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Silvester am Kreuz

Wie ernst die kleine Demo mit dem Motto „Yuppies gegen Bullenterror“, die am Neujahrsmorgen gegen 0.45 Uhr aufs Connewitzer Kreuz zusteuerte, gemeint war, soll derdem Betrachter/in selbst überlassen werden. Als Intervention in den von Böller-Staub umwehten öffentlichen Raum zog sie einige Aufmerksamkeit auf sich, natürlich auch die der Staatsmacht, die sich Jahr für Jahr nicht lumpen lässt, am Kreuz massiv Präsenz zu zeigen.

Wie in jedem Jahr wurde bereits mehrere Tage vor dem Jahreswechsel eine Angstszenerie erzeugt. Mit Straßensperrungen, Entglasung der Straßenbahnhäuschen oder der üblichen Allgemeinverfügung der Stadt, mit der der Alkoholverkauf auf die Straße im Umkreis des Connewitzer Kreuzes untersagt wurde, sollte wiederum unmissverständlich klar gemacht werden, dass Silvester am Connewitzer Kreuz ein Politikum bleibt.

Am Abend selbst kreiste ein Hubschrauber über dem Kiez, Polizeiwagen säumten in Größenordnungen die Nebenstraßen und Polizei-Teams liefen Streife durch die auffallend leeren Straßen.
500 Menschen und damit weniger als in den Vorjahren kamen um Mitternacht am zentralen Platz des Viertels zusammen und taten das, was Menschen stadt- wenn nicht gar weltweit tun: anstoßen, böllern und rumstehen.
Die „Yuppies gegen Bullenterror“ erfrischten diese Szenerie, genau wie eine weitere Demonstration, auf deren Fronttransparent „Linksradikal ins Neue Jahr“ zu lesen war. Beide Aktionen lösten sich kurze Zeit später auf.

Es hätten also alles schön sein können, doch wenig später eskalierte die Situation in der Wolfgang-Heinze-Straße. Als Reaktion auf brennende Mülltonnen und Böller, griff die Polizei wahllos Menschen an, nahm 11 in Gewahrsam und war beim Einsatz von Pfefferspray und Tränengas nicht sparsam.

„The same procedure as every year“ lässt sich ans Ende der diesjährigen Silvester-Betrachtung setzen. Unbeachtet werden in der medialen Wahrnehmung wiederum die zahlreichen Menschen bleiben, die Polizeigewalt erfahren haben, wie auch die Grundfrage wie ein Problem durch die Stilisierung durch Medien, Politik und Polizei erst zum Problem gemacht wird.

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