin Langebach zu Wort, archiviert an dieser Stelle: http://gamma.noblogs.org/archives/526 und im Mai 2012 fand unter der Fragestellung „Faschistische Ästhetik? eine Podiumsdiskussion statt, http://engagiertewissenschaft.de/de/enwi-veranstaltung/Podiumsdiskussion_Faschistische_Aesthetik
  11. Als Konservative Revolution wird die geistig-politische Sammelbewegung jungkonservativer Kräfte in der Weimarer Republik bezeichnet, die sich für einen autoritären Staat einsetzten und den liberalen Werten der Weimarer Demokratie deutlichen Widerstand entgegenbrachten. Die ideologisch durchaus viefältige Konservative Revolution einte die Abgrenzung sowohl von den Ideen der Französischen Revolution und der Aufklärung wie von bloßer Restauration und die Forderung nach einer „neuen abendländischen Einheit unter deutscher Führung“. Trotz Differenzen und teilweiser Verfolgung der Protagonisten der Konservativen Revolution im NS kann ihre Ideenschule als deutsche Variante des Faschismus und wegbereitend für den NS betrachtet werden. Wichtige Protagonisten waren Ernst Niekisch, Oswald Spengler und Edgar Julius Jung. Heute ist die Konservative Revolution ein zentraler Bezugspunkt für die Neue Rechte.

Jule Nagel/ Ladenschluss-Bündnis, Mai 2013

25 Gedanken zu „Runen und Männer, Kunst ist Kunst? oder die Normalisierung faschistischer Ästhetik in Leipzig

  1. Jemensch

    /// […] Album “Brown Book” von Death in June, welches von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wegen nationalsozialistischer Tendenzen indiziert wurde. […]

    Das hielt Firmen wie Amazon bis vor ein paar Jahren nicht davon ab dieses Album im Internet zu verkaufen gleichwohl mehrerer Hinweise von mir, dass es sich bei der Darstellung des Covers um einen Straftatsbestand nach § 86 a ff. handelte. Das T Shirt dazu („Totenkopf“) kann mensch immernoch dort kaufen. Danke für den aufschlussreichen Artikel.

    M.

  2. Stefanie Pelemann

    Hallo Frau Nagel, da ich die Band Sonne Hagal eigentlich mag und beide Studioalbem besitze:
    Wo findet/ finden sich die „Vorliebe für faschistischeÄsthetik“ und wo, oder was sind „fragwürdige Provokationen und Projekte“ aus „der Vergangenheit“?
    Für eine öffentlich einsehbare Antwort an dieser Stelle wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    Mfg

    Stefanie Peleman

  3. Die Braunhaarige, die bunt ist

    Weil es im Refrain heißt ‚“Ich trinke einen deutschen Wein und schwelge in Träumen von anderen Leben und besseren Zeiten.” wird hier der Sänger zu einem ‚von „größeren, deutschen Zeiten“ träumenden Frontman‘. Das ist bezeichnend für den ganzen Artikel. Ich halte die linksextreme Szene für fast noch gefährlicher als die rechte, da sie im Handumdrehen Personen derart in Verruf bringt, dass sie für ihr ganzes Leben gebrandmarkt sind, obwohl die Anschuldigungen aus verdrehten Tatsachen und „wissenschaftlich“ unterlegten Halbwahrheiten bestehen, aber in einem „fachlich fundierten“ Text als „das große Gute“ verkauft werden. Schnell wird man zu gut im Steinewerfen. Gab es nicht auch einmal eine Zeit, in der alles verbrannt wurde, was rothaarig war…!?

  4. luna Beitragsautor

    @ Stefanie
    Die fragwürdigen Connections reisse ich ja an im text. das reicht nicht? (weiteres hier http://www.blackfleck.srv04.yopeho-server.de/phpBB/viewtopic.php?t=386)
    über inhaltliche fragwürdigkeiten müssen KennerInnen der Szene schon selbst urteilen, wenn sie einen kritischen Blick behalten wollen. Aber neben den eindeutigen Connections sprechen Runen- oder germanische Götter-Anbeterei,Eurozentrismus .. nicht gerad für die Band. Wie ich im Text darstelle gehts mir nicht darum diese Tendenzen in eine klare Naziecke zu stellen: mir gehts darum auf die Gefahren von Indifferenz, Vermeidung von klaren Positionierungen verkoppelt mit rückwärtsgewandten, elitären, faschistoiden künstlerischen Darstellungen hinzuweisen. Verweisen kann ich vielleicht konkret noch auf „Odin“. Selbst nachhören bzw sicher bekannt.

