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Gedenken an den Antifaschisten Georg Schwarz im Alfred-Kunze-Sportpark in Leipzig

Zwischen 1949 und 1992 hieß der Alfred-Kunze-Sportpark, Heimstätte der so genannten grün-weißen Fußballfamilie, Georg-Schwarz Sportpark.

 

Der Widerstandskämpfer nutzte das Stadion in Leipzig-Leutzsch während des Nationalsozialismus für Treffen und Absprachen mit seinen GenossInnen.  Nun soll das Gedenken an Georg Schwarz dort wieder einen Platz finden
Nicht nur der Name des Sportparks wurde 1992 geändert, auch eine 1966 angebrachte Gedenktafel, verschwand in den Nachwendejahren. Der Inhaber der Leutzscher Bierstube fand diese zerbrochen im Gebüsch liegend und lagert sie seitdem im Hof seines Lokals.
Die Gruppe Gedenkmarsch wandte sich 2011 mit einem Schreiben an die neue BSG Chemie Leipzig, die den AKS als Unterpächter nutzt, mit der Bitte sich für die Wiederanbringung der Tafel am heutigen Alfred-Kunze-Sportpark stark zu machen.
Im Februar 2013 kam die Sache ins Rollen, sowohl BSG als auch Hauptpächter SG Leipzig-Leutzsch und das Leipziger Kulturamt haben Zustimmung zum Vorhaben signalisiert.

Das linksdrehende Radio sprach mit Richard Gauch, dem Leiter der Gruppe Gedenkmarsch, über die Bedeutung Georg Schwarz‘ und das aktuelle Vorhaben.
Eine besondere Ehre war es uns außerdem Sonja Kurella, die Tochter von Georg Schwarz telefonisch interviewen zu können. Sie äußert sich zur geplanten Neuerrichtung der Tafel und Erinnerungen an ihren Vater.

>>> zum Audio-Interview

 

Auszug aus dem Brief an die BSG, Juli 2011

„Zur Tradition der BSG Chemie  Leipzig gehört auch der Sportpark in Leutzsch. Dieser erhielt im Jahre 1949 den Namen des Antifaschisten und Widerstandskämpfers Georg Schwarz. Der ehemalige Gedenkstein am Eingang des Sportparks wurde am 6. August 1966 – fast auf den Tag genau vor 45 Jahren – enthüllt. Er trug die Inschrift „Dieses Stadion trägt den verpflichtenden Namen Georg Schwarz geb. am 27.03.1896; ermordet am 12. 01.1945. Er war einer der führenden Leipziger Kommunisten und Widerstandskämpfer“. […]

Wir bitten die Mitgliederversammlung der BSG Chemie Leipzig der Tradition folgend den Beschluss zu fassen, diese Gedenktafel im Stadion wieder zu errichten. […]

Angesichts der Zunahme von Aktionen und Gewalt neonazistischer Gruppierungen in  Leipzig und im Umland ist es uns ein Anliegen das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Geschichte wach zu halten, getreu dem Motto, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Dem Sport und hier besonders dem Fußball kommt dabei eine besonders wichtige Rolle zu.
Sport verbindet weite Teile der Bevölkerung. Das wissen auch Neonazis und versuchen in Stadien gezielt Einfluss zu nehmen. Mit unsäglichen Gesängen wie „Wir bauen eine U-Bahn von … nach Auschwitz“ verhöhnen sie die Millionen von Opfern des nationalsozialistischen Vernichtungsregimes. Und ihre Strategie geht auf: vielerorts werden Neonazis im Stadion nicht nur geduldet, sondern als Teil der Fanschaft begriffen.

Mit der Wiederrichtung der Gedenktafel für Georg Schwarz soll ein Zeichen gegen die Normalisierung neonazistischer Ideologien im Stadion und in der gesamten Gesellschaft gesetzt werden, ein Zeichen gegen Geschichtsrevisionismus, Rassismus und Antisemitismus.
Mit der Initiative für einen neuen Gedenkort könnte die BSG Chemie nicht zuletzt jenen Mut machen, die sich klar gegen rechtes Gedankengut einsetzen.

Richard Gauch & Juliane Nagel

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