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Zentrum in der Odermannstraße bleibt zentraler Ort der Naziszene in Leipzig

Versuche im Osten der Stadt Fuß zu fassen sind gescheitert, reger Veranstaltungsbetrieb im NPD-Zentrum in Lindenau

Pressemitteilung, 9.4.2012

Das Nazi-Zentrum in der Odermannstraße 8 bleibt der Rückzugsort der Naziszene in Leipzig.

Nach dem Tod des NPD-Landtagsabgeordneten Winfried Petzold im Dezember 2011, mit dem der Hauptfinanzier des Objektes verloren ging, dem Auszug des Hauptmieters Kulturverein Leipzig-West im Herbst 2011 und aufgrund massiver interner Zerwürfnisse galt die Zukunft des Nazi-Zentrums in Leipzig-Lindenau als ungewiss. Kontinuierliche Proteste und auch Problemanzeigen bei Behörden wegen widerrechtlicher Nutzung der Räumlichkeiten und unsachgemäßer Abwasserableitung machten dem Zentrum und seinen NutzerInnen im vergangenen Jahr zudem das Leben schwer.

Im November 2011 ermittelten antifaschistische Gruppen und der Sächsische Verfassungsschutz eine Abwanderung der „Freien Kräfte“ in den Leipziger Osten. (1) Dort sollen sie Räumlichkeiten in der Wurzner Straße als Treffpunkt genutzt haben. Eine tatsächliche Verstetigung dieses neuen Treffpunktes konnte nicht beobachtet werden. Zudem wurde der Einmietungsversuch von ProtagonistInnen des aus der Odermannstraße herausgeflogenen Nazitarnvereins Kulturverein Leipzig-West in ein Wohnhaus in der Lange Straße 15 im Zentrum-Ost durch Intervention von AntifaschistInnen vereitelt. (2) Zwar kann für den Leipziger Osten eine Zunahme von Lokalitäten festgestellt werden, in denen ein rechtsoffenes Klientel verkehrt oder sich mit Kleidung eindeckt, von Rückzugsorten für organisierte Nazis kann dabei aber nicht die Rede sein.

„Auch wenn die organisierte Naziszene in Leipzig durch finanzielle Rückschläge und interne Querelen geplagt ist, kann keine Entwarnung gegeben werden. In der Odermannstraße fanden in den letzten beiden Monaten mindestens fünf Veranstaltungen statt. (3) Eine sich im Bestandsgebäude des Objektes befindliche Bar, an der Getränke – auch alkoholische – verkauft werden, unterstreicht die Funktion als Veranstaltungsraum und Treffpunkt der Szene.“, so Juliane Nagel, Stadträtin in Leipzig.

Seit März diesen Jahres bieten die fraktionslosen Stadträte mit NPD-Parteibuch nach eigenem Bekunden zweiwöchentliche „Sprechstunden“ in der Odermannstraße an. Zum festen Inventar des Zentrums gehören des weiteren die NPD-Kommunalwahlkandidaten Istvan Repaczki und Tommy Naumann. Naumann, der auch Vorsitzender der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten Sachsen ist, klagt derzeit vor dem Arbeitsgericht gegen seine Kündigung als Mitarbeiter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion.

Als „Hausmeister“ und maßgeblicher Organisator von Veranstaltungen in der Odermannstraße fungiert Nils Larisch, der 2009 ebenfalls auf den Listen der NPD für den Leipziger Stadtrat kandidierte und lange Zeit als zentrales Bindeglied zur Fußball-Fan-Szene galt.

„Der Widerstand gegen das Nazi-Zentrum in der Odermannstraße muss aufrecht erhalten werden. Es bleibt zentraler Ort für Schulung, Organisierung und Nachwuchs-Rekrutierung des hiesigen wie regionalen Nazispektrums. Nichts desto trotz dürfen entsprechende Entwicklungen im gesamten Stadtgebiet – z.B. der Versuch von ProtagonistInnen im Leipziger Osten Fuß zu fassen – nicht aus dem Blick verloren werden. Die organisierte Naziszene bleibt eine akute Gefahr für Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, für ein solidarisches Zusammenleben und die demokratische Kultur.“

Fußnoten:

(1) Antwort der Staatsregierung auf die Kleine Anfrage zu den “Freien Kräften” in Leipzig, Drucksache 5/ 7240
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=7
240&dok_art=Drs&leg_per=5&pos_dok=2, eingesehen am 8.4.2012

(2) Pressemitteilungen des Ladenschluss-Bündnisses:

– Neonazis nutzen Wohnhaus in der Langen Straße in Leipzig als neuen Anlaufpunkt (11.1.2012)
– Antifaschistische Demonstration am 24.3.2012 (14.3.2012)
http://ladenschluss.blogsport.de/im-osten-nichts-neues/presse-2012/
, eingesehen am 8.4.2012

(3) Übersicht der Veranstaltungen (Quellen: AugenzeugInnenberichte, Chronik.LE, eigene Berichte von NPD und „Freien Kräften“ im Internet)

– Am 4. Februar 2012 sprach der „SS-Veteran“ Rolf D. vor einem zahlreich anwesenden Publikum, das sich zum großen Teil aus Nachwuchsnazis speiste.
– Am 18. Februar 2012 wurde zur „Faschingsfeier“ in das Zentrum geladen, trotz Luftballon-Schmuck am Eingang blieben die Führungsfiguren der „Freien Kräfte“/ JN Leipzig unter sich.
– Ende Februar soll nach Darstellung der NPD Leipzig in der Odermannstraße ein „Kommunalpolitischer Tag“ stattgefunden haben.
– Am 10. März war im Nazizentrum ein Liederabend mit Frank Rennicke angesagt. Der Liedermacher kandidierte für die NPD als 2009 und 2010 Bundespräsident und gilt als Schlüsselfigur der bundesweiten Naziszene.
– Auch am 31.3.2012 lud das Nazizentrum zu einem „Zeitzeugenvortrag“ mit anschließendem Musikprogramm ein.

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