  5. luna Beitragsautor

    @ Die Braunhaarige, die bunt ist
    ja dieser text dürfte ja schon ausreichen, wenn mensch sensibiliert ist.
    verstehe den rest der unsachlichen einlassung nicht. was ist denn schlimm daran auf die subtile propagierung von ungleichwertigkeitsdenken hinzuweisen, die in einer rechten neofolkszene vorzufinden ist. das ist notwendige skandalisierung einer gewollten werteverschiebung nach rechts, weg von emanzipatorischen werten hin zu blut,boden, homogenität etc.
    und am ende provokant gefragt: es gab vor allem in der deutschen geschichte zeiten, in denen alle vergast wurden, die jüdisch, behindert, oder vermeintlich vagabundierend und arbeitsscheu (sinti und roma) waren. die, die ein unversalistisches weltbild hatten (also kommunistInnen, sozialistInnen und zt christInnen), denen ging es genau so.

  6. Frank Draven

    „Die fragwürdigen Connections reisse ich ja an im text. das reicht nicht? (weiteres hier http://www.blackfleck.srv04.yopeho-server.de/phpBB/viewtopic.php?t=386)
    über inhaltliche fragwürdigkeiten müssen KennerInnen der Szene schon selbst urteilen, wenn sie einen kritischen Blick behalten wollen.“
    Frau Nagel, ich bitte Sie! Ist das Ihr Ernst, dass Ihre inhaltliche Recherche zu diesem Thema auf Informationen aus einem x-beliebigen Forum fußen, dessen Thread, der geschätzt von 7 Personen geführt wird, sich auch wiederum auf andere ähnliche Verweise beruft? Das dreht sich doch im Kreis, das Internet ist voll davon und hat schon etwas von Verschwörungstheorie.
    Ich hätte gerade von Ihnen, als Mitglied des Stadtrates, erwartet nicht in solch eine Falle zu tappen.
    Denn: Sie posten hier auf Ihrer offiziellen Seite, wälzen die Einschätzung des Inhaltes allerdings auf „KennerInnen“ einer Szene ab. Ihren Ausführungen zur Folge sind diese jedoch wohl kaum an der Politik Ihrer Partei interessiert und werden sich hier auch nicht hinverirren.
    So nimmt die/ der Lesende (-n) NichtszenekennerInn Ihren Artikel als eine fundierte Recherche wahr und erhält ein mehr als verzerrtes Bild eines Kontextes mit dem Sie sich offensichtlich nicht besonders auseinandergesetzt haben. Emanzipation geht anders!
    Ich hoffe, dass Ihre tägliche politische Arbeit nicht auf gleichen Prinzipien beruht. Falls doch, habe ich vor 4 Jahren mein Kreuz nicht an der richtigen Stelle gemacht.

  7. Moi

    @ Frank Draven: Der Verweis auf das Anti-Nazi-„Braunbuch“ aus der DDR hilft nicht unbedingt, um den Künstler besser zu „verstehen“. Soweit das überhaupt möglich (und erstrebenswert) ist, sollte man dafür doch bitte seine konkreten Äußerungen in Songs, Interviews usw. heranziehen. Das DIJ-Album wurde schließlich nicht aufgrund seines nicht gerade originellen Titels („Brown Book“) indiziert und kritisiert, sondern aufgrund der darauf befindlichen Lieder/Texte.

