Gentrification(-Debatte) in Leipzig

Posted on | Februar 4, 2012 | 3 Comments

Unter dem Motto “Disneyland des Unperfekten” lud das Conne Island am 31.1.2012 zur Diskussion zu Prozessen der Stadtentwicklung und Verdrängung. Geladen waren der Stadtsoziologe Andrej Holm und die Geographin Romy Zischner, die aus wissenschaftlicher und politischer Perspektive zu Gentrification referierten.

Seit mehreren Wochen schwelt im Leipziger Süden die Debatte um städtebauliche Aufwertung, Verdrängung von BewohnerInnen und die Sinnhaftigkeit des Protestes dagegen. Farb- und Teerbomben und eine Demonstration gegen das Sanierungsprojekt in der Wolfgang-Heinze-Straße/ Mathildenstraße erhitzten die Gemüter der StadtteilbewohnerInnen jeglicher Couleur. Das frisch sanierte Conne Island selbst war Zielobjekt von Farbbombenwürfen geworden und hatte trotzig reagiert.
Ein Raum für Diskussion war also lange überfällig, was sich auch in der äußert großen BesucherInnenzahl der Veranstaltung am 31.1.2012 zeigte.
Gemeinsam mit dem “alternativen Hausmakler” Roman reflektierte das linksdrehende radio in seiner Sendung am 3.2. die Veranstaltung im Conne Island.
Sind die erhofften Antworten gegeben worden? Ist Gentrification für Connewitz und ganz Leipzig tatsächlich ein Thema? Läßt sich der kapitalistisch motivierten Aufwertung und Verdrängung etwas entgegensetzen?

>>> Gespräch anhören

Links:

- Leipzig: Die Gentrifcation-Debatte erreicht Connewitz (Andrej Holm, 31.1.2012)
- Ankündigung zur Veranstaltung im Conne Island
- Bewegung in Leipzig-Connewitz (jule.linxxnet.de, Oktober 2011)
- On the streets… …saving the scene from the forces of evil (Conne Island-Plenum, November 2011)
- Wir gratulieren zu 20 Jahren Inselkoller, Statement des Freundeskreises Dr. Georg Sacke zur Positionierung des Conne Island Plenum (Cee Ieh, Dezember 2011)
- Dorfgemeinschaft Connewitz. Vom Geist der Urbanität und der Ungeistigkeit eines Flugblattes, das das Fürchten lehrt (Cee Ieh, Dezember 2011)

weiteres:
Sechs Punkte von Dr. Matthias Bernt um die Verdrängung durch Gentrifizierung zu stoppen (Freie Radios, September 2011)
- Steigende Mieten in Leipzig: Linke beantragen Neuberechnung der Kosten der Unterkunft (Leipziger Internetzeitung, 28.1.2012)
- deinkiez.de, ein Projekt der Interessengemeinschaft Windmühlenstraße

Comments

3 Responses to “Gentrification(-Debatte) in Leipzig”

  1. Gentrification-Debatte in Leipzig
    Februar 5th, 2012 @ 18:23
  2.  by Wir bleiben hier!
    Februar 15th, 2012 @ 21:33

    [...] Anfang sollen hier der Artikel von Andrej Holm und Juliane Nagel dokumentiert [...]

  3. Hausbesetzung in Leipzig – Wichtige und legitime Form der politischen Intervention : Juliane Nagel
    April 22nd, 2012 @ 22:46

    [...] Im Jahr 2011 hatte in Leipzig eine Debatte um Gentrifizierung begonnen. Seitdem fanden zahlreiche Veranstaltungen und wenige Aktionen zum Thema der (sozialen und kulturellen) Aufwertung von Stadtteilen und der damit einhergehenden Verdrängung von Menschen, die ärmer sind oder einen anderen Lebensstil pflegen,  statt. Studien, wie der jüngst erschienende “City Report Region Leipzig” bescheinigen der Stadt ein wachsendes Mieten-Niveau. Betroffen sind insbesondere innenstadtnahe Quartiere, in denen Mieten schon mal bis zu 10 Euro/ qm Nettokaltemiete klettern, aber auch Ortsteile im Westen, wie Schleußig und Plagwitz. Die Kehrseite der Aufwertung sind stagnierende und wachsende Armutsverhältnisse. Leipzig gilt als Armutshauptstadt der BRD. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften bewegt sich wie die der prekär Beschäftigten auf hohem Niveau. Privatisierungen von kommunalem Wohnraum führen beispielsweise in der Windmühlenstraße zur immensen Erhöhung der Mieten bis zu 122 %  (konkret von unter 3 Euro auf über 6 Euro). Folge werden der zwangsweise Umzug von MieterInnen und die soziale Entmischung des Wohnblockes sein. Ein Einzelfall, der sich vervielfältigen kann. Insbesondere Plagwitz, wo die samstägliche Hausbesetzung stattfand, scheint ein Paradebeispiel für Gentrifizierung zu sein. Hier ist ein Kulminationspunkt der so genannten Kreativwirtschaft, die unweigerlich das Interesse von Menschen mit höherem Einkommen und Sozialkapital sowie InvestorInnen nach sich zieht. Doch liegt es in der Natur der Sache, dass Menschen mit kleinerem Geldbeutel und anderen Lebensentwürfen ihre Lebensumfelder perspektivisch verlassen müssen? Nein. Das meinen auch die BesetzerInnen und haben mit ihrer Aktion auf jeden Fall eine Menge Aufsehen erregt, das sich medial leider viel zu sehr an vermeintlicher Gewalt festgemacht hat. Ich zolle den Leuten, die die Aktion durchgezogen haben, und denen die sie solidarisch unterstützt haben, größten Respekt. Politische Aktionen sind eine notwendige Ergänzung zu Diskussionen über Stadtentwicklung, Freiräume und soziale Belange. [...]

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