    @ Rotbraun: Durchaus lesenswerter Text, der sich zumindest mal mit einen Vorfall bei einem Konzert (in der Theaterfabrik) kritisch auseinandersetzt. Allerdings sind das Problem nicht in erster Linie einige „siegheilende“ Idioten (und sich davon nicht distanzierende Bands), die eine „unschuldige“ Szene in Verruf bringen — sondern die von einigen Bands und Künstlern dieses Genres seit jeher vorgebrachten Inhalte und Anschauungen. Es geht also nicht (nur) um eine zurückzuweisende „Unterwanderung“. Zur Einordnung von Nyms Artikel empfiehlt sich auch der kurze Vorspann (und die Kommentare) dazu auf diesem Blog: http://www.whomakesthenazis.com/2012/02/alexander-nym-call-to-arms.html

    @ Bunte Braunhaarige: Von welchen „besseren Zeiten“ ist denn deiner Ansicht nach in „Runes & Men“ die Rede? Legen der darin enthaltene Ausschnitt aus der Rede des SA-Mannes, das von Ian Read auf dem Album vorgetragene „Horst-Wessel-Lied“ usw.usf. nicht eine gewisse Lesart nahe? Alles bloßer Zufall oder eine bösartige Interpretation?

    @ Frank Draven (again): In dem Text werden ja vielfältige Verweise und Belege angeführt, warum beziehst Du dich nicht darauf (statt auf den Eintrag in dem Forum, auf das Jule erst nachträglich verwiesen hat)?

    Generell: Sicher kann man über einzelne Details und Bands diskutieren (endlos). Aber: Was habt ihr, die ihr euch als Fans dieses Genres psoitioniert, denn grundsätzlich zu der vorgebrachten Kritik zu sagen? Warum bezieht ihr dazu nicht mal Position? Warum das ständige Ausweichen auf Nebenschauplätze?

  8. grrrlghost

    „Aber neben den eindeutigen Connections sprechen Runen- oder germanische Götter-Anbeterei“ Das lese ich sehr kritisch, denn es gibt gerade in der germanisch-heidnischen Szene große Bewegungen, die gegen rechts kämpfen und sich politisch eindeutig links verordnen. Runen und Polytheismus sind prinzipiell nicht rechts, erst falsche/ideologische Verwendung führt dazu. Das bitte beachten, sonst ist schnell die ganze Heidenszene über einen Kamm geschert…

    Mit allem anderen gehe ich allerdings d’accord.

  9. Frank Draven

    @Moi
    Ich finde schon, dass dieser Verweis zum Braunbuch hilft. Da Sie mir nahelegten auf konkrete Äußerungen zu verweisen, hier die eigenen Worte: http://www.deathinjune.org/wiki/index.php?title=Article:Statement1 „the title comes from the name of the book the Communist authorities of former East Germany kept listing ex-members of the N.S.D.A.P. and S.S. etc. and their positions held in government and other work places in West Germany. A thought provoking song with many contradictory themes which is typical of Death In June.“
    In diesem Statement wird auch Ihre Frage an die „Bunte Braunhaarige“ beantwortet.
    Das ganze zu finden hat mich übrigends 5 Minuten Google- Recherche gekostet – soviel Zeit sollte auch Sie und Frau Nagel haben.

    Was „zu der vorgebrachten Kritik“ zu sagen ist-
    Als Beispiel Zitate aus Frau Nagels Text:
    – „Ein weiterer Anlass für einen eingehenden Blick auf die rechte Neofolkszene…“ Das impliziert von vornherein gewollt eine Verurteilung der Zuhörer und Künstler.
    Hier wird nicht analysiert sondern festgelegt.
    – Die Braunhaarige, die bunt ist – hat es schon erwähnt – das bewußte Verdrehen von Sätzen ergibt einen neuen negativen Kontext.
    – Und: „Denn Kunst ist niemals nur Kunst, sie bewegt sich in einem gesellschaftspolitischen Gesamtzusammenhang. Kunst bietet Identifkationsangebote, die gesellschaftspolitisch wirken und damit über die reine ästhetische Rezeption hinausgehen.“ Das ist die lächerliche Negierung Ad Reinhardts Zitats „Art is art. Everything else is everything else.“

    Eine ernsthafte Auseinandersetzung sieht so jedenfalls nicht aus und widerspricht nun einmal jeglicher Streitkultur.

    Und jetzt zum Schluß frage ich mich: Was soll dass hier alles? Warum sind Menschen so verdammt nocheinmal dermaßen daruf versessen eine kleine popelige Subkultur zu dämonisieren? Ist das fehlendes Ego? Langeweile? Fehlende Liebe? Wer oder was ist der/ die/ das Nächste?

  10. Stefanie Pelemann

    Hallo Frau Nagel, ich habe nach den „Provbokatinen und Projekten“ gefragt.

  11. drieu

    „Aber: Was habt ihr, die ihr euch als Fans dieses Genres psoitioniert, denn grundsätzlich zu der vorgebrachten Kritik zu sagen? Warum bezieht ihr dazu nicht mal Position? Warum das ständige Ausweichen auf Nebenschauplätze?“

    Zu welcher Kritik denn?
    Zu Eurer Interpretation von Texten, die letztendlich nur Auskunft über Euch geben?
    „Brown Book“ bspw. wurde damals im ME/SOUNDS und SPEX besprochen – die Rezensenten entschlüsselten das Album vollkommen anders. Mir geht es genauso – warum soll Eure Interpretation die richtiger sein?

    Welche künstlerische Arbeit von SOL INVICTUS aus den letzten 20 Jahren könnte als Beleg herhalten, daß er seine Distanzierung (die im übrigen nicht die erste oder letzte war) nicht ernst gemeint hat? Wisst Ihr überhaupt, wovon Ihr hier redet und über wen oder was Ihr Euch ein Urteil anmaßt?

    Ansonsten das klassische Namedropping mit den berühmten Folgefehlern derjenigen die abschreiben, anstelle selbst zu denken. Eurer Motto: A hat mal mit B gearbeitet, B dann wieder mit C, C ist „Rechts“ oder „böse“ … und deswegen ist A auch ganz „rechts“, „Böse“,…
    Die Buchstaben werden dann je nach Anlass getauscht.

    Das Buch SCHILLERNDES DUNKEL setzt sich auf verschiedenen Ebenen mit dem Thema auseinander und beantwortet durchaus auch die Kritik. Habt Ihr es überhaupt gelesen?

    Zudem: es gab nie eine politische Neofolk-Szene, nie einen Konsens. Es war immer ein kulturelles Ding. Das schließt nicht aus, daß der ein oder andere Politakteur die Szene versuchte für seine Zwecke zu instrumentalisieren (versucht Ihr ja auch), aber so ist das Leben.

    Jeder nach seiner Facon!

  12. Jemensch

    Hello again,
    müßig sich an bestimmten Positionen abzuarbeiten/abarbeiten zu müssen. Eine Provokation in der Kunst ist eine welche jederzeit zurückgenommen werden kann, wo Klarheit darüber besteht das eine Provokation und nicht nur zur Schaustellung eindeutig uneindeutiger Semantiken besteht. Das war bei KISS so und ist es auch bei (soweit ich das einschätzen kann) Laibach so. Bei DIJ sehe ich hingegen keinerlei Interpretationsspielräume. Inhalt und Form sind eindeutig mehr als nur Provokation- die Formsprache besticht sehr eindeutig durch Anschlussmgl.keiten an ein (wenn mensch das so bezeichnen will) rechtsextremes Milieu. Herr Draven, stellen Sie sich doch bitte mal eine Minute vor wie das für die jüdische Gemeinde Leipzig jedes Jahr zu Pfingsten aussieht wenn mit SS Uniformen und DIJ (ich weiche mal auf diese Formsprache aus) Symbolik Menschen auf der Straße umherlaufen. Also genau mit der Symbolik mit welcher sich bereits die Peiniger in den Konzentrationslager des DR schmückten! Ihr Hinweis mit dem Braunbuch welches im Übrigen sogar vom Neurechten Götz Aly einer genaueren Untersuchung anheim fiel und „bestand“ ist doch lediglich ein schlechtes Ablenkungsmanöver. Argumentieren sie wirklich so billig und meinen „Bestand“ zu haben? Kenntnisse über Geschichte und deren Zusammenhänge erfährt mensch überdies nicht bei „google“ sondern durch jahreslanges Studium- und um mal in der Sprache der Zeit zu bleiben- um Nazibullshit zu erkennen reicht es völlig aus den ns-ästhetisierenden Anspruch von DIJ zu benennen und zu enttarnen. Ein SS Totenkopf auf einem CD Cover ist geschmacklos genug. Warum kaufen denn Leute diese CDs? Bestimmt nicht nur zur geistigen Erbauung und mit Aha Effekt im Hinterkopf, „oh das ist ja garnicht so gemeint“ sondern weil sie sich an SA Liedern und dessen Propagierung frohlockend in ihrem braunen Selbstverständnis suhlen. Widerlich! Wenn sich wirklich etwas ändern soll in der hier beschriebenen Subkultur dann müssen die Macher_innen von selbst daran tun die Ärmel hochzukrempeln. Und ja, nicht jede_r „Neuheid_in“ ist ein „Nazi“- komisch nur das „andere“ nicht so bekannt sind. In den Worten eines Konzertveranstalters mit dem ich mal sprach: „Black Metal – mensch muss es den Nazis einfach nur wegnehmen, ich organisiere jetzt ein Black Metal Konzert mit anarchistisch vegan ausgerichteten Black Metal Bands“. Also, nur zu! Es wäre doch toll wenn mensch in Leipzig durch braunen Sumpf nicht mehr belästigt werden würde.

    Jemensch

  13. Pingback: Runen und Männer, Kunst ist Kunst? oder die Normalisierung faschistischer Ästhetik in Leipzig

  14. Willy Wonka

    Dieser Text ist mal wieder eine einzige Hetze gegen die gesamte Neofolk-Szene voller Vorurteile und unbegründeter Unterstellungen. Speziell was die Band Sonne Hagal betrifft, gibt es keinen einzigen stichhaltigen Beweis dafür, dass sie etwas mit rechter Ideologie am Hut haben. Aber hey, sie benutzen Runen und bedienen sich teilweise der nordischen Mythologie, damit MÜSSEN sie doch einfach Nazis sein, wie soll es denn anders sein?!
    Nur mal so am Rande: Sonne Hagal haben schon vor Jahren ein eindeutiges Statement gegen Nazis auf ihrer MySpace-Seite veröffentlicht. Hab das gerade mal rausgesucht:

    „in light of recent events:

    dear „friend“ and listener,

    whilst you enjoy our art and music please have in mind that we’re not involved in political issues, especially no right-winged. So, if you’re a kind of nazi-scum: fuck off and die!“

    Sonne Hagal, 2008

    Was Sol Invictus angeht: Tony Wakeford hat sich schon lange von der rechten Szene distanziert und hat hierzu auch ein Statement herausgegeben:

    „A Message from Tony

    For the few who are interested in such things,

    Many years ago I was a once a member of the National Front. It was probably the worse decision of my life and one I very much regret.

    However, I have no connection with, sympathy for, or interest in those ideas nor have I had for around 20 years.

    A number of friends and musicians whom I work with (including my wife of 8 years), my bass player, my percussionist and engineer/producer, would be at best discriminated against or at worse dead if a far-right party took power.

    None of the artists I work with hold such views either, and I doubt they would want to work with me if they thought I did.

    I am willing to discus this matter privately with friends and associates and with those who are genuinely interested in my music or wish to work with me.

    However, this is the last public statement I plan to make on the subject. I am too fat to jump through hoops for people.

    In the end people will either have to believe me or not.

    Tony Wakeford
    14 February 2007“

    Im Übrigen ist Wakeford mit einer Jüdin verheiratet und in seiner Band Sol Invictus ist auch ein lesbisches Pärchen Mitglied.

    Und es gibt noch unzählige weitere Gruppen aus dem Neofolk-Bereich, die sich in Statements von rechter Ideologie distanziert haben (Current 93, Lux Interna, Of The Wand And The Moon usw.).

  15. Lübecker Neofolker

    Leider ist der Artikel sehr einseitig und quasi null recherchiert. Er zitiert lediglich die üblich platten Vorwürfe, die sich fast alle entkräften lassen – insofern man sich die Mühe macht und ernsthaft mit dem Thema beschäftigt.

    Nur ein Beispiel: Tony Wakeford sagte mit zwei anderen Bands (Rome und ORE) ein für 2013 bei Magdeburg geplantes Konzert ab, als bekannt wurde, das „Spreu und Weizen“ mit im Lineup standen. Letztere ist berechtigter Weise eine Band mit fragwürdigem Weltbild. Jedoch ist es schon ziemlich lächerlich, den mit einer Jüdin verheirateten, sich gegen Homo- und Xenophobie aussprechenden Tony Wakeford noch immer in eine rechtsextreme Ecke drängen zu wollen.

    Sonne Hagal kann man ohne weiteres eine romantisch-kitschige Natur vorwerfen, die Ästhetisierung des Faschismus ist mir bisher entgangen – es sei denn, das man die Verwendung von Runen schon als „Deutschtümmelei“ benennen mag. Dies geschieht inzwischen ja zumindest in Bezug auf Mittelaltermärkte (z.B. das „Heidnische Dorf“ im Rahmen des WGT – aber das ist ein anderes Thema).

    Darkwood anzukreiden, das ein Beitrag vor 12 Jahren (!) zu einem Sampler beigetragen wurde, den Mensch skeptisch beäugen sollte ist eine Sache – daraus einen Beweis zu stricken um pauschal einem Festival und seinen Besuchern eine „Faschist-rechtsextreme Gesinnung“ zu unterstellen zeugt nicht nur von einer schwachen Beweisführung, sondern zeigt wie dünn die Argumente und Vorwürfe sind.

    Ich freue mich jedenfalls auf das Festival – und hoffe das es friedlich bleibt und weder Nazideppen noch Antifa-Faschisten für Stunk sorgen. Hat in Dresden gut geklappt, so das Neofolker, Gothics, Punks und einige bunt gekleidete Menschen ein tolles Konzert erleben konnten.

    Bleibt auch zu hoffen, das in Zukunft besser Recherchiert wird…

  16. quenne

    war denn die liebe Juliane Nagel irgendwann mal auf einem der konzerte? ich denk mal nich,sonst würde sie nicht so nen bullshit(sorry,aber anders kann ich es nicht beschreiben)in die welt setzen….ach ja: auf dem von ihr angesprochenen tittel „brown book“ befindet sich übrigens auch ein sample aus dem film „die welt in jenem sommer“!!!!!

  17. NF-Hörer

    Ich glaub ein Problem ist, das bei ihnen ein in rosa Watte getauchtes Idealbild von Kunst & Kultur herscht. Ein Künstler ist zunächst einmal ein Arschloch wie jeder Andere auch, ist er es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, bestehen gute Chanzen das er es noch wird. Nichtsdestotrotz versuch ich sein z.B. musikalisches Schaffen unabhängig davon zu sehen. Klappt nicht immer aber meistens. Douglas Pearce (DIJ) ist ganz sicher heutzutage ein rechtslastiger Spinner, obwohl er ja früher beinharter Trotzkist war. Seine Röhmfantasien interessieren mich nicht im Geringsten, aber ich denke zuallererst ist dieses Einsetzen von Symbolik einmal Vermarktungsstrategie. Und die funktioniert. Auch dieser Artikel wird wieder einige Neu DIJ Hörer produzieren. DIJ wahren zu Anfangszeiten musikalisch relevant für mich. Was er jetzt macht ist vielfach langweilig. Tony Wakeford (Sol Invictus)verzichtet seit vielen Jahren komplett auf NS-Bezüge. Da ist nichts mehr.
    Mit Sonne Hagal hab ich mich nie beschäftigt weil zu langweilig, wären da noch Darkwood, sicher keine Tocotronic, natürlich kann man manche Texte als nationalistisch interpretieren, muss man aber nicht… Man kann auch den Islam in der ISIS Lesart interpretieren, muss man ihn deshalb verbieten? Als denkfähiges Individuum kann man sehr wohl selbst entscheiden und abwägen.

  18. Ralph

    Sehr geehrte Frau Nagel,

    ich bin links,

    ich mag Neofolk.

    Ich setze mich seit einem Jahrzehnt mit den Bands und mit dem Thema auseinander.

    Aufgrund Ihres Artikels habe ich die Partei, der sie angehörten, zum ersten Mal seit vielen Jahre nicht mehr gewählt.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Ralph.

  19. luna Beitragsautor

    Das ist schade. Wäre auch möglich gewesen darüber zu sprechen und zu diskutieren, anstatt dies im Nachhinein so zu formulieren.

  20. baldy

    Der gleiche Ton der hier zum Thema verwendet wird, erlebte ich auch einmal bei einer Buchbesprechung in Jena. Jenes Buch „Äshtetische Mobilmachung“ vorverurteilt hier genauso wie der Eingangsartikel in einem Ton, den ich schon als diffamierend bezeichne. Aus welchem Grund muss man sich denn für eine subjektive Meinung aus einem politischen Lager rechtfertigen? Weil jenes politische Lager für sich den Wahrheitsanspruch vereinnahmt? Würde man im Tiefen der linken graben, findet man sicherlich auch heute noch fragwürdige Personalien. Für die sich auch der Verfassungsschutz interessiert. Ich denke man sollte erstmal vor der eigenen Haustür kehren bevor man andere kritisiert über die man noch weniger weiss als über sich selber. Im übrigen das Buch „Ästhetische Mobilmachung“ wurde hauptsächlich von Neofolk-Hörern gekauft. Soviel Offenheit für differenziertes Denken sucht man in der linken Szene seit Jahren vergeblich.

  21. Marz04

    Ich wähle seit Jahren „Die Linke“ (vorher DKP und SPD) und höre noch länger Neofolk. Ich steh auf die Musik und die Ästhetik. Ich mag das „auf-dem-schmalen-Grat-Wandern“ der Bands. Man kann mich vielleicht bezichtigen, dem Großteil der Menscheit kein großes Vertrauen entgegenzubringen, jedoch geschieht dies unabhängig von Religion, Hautfarbe, Kultur oder Staatszugehörigkeit! Die meisten Neofolkbands bezeichnen sich als unpolitisch oder beziehen sogar Stellung gegen Rechts! Dazugehörige Zitate waren den Kommentaren schon zu entnehmen. DIJ wird von Fr. Nagel als eindeutig rechte Band beschrieben. Wieso hätte dann Tony Wakeford als zeitweiliger Anhänger einer nationalistischen Partei diese Band verlassen müssen? Ironie wird vermisst? Douglas P ist homosexuell und antwortet auf die Frage nach politischer Gesinnung „Ich lutsche am liebsten weiße Schwänze!“ Mehr Ironie geht wohl nicht! Das Horst-Wessels-Lied auf „Brown Book“ zeigt eindeutig die Schrecken des Naziregimes auf und ist ein wertvolles Tondokument. Die vorangestellten Samples (das kleine Mädchen, das sich von Eisscholle zu Eisscholle hangelt, während diese immer kleiner werden: „Man rettet sich von einer Scholle zur anderen – und schließlich ertrinkt man doch!“) scheinen doch eher abzuschrecken als zu verherrlichen! Desweiteren heißt es in „Rose Clouds of Holocaust“ nicht, daß der Holocaust eine Lüge ist sondern wörtlich „rose clouds are bitter, bitter, bitter lies!“, was ja wohl einen gewaltigen Unterschied ausmacht! Und die Zensur/das Verbot einzelner DIJ-Sachen liegt ja einfach in der Natur des deutschen Staates: Während ein ach so wertvoller deutscher Film mit Arthaus-oder Blockbuster-Tendenzen freizügig mit Symbolik, welche vom Naziregime genutzt wurde, um sich werfen darf, dürfen selbst in harmlosen amerikanischen Superheldencomics keine derartigen Symbole gezeigt werden. Zweierlei Maß! Nur zum Zwecke der Aufarbeitung und dann auch nur aus dem eigenen Land – eigentlich ziemlich widersprüchlich, wenn man bedenkt, daß dies ja gerade im eigenen Land dermaßen verpönt ist…!
    Zum Schluß erwähne ich noch, daß ich mein Heimatland mag, daß ich Werte wie Kameradschaft, Treue und Ehre auch als Linker schätze. Dies sind keine genuin rechten Anschauungen, auch wenn sie von der rechten Szene natürlich gerne thematisiert werden.
    Ich würde mir einfach etwas mehr Toleranz der linken Szene wünschen, die sie selbst sehr gerne für sich propagiert. Und ja: Es gibt auch einige wenige Rechte auf Neofolk-Konzerten. Aber die gibt es auch bei Xavier Naidoo, Helene Fischer und selbst die Toten Hosen dürften regelmäßig bei ihrer Bundeswehr-Schnauzbart-Zuhörerschaft rechte Individuen im Publikum begrüßen!

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